32.26 Ewige Lernende
BETENDER RUF
(27.07.2026)
Und der schönste Klang ist die Stille. Und wenn wir aufmerksam werden, um ihr zu lauschen, lassen wir das beunruhigende, besorgte, vorausschauende und voreingenommene Hören hinter uns.
Und so wird sich unser Wesen jedes Mal, wenn sich eine Stille öffnet – sowohl aus der Stille selbst heraus als auch auf dem Weg des Klangs –, auf das einlassen, was nicht erklingt, und auf das, was erklingt.
Diese Hingabe bedeutet keinen Verzicht, keine Verbitterung…, sondern strahlt Überzeugungen, Wandlungen und Vertrauen aus und sie lässt Forderungen, Ansprüche und Klagen hinter sich … um sich der Disposition, der Haltung, der Kunst des Daseins, der Kunst des Zusammenlebens, der Kunst zu zeigen öffnen und der, die Schönheit zu sehen.
Der individualistische Egoismus dehnt sich aus und vergrößert sich und lauscht nicht. Er stellt auf, plant und „nimmt an“, wie die Umstände, die Menschen, die Ereignisse sein müssen … Und in diesem Maße gerät er in Konflikt, in Beklemmung, in Angst, da er erkennt, dass die Welt nicht nach seinem Maß geschaffen wurde, sondern dass wir uns der Welt anpassen müssen; diesem so abstrakten und zugleich so situationsbezogenen Begriff unserer Umgebung: „unsere Welt“. Die nicht uns gehört – das sei vorweggenommen.
Und wir nehmen an und stellen uns vor, dass „das“ so und so sein muss und dass es auf diese und jene und jene Weise funktionieren muss. Und natürlich, wenn wir in „das“ eintreten, sehen wir, dass es nicht so ist. Dann kommen die Beschwerden, die Wut, die Konfrontation, die leichtfertige Kritik.
Und so findet der hedonistische Individualismus – eins ums andere Mal – nur schwer seinen wohlwollenden Schoß, außer in dem, was er nach seinem Dafürhalten für richtig hält, und das nährt und projiziert er, oder außer, wenn die Schaffung günstiger Umgebungen – das bedeutet „Sklaven“ –, den von der Macht geprägten Individualismus beklatschen, billigen oder akzeptieren.
So hat man uns gelehrt und uns gezeigt, wie wir uns formieren sollen, in Wirklichkeit, wie wir uns „deformieren“ sollen. Hin und wieder kommt die Nächstenliebe und vollbringt ein gutes Werk.
Doch auch wenn jedes Wesen einer mysteriösen Schöpfung unterliegt, mit einem Prozess an Ressourcen, um zu verstreichen, darf es sich deswegen nicht rühmen und sich als Wahrheit aufspielen.
Es ist an der Zeit, die Gewässer „der anderen“ zu betrachten, es ist an der Zeit, die Düfte „der anderen“ anzunehmen.
Dieses beharrliche Bestreben, dass die Dinge so sein sollen, wie man selbst – „persönlich“ – denkt, fühlt … – und glaubt, dass es so ist: absolut! – entspricht nicht den Ausdrucksformen des Lebens, die auf Bündnissen beruhen, die auf der Vereinigung unterschiedlicher Aspekte und Elemente beruhen, die auf uneigennützigen Leistungen beruhen.
Das Gewebe des Lebens ist nicht individualistisch.
Auch wenn jeder Kern seine Eigenschaft bewahrt, seine Besonderheit hat, weiß er doch sehr wohl, dass er sich mit jenem, mit jenem, mit dem Anderen verbünden muss, um – in Anführungszeichen – seine Identität „bewahren zu können“.
Und so wird bewusst, dass die Identität jedes Wesens eine Folge der Gemeinschaft, des Bündnisses, des Teilens, des Zusammenpassens, des Zusammenlebens, des Akzeptierens, des Gebens und des Empfangens ist. Und all dies sorgt dafür, dass sich die Kreativität eines jeden ausdrücken, zeigen und einen Beitrag leisten kann.
