47.23 Die Rechtfertigungen

 

BETENDER RUF

 

Die Umstände als „Umfeld” kann man immer als Rechtfertigungen nutzen.

Und das bringt mit sich, dass die „Tätigkeiten”, Verhaltensweisen und die Ideation einer Berufung, eines Projektes verzögert, blockiert, eingeschränkt werden... und sie konvertieren sich in etwas, das „hätte sein können“, etwas, das „vielleicht einmal…“

Der Betende Ruf warnt uns vor den Rechtfertigungen.

Es scheint –„es scheint”-, dass jedwede Aktion oder Aktivität konditioniert ist, dass sie sich rechtfertigen muss, so als ob sie einer Legalität bedürfen würde, einer Erlaubnis: Erlaubnis, um zu leben, Erlaubnis, um zusammenzuleben, Erlaubnis, um zu sprechen, Erlaubnis, um sich auszudrücken.

 

Die Konditionierung, die sich in unseren Kulturen, Gesellschaften, Gemeinschaften, etc. zeigt rechtfertigt sich, dass wir -wenn wir uns dem ein bisschen mehr annähern, was das bedeutet-, dann entdecken wir einen Richter, eine Justiz. Was eine Rechtfertigung ist: Ein Richter, der erlaubt, zulässt, urteilt, verurteilt, bestraft...

 

Unter dem Betenden Sinn benötigt die Spezies Leben keine Richter, sie benötigt keine Konditionierungen, sie lebt nicht in den anscheinenden Freiheiten oder Verboten.

Und dieses Ereignis –„Leben”-, das durch das Schöpfer Mysterium verbunden,  bewacht, unterstützt, betreut, gepflegt wird, erfährt durch DIESES keine Gerechtigkeit. ES (das Schöpfermysterium) benötigt das nicht.

Die Forderung nach jedweder Gerechtigkeit ist Konsequenz der Unfähigkeit zuzuhören und des Verlustes des Respekts.

 

Und wir bemerken, dass das Wesen sich ausdrückt, sich gemäß seiner Notwendigkeit des Moments seines Handelns zeigt. Und die Umgebung, die für gewöhnlich als Alibi dient, wird andere Male überhaupt nicht berücksichtigt.

Was eine ‚Nachlässigkeit’ in Bezug auf die Hüterschaft, die das Wesen in Bezug auf die Aktivität der Lebendmaterie machen muss, darstellt, damit jede Funktion ohne Reibungen realisiert wird, ohne Unbequemlichkeiten, ohne Entführungen, ohne Unterbrechungen.

 

 

Die menschliche Gemeinschaft geht mit Stolpern, mit Unannehmlichkeit und Arroganz vorbei, die anwächst, all das in zunehmendem Maße. Und das bedarf der vergleichenden Beschwerde, um diese Haltung beizubehalten.

Der Betende Ruf klärt uns auf. Er klärt uns auf, dass diese Haltung, wenn man sie zu der gesamten alltäglichen Aktivität bringt, das Hauptdarstellertum eines jeden Wesens mit sich bringt, was ein Hindernis oder eine Schwierigkeit für die Entwicklung der anderen darstellt, denn in Wirklichkeit müsste es als Lebendmaterie der Spezies Leben genau das Gegenteil sein.

Und das ist keine Meinung. Es ist eine Offensichtlichkeit, die sich mit dem Verhalten des Lebens bestätigt, das, damit es voll ist, des Verständnisses, der Anpassung, des Respekts, der Pflege, der Hilfe bedarf, der permanenten gegenseitigen Hilfe.

Und in einer globaleren Art und Weise könnten wir sagen, dass das eine Haltung der Liebe gegenüber dem Akt zu leben erfordert.

Und um -im allgemeinen Terminus des Lebens- damit eine Reihe von solidarischem Austausch zwischen dem, was einer trägt und was die anderen tragen, zu entfesseln: dieser Austausch der Hilfe, die keine Versklavung ist, der keine Obligation ist.

