22.26 Jeder Tagesanbruch ist ein Anfang
BETENDER RUF
Wenn wir zum Beten gerufen werden, werden wir an unser Wesen als Schöpfer Mysterium erinnert; wir werden an unsere Präsenz im Schöpfer Mysterium des Universums erinnert, schwebend in einem … Raum, Ort, Zeit?
Wenn wir zum Beten gerufen werden, werden wir an unsere Einheit mit allem Geschöpften erinnert, und unsere Auswirkung auf die verschiedenen Formen des sogenannten „Lebens“ wird uns auf eindrucksvolle Weise bewusst. Und dieses Leben wiederum formt und verfeinert uns.
Wenn wir zum Beten aufgerufen werden, werden wir an die Kunst zu leben erinnert durch … das Lieben, dadurch solidarisch zu werden, uns gegenseitig anzuziehen, uns zu bewundern uns als diese Einheit zu fühlen.
Wenn wir zum Beten gerufen werden, werden uns unsere Ressourcen, Mittel, Wege und Möglichkeiten vor Augen geführt.
Indem sie uns zum Gebet rufen, laden sie uns ein, uns zu erneuern, da wir erneuerbare Wesenheiten sind.
Wenn sie uns zum Beten rufen, erinnern sie uns an unsere notwendige und instinktive Berufung zur Vollkommenheit, zur Makellosigkeit, wenn wir all dies berücksichtigen…
Und das ist nur eine Referenz auf die Unmittelbarkeit. Unsere gewohnte tägliche Reaktion ist weit entfernt von diesen Anregungen, denn würden wir sie einfach als Anregungen bemerken, wären unser Handeln, unsere Haltung, unsere Gewissheit anders.
Vielmehr zeigt sich das Wesen als individualistisch, rassistisch, wettbewerbsorientiert, als Gewinner und Verlierer, als mächtig…
Und damit ignoriert es diesen Ruf. Einen Ruf, der zu keinem Slogan, keiner Religion, keiner Philosophie gehört… nein(!), sondern der das Offensichtliche hervorhebt.
Aber im Alltäglichen hat sich das Wesen so entwickelt, dass es „das Offensichtliche“ als das darstellt, was die Macht – oder seine Macht – nach eigenem Interesse, Gewinn und Profit steuert, manipuliert und deutet.
Es (das Wesen) folgt einem inneren Ruf … der nicht gerade betend ist, aber seiner Natur entspricht. Ja, denn der erste Ruf war, dass er Ausdruck des Schöpferischen Mysteriums ist, er ist das Schöpfer Mysterium. Und in diesem Sinne fühlt er sich groß, mysteriös, mächtig.
Alles, was ihm in seiner Umgebung dient – die Sonne, das Wasser, der Schnee, das Meer, die Erde – erscheint ihm grandios, und in dem Maße, wie es damit in Beziehung treten kann, weckt es in ihm eine Entfaltung von Größe, von Herausforderung, von Konkurrenz.
Es das schiebt das Mysterium beiseite, und auf seiner Suche führt das, was es entdeckt – je nach den Bedingungen, die es selbst setzt –, dazu, sich in seiner Größe, seiner Schöpfer Natur zu begreifen.
Wenn wir also genau hinschauen, besteht der Unterschied zwischen dem offensichtlichen Betenden Ruf und dem persönlichen, individuellen Ruf darin… Es gibt zwar eine Gemeinschaft, aber mit einem kleinen Unterschied, der groß ist, nämlich dass das Wesens die Vorstellung, die Interpretation, die das Wesen von seiner Natur „nach dem Ebenbild des Schöpfer Mysteriums“ macht.
Wenn wir also zum Zeitpunkt des Rufs, zum Zeitpunkt zu beten, wenn wir das Offensichtliche erinnern – ohne zu kämpfen, ohne zu streiten, ohne zu konkurrieren –, dann lassen wir zu, dass sich dieser Betende Ruf der Evidenzen sich mit diesem persönlichen, individuellen Ruf verbindet und sich dadurch unser Protagonismus, unsere Forderungen, unsere kämpferischen Distanzierungen auflösen… und wir unsere transitierenden Handlungen in einer anderen Qualität erneuern und wieder aufnehmen, mit dieser offensichtlichen Färbung der Schöpfung.
