35.25 Sich zu dem machen, was man ist: ein Universum
BETENDER RUF
Ständig ankommend... mit der Entwicklung der Erinnerungen, so verläuft der Weg des Unendlichen. Und auf diesem Weg befindet sich das Leben, ankommend, ankommend, sich erinnernd und wieder ankommend.
Es scheint eine Wiederholung zu sein; es scheint eine Reise in einer geraden Linie zu sein; es scheint eine kreisförmige Reise zu sein, die zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Aber das sind nur „Scheinbilder”.
Es ist ein Verstreichen ohne Geraden noch Kurven. Es ist eine immanente Beständigkeit, die das Leben zeigt.
Und jede Ankunft wird zum Höhepunkt. Es gibt weder Anfang noch Ende...
Oder, wenn man es bevorzugt, sind der Anfang und das Ende miteinander verflochten, wobei keiner von beiden überwiegt.
(3 Minuten Stille)
Der Betende Ruf fordert uns bei jeder Ankunft und bei jedem Abschied auf, uns – dank der Erinnerung – ein Bild von dem zu machen, was geschehen ist.
Ein Loslassen des Überflüssigen.
Ein Einbeziehen der Tugenden... für dieses unendliche Weitermachen, welches aus dem Dasein ein befreiendes Erwachen macht.
Diese Erinnerung ist da, um die Details und die Weitläufigkeit des Geschehens festzuhalten.
Damit bei jeder Ankunft und jedem Aufbruch das Gepäck leichter wird, das Wesen zunehmend transparenter wird... und die schweren Lasten der Enttäuschung, der Hoffnungslosigkeit, der Klage, des Scheiterns hinter sich lässt und sich den vielfältigen Idealen zuwendet, die den Horizont benetzen.
Und diese Erinnerung ermöglicht es, dass die Verschmelzung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu einem unendlichen Fluss wird... und wir uns von der schweren Last des Urteils befreit sehen.
„Und wir uns von der schweren Last des Urteils befreit sehen.“
Erwachen inmitten der Sternenansammlung, den statischen Besitz hinter sich lassend, die starre Besessenheit.
Zu dem werden, was man ist: ein schöpferisches Universum.
Und dabei, ausgehend von den Formen, die Taten ‚kreativieren... bis zum dem Punkt, dass die Dualitäten verschwinden.
Wenn man geht, wandert, gibt es keine Dualität zwischen einem Schritt und dem anderen. Ein Schritt impliziert gleichzeitig eine Bewegung des anderen.
(3 Minuten Stille)
Ohne die Aufmerksamkeit auf unsere Universalität, erscheint uns die Realität als eine lenkbare, manipulierbare, veränderbare Fata Morgana... Heute wahr, morgen falsch.
In Wirklichkeit ist die Realität ein durch die Eitelkeit, den Hochmut und die Macht erschaffenes Trugbild..., welches das Universelle eingrenzt, es lokal macht und unsere Verbindungen mit der Schöpfung trennt.
(2 Minuten Stille)
Ach! Und wenn die Böe der Liebe kommt, um uns verliebt zu machen, versuchen wir sie festzuhalten.
Und sie geht weiter, und das Wesen bleibt zurück... „`quierendo“[1].
Aber wenn wir wach sind, wenn der leuchtende Seufzer des Geliebten kommt, folgen wir dessen Schweif, wir hören auf, ihn zu tabellieren, zu analysieren, zu rationalisieren...
Und seine Kraft trägt uns und hält uns aufrecht und unterhält uns... wir folgen ihm.
Und als Wanderer des Lebens kommen die Anforderungen, basierend auf unseren Diensten.
Und wenn wir damit eins werden, wird das fordernde Bedürfnis, das dringende Bedürfnis, befreit.
Ein Gesuch hat seinen genau richtigen Dienst... sie löst Dualität auf.
Es geht nichts verloren noch wird etwas gewonnen. Man entdeckt.
Und beim Entdecken öffnen sich die Schleier zu neuen Hohlräumen der Leere, damit sie zu Neuheiten gedeihen, die niemals ausgehen.
Dahinter – ohne, dass es eine Möglichkeit ist, sondern als Evidenz – hinter jedem Geschehen steht der permanente Fluss des Schöpfer Mysteriums.
Es ist ein „Dahinter”, das vor uns, rechts, links, oben, unten ist... und das offensichtlich wird, wenn wir aufhören zu behaupten, dass „ich so bin”, dass „ich auf diese oder jene Weise bin”..., wenn wir behaupten, uns selbst zu kennen und zu wissen.
Die optimistischsten Astronomen, Gelehrten und Experten schämen sich, wenn sie zugeben, dass wir nur – die meisten von uns, nicht wahr(?) – nur 5 % des Universums kennen, in dem wir leben.
Die Weisen senken den Prozentsatz... und belassen ihn bei 1 %.
Die Seher... trauen sich nicht, das zu sagen, was man kennt, sie fühlen es nicht. Sie erklären sich für zutiefst unwissend.
Und das hindert sie nicht daran, zu gestalten, zu organisieren, zu konstruieren...
Aber vielleicht – vielleicht – wenn dieser Transit des sogenannten „Todes” kommt, wird es offensichtlich, dass alles, was projiziert, verwirklicht und ausgeübt wurde… verliert, an Wert verliert, verschwindet.
In Wirklichkeit war es nie da.
Und so tritt der Betende in ein Bewusstsein ein, welches das Bewusstsein des Schöpfer Mysteriums ist... und hört auf, sich anzuhaften. Und er wird zum Diener der Anforderungen der Schöpfung.
Wenn wir aufhören, Protagonisten zu sein, und zu Ankunft, Kontinuität, Übergang und unendlichen Wegen werden, sehen wir, dass sich unser Alltag unter einem Mysterium befindet.
Und wenn wir der Versuchung widerstehen, zu entdecken, zu wissen, welches Mysterium... welches Mysterium uns umgibt, dann fühlen wir uns selbst als Mysterium.
Und wir leben es mit dem Vertrauen, das uns die Schöpfung schenkt.
Und so werden wir zu Gläubigen dieses Verstreichens. Wir werden nicht zu Gegnern.
Wir führen keine Erfolge oder Misserfolge ins Feld...
Wir werden zu Umhüllenden.
Ja. Wir machen das Leben zu einem umfassenden Ereignis, zum Ausdruck des Schöpfer Mysteriums.
Wir machen aus der Ankunft eine fruchtbare Leere, die sich vom Unnötigen entledigt und sich dem Wesentlichen zuwendet, nämlich dem, uns in dem Universellen zu fühlen.
Das, was uns „in das Ebenbild” des Schöpfer Mysteriums platziert.
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[1] ‚Querer‘ kann unterschiedlich übersetzt werden: Wollen, lieben, mögen. Dieses ‚querer‘ will in der Liebe und ist nicht die Liebe, von der vorher gesprochen wird.