31.25 Die Natur des Wesens ist, sich außerhalb von sich selbst zu beziehen

 

 BETENDER RUF

 

Die Menschheit verstreicht mit Zahlen und Statistiken des Terrors in allen Bereichen, in denen das Soziale, Kulturelle, Seelische, Spirituelle... betroffen sind, gemäß Referenzmustern, die zwingend erforderlich sind, um zu erklären, dass man in einer Zone des Terrors mit unterschiedlichen Ausprägungen verstreicht, je nach Ort, Herkunft, Genom, Region...

 Und während sich immer mehr Daten zuspitzen, herrscht eine Stille… – ein beunruhigendes Schweigen – über das, worüber nichts vorhanden ist, über das, wozu es keine Daten gibt.

Welchen Prozentsatz an Mitgefühl hat die Spezies? Welchen Prozentsatz an Güte wird gezeigt? Wo? Welcher Prozentsatz an Empathie wird ausgeübt? Welche solidarischen Erfolge werden erzielt?

 Ja, ab und zu erscheint eine Meldung, aber die Übermacht des Terrors ist erdrückend. Und noch signifikanter ist es, dass wir eine Zeit durchleben, in der es keine Anzeichen dafür gibt, dass wir in der Lage sind, diesen Krieg auf unserem Planeten, diesen Krieg der Spezies, diesen wachsenden Terror einzudämmen. Es scheint sogar, dass diejenigen, die dazu in der Lage sind, ihn befehligen, ausüben und verbreiten, um eine absolute Vorherrschaft zu erlangen.

Und obwohl die normalen Bezugspunkte bestehen bleiben, wird die Propaganda nach und nach immer größer, und zum „Normalen” werden bestimmte Aspekte hinzugefügt, die zu einer anderen Zeit, unter anderen Bezugspunkten, als negativ angesehen wurden.

Und es wird zur Norm, zu lügen, zu verheimlichen, Vorurteile zu haben, zu täuschen, zu schweigen...

Und wenn jeder Mensch ein Wesen ist, das sich an einer Reihe von Normen, Werten oder Gewohnheiten orientiert – oder wie auch immer man es nennen mag –, verschwindet dies nach und nach, und das Bezugsmuster wird im Individuum selbst verankert: Es wird allmählich zur Macht, zum Ruhm, zur Strafe, zur Belohnung...

 

Die Natur des Wesens, so sagt uns der „Betende Ruf” besteht darin, sich auf etwas außerhalb seiner selbst zu beziehen, damit es so Bezugsmuster haben kann, die seine eigenen Entdeckungen anregen und neue Perspektiven entwickeln.

Das Gleichnis ist wie ein Zug: Wenn der Zug die richtigen Gleise hat, fährt er seine Strecke und kommt von einem Ort zum anderen. Wenn es keine Gleise gibt, entgleist der Zug. Er kommt weder an noch fährt er ab. Er bleibt stehen. Wenn die Gleise – als Bezugsmuster – in Ordnung sind, öffnen sich neue; neue Gleise, die uns an andere Orte bringen.

Wenn der Verkehr keine Bezugspunkte hat, gibt es keinen Verkehr.

Wenn sich das Wesen in seiner Position festsetzt, dient es anderen nicht als Referenz. Und seine Muster bleiben statisch, starr und kämpferisch.

 

Die schrittweise Einführung wirtschaftlicher Abhängigkeiten, die systematische Suche Verpflichtungen zu umgehen, an Realisierungen teil zu haben, führt die menschliche Gemeinschaft zu einer persönlichen Egozentrik, zu diesem Individualismus, den die kulturelle und soziale Kritik selbst bereits fordert... bis zu dem Punkt, dass Aktivitäten, Kurse und soziale Bildungsangebote geschaffen werden, um das Leben in Einsamkeit und den Umgang mit Einsamkeit zu lehren, die von den Regierungen selbst gefördert werden. Oder Expertengruppen von Polizisten, um denen zu helfen, die selbstzerstörerische oder suizidale Gedanken haben. Polizisten!

