12.26 Da ich ein Wunder bin, muss ich mich als solches ausüben
BETENDER RUF
Und gleichzeitig wird heute der Einfluss der Massen, der einen mit anderen, der einen auf die anderen, der einen unter den anderen gemessen wird, wird das Wesen zum Protagonisten, der die Einsamkeit, die Autorität, die Distanz und die Form sucht, so groß wie möglich auf seine Umgebung einzuwirken, um die Ressourcen herauszuholen, die es je nach Epoche und Moment für am wertvollsten hält.
Der Betende Ruf befragt uns gerade zu diesem Einfluss: ob er gefühlt wird, ob er wahrgenommen wird, ob man bereit ist, sich in der Haltung befindet, den Einfluss der Schöpfung wahrzunehmen… oder ob er wahrgenommen wird und dieser zu eigenem Besitz, zu Eigentum wird – aufgrund einer besonderen Auffassung des Wesens selbst, mit dem Recht, seine Autorität auszuüben.
Könnte es sein, dass das Wesen dieses Gefühl des Einflusses der Schöpfung in ein „Ebenbild“ verwandelt hat – um einen Vergleich zu verwenden –, um ihn in seinem Mikro Universum auszuüben?
Und kehren wir – um einen Bezug herzustellen – zu den ewigen griechischen Kämpfen der Götter und „Paragötter“, „Metagötter“, „Ultragötter“ zurück … die uns das neurolinguistische, gewohnheitsmäßige und ursprüngliche verbale Erbe hinterlassen haben, um sich mächtig zu fühlen.
Sicherlich übten die verschiedenen Imperien – man versteht darunter jene Struktur, die eine sklaventreiberische Herrschaft über weite Teile der Umwelt etabliert – diesen Einfluss „als wären sie Götter“ aus, indem sie Macht anhäuften, Urteile fällten, Haltungen verurteilten und permanente Ängste schürten, um sich als Beschützer gebraucht zu fühlen.
Ist das … – so sagt uns der Betende Ruf – ist das der Einfluss, den die Schöpfung auf ihre Wesen ausübt? Und konkret auf den Menschen …?
Oder liegt dieser Einfluss vielmehr in der Ordnung des Gleichgewichts, des Entdeckens, des Lernens, des Teilens, des Zusammenspiels? Im Sich-zur-Kunst-Machen und im Betrachten. Sich der schöpferischen Schönheit bewusst zu sein und folglich jede Form der Versklavung zu vermeiden, damit sich uns dieser Einfluss der Schöpfung offenbart – denn wir sind Schöpfung – und wir ihn ausüben können, ohne die Klischees, die uns, geerbt aus Normen, Bräuchen und Gesetzen, zur Wiederholung zwingen.
Zwar ist es notwendig, bestimmte Handlungen zu wiederholen, um ihre Natur anzunehmen, doch wissen wir auch, dass, wenn die Wiederholung eine bestimmte Zahl überschreitet, Unordnung, Destrukturierung, der Kampf und der Verfall entsteht.
Wir können zwar zugeben, dass unser Werdegang als Spezies, unsere Entwicklung als „Lebewesen“ noch jung und pubertierend ist. Dennoch zeigt sie Anzeichen von Verfall, Zeichen von Ermüdung und Schwäche, die für diesen Evolutionszeitpunkt – wenn es denn so wäre – untypisch sind; vielmehr deuten die Anzeichen nach heutigen Maßstäben auf einen Verfall hin, auf eine Korruption, die zur Zerstörung führt.
Es geht nicht darum, auf der einen oder anderen Seite zu stehen. Es geht – wie uns der „Betende Ruf Orante“ eindringlich vor Augen führt – darum, die kreative Schöpfung in uns zu entdecken: in unserem Dasein, in unserem Tun, in unseren Verhaltensweisen.
(2 Minuten Stille)
Es ist im Gebet – wenn SIE uns rufen – wenn wir in unserer Bereitschaft der demütigen Unterwerfung – als schöpferischer Teil der Schöpfer Wesenheit – darein konvertieren können, jene Einflüsse zu entdecken, die zweifellos vorhanden sind, aber verzerrt wurden … sich in ein Kriterium der Schöpfung verwandelnd, gemäß dem der Einfluss auf andere und die Macht über die Umwelt das Hauptmerkmal der Schöpfung ist; und natürlich die Vorstellung, dass es einen Schöpfer und Geschöpfe gibt, nicht der Vorstellung von der Schöpfung, was all das ist... von dem wir sagen können, dass es existiert.
