41.26 Ich werde von der Schöpfung, vom Universum, vom Leben benötigt

 

BETENDER RUF

 

Der Betende Ruf verweist auf Entscheidungen, die uns in einen Schwingungszustand versetzen, der es uns ermöglicht, Brüche, Konfrontationen, Zersplitterung und Widrigkeiten zu vermeiden … und ein Balsam zu sein, der die Möglichkeit fördert – die Möglichkeiten der Wiederbegegnung, der Ankündigung und der tugendhaften Erfahrung der Güte.

Der gegenwärtige Weg der Menschheit ist ein Zustand der Zersetzung; ein Ungleichgewicht, das nicht das aktive Ungleichgewicht ist, das sie fördert, sondern ein Ungleichgewicht aus Schwindel, Verwirrung und Radikalismus.

Der Betende Ruf fordert von uns unsere Beschaffenheit der Harmonie, der Suche nach Feinabstimmung, der Zusammenarbeit, der Kooperation, des Zeugnis Ablegens, der Hilfe, des Beistands …, während der allgemeine Lärm der Mächte uns zu Verwirrung, zur Konfrontation, zur Schuldzuweisungen, zum Leid und den ständigen Statistiken über … „so viele“ anstachelt: „Von so und so vielen leiden so und so viele unter Angstzuständen; von so und so vielen sind so und so viele depressiv; von so und so vielen sind so und so viele ängstlich; von so und so vielen leiden so und so viele unter Phobien; von so und so vielen leiden so und so viele unter Panik; von so und so vielen sind so und so viele …“

Würden wir all diese „so viele“ zusammenzählen, gäbe es kein „von so und so vielen“mehr; alle wären „so und so viele“.

Und es sind keine falschen Daten, nein. Ein wenig übertrieben, ja. Aber die Verwirrung setzt sich durch. Das Chaos breitet sich aus. Und sicherlich wird der Kampf ums Leben sichtbar, der Kampf um das Gleichgewicht, der Kampf darum, sich … normal zu fühlen.

Wie weit ist dieses Wort doch entfernt! Was ist der Bezugspunkt?

Ja. Wir können auf die Klischees zurückgreifen, dass es früher den religiösen Bezugspunkt gab, den Bezugspunkt des charismatischen politischen Führers, den Bezugspunkt des imposanten politischen Systems, den Bezugspunkt … und jetzt nicht mehr.

Der Kampf und das Ringen gegen all das brachten Neuerungen hervor, aber Neuerungen, die uns in die Abwege führten, in die Mittelmäßigkeit, zum Handeln „um der Pflicht zu genügen“, ohne den Drang, das Gestörte, das Verstörte zu entdecken, zu verändern, zu formen, zu gestalten.

 

Die sogenannten „fortgeschrittenen“ Gesellschaften sind regelmäßig von Psychopharmaka abhängig.

Die weniger fortgeschrittenen Gesellschaften leiden unter einem Mangel an Lebenskraft.

Es gibt keine Gesellschaften dazwischen.

 

Bestimmte Momente der Geschichte bleiben als Bewegungen in Erinnerung, die sich um Viehzucht, Ernte, Wohnen und Arbeit drehten … Heute befinden wir uns in einer Situation der gegenseitigen Abhängigkeit, in der verschiedene Kräfte um die Vorherrschaft konkurrieren.

Die Klage ist die Feinabstimmung mit der Umgebung. Und Beschwerden werden gebündelt, um – zum Beispiel – zu protestieren, jedoch ohne Lösungsvorschläge, ohne Umsetzungspläne, mit Forderungen nach Almosen und ohne Kenntnis der Situation vor Ort.

Und diese Informationen über das Umfeld werden immer diffuser, irreführender, manipulierter und schwerer zu deuten.

Und so wie – zum Beispiel – Kuba durch die US-Blockade erstickt wird, werden gleichzeitig auf der Insel Solaranlagen installiert, um das Problem der Stromversorgung zu lösen. Und gleichzeitig werden Elektroautos dorthin gebracht, damit man nicht auf das wunderbare, schwarze des Öls angewiesen ist. Zum Beispiel.

Und wenn wir diesen Prozess analysieren wollen – zum Beispiel –, fehlen uns die Mittel, um die Strategie dahinter zu deuten.