Ja. Es ist bedeutsam, diese unbestreitbar verflochtene Geschichte des Lebens auf unsere eigene Schöpfung anzuwenden und uns so nach unserem „Beitrag“ zu fragen. Ja. Es ist ganz einfach, ganz einfach: „Was trage ich bei?“
Wir beziehen uns dabei natürlich nicht auf den „Wirtschaftsmenschen“. Nein. Wir beziehen uns betend auf unseren Beitrag als kreative, fantasievolle, folgernde, intelligente und fähige Wesen.
„Was trage ich auf dieser Reise bei? Was trage ich bei diesem Aufenthalt bei? Was trage ich in dieser Situation bei? Was trage ich bei meiner Arbeit bei? Was trage ich zu meiner Entwicklung bei? Was ist mein Beitrag?
Welches Bedürfnis wird durch meine Haltung, meine Anwesenheit, mein Wort gestillt?
Inwieweit bin ich fähig, die Dienste anderer anzunehmen?“
„Und welcher spontane Wille geht von meinem Wesen aus, um den Bedürftigen zu helfen?“
Das sind ganz einfache Fragen … und sehr praktische.
„Ich kann Enttäuschung beitragen, ich kann Probleme beitragen, ich kann Verwirrung beitragen, ich kann Klagen beitragen, ich kann Wut beitragen, ich kann Gleichgültigkeit beitragen, ich kann Zurückweisungen beitragen…“
Das sind zweifellos Beiträge, aber lassen Sie uns sie benennen und schauen, inwieweit dieser Beitrag befriedigt, bereichert, fördert, hilft, lindert, beruhigt …
Und so wird gewöhnlich erwartet, dass ein anderer – jener, der andere, der da drüben – Abhilfe schafft, etwas in Ordnung bringt, eine Lösung findet, obwohl wir doch selbst darin verwickelt sind: Wir können helfen, wir können Probleme lösen, wir können mitwirken.
Das Treffen vom „Heilenden Humanismus“ kulminierte mit dem Wort „Respekt“. Es ist ein erster Schritt, den „Anderen“, die Anderen, andere Ideen, andere Haltungen, andere Projekte anzunehmen.
Oftmals merken wir gar nicht, dass wir mit Schärfe, Kritik, Rationalismus und hohen Ansprüchen unser Umfeld nicht respektieren; unser menschliches Umfeld: den Kollegen, denjenigen, der uns bedient, denjenigen, der mit uns spricht, denjenigen, der seine Meinung äußert …
Das Entdecken neuer und anderer Perspektiven darf keine Beschwerden, keine Kritik und keine Zurückweisung bedeuten; schon gar nicht ein Unbehagen darüber, „wie die anderen sind“, „wie die anderen handeln“.
Als ewige Lernende – so weist uns der „Betende Ruf“ hin – müssen wir verstreichen, um aus jedem einzelne Schritt zu lernen. Als ewige Lernende erreichen wir niemals einen Höhepunkt, keine Reife, keine Vollendung. Wer so denkt, dem steht das Scheitern bevor. Das sieht man.
In dem Maße, wie wir ewige Lernende sind, erweitern wir unser Bewusstsein, denn wir fügen Details hinzu – in aller Bescheidenheit, da wir ja Lernende sind! Wir fügen kleine Lücken und Neuerungen hinzu … kleine! Doch die Welt wird für uns immer unermesslicher.
Und wir lassen … – als ewige Lernende – lassen wir das Leid, die Vorurteile, die Klagen über uns selbst und darüber, was der eine oder andere tut, hinter uns … Wie ermüdend das doch ist!
Währenddessen wird der Lernende immer brillanter, umsichtiger, achtsamer, eleganter.
Er strebt nicht danach, zu beherrschen, zu kontrollieren oder zu lenken; auch nicht danach, sich Macht zu verschaffen. Er strebt danach, zu entdecken, zu lernen, zu dienen, beizutragen, aufzunehmen, zu bewundern.
Die beseelte Seele des Wesens ist das kostbare Gut, das wir zu bewahren haben.
Sie muss strahlend, durchscheinend und von eleganter Schönheit sein.
Es ist etwas, das uns geschenkt wurde, das uns zur Obhut anvertraut wurde!