Es hat den Anstrich von Dringlichkeit, die konvertierte Bewegung – in Zeiten der Influencer, der Einflüsse, der Biodiversitäten, der Einflüsse stabiler Imperien, die gefördert werden und andere fördern – sich in Bezug auf die Schöpfung, auf das Schöpfer Mysterium zu positionieren, um nicht darein zu verfallen, eine Zutat der Eitelkeiten zu sein, der einen oder anderen Art, die sich ständig dem kriegerischen Dialog, der Haltung der Zerstörung dessen, was nicht das Eigene ist, anbietet.
Was ist das Eigene?
Das menschliche Umfeld weist uns auf radikale, auferlegte, dominante, korrupte Strukturen hin, die jedoch mit Mitteln arbeiten, die in anderen Zeiten entzogen und nun aufrechterhalten wurden, um so das Bewusstsein der Menschheit der Idee der Macht zu unterwerfen: „Du schaffst das, Du kannst das.“
Und so sucht folglich jeder mit dieser beharrlichen Absicht der Macht seinen Einfluss, seine Fähigkeit zur Herrschaft und Kontrolle, nicht über sich selbst, sondern über andere.
(2 Minuten Stille)
Die Feinheit, das fortwährende Wunder … – lassen wir zu es Wunder zu nennen – das fortwährende Wunder des Lebens wird durch die grobe Vernunft, den Impuls von Ursache und Wirkung, verdrängt.
Und so wie man sieht, dass sich die Sonne bewegt, nun ja… so sieht man auch, dass der Schlag siegt. „Der Schlag siegt“. Und siegen bedeutet, zu kontrollieren und zu beherrschen und die Umgebung dazu zu bringen, einem zu gehorchen. Ihre schöpferische Befreiung zu verhindern.
Die Schöpfung war kein geordnetes … und stufenweises Ereignis, wie man es uns erzählt hat.
Sie war ein weiterer – noch weiterer – Ausdruck dieser Schöpfung ohne Ursprung und Ende, die ihre Vorstellungen, ihre Werke, ihre Kunst offenbart.
Und alles Geschaffene ist ER selbst. Deshalb ist das Geschaffene ER, und nur ER ist ER – ohne dass wir wissen, wer ER ist, denn ER befindet sich nicht auf dieser Frequenz.
Wenn uns die Existenz von Wundern vor Augen geführt wird oder wir sie sogar akzeptieren – je nach Ort, Brauch und Entwicklung –, nähern wir uns jenem subtilen schöpferischen Wirken, das uns sanft formt, prägt und gestaltet.
Wenn wir dieses wundersame Modell als Übergang betrachten, wird sich – wie wir gerade besprochen haben – sein Wert von Ort zu Ort unterscheiden, aber es liegt außerhalb der Ordnung der Vernunft…
Wenn wir dieses Bild nehmen…
Das haben wir schon oft gehört, aber in dem Maße, in dem wir „es uns aneignen“, entgleitet uns die subtile Wahrnehmung des Wunders als Zeichen des schöpferischen Einflusses.
Es geht nicht verloren, sondern es wird nicht wahrgenommen.
Und genau dort setzt der Betende Ruf an, nämlich uns als Wunder zu sehen, uns mit dem wundersamen Mantel zu sehen, der den Herzschlag erzeugt, der die Inspiration aufnimmt, der sich im Ausatmen ausdrückt, der sich vorstellt, der färbt, der springt, singt…
In pantheistischer Weise könnten wir sagen: „Alles ist ein Wunder!“ Ja, das könnte gelten, solange es nicht nur bei einem Satz bleibt und fertig.
Die Notwendigkeit besteht nun darin, es als eine Offensichtlichkeit wahrzunehmen, uns selbst als Wunder wahrzunehmen. Und jedes Mal, wenn wir uns bewusst etwas vornehmen, Einfluss nehmen, handeln … lassen wir diesen subtilen Duft in uns wirken, denn das Wunder ist das grobe Abbild der Schöpfung. Ja, das Bild, so, am nächsten. Es ist nicht das Subtilste. Wir betrachten es aus einer vernünftigen, logischen und mächtigen Perspektive als subtil. Aber gemäß des „Betenden Rufs“ ist das Wunder das Primitivste der Schöpfung.