Und so ist es, wie uns diese Konversion-Läuterung… dazu bringt, uns zu zeigen, uns in dieser Art von befreiendem, anpassungsfähigen und flexiblem Zusammenleben, der Bewunderung gegenüber der gesamter Umgebung zu üben – mich Umgebung zu fühlen(!) – Hilfe anzunehmen und Hilfe zu sein, mich als Diener zu zeigen und mich bedienen zu lassen.
Und so nimmt die Einheit nach und nach Form an, die keinen Raum lässt für Trauer, Beklommenheit, Unruhe… – kurz gesagt – die Forderung, dass das Geschehen so sein soll, wie ich es will. Voilà.
Und wenn ich bemerke, dass sich meine Stimmung-Seele ausdrückt, dass sie lebt! … gemäß meinen Ansprüchen, gemäß meiner Vorstellung, gemäß meinem Ermessen und gemäß meiner Sichtweise, verabscheue ich unweigerlich meinen Individualismus, nehme ich unweigerlich die Identität der Umgebung an. Ich gebe die Klage auf, ob es regnet, weil es viel regnet; ob es Dürre gibt, weil es Dürre gibt; ob es feucht ist, weil es feucht ist; ob es Licht gibt, weil es Licht gibt; ob es kein Licht gibt, weil es kein Licht gibt…
Und so passe ich mich kreativ der Meinung des einen, dem Standpunkt des anderen an… Und gemeinsam – ohne dass es jemand beabsichtigt, aber mit dieser Haltung flexibler Anpassung – werden wir zu Einheiten der Schöpfung. Einheiten der Schöpfung, keine Individualismen der Ansprüche.
Einheiten der Schöpfung, keine Individualismen der Ansprüche.
Einheiten der Schöpfung, keine Individualismen der Forderungen.
Und als Einheiten der Schöpfung erschaffen wir uns neu, wir kreativieren uns, wir stellen uns Dinge vor, wir fantasieren, wir ersinnen, wir suchen…
Und wenn wir entdecken, dass die Trauer, die Wut, die Beklommenheit, die Unruhe, die Traurigkeit, der Größenwahn … all diese Ereignisse, die uns bedrängen, nichts anderes sind als rassistische, hedonistische persönliche Ansprüche, die aufzwingen wollen und aufzwingen wollen, dass die Realität gemäß meines Standpunkts sein soll… Und wenn sie das nicht tut, werde ich depressiv, traurig, beschwere mich.
Und ich höre auf wahrzunehmen – wenn ich mich beklage, wenn ich protestiere –, höre ich auf wahrzunehmen, dass ich esse, dass ich einen Mantel habe, dass es Menschen gibt, die mich lieben; ja, ich habe sie, als festen Bestandteil meines Lebens. Ich ignoriere, dass sie sich um mich kümmern. Ich vernachlässige mein Glück, da zu sein, mir bewusst zu sein, dass ich lebendig bin.
Ich vernachlässige, dass ich beseelt (span.: ‚almado‘) bin, dass ich geliebt (span.: ‚amado‘) werde, dass ich eine Geliebter, des Lebens bin. Und lediglich das Atmen, das Schmecken, das Hören, das Sehen, das Wahrnehmen … erfüllt meine Möglichkeiten, meine Bedürfnisse.
Es ist keine Anstrengung nötig!... Man muss nur alle Karten sehen. Nicht nur den Herzkönig oder den Pik-König. Nein. Man muss jede einzelne von ihnen sehen. Denn was wir in den Händen halten, ist ein Kartenspiel…, und es ist das Kartendeck, das das Spiel eröffnet, das die Karten austeilt. Es ist die Darstellung des Mysteriums. Aber ich brauche alle Karten, sonst gibt es kein Spiel.
Ich brauche das ganze Kartenspiel! Und es gibt keine größeren oder kleineren Karten.
Es liegt in der Kunst, zu wissen, wie ich meine Karten ausspielen muss.
Und so können die (Karten), die als minderwertig gelten, – in einem Moment des Spiels – zu den wichtigsten werden, und diejenigen, die für bedeutender gehalten werden, wenn man nicht weiß, wie man sie einsetzt, wenn man nicht weiß, wie man sie spielt, verwandeln sich in nutzlos.