 

Wenn uns der Betende Ruf durch diese Bergpfade trägt, dann entdecken wir uns als Kinder und unfähige Unwissende. Auch wenn das nicht die Idee ist, aber wir sollten schon die Tiefe bemerken, die die Worte mit sich bringen, welche uns die Positionen offenlegen, die wir einnehmen. Aber gleichzeitig verleihen sie uns dieses Gefühl von Tiefe, in der wir uns -im Prinzip- unfähig fühlen, die Anregung jedes Wortes anzugehen.

Und es kann die Erschöpfung auftauchen… und der Eindruck nicht zu erfüllen und nicht in der Lage zu sein ... Das ist nicht die Botschaft. Es ist genau das Gegenteil: sondern dass wir von unserer Position der Unwissenheit und der Bescheidenheit und der neugierigen Unschuld ausgehen, in der Tiefe eines jeden Wortes zu entdecken, eine Entdeckung –die da ist- in unserem Wesen.

Das, was uns der Betende Ruf zeigt, ist nicht etwas Fremdes oder aufgezwungenes oder Verhaltensmuster. Nein. Es zeigt uns die Tiefe unserer Beschaffenheit, unsere Verbindung mit dem Schöpfer Mysterium, unsere unendlichen Möglichkeiten, unsere Fähigkeit des Begreifens.

Aber dafür positioniert sich die betende Botschaft so, dass sie uns in diese Unendlichkeit versetzt. Und offensichtlich fühlen wir uns –im Prinzip so- wie ganz klein und fast unnütz.

Aber es ist genau das Gegenteil, was der Betende Ruf beabsichtigt: es bedeutet, unsere Position als ungewöhnliche Tatsache, als überraschendes Ereignis anwachsen zu lassen, was aber natürlich in seiner Referenz zum Mysterium der Schöpfung winzig ist.

Von der Unendlichkeit aus und der extremen Kleinheit … kontempliert man die Größe unserer Existenz.

Von der Kleinheit der extremen Größe aus kontempliert man die Pracht unserer Existenz.

Wenn wir unsere Präsenz anschauen und uns als befreiende Botschafter fühlen, als Träger von ewiger Botschaft, wenn wir das annehmen, dann werden wir bereit sein, uns an dem adäquaten Ort zu platzieren, uns in der benötigten Art und Weise zu fördern, ein Zeugnis zu sein(!)… in der Kleinheit unserer Größe.

 

Die Wichtigkeit, diese persönliche Wichtigkeit, die gefordert wird, diese Gerechtigkeit, diese Normalität, diese tatsächlich alltägliche Forderung ist eine Last.

Der Betende Ruf führt uns vor Augen, dass, wenn unsere Bestrebungen nichts weiter als ein Ausdruck eines verliebten, transparenten, sauberen Fühlens sind, dass sie sich konvertieren in…. –wenn es nicht so ist-, dass sie sich dann in gerechtigkeitsliebende Positionen von Angebot und Nachfrage verwandeln, von Vereinbarungen und Meinungsverschiedenheiten, von Vorlieben und Abneigungen, von Vorwürfen und Forderungen.

Und all das aufgewühlt endet damit der Satz zu sein: „Also das Leben ist eben so.” Nein! Das Leben ist nicht so.

Die Beispiele eines „so“ eines Lebens wurden aufgrund der Arroganz, durch die Egozentrik und den Hochmut entfesselt, als das Wesen die unvergleichliche Größe der Liebe entdeckte, die es besitzen möchte. Und jeder einzelne von seiner unterschiedlichen Position und seinem unterschiedlichen Ort aus.

Und dieses Erleben der Liebe ist nicht possessiv. Jedes Wesen erlebt seine Größe, und wie das Wasser, so verschmäht die Liebe des Ewigen keine Position. Sie wählt nicht diesen oder jenen. Sie ergießt sich über alles Lebendige.