Und aus unserer Position der Macht heraus betrachten wir es als das Außergewöhnlichste.
Deshalb müssen wir unsere Wahrnehmungen anpassen und gleichzeitig wissen, dass das Wunder ein subtiler Schöpfer Ausdruck ist, von dem aus das Geschöpfte entsteht.
Da ich ein Wunder bin, muss ich als solches handeln.
Ich kann nicht als mittelmäßige, müde, langweilige, unklare Vulgarität agieren, bei der alles verloren ist, sei es in bequemen Raten oder in Bar.
Und ja: Wir wissen, dass, wenn die Eitelkeit und das Streben nach Macht erschöpft sind und das Wesen am Punkt der Hilflosigkeit angelangt ist, das Wunder gefordert wird. Manchmal geschieht es. Meistens jedoch nicht.
Vielleicht – vielleicht – wäre „meistens nicht“ der wundersame Ausdruck; „das Beste“.
Wir können definitiv nicht den Weg weitergehen, den uns die Macht aufzwingt.
Das Wunder des Lebens ist ein fortwährendes, unendliches Geschehen; und wenn ich mir dessen bewusstwerde, verliert die Macht, die gerade dran ist – sei sie nun beherrschend, kontrollierend oder unterdrückend –, ihren Einfluss.
(2:30 Min. Stille)
Dieser wundersame Ruf nach Konversion, dieses Credo – dieser Glaube –, der uns die Überzeugung gibt, uns zu spüren, wahrzunehmen, unsere Gestaltung zu erkennen und uns in unseren Sinnen zu schulen, muss uns ständig antreiben. Und das gilt besonders in Momenten der Entscheidung, der Äußerung, des Zufalls …; in den unvorhergesehenen Augenblicken, in denen von uns eine Haltung verlangt wird.
(2 Minuten Stille)
Es gibt keine Formeln, um Wunder heraufzubeschwören, obwohl die Menschheit im Laufe der Zeit Riten und verschiedene Zeremonien sowie unterschiedliche Wege und Formen entwickelt hat, um dieses wundersame Bewusstsein zu fördern. Und das ist gut so, ja. Aber leicht wird daraus ein Instrument und eine „Ritualisierung“ der Auferlegung oder der einzige Weg „dazu“ – „der einzige Weg dazu“. Und so ist es nicht.
Die Stufe, die uns der Betende Ruf zu dieser subtilen Wahrnehmung des Wunders führt, die uns den schöpferischen Einfluss spüren lässt, hat ein Wort: Frömmigkeit.
Man kann es als ein barmherziges Wesen interpretieren. Die Strömungen gehen nicht in diese Richtung, auch wenn es gut ist, wenn Wesen in Frömmigkeit leben und sie praktizieren. Aber es muss eine Barmherzigkeit sein, zu der alle Zugang haben, nicht nur ein ausgewählter Kreis. Die Schöpfung ist nicht selektiv! Sie ist nicht rassistisch und…
Und das ist leicht zu sehen, aber schwer zu verinnerlichen.
Das Design eines Krokodils oder eines Nashorns lässt sich nur auf wundersame Weise begreifen: wie es dazu kommen konnte, dass solche Situationen und solche wundersamen Erlebnisse entstanden sind.
Frömmigkeit ist diese Absicht einer fortwährenden Reinigung unserer Besitztümer, Herrschaftsbereiche, Kontrollen usw.
Frömmigkeit ist ein gehorsames Zuhören gegenüber allem, was uns umgibt.
Frömmigkeit ist ein Mangel an… – ein Mangel – an Urteilen, Vorurteilen, Verurteilungen.
Frömmigkeit ist, sich bei jedem Schritt hinzugeben, in dem, was uns entspricht.
Und so könnten wir einen Bezug zum Wunderbaren finden, zum Einfluss der Schöpfung – dass wir Schöpfung sind, dass wir in ihr sind – und Schritt für Schritt der Frömmigkeit … in diese reinigende Wandlung eintreten.
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