 

Umfragen und Expertenstudien zufolge bezeichnen sich 55 % der Bevölkerung an diesem Ort, in diesem Land, als bisexuell. Und den Äußerungen nach zu urteilen, scheint es eine neue Errungenschaft zu sein – und so wird es auch ausgedrückt, nämlich als „Stolz“ –, eine Unbestimmtheit in Bezug auf Geschlecht, Gefühle, Empfindungen, Anziehung zu erreichen...

Selbstverständlich ist das keine Kritik, sondern lediglich eine Beschreibung.

 

Wenn der Sensible Spirituelle Odem seine Identität verliert – eine Identität, die durch die Schöpfung als geschlechtliche Spezies erzeugt wurde –, verändern sich natürlich auch radikal die Muster des Denkens, Fühlens, des berührt Seins, der Anziehung... bis zu dem Punkt, dass eine Zersplitterung in endlose Gruppen entsteht, in Variablen, die ebenso schnell in einer Dimension oszillieren wie in einer anderen.

Und es stellte sich heraus, und gemäß der Tradition stellte sich heraus, dass sich das Wesen durch den Sensiblen Spirituellen Odem mit der Verbindung der Liebe, die Unsterblichkeit übte.

Diese Muster oder dieses Muster bleibt nun als... nicht gerade als Kuriosität, aber doch als etwas „Variables”.  Aber keinesfalls als Ausübung des Lebens hin zur Unsterblichkeit. Nein. Auf diesem Weg gibt es das nicht mehr, außer in Beispielen, bei einzelnen Personen, kleinen Gruppen...

Wenn eine Spezies sich in ihrer strukturellen Genealogie „ent-identifiziert”, verliert sie ihre Einzigartigkeit, ihre Einmaligkeit, ihre ungewöhnliche Präsenz. Und wenn man sagt, sie „verliert”, ist gemeint, dass sie nicht genau weiß, wo sie sich befindet; sie orientiert sich weder in Zeit und Raum, sondern sie etabliert sich in Errungenschaften, Konkurrenzen, Gewinnen, Annehmlichkeiten...

 

Wenn man sich dieser Situation bewusstwird – betont der „Betende Ruf” – ermöglicht uns das, Bezugspunkte mit der Schöpfung herzustellen; es ermöglicht uns, uns auf die Wege der Befreiung zu begeben.

 

Und mittlerweile ist es alltäglich, in Gesprächen – von Ausnahmen abgesehen, klar, die immer weniger werden – das Dramatische, das Schreckliche, die Lüge, den Irrtum, das Urteil, die Verurteilung hervorzuheben. Das ist das Thema.

Man wird eine kleine Anstrengung machen müssen, um Themen wieder aufzugreifen, in denen man zumindest einen Verlauf, eine Möglichkeit, einen vorbildlichen Plan erahnen kann – zumindest erahnen – in dem Ideen der Güte  geschmiedet werden, in dem diese Erwartung, dieses Warten-Hoffnung (span.: ‚espera-esperanza‘) als reale Möglichkeit sichtbar wird, die man nah visualisiert, die nicht nur so  dort  in der Spekulation verbleibt, die letztendlich ein Wunder fordert, und „ich mich so von der Hoffnung abwende”.

Die Hoffnung erfordert eine Anstrengung, eine Überzeugung, einen Glauben, eine

Ausübung, eine Hingabe.

 

Das Wunder ist die Vortrefflichkeit, die jederzeit eintreten kann.

Und es hängt nicht von unseren Anstrengungen und unserem Engagement ab. Es ist dieses Detail des Schöpfer Mysteriums, das viel häufiger vorkommt, als es scheint, aber gewöhnlich beansprucht das Wesen in seinem Individualismus und seiner Analyse das Recht – das Urheberrecht für etwas, das offensichtlich ein Wunder ist – für sich. Das kleine Problem dieser Schlussfolgerung ist, dass das „nicht immer funktioniert”.

Aber zweifellos ist es ein Denken und eine Ausarbeitung, die dem Glauben an Wunder widerspricht; denn aufgrund des Wissens wird das, was früher „Wunder” genannt wurde, heute „Wissen” genannt.