Ähnlich verhält es sich mit einem anderen Land, wie Venezuela – diese Beispiele sind wichtig, weil sie uns eine Perspektive darauf geben, wie sich menschliche Absichten entwickeln: Ein diktatorisches Land wird überfallen, sein Präsident und seine Lebensgefährtin werden durch die Ausschaltung ihrer gesamten Leibwache entführt, und der Rest der Regierung bleibt im Amt. Und diejenige, die als seine Nachfolgerin vorgesehen war – eine Friedensnobelpreisträgerin –, steht vor der Entscheidung, ob sie in ihr Land einreisen soll oder nicht.

Und wir fragen und hinterfragen: Was ist die Strategie?

Es ist leicht zu antworten: „Das Imperium, die Herrschaft, will …“

Das hat sie bereits. Mehr braucht es nicht.

Aber die besorgniserregende Frage, die wir uns als Mitglieder einer menschlichen Gesellschaft stellen, ist, dass das Geschehen so gut getarnt ist, dass wir nicht in der Lage sind, … ich sage nicht einmal „zu wissen“, sondern zu deuten, wohin die Tendenz geht und warum.

Warum schwankt ein Land wie Brasilien, das größte Lateinamerikas, bei seinen Wahlen zwischen einem Politiker, der die gesamte Verantwortung für die Arbeiter getragen hat – der „Arbeiterpartei“ –, einem Politiker mit Erfahrung und Wissen … und einem anderen, der der Sohn eines verurteilten Vaters ist und kaum eine Rede entwerfen kann?

Und derzeit deuten die Anzeichen auf Wahlergebnisse hin, die man nach logischen Maßstäben nicht erwarten würde.

 

– Wo ist sie?

– Wer?

– Die logische Vernunft, wo ist sie?

 

Ja. „Der Betende Ruf“ greift auf Beispiele zurück; auf Beispiele, die uns nicht fremd sind, auch wenn sie andere Orte betreffen, sondern genau dieselben Beispiele erleben wir hier: mit den COVIDs, mit den „Danas“, mit der Eisenbahn, mit Ceuta, mit...

Was wissen wir? Was geschieht? Während ein Platz wie die Puerta del Sol voller Demonstranten ist, die ein Recht auf Wohnraum fordern, begehen gleichzeitig zwei von der Zwangsräumung betroffene Menschen – ein Mann und eine Frau – wegen der Zwangsräumung Selbstmord, und niemand geht auf die Straße.

Und das geschieht gleichzeitig.

Wie soll man es deuten, dass eine Gemeinschaft – abgesehen von ihren Unterschieden – auf so unterschiedliche, so … schmerzhafte Weise reagiert?

Nein, wir sind an keinem Ort  unberührt angesichts dieser Verzerrungen, die uns zu Zorn, zu Wut, zur Suche nach … Lösungen führen?

Nein. Man erwartet nicht einmal eine Lösung. Nein. Man geht „dagegen vor“, weil … mal sehen, was passiert. Heute, da wir über Messmethoden verfügen, die – in Anführungszeichen – eine Prognose von Systemen auf nicht allzu kurze, sondern eher lange Sicht „garantieren“ können, geschieht genau das Gegenteil.

 

Der russische Präsident droht damit, dass zu jedem unerwarteten oder unvorhersehbaren Zeitpunkt Atomwaffen eingesetzt werden könnten. Zum Beispiel. Und wir können sagen: „Na ja, also … na und, was soll’s?“

Nicht wegen dem, was geschehen wird – was ja keine Kleinigkeit ist, oder? –, sondern wegen der Eitelkeit der Mächte, die unsere Seelen beherrschen.

Und genau hier setzt der Betende Ruf an. Er greift ein und beharrt darauf, unsere Ganzheit zu bewahren, unsere Verbundenheit mit der Schöpfung, unsere feste Entschlossenheit zur kreativen, innovativen Suche; eine dringende – „dringende“ – Förderung der Heilung voranzutreiben.

Diese Heilung, die in der Seele, im Geist, in der Intelligenz liegt … Setzen Sie sie auf die Ebene, die Sie wollen. Aber sie soll aus unserem Handeln, unserem Denken und unseren Worten hervorgehen, eine Förderung und Entwicklung, die universell ist, die jenen Touch verleiht, einander zu begreifen, der uns miteinander harmonieren und teilen lässt.

