39. Was für ein Pech... zu leben, ohne mit dem Leben zu rechnen!

 

BETENDER RUF

 

(5:30 Minuten der Stille)

 

Die alltägliche „Normalität” der Anpassung, der verborgenen Klage, manchmal des Jammers des Protestes, dominieren.

Aber alles eingekapselt, verschwiegen, bis man das eines Tages… eines Tages  entdeckt oder explodiert.

„Den Frieden bewahren“ hat sich in eine Art und Weise zu leben verwandelt, in eine Art und Weise da zu sein… um keinerlei Gelegenheit zu verlieren.

Während gleichzeitig die Seele auf der Suche danach kocht, ehrlich zu sein. Und sie traut sich nicht.

Und das Projekt und die Veränderung werden in der meditativen Stille ausgeübt. Aber auch das wird nicht ausgedrückt.

Das Wesen beschlagnahmt sich kontinuierlich.

Niemand scheint zu wissen, wer wer ist. Ausgenommen, wenn er… gewaltsam eindringt! Aber dann ist er auch nicht der, der er sein sollte.

Der alltägliche menschliche Respekt, damit die, die sprechen und kommentieren            –sie sprechen niemals über sich selbst, sie haben keinen Grund dazu- ist ein Verhalten… einer arglistigen Lüge.

Man schenkt der gewöhnlichen Meinung mehr Glauben… als den ehrlichen Vorschlägen!

Man schenkt der Angst und dem Drama mehr Glauben… –es scheint, dass das besser „kocht”, als die minimale Freude, die anregende Möglichkeit oder ein einfaches Dasein in Harmonie.

Zweifellos sind diese Facetten sehr verallgemeinert. Sicher, aber es ist nicht weniger sicher, dass sie auf uns und auf unserem alltäglichen Geschehen lasten, und es ist immer schwieriger das zu sein, was man ist, und das Wesen passt sich an, um das zu sein, was die anderen wollen, dass es sei.

Hat das Leben eines Wesens –mit allen seinen Projekten und Ressourcen- etwa Gestalt als dieses Universum angenommen, um zu einem sehr schlechten Akteur der Vorlieben der anderen zu werden!?

Und gesellschaftlich –und gesellschaftlich- wird auf jedes Wesen Einfluss genommen… um es zu verurteilen, um es zu belohnen, um es zu bestrafen, um es abzusondern… –je nachdem(!)... wie das Interesse der anderen ist.

Die Spezies Menschheit in ihrer Entwicklung hat sich in einen „Sezessionskrieg” verwandelt, der seine Auflösung nicht vorgesehen hat. Es ist ein Lebensstil… der konspiriert, der kritisiert, der schaut, der sich mit der Meinung, mit dem freien Ausdruck tarnt…

Der Betende Ruf beansprucht uns(!), er beansprucht uns als Wesen des Universums. Er beansprucht uns als ehrliche Wesen…, damit wir den Wind ohne Angst, ohne Vorurteile einsaugen können.

Zu leben ist ziemlich, ziemlich, es ist viel zu wichtig(!), um es auf eine Kritik, auf eine Beleidigung, auf eine… Stille, auf ein „Vorbeigehen“ und auf ein sich zu begnügen zu reduzieren.

Der Betende Ruf verlangt von uns die Unendlichkeit, die Ewigkeit und das permanente Mysterium, nämlich was es bedeutet zu leben…! Und in diesem Mysterium müssen wir fortdauern und nicht in die leichte Ressource der Klage, der Anschuldigung, der Kritik verfallen…: in die alltägliche „Weltlichkeit”!

Aber aufgepasst! Sich auch nicht in den Retter, in den Beschützer, in den Herrscher, in den Kontrolleur von Wahrheiten erheben…! Die gibt es auch und die gehen als die Tugendhaften durch.

 

Im Laufe der Evolution wurde ein Leben von Hindernissen, von Schlägen, von Stürzen, von Schmerzen konstruiert …, „die permanent lebendige Klage”…, die ganz offensichtlich das oder jenes oder jenen oder den anderen beschuldigt… und die vergisst, die vergisst zu leben.

Aber ganz gewiss ist es notwendig, diesen alltäglichen Anschein zu läutern, um sich des Lebens zu erinnern.

Um sich an das authentische Leben zu erinnern ist es notwendig, eine Transparenz zu erreichen!

Es ist nicht notwendig etwas zu verstecken! Es ist ein… inakzeptables Gewicht!

 

Ja! Seitens des Lebens gibt es ein Jammern.

