29.26 Wir müssen in dem Glauben unserer Anwesenheit fortdauern
BETENDER RUF
Es scheint, als sei die evolutionäre Entwicklung des Denkens, Handelns, Organisierens und Entwickelns an eine Grenze gestoßen … und von da an bleibt nur noch der Rückschritt und die Rückkehr zu alten, bereits bekannten, überholten – ja, „überholten“ – Formeln, von denen man dachte oder glaubte, sie seien bereits veraltet.
Und gerade diese abrupten, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fälle sind es, die uns am deutlichsten zeigen, dass wir uns von den Ideen der Bestrafung, der Herrschaft, der Rache und des Gewinns leiten lassen…
All das, was eigentlich durch Flexibilität, „Rechtsstaatlichkeit“ – das gesunde Urteilsvermögen –, Gesetze, das Zusammenleben im Allgemeinen und – in Anführungszeichen – die „Freiheiten“ überwunden sein sollte, zeigt sich uns nun als etwas, das nicht weiß, das nicht fähig ist.
Der Aufstand des Mittelmäßigen, des Vulgären, des Mächtigen, beherrscht von Gewalt, Drohungen und der ständigen Mahnung der Angst, findet allmählich Widerhall in der menschlichen Gemeinschaft.
Und der Triumph der Prostitution, der Designerdrogen und der Korruption als Identitätsmerkmale erobert zunehmend das Bewusstsein des Alltags.
Das einfache Detail – und das muss man festhalten – der Nachfrage … – denn gäbe es diese Nachfrage nicht, würde das Angebot keinen Erfolg haben – der Nachfrage nach den verschiedenen Designerdrogen, einfach als „Fluchtbewegungen“ – bezeichnet etwas, um theoretisch, vorübergehend dem Alltag zu entfliehen.
Das Konsumvolumen und folglich auch das Produktionsvolumen ist enorm! Und diejenigen, die das Ganze lenken, rüsten sich auf, organisieren sich, bereichern sich und werden zu einer „Alternative“ zu den sozialen Forderungen, die theoretisch einem Rechtsstaat entsprechen.
Aber die Tendenz der Bevölkerung geht in Richtung Konsum.
Und das entsteht in der Grundschule, in der weiterführenden Schule, in der Familie, am Arbeitsplatz …, im Zusammenleben.
Die Folgen sind längst nicht mehr nur wirtschaftlicher, politischer oder machtpolitischer Natur … Natürlich spielt all das eine Rolle, und zwar in einem solchen Ausmaß, dass die Belgier selbst sagten, sie stünden kurz davor, zu einem Drogenstaat zu werden – aufgrund des regen Drogenhandels, der über ihren Hafen nach Europa gelangt. All das ist schwerwiegend, ja. Aber „das Schlimmste“ – in Anführungszeichen, ohne damit rechtlich urteilen oder verurteilen zu wollen –, das Schlimmste ist, dass dieser gewohnheitsmäßige Konsum eine alltägliche Haltung, eine Sprache, eine Art des Zusammenlebens, eine Art der Sexualität, eine Art der Ernährung, eine Art der Kleidung, eine Art von Ehrgeiz hervorbringt.
Und die kognitiven Fähigkeiten, die der Einzelne haben könnte oder noch entwickeln könnte, werden gebremst, blockiert … und das auf Kosten einer Abhängigkeit, die offensichtlich mit einem allmählich steigenden Konsum und einer steigenden Nachfrage einhergeht.
Und hier kommen sie … – natürlich im Anschluss, um den Gedanken des Rückschritts zu vervollständigen – kommen „die Retter“; die Retter von Gesellschaften, Kulturen, Religionen, Staaten … mit der Lösung von mehr Gewalt, mehr Bestrafung, mehr Verfolgung.