Also: „Das Spiel beginnt! Das Spiel beginnt, meine Damen und Herren, liebe Kinder!“
Aber vergessen Sie nicht, dass das Kartendeck vielzählige Karten hat und sie alle zählen.
Und so spielt die Seele-liebt (span.: ‚alma-ama‘) und macht das Zusammenleben zu einer angenehmen Erfahrung. Kein Kampf der Argumente!
Es ist schädlich und verletzend, ständig mit der Säge von „Ursache und Wirkung“ zu hantieren.
Und wenn wir uns dem Spiel des Lebens öffnen, biegen wir uns in der Fantasie, in der Vorstellungskraft, im Vorhaben, in der Suche, im Entdecken.
Die Berufung der Seele ist es, zu fliegen, nicht zu kriechen. Sie kann kriechen, sie kann rennen, sie kann springen. Aber ihr Sehnen ist es, zu fliegen.
Und im Alltag drückt sie sich transzendierend aus, indem sie das Vorseherische und das Kausale anerkennt, über den „Zufall“ lacht und sich auf das Glück des Unvorhersehbaren einlässt.
Und so rufen SIE uns – indem SIE die Dimension der Karten aufgreifen –, SIE rufen uns dazu auf, eine andere Realität zu sein als die, die wir für gewöhnlich sind.
SIE rufen uns dazu auf, neu zu beginnen, mit dem Mut, den der ewige Anfang hat, der frühere Anfänge nicht außer Acht lässt – die uns in bestimmten Situationen zu Hilfe kommen. Doch wenn jedes Erwachen, wenn jede Wachsamkeit zu einem neuen Anfang wird, wird das Licht anders sein, der Duft wird anders sein, die Erwartung wird neu sein.
Unsere Sinne werden so wach sein, so begierig auf das Neue, dass wir es in jedem Detail entdecken werden.
Und so zeigt uns jeder ewige Anfang, dass alles noch zu tun ist, auch wenn wir das respektieren, was „angeblich“ bereits getan ist.
Doch wie erfahren ich auch in einer Sache sein mag: Wenn mein Erwachen darin besteht, jeden Sonnenaufgang zum Anfang zu machen, werde ich diese Innovation meinen Geschicklichkeiten, meinen Fähigkeiten, meinen Ressourcen, meinem Umfeld hinzufügen. Zurückbleiben werden „die Gewohnheit“, „die Obligation“, „die Routine“…
Auch wenn es nicht so scheint, versetzt uns diese Haltung – auch wenn es nicht so scheint – mit jedem Erwachen, jedem Wachsein in eine neue Welt. Auch wenn es nicht so scheint, auch wenn es nicht so scheint, auch wenn es nicht so scheint.
Denn ich habe begonnen, ich habe gerade erst begonnen … mit dem, was da ist.
Und da ich beginne, ist das, was da ist, neu – auch wenn ich es kenne, auch wenn ich es weiß, auch wenn ich Erfahrung habe.
Und ja. Und ja, wir könnten ohne Angst vor Irrtum sagen – und das kann eine große Hilfe sein –, dass es offensichtlich, wissenschaftlich, rational, logisch und nachweisbar ist, dass kein Tag dem anderen gleicht. Dass kein Tag dem gleichen Muster folgt!
Nein. Es gibt genügend – bedeutende(!) – Variablen, die ihn neu machen.
Welchen Sinn macht es und welchen Eifer bringt es demnach mit sich, uns zu wiederholen, uns daran zu gewöhnen, uns festzusetzen, darauf zu bestehen, dass es auf eine bestimmte Weise sein muss?
Das Casino ist geöffnet. Das Haus des Lebens ist geöffnet. Das Spiel ist eröffnet, meine Herren.
Denn jeder neue Morgen ist anders … und verlangt nach Neuem.
Denn er selbst ist eine Neuheit. Und so gewinnen wir jeden Tag eine neue Perspektive und glätten unsere Ecken und Kanten.
Ohne es zu merken, werden wir – diesem Weg folgend – für andere schön; etwas, das wir uns vielleicht gar nicht vorstellen könnten, weil wir uns bereits als rau, kalt und hässlich abgestempelt hatten.
Das Kasino des Lebens strebt weder Miete noch Gewinn an. Es fördert das Spiel, um Innovationen hervorzubringen, um die Seele-Leben (span.: ‚alma-vida‘) zu feiern.
Ja, ja, ja.
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