Ja, es gibt einen Aufschrei des Lebens… –ja-… welches das Gebet erhebt –ja-… um aus dieser Undurchschaubarkeit, diesem Labyrinth, diesem Kreuzungsweg heraus-zukommen… auf dem man nichts von dem verlieren möchte, was man hat, oder man mehr bekommen möchte, als man sollte: In dem der Kampf permanent ist, in dem die Meinung des Unfähigsten mehr wiegt als das Kriterium und der Sinn dessen, der weiter entwickelt ist!

Bis wann wird die Vulgarität zu leben… auf dem Rücken der Größe eines Augenblicks einer Atempause regieren!?

Wann wird das Wesen sein Schicksal, seine wirkliche Zeitlosigkeit mit seinen Gefühlen, mit seiner Suche, mit seinen Verhaltensweisen fordern…!? Auf dass sie sich anpassen, aber nicht den Mund halten! Auf dass sie annehmen, aber nicht aufgeben!

 

Wenn die Ebene der Sensibilität, wenn die Intention der Zuneigung abnimmt, wenn zu lieben zu einer schüchternen Freude wird… dann befinden wir uns außerhalb des Kontextes des Lebens als Universum.

Wir werden die Friedhöfe, die Krankenhäuser, die Konfrontationen, den Hass, den Groll anhäufen…(!), indem wir kontaminieren.

Die Antipersonenminen, die an vielen Orten verteilt sind, sind kleine Explosionen, verglichen mit den Antipersonenminen, die das Wesen selbst gegen sich und gegen die Umwelt erzeugt.

Es platzt in seinem stillschweigenden Kampf! Es weint in seiner Stille des Verstecks. Und es versucht angesichts des Vulgären, dass das nicht bemerkt wird.

Ach! Was für ein Pech… zu leben, ohne mit dem Leben zu rechnen!

Ach! Was für eine Trostlosigkeit…(!) da zu sein ohne zu fühlen, dass man da ist, und sich nach einer anderen Realität sehnt und sich eine andere Realität wünscht.

Ach! Was für ein Schmerz sich ergibt(!)... wenn die Worte still werden oder… „anscheinend“ ausgedrückt werden. Sie geben ein Beispiel des Anscheins.

Mit der Verheimlichung macht die Lüge die Runde. Und es ist eigenartig, dass man denkt und fühlt, dass diese Förderung des Versteckspiels da bleiben würde, und dass das mit dem Grab aufhören wird, und dass das niemand fühlen wird, dass das niemand entdecken wird!

Was für ein dummes Verhalten!

Das Verborgene, das Scheinbare, kann nicht verhindern, dass das Offensichtliche sich verbreitet.

So sehr man auch trainiert, um den Anschein zu erwecken…, zeigt sich das Wesen doch in jeder Ausatmung, und andere atmen seinen Atem ein.

Ja! Vielleicht wird man nicht exakt wissen, was jeder einzelne verdeckt, verbirgt und vermeidet! Mit Genauigkeit wird man das nicht wissen, aber die Konsequenzen werden schlimmer sein. Weil die Verhaltensweisen der Vulgarität kontaminieren, anstecken(!), verletzen. Die produzieren Schmerz.

Und sehen wir denn etwa so nicht den kontinuierlichen Schmerz… der umgeht?

Kann man etwa weiterhin denken, dass es „wegen einer Störung von… ist“ oder „wegen der Ursache von…”?

Angesichts des Betenden Sinns hat nichts davon Sinn. Der Schmerz passt nicht zum Lebenden.

Das Leben in seiner Pracht muss sich nicht wehtun.

 

Man darf nicht die Ebene des Bewusstseins hinabsteigen, die uns offensichtlich Gründe zeigt, die diesen oder jenen Schmerz erklären! Man ist sich bewusst, dass sich der Ursprung in dem Dasein, in der Art und Weise zu sein befindet, die man sich in der gesellschaftliche, spirituellen, politisch wirtschaftlichen Kultur ausgearbeitet hat… –ein langes et cetera.

Wir müssen uns würdig machen zu leben, ist das betende Verlangen, damit wir uns fließend fühlen, damit wir aufhören uns zu fragen: „Und was kann ich tun?”Alle wissen, was sie tun müssen!

Die Frage „was muss ich tun, was kann ich tun?” ist die trügerische Frage, die versucht, die Umgebung mit ihrer Meinung zu verpflichten, um so eine falsche(!) Strategie… der Art und Weise des Daseins, der Art und Weise des Seins aufzustellen.