Ein vor relativ kurzer Zeit regierender philippinischer Diktator – gegen den derzeit ein Gerichtsverfahren angestrebt wird – war eines der wichtigsten Warnsignale für Regierungen, die beschlossen hatten, den Kampf gegen Drogen mit harten Strafen zu führen. Es war schrecklich. Offensichtlich hat er die Probleme nicht gelöst. Er erhöhte die Sterblichkeitsrate, die Zahl der manipulierten Gerichtsverfahren, die scheinbare Ruhe und Sicherheit … Er füllte die Gefängnisse und folterte und bestrafte nach Belieben.
Das ist vielleicht der Ausgangspunkt, an dem die „Lösung“ für diese ausweichende Tendenz der Spezies begann, die als Ergebnis einer – aufrechterhaltenen, anhaltenden, fortgesetzten – Unterdrückung durch unfähige Führer mit scheinbaren Freiheiten entsteht.
Die Menschheit selbst kann sagen: „Unsere Spezies gleitet uns aus den Händen.“
Und tatsächlich mehren sich die Forderungen nach einer Rückkehr zu Strukturen … die natürlich den Anschein von Demokratie haben, aber in Wirklichkeit feudale Strukturen sind – so weit entfernen wir uns davon –, geprägt von Personenkult und Dogmatismus …
Der Betende Ruf versetzt uns in das Umfeld, in dem sich unsere Lebensumstände heute abspielen … und lässt uns das Weiße schwarz und das Schwarze weiß erscheinen. Und leicht begeistern sie uns und führen uns in die Niederlage.
Sich als Bewohner der Schöpfung an einem Ort namens „Universum“ zu fühlen, und auf einem Planeten namens „Kriegsplanet“ zu leben, muss uns vor diesen Umständen warnen, damit wir nicht auf die hetzerischen Reden der einen und der anderen hereinfallen – der einen aus Unfähigkeit oder Nutzlosigkeit, der anderen aus Egoismus und Hochmut –, die uns etwas versprechen und uns einer Herrschaft von Gesetzen, Bräuchen und Normen unterwerfen, die zweifellos die wenigen Freiheiten, die es gab, zunichtemachen.
Allmählich wird die Haltung des Kampfes und des Krieges angesichts jeder Situation immer deutlicher, als einzige Waffe zur Lösung von Schwierigkeiten, Problemen …
Und dazu verbünden sich die Mächte, um ihre Manöver durchzuführen. Manöver, die uns – da sie vom Staat, von den Staaten ausgehen – normal erscheinen, wie zum Beispiel, illegale Migranten aufzugreifen und sie in ein Drittland zu schicken, nicht gerade an einen Wohnort. Und obwohl dies bislang gescheitert ist – „bislang“ –, steht es als „der beste Weg“ auf der Tagesordnung.
Es ist offensichtlich, dass es sich um einen Mechanismus der Bestrafung handelt, um Fesseln, nicht wahr? Man schickt sie nicht in ihre Heimatländer, nein, nein, sondern in ein Drittland, das sich dafür hergibt, weil es dafür Geld erhält.
So wie es mit Uganda war und … vorerst gescheitert ist. Es wird wohl darum gehen, die Quote zu erhöhen und in diesen Ländern vorübergehende Unterkünfte zu errichten, um sie dann von dort aus in ihre Heimatländer zurückzuschicken. Klingt das für Sie nicht ein bisschen nach modernem Sklavenhandel?
Aber es wird zur Normalität, das heißt, es ist genehmigt, es ist Gesetz. Es gibt keine gesellschaftliche, parlamentarische, parteipolitische oder gewerkschaftliche Reaktion … Nein. Die gibt es nicht. Dafür sind sie nicht da.
Die Sinne (span.: ‚los sentidos‘) beginnen zu flackern, als mangele es ihnen an Energie; die Sinne (span.: ‚los sentidos‘). Und der Sinn, der Weg (span.: ‚el sentido‘) hat nicht die Kraft, anzufangen.