In dieser Zeit der Annäherung, der fortschreitenden Verschmelzung, wie uns das I-Ching orientiert, sind wir besonders „verpflichtet“ – in Anführungszeichen – dem Betenden Ruf zu lauschen, der uns – zweifellos nicht zum ersten Mal, doch jedes Mal mit anderen Nuancen, mit unterschiedlichen Sensibilitäten – anspornt  in Bezug auf die Entwicklung einer solidarischen Menschheit, einer Menschheit, die fähig ist, zu stützen und sich selbst zu stützen, als Beispiel für Ausgewogenheit, für Gemeinschaft, für solidarische Präsenz mit allem Lebendigen. Nicht nur mit der eigenen Spezies(!), wie es üblicherweise geschieht und wie dadurch gewöhnlich Katastrophen in allen Lebensbereichen entstehen.

 

Ja. Wir müssen jedes Wesen, jede Gruppe, jedes soziale Element, mit dem wir zusammenleben und das wir teilen, in eine heilende Absicht platzieren.

Und das bedeutet zunächst einmal eine entgegenkommende Anpassung. Das setzt ein Gefühl der Barmherzigkeit und Güte voraus, vor allem gegenüber dem, was uns gegen den Strich geht, was uns abspaltet oder was versucht, uns abzuspalten oder uns gegen den Strich zu gehen.

Ich bin nicht der gleichgültige Konsument auf dem Markt für Schund, der von dem einen oder anderen Produkt abhängig ist. Ich bin kein verbrauchter Konsument. Aber gleichzeitig bin ich auf dem Markt.

Und die Händler versuchen zu verkaufen, aus ihren Waren Gewinn zu schlagen. Und sie sehen uns als verbrauchte Konsumenten.

Und wir müssen nicht fliehen. Wir müssen uns „einigen“. Wir müssen teilen. Uns bewusst machen, dass wir einander brauchen.

Diese einfache Situation kundzugeben, setzt heilende Mechanismen in Gang. Denn wenn ich dich brauche, muss ich mich um dich kümmern. Wenn du mich brauchst, wirst du dich um mich kümmern. Wenn ich dich brauche, werde ich mich um dich kümmern. Denn ich brauche deinen Beitrag, deine Hilfe.

 

Diese … Position der Anpassung, der Kreativität, des Entgegenkommens und der gegenseitigen Abhängigkeit untereinander – über die wir schon bei anderen Gelegenheiten gesprochen und für die wir auch gebetet haben – wird immer notwendiger: die Erkenntnis, dass ich gebraucht werde und dass ich andere brauche. Und das bedeutet, Einstellungen zu ändern, Standpunkte zu überdenken, herauszufinden, wo – wo, wo – die Unstimmigkeiten liegen, damit wir erkennen, dass wir einander brauchen.

Und das dann zum Universellen hinbringen. Es nicht dabei belassen bei: „Ich brauche José“ oder „Ich brauche Maria“, weil ich mich gut mit ihr verstehe, aber ich ertrage es nicht, dass sie dies tut oder dass er jenes tut, also…

Aber nein. Das muss man auf dieses Universum ausweiten.

„Ich brauche“… Ich muss mich als geschöpft fühlen! Ich muss mich im Universum entdecken. Ich muss mich in das Leben verlieben! Denn sowohl das Leben als auch das Universum als auch das Schöpfer Mysterium… brauchen mich. In ganz anderer Weise, als ich es wahrnehme, zweifellos.

Und ich werde diese nach und nach entdecken müssen. Es werden das Gebet, die Meditation und die Kontemplation sein, die es mir zeigen, die es mir offenbaren.

Und wenn ich es auf die Ebenen übertrage, auf denen ich direkt eingreife, – als Strukturen –, und mich als „bedürftig“ sehe und wenn ich sehe, dass „man mich braucht für“, dann werde ich mich an den vorherigen Moment erinnern, in dem ich der Schöpfung, des Universums, des Lebens bedarf.

Und jeder einzelne der mir ähnlichen – und auch diejenigen, die mir nicht ähnlich sind – wie Mineralien, Pflanzen oder Mikroorganismen – brauchen mich, und ich brauche sie.

Und zugleich, gleichzeitig, bin ich Schöpfung, bin ich Universum und bin ich Leben.

