28.26 Wir sind göttliche Essenz, aber keine Götter
BETENDER RUF
Und mit schwindelerregender Geschwindigkeit, fast ohne Rhythmus, dringt die Berechnung von Produktivität, Einkommen, Gewinn, Ertrag, Ausbeute … in das Bewusstsein des kreativen, andersartigen, variablen, fantasievollen, einzigartigen, alltäglichen Schaffens ein.
Die Algorithmen tanzen voller Herrlichkeit und Macht … und alles scheint bis ins Detail kalkuliert zu sein.
Und tatsächlich gibt es eine „fast zwingende“ Einhaltung der Norm, des Gesetzes, der Sitte, des Trends …
Die Unvorhersehbarkeit, die Überraschung werden zunehmend zu rein persönlichen Angelegenheiten. Und selbst diese unterwerfen sich der Berechnung, dem Einkommen, dem Gewinn und dem Ertrag, den dies oder jenes mit sich bringt.
Die Gesellschaften werden immer gewinnorientierter, Gemeinschaften immer rentenorientierter. Und das nicht mehr nur aus der Perspektive der Ordnung und der Rendite, sondern auch aus der Perspektive der persönlichen Einstellung.
Die Macht erzwingt Starrheit und Normen, die strikt einzuhalten sind.
Und die Individuen in den Gemeinschaften nehmen dies auf und passen es ihrem Handeln an. Und sie verlieren den Bezug zu ihrer Schöpfung, zu ihrem Universum, zu ihrem Planeten.
Sie bleiben im Ertragsdenken des Augenblicks verhaftet.
Wenn es dienstags Linsen gibt, darf es – auf keinen Fall! – Salat geben. Nein. Denn dienstags stehen nun einmal Linsen auf dem Speiseplan.
Und wir haben Tausende von Tausenden von Tausenden von Hunderten von Milliarden von Jahren voller Strukturen, Evolution, Mutationen, Veränderungen von Farben, Gerüchen, Geschmäckern durchlaufen … um am Ende zu sagen, dass es unumstößlich ist, dass dienstags Linsen gegessen werden.
Nein! Nein, nein, nein, nein, nein. Das geht nicht … das kann nicht sein.
Denn das ist kein Rückschritt, nein, nein, nein. Es ist kein Rückschritt. Es ist eine Rückentwicklung und ein Verlust an Emotionen, an Überraschung …
Zweifellos ist Organisation notwendig. Klar! Ja. Aber wenn die Organisation unterdrückt, zwingt, auferlegt und unnachgiebig wird, hört sie auf, eine Organisation zu sein. Die Organisation, die Bildung eines Organs, die Schaffung einer Struktur von Aktivitäten – all das muss, um sich gut zu entwickeln, flexibel sein.
Da die Organisation sagt, man müsse um 4 Uhr im Park sein, selbst wenn zu genau dieser Zeit in der Wohnung ein Brand ausbricht – nein, das ergibt keinen Sinn, „wenn man nun mal um 4 Uhr im Park sein muss“.
Das geht so weit.
Und das Bedeutendste daran ist, dass diese Extreme „mental“ werden und der Geist erstarrt, starr bleibt. Er weiß nicht, wie er auf eine Variable reagieren soll. Wenn er nicht auf eine Variable reagieren kann, wird er natürlich erst recht keine Genialität erkennen.
Das ist nicht das, was uns das Schöpfer Mysterium täglich einflößt: starre Strukturen der Ordnung, der Produktion, des Einkommens, des Gewinns zu sein. Vielmehr treibt es uns dazu an, uns in der Kreativität, in der Variabilität, in den minimal notwendigen Veränderungen weiterzuentwickeln.
Auf dass das ein Anlass für ein ständiges Streben nach Suche, Entdeckung und Abwechslung sei.
Die Religionen, verbündet mit den Organisationen der Produktion und des Einkommens, haben nach und nach Formen, Normen, Riten und Feste etabliert, um uns die Vorstellung eines geordneten, korrekten Gottes zu vermitteln – mit Geboten, Vorschriften, Normen und Gesetzen, denen eine Vielzahl von Rechtsgelehrten in verschiedenen Glaubensrichtungen folgt.