Die Werbespots der Universitäten verkünden uns – auch wenn das Angekündigte redundant ist, aber es ist nun einmal erschreckend –, welche Studiengänge oder Ausbildungen am rentabelsten sind. Aus diesem Grund ist es offensichtlich, dass die Berufung ein wenig zu kurz kommt.
Es wird sie immer geben – natürlich, ja –, aber … vom Berufungsorientierten zum gewinnorientierten Sinn (span.: ‚sentido‘) gibt es einen großen Unterschied.
Es gibt keine Kampfformel, um „dagegen“ anzugehen, denn die Lösung besteht nicht darin, sich zu widersetzen, sondern darin, die Idee dieses geschaffenen Wesens, das im Universum verweilt und inmitten des Krieges wohnt, zu entwickeln oder sich darin zu entfalten.
Die Kreativität, die wir entfalten können, die Universalität, mit der wir unsere Gaben zum Ausdruck bringen können, und das freundliche, klare und sich weiterentwickelnde Miteinander hin zu Bündnissen, zu Gruppen, zu Aktivitäten, die einen Beitrag leisten und den freiheitlichen Sinn des Seins unterstützen. Möge die Sehnsucht nach dieser Revolution des Geistes entstehen.
Und dass wir, ohne auf die Ebenen, die Errungenschaften und die Ressourcen zu verzichten, die sich in der Menschheit entwickelt haben, weder Sklaven noch Verbreiter derselben sind, sondern mit ihnen zusammenleben.
Der Betende Ruf spornt uns dazu an, Integratoren von Evolutionen zu sein.
Der Betende Ruf spornt uns zu einem ständigen und fortwährenden Antrieb zur Innovation im Alltag, bei jedem Tun und jeder Herausforderung an.
Wir dürfen nicht abwartend (span.: ‚quedarnos a la espera‘) bleiben, auch wenn wir zu warten verstehen (span.: ‚sepamos esperar‘) … und dieses Warten (span.: ‚esa espera‘) uns Hoffnung (span.: ‚esperanza‘) schenkt. Aber wir müssen unsere Fähigkeiten aktiv einsetzen. Wir müssen die Entscheidungen treffen, die wir wirklich als unverzichtbar und notwendig empfinden, die entscheidend dazu beitragen, zumindest das Leiden zu lindern.
Ja, wir müssen – so mahnt uns der Betende Ruf eindringlich – im Glauben an unsere Anwesenheit verharren. Das Schöpfer Mysterium hat unseren Aufenthalt beschlossen, und es begleitet uns, umwirbt uns und sorgt für uns. Und wir sind auch das. Wir sind keine fremde Materie.
Deshalb müssen wir auf der Grundlage dieses Glaubens Beständigkeit und Ausdauer in unseren Vorhaben, in unseren Ideen zeigen … und dürfen nicht zur leichten Beute des sofortigen Wohlstands werden – jenes Wohlstands, von dem die Rede ist –; des Komforts.
Wir müssen in einem Wohlstand der Güte, der Großzügigkeit, der Bereitschaft zum Dienst und zur Hingabe leben.
(2 Minuten Stille)
Das Gebet wird zum Leuchtturm, zum Wegweiser und zur Orientierung. Und wenn wir darauf hören, entdecken wir unsere Ressourcen, erkennen wir unsere Mängel und streben wir nach unserer Vollkommenheit …, nach jener Haltung, in der wir uns wiedererkennen, bestätigt und geborgen fühlen.
Und vielleicht sind wir dadurch sensibilisiert, wachsam und wach, um das Lebensfeuer des Glaubens an unsere Ideale und Überzeugungen am Leben zu erhalten.
(7:30 Minuten Stille)
Das Erbarmen gibt uns – im wahrsten Sinne des Wortes – den Anstoß, uns unserer Berufung zu widmen, auf der Grundlage des Glaubens, auf der Grundlage der Hoffnungen und Ideale, die uns beflügeln.
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