Das Leben, die Tatsache zu leben gibt ausreichende Bezugspunkte, damit jedes Wesen seine Position zur Kenntnis nehmen kann. Zu wissen, was man tun soll. Aber es (das Wesen) schätzt und wertet mehr das, was ein anderer oder andere sagen, was es tun soll, wie es sich verhalten soll…

Das Wesen fühlt sich anderen Wesen unterlegen…! Und es ist verschüchtert, wenn es sich darauf beziehen soll, eine kontinuierliche und permanente Schöpfung zu sein. Es ist verschüchtert, wenn es nicht die Macht über seinen Körper, seine Aktionen, über sein Verhalten hat, die es permanent fordert…

Es verachtet das Leben und es verachtet zu leben. Und es macht unbequeme Situationen des Ertrags, des Vorteils, des Verlustes, des Gewinns durch… Und seine Haut, seine Ideen, seine Tänze altern vorzeitig… und so verwandelt es sich in Pergament, das nicht lesbar ist!

Das bedeutet es nicht zu leben… das ist es nicht, was das Leben verlangt!

Das ist nicht das Dasein, in dem es jeder Einzelne verstehen muss –und weiß(!)- sich zu realisieren.

Aus dem Alltäglichen nichts Ungebührliches machen, bitte!

 

Sich annähern… sich an das brennende Leben annähern: an jenes, das die permanenten und fortdauernden Gaben der Vorsehung anlacht. An jenes, das sucht, weil es sich in dem Mysterium befindet. In jenem, das entdeckt, das lernt(!), das in Erstaunen versetzt.

 

Man darf sich nicht in der vulgären Version dessen akzeptieren, was die Evolution will –diese Evolution der menschlichen Forderungen. Es gibt eine andere Evolution: die wirkliche. Die, die nicht durch den Klugen, durch den Technologen, durch den Intelligenten entworfen wurde… Das ist eine andere Evolution, die uns parfümiert, uns behaucht und uns die unendliche Diversität zeigt, wodurch wir die alltägliche Vulgarität zurücklassen.

 

Die Aufgabe zu leben ist, sich ins Meer einzuschiffen (span.: ‚embarcarse en el mar‘), in das ZU LIEBEN (span. ‚en al AMAR‘). Es bedeutet nicht, im Hafen den Anker zu werfen.

Die Aufgabe zu leben ist nicht, auf dem hohen Meer zu ankern… und aus dem Leben eine Eroberung zu machen.

Die Aufgabe zu leben ist, ohne Anker, mit dem Hauch der Winde zu navigieren …, die uns in dem unendlichen Verlauf tragen.

Man darf nicht ankommen, man muss verstreichen.

Man muss nicht rausfahren, wir sind schon da!

 

Aber ja. In diesen Rhythmen der Menschheit, wenn man erkennen möchte zu leben… bringt das eine Anstrengung mit sich.

Eine Anstrengung, die belebt ist(!), die den Bezugspunkt in dem ewigen Mysterium hat. Eine Anstrengung, die dem Wesen innewohnend ist. Die keine Müdigkeit mit sich bringt! Die keine Mühe macht. Die einen –im Gegensatz- fliegen lässt, die Spaß bringt… (span. ‚da gana’) und nicht gerade von „gewinnen” (span. ‚de ganar’), sondern sich von dem Laster abzulösen, das die Vulgarität aufzwingt.

 

Das Schöpfer Mysterium wartet mit seinen Gaben.

Das Mysterium… das kreative Mysterium, permanent und großzügig, beladen mit Mitleid und Erbarmen…(!) bewirkt, das die Anstrengung nicht böswillig, nicht unangenehm ist, sondern dass sie vielmehr befreiend ist. Und so ist es, wenn der Bezugspunkt die Liebe(!) ist, wenn der Bezugspunkt das Geliebte ist.

Dort beinhaltet die Anstrengung weder Ermüdung noch Müdigkeit, noch Schmerz. Sie bringt Sanftheit, Entdecken, Kreativität und Kraft mit sich.

Der Enthusiasmus zu leben ist gratis! Er ist kein Führer! Er ist keine Partitur! Er ist eine Gabe, die das Lebendige hat(!), und die der Mensch versucht hat –und versucht- zu dominieren, zu kontrollieren, zu steuern, aufzuzwingen!

 

In der subtilen Hoffnung eines fernen und –gleichzeitig- intimen Hauchs, fordert das Gebet… ruft es aus… erläutert es uns

 

 

 

***

Gebet