Das sind wir nicht.
Wir bilden eine Schöpfung mit unbegrenzten Perspektiven, evolutionären Merkmalen und innovativen Sinnen.
Und unter diesen Gesichtspunkten scheint es so, als gäbe es zwei – wieder die Dualität – zwei Optionen: Entweder folgt man der Strenge der Vernunft, dem Stärksten, dem Wichtigsten, dem Mächtigsten, dem, der am lautesten schreit, dem, der sich am meisten aufdrängt … oder man folgt der Inspiration, der kreativen Organisation, der Förderung von Innovationen. Letztendlich bedeutet das, nach dem Grundsatz zu leben: „Ich atme nicht aus eigener Kraft. Ich lebe nicht aus eigener Kraft! Ein Mysterium wirkt – das ich nur so bezeichnen kann: ein Mysterium.“
Und es bedarf keiner Beweise dafür, dass dies so ist. In welcher Dimension wir uns auch immer befinden, es ist offensichtlich, dass wir von einer Schöpferkraft „getragen“ werden. Unter „Kraft“ ist hier jener Odem, jener Hauch, jenes Mysterium zu verstehen … Und wie wir sehen, hat sie uns in einer unglaublichen Vielfalt geformt(!); einer vollkommen schöpferischen Vielfalt!
So kreativ, dass jedes Individuum jeder Spezies einzigartig und anders ist.
Ist das etwa ein Zeichen von Ordnung, Starrheit, Befehl? Oder ist es vielmehr ein Zeichen des Austauschs, der Absprache, des Einvernehmens, des Verhandelns, des Spielens...? Denn diese Unterschiede führen uns zu dieser unvorhersehbaren kreativen, künstlerischen Haltung.
Und jedes Wesen sollte … – jedes betende Wesen – sollte – da es gezwungen ist, sich zu programmieren – sollte in seine Programmierung, in seinen Algorithmus, in seine Starrheit die Möglichkeit einbeziehen, sich dem zu entziehen. Darunter ist zu verstehen, andere, unterschiedliche Wege zu fördern. Denn außerdem durchlaufen wir gerade diesen Prozess der Sicherheit, der Norm, der Starrheit, der Ordnung … der zudem als „Sicherheits- und Komfortzone“ bezeichnet wird.
„Wohlbefinden und Komfort“: der Slogan diktatorischer Demokratien; ja, Wohlbefinden und Komfort, aber auf starre Weise.
Und der Mensch gibt schließlich nach, weil andere ihn immer wieder in diese Richtung drängen.
Und er bastelt sich – man darf das Wort „basteln“, „zusammenbasteln“ hier ruhig verwenden – seinen Raum des Wohlbefindens und des Komforts zusammen. Und natürlich ist es dort sehr schwierig, dass eine neue Emotion, eine andere Vorstellungskraft entsteht; obwohl in der unvorhersehbaren Abhängigkeit vom Schöpfer Mysterium alles möglich ist.
Was jedoch das Erleben und Entdecken der betenden Übermittlung betrifft, so müssen wir auf unsere innere Haltung achten, in einer Vorstellungskraft nach dem Bild und Gleichnis des Schöpfer Mysteriums. „In einer Vorstellungskraft nach dem Bild und Gleichnis des Schöpfer Mysteriums.“
Und wegen all des Geschaffenen und wegen der Vielfalt und Unvorhersehbarkeit der Ereignisse fühle ich mich damit verbunden und übe mich darin. Folglich darf ich nicht in eine selbstgefällige, strenge, statische und entschieden persönliche Orthodoxie verfallen.
Denn ja: In dieser von der Gesellschaft vorgegebenen Struktur, im aktuellen Geschehen, wird jedes Wesen so sehr zum Individuum, dass die große Chance, universell zu sein, verloren geht. Und auch wenn man ihm millionenfach wiederholt, dass er ein Mikrokosmos ist, klammert er sich an seine Maßstäbe und Standpunkte. Er vereinnahmt die Möglichkeiten des Unvorhergesehenen und führt – in jeder Hinsicht – rentenorientierte Normen ein, die Gewinn und Ertrag bringen: den unmittelbarsten, den fernsten und den spekulativsten.