Und „Wissen”(span.: ‚conoci-miento‘)ist gut, wenn es relativiert wird, damit es nicht zu Sklaverei wird.

 

(2:30 min Stille)

 

Es ist erforderlich (span.: ‚se hace preciso‘) – mit Präzision –, die Tugenden wiederzuentdecken. Und dabei muss der Mensch seine untadeligen Handlungen, seine präzisen Positionen und seine engagierte Haltung hervorheben.

Eine Entwicklung dieses Glaubens... der uns dazu bringt, unser tägliches Leben kreativer zu gestalten.

 

(2 Minuten Stille)

 

Die Pflege der Stille, um das Horchen auszuüben, ist aus zwei möglichen „Gründen” – das Wort „Grund” in Anführungszeichen – von entscheidender Bedeutung: erstens, weil in der Stille das göttliche Wort liegt; zweitens, weil mit der Stille das gehorsame Horchen auftaucht.  Jenes, das sich zum Echo dessen macht, was gehört wurde, um so entsprechend der Konsonanz gemäß Notwendigkeiten erwidern zu können.

 

 

Die „Lieben”, die so sehr von „Zuneigungen” (span.: ‚querencias‘) hin- und hergerissen werden, werden ebenso zerrissen; sie werden hilflos. Das Wollen (span.: ‚querencia‘) eignet sich die Liebe an und versklavt sie. Und diese verflüchtigt sich, da man sie nicht greifen, haben, besitzen kann. An ihrer Stelle bleibt das Wollen (span.: ‚querencia‘) zurück, das ausnutzt, gebraucht, ermüdet... „Benutzen und wegwerfen”.

 

Und so sind die Gefühle zutiefst erschüttert, abhängig von Vorteilen, von Ergebnissen.

 

(4:30 min Stille)

 

In der heutigen Zeit ist es notwendig, dass wir uns gegenseitig beraten, Vorschläge machen und aufeinander achten.

Es ist ein Mechanismus der Allianz, eine Möglichkeit, die unserer Natur innewohnt.

Und insofern gibt es keine Hilflosigkeit, im Gegenteil: Es gibt Schutz, Geborgenheit...

 

Wir sind eine solidarische Spezies, in der jedes Element in einer endlosen Kette von Dienstleistungen auf andere angewiesen ist. Und all dies wird durch diese persönliche Selbstdarstellung, diese Vorherrschaft individueller Pläne... exklusiver Motive ... usurpiert.

Dadurch wird das Teilen nicht nur schwierig, sondern exklusiv – ausgrenzend. Es ist ausgeschlossen.

Und obwohl es unglaublich erscheint, wird dieser beharrliche Individualismus nicht wahrgenommen, besser gesagt nicht erkannt wird, dass nämlich seine (die des jeweiligen Menschen) Position gestützt wird, dass sie notwendig ist. Er bedient sich ausschließlich der Werte, die ihm nützen. Also ist er nicht individuell.

In diesem Sinne könnte man sagen, dass wir alle ‚Mondsüchtige‘ sind. Er (der Mensch) ist kein Satellit, der sein eigenes Licht hat. Wir werden von der Schöpfung erleuchtet. Dann ist unser persönliches, individuelles und exklusives Projekt in Wirklichkeit nicht realisierbar.

Aber die Ersetzung durch Wissen (span.: ‚conoci-miento‘) und Kenntnis vergöttert den Menschen und macht ihn zum Protagonisten. Und die minimale Demut, anzuerkennen, dass das, was man ist, das Produkt von allem ist, was es gibt – von dem, was man sieht und nicht sieht –, ist schwer zu akzeptieren.

 

Der radikale „Ichismus“ (span.: ‚yoísmo‘)  schließt die solidarische Präsenz aus, und (das Wesen) bemerkt nicht, dass es ohne diese offensichtliche und nicht offensichtliche solidarische Präsenz diese unverschämte Bonität nicht geben könnte.

 

(2 Minuten Stille)

 

Das Gefühl der Dringlichkeit scheint uns zu einer Positionierung aufzufordern, damit unser Weg klarer und unsere Präsenz würdig wird.

 

 

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