 

Und das Wesen der Menschheit in seiner Ego-Selbstverherrlichung fordert… fordert eifrig nach seinem Besitz. Und so taucht „mein Hund”, „meine Katze”, „mein Partner/in”, „mein Ehemann”, „mein”, „mein” auf… der Besitz ist bereits hergestellt.

Und damit wird er institutionalisiert... und es heißt wieder: „So ist eben das Leben.”

Die Spezies Leben… beansprucht im Wesen der Menschheit, eine Identität, die unserer außerordentlichen, ausnehmenden, ungewöhnlichen Natur entspricht.

 

Wir können nicht zulassen, dass uns der Strom des Vulgären mitreißt... und uns zu rechtfertigenden Mitgliedern von Ungleichbehandlungen und von kontinuierlichen Forderungen macht.

 

Und wie uns bei anderer Gelegenheit der Betende Ruf darauf hinweist, dass es, da wir uns genau auf der gereizten Welle des Lebens befinden, der Moment ist zu bemerken, dass dieses Leben und Zusammenleben keine Gereiztheit ist, keine Forderung ist, kein Antrag ist, keine Obligation ist, weder Prämie noch Strafe ist. Es ist Befreiung... durch dieses Lieben, das sprießt, ohne dass man es gesucht hätte oder dass es sich erzeugt, heute durch unsere interessierte Disposition.

 

Auf diesem Niveau angekommen scheint es für den Moment unmöglich, die Richtungen des kontinuierlichen Angebots und der Nachfrage zu ändern. Es scheint unmöglich. Aber allein die Tatsache das zu sagen –und wir kehren zu den Worten zurück: „Es scheint unmöglich”- zeigt uns, dass sich das Mögliche in unserem Inneren befindet, das Ermöglichende befindet sich innen. Dass das ‚Un-mögliche’ eine Forderung ist, die uns zu unendlichen Möglichkeiten fördert.

 

Wir wissen nicht mit Gewissheit, wie sehr es (das Wesen) sich im Neolithikum oder im Mittelalter hat anstrengen müssen, um dieses oder jenes Verhalten zu verändern. Und jetzt, in diesem Verstreichen können wir nicht sagen, ob unsere Anstrengung fordernder ist als in anderer Zeit. Jeder Verlauf hat sein Ereignis und damit seine Tugend… und sein Entdecken, wie man transzendieren kann. Und so ist es, wie wir in unserem Gehen unterschiedliche Momente entdecken können.

Jetzt kann es uns fast –„fast”- als unmögliche Mission erscheinen. Fast. Aber sicherlich gibt es Strategien innerhalb des Schöpfer Mysteriums, die uns an den Rand des Abgrunds setzen. Und so wie die Schriften sagten: „Wirf Dich von der Klippe, die Engel werden kommen, um Dich zu retten und um Dich aufzuheben. Es steht geschrieben.“

 

Und es ist gleichzeitig gewiss, dass man nicht provozieren darf, im Sinne von „Versuchung”, mal sehen, ob das stimmt oder nicht. Aber ja, wir können fast erahnen, dass SIE uns in schwindelerregende Positionen stellen. Und es könnte uns als Strafe oder als Fluch erscheinen oder als eine Beleidigung seitens des Schöpfer Mysteriums, wenn es doch so ist, dass es erneut genau das Gegenteil ist. Es ist genau das, was fehlte, damit aus unserer Befähigung die Ressource herauskommt, um zu lösen... um den Widerspruch aufzulösen, um die Beschimpfung aufzulösen...; um aus dem Weitermachen ein permanentes Entdecken zu machen. „Aus dem Weitermachen ein permanentes Entdecken zu machen.”

 

Fordern Sie von den anderen nichts, wofür Sie nicht bereit sind, Zeugnis abzulegen.

 

In diesem steilen Abgrund, drücken die rettenden Engel immer ein Wort aus:

 

„Seelige”, „Seelige”, „Seelige”

 

(2 Min. der Stille)

 

 

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