Ja. So gelangt man zu dem, was die alten Philosophen sagten: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ Voilà!
Und natürlich misst und bewertet jeder „die Dinge“ nach seinem eigenen Maßstab. Und da kommt keine Schöpfung, kein Universum ins Spiel, nein!
Wie eine andere Persönlichkeit sagte: „Wenn sich die Natur widersetzt, werden wir gegen sie kämpfen und sie dazu bringen, uns zu gehorchen.“
Der zügellosen Eitelkeit sind keine Grenzen gesetzt, denn sie lässt sich göttlich fühlen, sie lässt sich mächtig fühlen.
Zweifellos ist all dies ein Produkt unserer Natur, die ein Schöpfer Mysterium ist; wir sind aus dieser Essenz geschaffen.
Aber das Sein aus dieser Essenz berechtigt uns nicht dazu, zu beherrschen, zu kontrollieren, zu lenken, zu manipulieren. Und wenn wir es tun, dann deshalb, weil wir von der Annahme ausgehen, dass der sogenannte „Gott“ uns lenkt, uns manipuliert, mit uns spekuliert, uns belohnt, uns bestraft. Und unter dieser Vorstellung: „nach dem Bild und Gleichnis von“, handelt das Wesen.
(8 Minuten Stille)
Und diese Befähigung als Mysterium, die seit der frühesten Kindheit Worte, Handlungen, Entdeckungen, Freuden, Traurigkeit hervorbrachte …; die sich in der Kindheit im Spiel schwankend entfaltete; die sich dann in der Pubertät in Überraschung verwandelte; die das Erwachsenenalter in Ernst verwandelte und die uns – unsere eigene Spezies – in der Reife in einen starren Gehorsam treibt, um dann das Langlebige zu vernachlässigen und damit sich dort ein Ende vollzieht …; dieses Panorama, das schwer wiegt und das Wesen dazu bringt, zu planen und zu strukturieren, muss vom Betenden zumindest neu überdacht werden.
Und wenn wir Einheit in der Schöpfung sind, gibt es keine Phasen der Addition, sondern eine „Einheit der Neuschöpfung“ mit all den Elementen, die eine zeitunabhängige schöpferische Darstellung mit sich bringt, … und die der Gesamtheit der Möglichkeiten unterliegt, von denen zwar die einen oder anderen zu unterschiedlichen Zeitpunkten überwiegen, die aber alle vorhanden sind.
Und da sie alle vorhanden sind, ganz gleich, wie unser festgelegtes Lebensalter aussieht, reagieren wir mit allen Phasen: von der frühen Kindheit bis zur unbegrenzten Langlebigkeit.
Wir sind eine „potentogene“[1] Einheit, die sich gemäß der kreativen Notwendigkeit unserer Vorstellungskraft, unserer Essenz Schöpfer Mysterium, ausdrückt.
Und auch wenn man zunächst – mit den heutigen rationalen Gedanken – sagen könnte, dass uns das ins Chaos führen würde, denken wir doch einfach daran:
Wo befinden wir uns …? Befinden wir uns nicht gerade im Schoß eines Universums, das ein Chaos ist? Und dennoch erhält es gleichzeitig einen Ort wie diesen aufrecht, der Ressourcen bewahrt, damit das Chaos ein besonderes, ungewöhnliches, unvorstellbares Bewusstsein hat, wie es das Leben ist.
Wir sind göttliche Essenz, aber wir sind keine Götter.
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[1] Als Potentogen (abgeleitet von lat. potentia für „Kraft, Macht“ und dem Suffix -gen für „erzeugend“) wird im wissenschaftlichen oder kosmetischen Kontext ein Stoff oder Reiz bezeichnet, der eine bestimmte Wirkung, Eigenschaft oder biologische Reaktion verstärkt oder auslöst.