Nein, nein, nein, nein, nein! Versuchen Sie nicht, das rational zu begründen oder logisch zu erklären. Bleiben Sie einfach bei der Schwingung dessen, was gesagt wird.

Wenn Sie jetzt versuchen, es rational zu verstehen, geraten Sie in die Trägheit der Ablehnung. Es wird Ihnen viel zu groß vorkommen, riesig! Und Sie werden nach einer Gebrauchsanweisung, nach Material und Methoden verlangen. Nein!

Beten bedeutet, sich an der Schwelle der Schöpfer Liebe zu fühlen, die nach Wegen sucht, uns durch die Betenden Anregungen und Impulse zukommen zu lassen, damit wir nach ihrem Ebenbild werden.

Und damit wir in dem anderen diese Schöpfung, dieses Universum, dieses Leben sehen.

Und dass wir erkennen, dass wir ihn, wenn wir ihn so sehen, brauchen. Und auch er wird uns so sehen.

Heute sprechen und diskutieren wir darüber, was unsere Mikrobiotik braucht, damit wir gesund bleiben. Wir sprechen mit Bakterien, mit Viren.

Wir fragen sie, was die beste Nahrung für sie ist, denn wir wissen, dass sie unsere kognitiven Fähigkeiten, unser Immunsystem, unseren Hormonhaushalt und unsere Stimmung beeinflussen.

Und sie wiederum manifestieren das, was sie benötigen, durch ihre „Dysbiose“ – ihr Ungleichgewicht –, das uns aus dem Gleichgewicht bringt.

Wir brauchen sie, und sie brauchen uns. Und wir sprechen hier zwischen dem Menschen – dem Homo sapiens sapiens – und Bakterien!

Was soll das denn? Waren wir nicht der Mittelpunkt der Schöpfung? Waren wir nicht das Sahnehäubchen? Waren wir nicht die Vorherrschaft?

Muss ich mit Millionen von Bakterien in einen Dialog treten…?

Was soll das denn?...

 

Und zudem ist es ein Dialog, in dem sich der Sapiens „unterwerfen“ muss, wenn er nicht gestört, aus dem Gleichgewicht gebracht oder krank werden will.

Es handelt sich also nicht um eine Beziehung nach dem Motto: „Ich helfe dir und du hilfst mir“. Nein. Es ist eine Unterwerfung.

Zweifellos ist das eine Sichtweise. Natürlich! Aber genau diese zeigt uns der „Betende Ruf“. Vielleicht, damit wir so erkennen, wie wir aus unserem Sein, aus unserem Dasein eine Hegemonie gemacht haben, ohne überhaupt hegemonial zu sein. Und wie wir dank dieser selbsternannten Hegemonie ein erstaunliches, unbekanntes Ungleichgewicht erzeugen.

Es muss kein Meteorit einschlagen. Nein. Nicht einmal ein Erdbeben oder ein Wirbelsturm – die es ja auch gibt. Oder ein Vulkan, der ebenfalls Lava ausstößt.

Nein. Wir selbst sind es, die in unserem Bestreben, Deuter, Herren und Gebieter zu sein, nicht mehr sehen, was der andere braucht und was von mir erwartet wird. Wir haben die solidarische Verbundenheit verloren.

Und deshalb: Wenn wir diese … – sagen wir mal in Großbuchstaben und in Anführungszeichen – „DEMÜTIGE POSITION“ wiedergewinnen, werden wir bereit sein, weit über unsere eigenen Interessen hinauszuschauen, weit über unseren Komfort hinauszuschauen, weit über unsere Dominanz hinaus …

Um mehr hier von unserer eigenen Solvenz, unserer freiheitlichen Position zu sehen und uns eins mit allem Lebendigen zu fühlen.

Und auf dass unsere gegenseitige Abhängigkeit ein ständiger Antrieb sei, der jenes Gleichgewicht in Bewegung fördert, das Heilung ausmacht; das die Erfahrung des Lebens zu einem Fest, zu einem freudvollen Erleben, zu einer mysteriösen Zufriedenheit macht.

Man sollte keinen dieser Vorschläge herabsetzen.

Wir sollten Schöpfung, Universum und Leben sein, wir sind es. Und in unserem mysteriösen Leben betrachten wir ein erstaunliches Mysterium, das uns verliebt macht, damit wir lieben.

Ja, ja, ja.

 

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