Wir dürfen sie nicht misshandeln, wir dürfen sie nicht beflecken, wir dürfen sie nicht mit Wut, Traurigkeit, Angst und Unruhe erfüllen … Nein! …
Wir sind ein strahlender, prächtiger alchemistischer Kolben. Und als solcher müssen wir ihn zeigen. Und wenn das nicht der Fall ist, ist es unsere Aufgabe, ihn zum Glänzen zu bringen, ihn zu reinigen, ihn von Ablagerungen zu befreien.
Es ist kein egoistischer Kolben; es ist keine „wichtige“ Mahnung.
Es ist wie dieser Edelstein, der Symmetrie, Ausgewogenheit, Glanz, Strahlkraft besitzt und das Licht einfängt und reflektiert.
Verliert der Diamant etwa seine Identität, nur weil er von stolzen, egoistischen Händen in großzügige, zuvorkommende Hände übergeht…? Oder bleibt er vielmehr ein Diamant?
Und so muss unser alchemistischer, seelischer, animistischer, ja, seelenvoller Kolben in diesem Brodeln, in dieser Klarheit verbleiben, ähnlich dem Kern dieses Ortes im Universum, an dem wir uns befinden, wo geschmolzenes Eisen und Nickel sprudelnd, beweglich und strahlend werden. Und wir sehen sie nicht. Wir wissen, dass sie da sind.
Und ebenso offenbart sich uns dieses Sternenpanorama: makellos, strahlend, überraschend, sich ständig erneuernd.
Wenn wir also zu den Sternen aufblicken, wenn wir wissen, wo wir unseren Fuß hinsetzen und was sich unter unseren Schritten befindet, und wenn wir uns des lebenswichtigen Bündnisses bewusst werden, welches es zu schaffen gilt, um die Freude am Leben zu wecken – welchen Sinn hat dann dieser Kampf, dieser Krieg, dieser ständige Konflikt?
Wenn wir eine einfache grüne Pflanze sehen – ob mit Blüte oder ohne, ob mit Frucht oder ohne –, wenn es nicht diese Erde gäbe, unter der sich dieser brodelnde Schmelztiegel befindet, wenn es nicht dieses Licht gäbe, das das Universum ausstrahlt, wenn es nicht diese mysteriöse Fließfähigkeit des Wassers gäbe – wäre diese Pflanze dann überhaupt da, wäre sie überhaupt vorhanden?
Müssten ihre Chloroplasten nicht eine Verbindung eingehen, sich aneinander anpassen, sich bilden, mit diesem Licht, mit diesem Wasser, mit diesen Nährstoffen der Erde verschmelzen …?
Wäre sie etwa fruchtbar gewesen, wenn sie sich vom Licht, vom Wasser, von der Erde unabhängig erklärt und beschlossen hätte, dem Lichtstrom zu befehlen, ihm Anweisungen zu erteilen?
Hätte sie dann überhaupt existiert?
Sicherlich nicht.
Der Betende Ruf fordert von uns das Dasein, das Brodeln in unserem alchemistischen Kolben, in unserem ewigen Lernprozess, in unserem ständigen Beitrag, in unserer unerschöpflichen Bewunderung.
(2 Minuten Stille)
Wir ist notwendig, uns dieses Tiegels bewusst zu werden, um den Ursprung unserer Gegenwart dank der Güte der Schöpfung aufzuzeigen. Wir müssen zumindest – durch das betende Erleben – unsere Vorzüge vermitteln: jenen Beitrag, der andere dazu bringt, einander zu, dass sie lernen.
Dieser Respekt vor dem, was wir sind, und vor allem gegenüber allem, was uns umgibt, schenkt uns das Elixier, das es uns ermöglicht, unseren Tiegel zu erhellen, unseren strahlenden Juwel … unserer Seele, unserer beseelten Gegenwart – zum Leuchten zu bringen. Damit wir wirklich ein kompetenter Strom der Liebe sind(!) … der, wie das Wasser, Steine, Lehm, Höhe und Tiefe nicht verschmäht … Er passt sich an. Und hört nicht auf, Wasser zu sein.
Erlauben Sie nicht, dass das Strahlende getrübt wird. Lassen Sie nicht zu, dass das Bewundernswerte verunreinigt wird. Lassen Sie sich nicht von irgendeiner Überlegenheit täuschen.
Bereit sein, sich hinzugeben … als jener ewige Lernende, der sein Juwel poliert, damit er den Suchenden als Licht diene.
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