7.22 Heutzutage zu beten ist ein Wunder

 

BETENDER RUF

 

Und die Menschheit durchläuft in praktischen Zeiten, in konkreten Auswertungen, in sogenannten „lenkbaren… Realitäten”.

Die Träumer, die Verträumten... sind versteckt, ängstlich oder… wenig überzeugt, auch wenn es lauwarme gibt, bei denen es scheint, dass sie mit Gefühlen spielen, die aber mit Materien, mit praktischen Verrichtungen konditioniert sind.

 

Das Abenteuer ist das momentane, kalkulierte Vergnügen und mit Leistung und es werden Ressourcen und Siedlungen gesucht.

Das ist kein Abenteuer. Das alte Bild des Abenteurers –und wir nennen „alt“ 15, 20, 30 Jahre-, der sich für ein Ideal hingab, um die Vorstellungskräfte, die Ungezogenheiten, die sogenannten „Verrücktheiten“ zu  durchfurchen..., davon hat man bereits abgelassen. Jetzt macht man Hypotheken, Darlehen, Gespartes und kalkulierte Investitionen. Nein, nein, nein. Es geht nicht darum, dass das schlecht oder gut ist, nein. Der Betende Ruf lässt uns in Bezug darauf reflektieren, welches die Beschaffenheit des Wesens ist. Welche ist die Beschaffenheit, die sich widerspiegelt? Oder in welcher Natur des Wirkens des Wesens spiegelt sich das Schöpfer Mysterium wider?

 

Heutzutage rechnet das Wesen mit… mit sich selbst, es rechnet mit seinen Ersparnissen, es rechnet mit seinen Ressourcen, mit seinen „Materialien”..., die es mehr oder weniger abschätzen kann, welche ihm mehr oder weniger gefallen oder durch die es angezogen wird, aber sie halten nur so kurz an(!)... dass sie–in Anführungsstrichen- „enden”, damit will gesagt werden, dass die grausame Wirklichkeit ihre… aufzwingt.

Wer, wer fabriziert „die grausame Realität”? Das ist keine übel gesinnte Person. Es ist die Menschheit selbst, welche sie fabriziert. Die, die dem Poeten „Adiós” gesagt hat! Oder sie hört ihn manchmal, wenn sie Zeit hat. Weil immer mehr der Ressource gefolgt wird von: „Zeit ist Gold und der, der sie verliert, verliert einen Schatz”[1]. Das passierte sogar selbst Christus, als er einen Tag mit zwei Frauen sprach, ermahnte die eine die andere, dass jene nicht die Zeit damit verschwenden solle, dass es Dinge zu tun gäbe, dass man die Dinge für die Eingeladenen vorbereiten müsse. Christus antwortete, dass es Dinge für andere Eingeladene gäbe, aus anderen Realitäten, welche die wirklichen seien…; dass sie sich nicht in den praktischen Ressourcen ereifern sollten.

Ganz offensichtlich funktionierte es nicht. In diesem Fall dieses Beispiels war es eine Anspielung.

 

Der Betende Ruf weist uns darauf hin und erläutert uns in Bezug auf unsere Beschaffenheit, dass sie ein Produkt der Liebe des Ewigen ist...; die so fantastisch war, die so fantastisch ist, dass sie etikettiert wurde und umgeben wurde… von Leben! Mit Leben, das beladen ist von Schönheit, von Kunst, von Harmonie, von einem aus dem Gleichgewicht bringenden Gleichgewicht. Das SIE uns in eine Position –mit der Intelligenz- versetzt haben, um die überraschenden Meerestiefen oder die unerreichbaren Wälder zu entdecken; oder die wunderbaren Kreaturen, die uns mit dem Gesang einiger Vögel erstaunen, mit der plastischen Schönheit der Wesen des Urwaldes, ganz zu schweigen von den unglaublichen Zusammenflüssen der sintflutartigen Regenfälle, der Trockenheiten, der Wüsten, der Fülle der Wälder…

All das ist… Poesie! Ja, all das, konfiguriert mit grünen, gelben, roten, blauen… grünen und grünen Bildern… und lichtdurchfluteten Bildern, die sich mit dem durchqueren des Lichts verändern. All das ist Poesie. Außerdem –außerdem- mit der Charakteristik, mit der diese Energie umrissen, mit der sie verbunden wurde und sie „straff“ wurde. Und sie wurde –zu unserer Wonne- zur Form. Und sie wurde Frucht… für unsere Ernährung.

Ist es etwa nicht überraschend, die magische Schönheit einer Blume zu kontemplieren? Und dass sich diese mit ihrem vitalen Odem in Apfel, in Birne, in Aprikose, in Wassermelone, in Honigmelone, in… irgendeine Frucht verwandelt, die am meisten benötigt wird.

Und ist es vielleicht keine Poesie, dass sich dann später ein Bissen davon in eine Kraft verwandelt, in eine Bewegung, in eine Idee…?

Ist es vielleicht nicht magisch, dass das, was das Leben gestaltet, anscheinend praktisch und konkret und materiell ist, aber es der Odem ist, der sich in seiner göttlichen Diversität gezeigt hat…?

Er hat sich pleomorph gemacht. Ein kriechender Wurm hat sich sogar in einen überraschenden Schmetterling verwandelt.

Ja: „Der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein.”

 

Und um die Größe der Schönheit zu wissen und sich ihrer und der Inspiration bewusst zu werden, die sie für uns bedeutet… ist das ausreichend Lob für das Leben, für unsere Bewusstseinszustände, um uns davon zu lösen… sie für zwei unterschiedliche Welten zu halten: das praktische, das Materielle, das Immaterielle –diese unnütze Dualität-… wo doch unser Design dafür da ist, um diese Silhouette, diesen Umriss zu integrieren, welchen der Schöpfergeschmack in einer Mohnblüte, in einem Tiger oder… in einem Fluss zu entwerfen, hatte.

 

Das Gleichgewicht und in der Lage zu sein, jede Situation, die uns anzieht zu bewundern... und in einem welken Blatt eine liebevolle Intention einzusammeln... und es zu verstehen in einem Buchstaben die Intention… die subtile Intention eines ‚Grandiosen Liebens‘ zu schauen.

Und in diesen Situationen gibt es keine Dualitäten, es gibt Integritäten. Es gibt Übereinstimmungen im Leben, welche uns das Abenteuer zuwerfen, permanent kreativ zu sein, in unseren Aufrichtigkeiten bereit zu sein, klar zu sein in unseren Intentionen.

 

Es ist eigenartig: wie viele Bücher, wie viele geschriebene Seiten, wie viele Worte wurden verbrannt. Wie viele permanente Versuche wurden gemacht, um das Erträumte zu zerstören. Und jedes Mal, wenn ein Mächtiger sich niederließ, zerstörte der Buchstabe, zerstörte das Wort. Und seine heiligen Texte dienten zum anfeuern. Ja! In der Geschichte gibt es die berühmte Bibliothek von Alexandrien, aber… es gibt viel mehr Selbstverherrlichungen, die auf die Zerstörung des Wortes zurückgreifen.

Ja, dieses Wort, das uns transportiert! Weil jedes einzelne von ihnen wie ein Segelschiff ist, das durch den Wind es unglaublichen segelt. „Ein Wort von Dir genügt, um zu heilen.”

 

Und davon, ein vitaler Odem des Hauchs zu sein, hat sie der Mensch –seine Worte- in Kürzungen verwandelt; in Kürzungen, um etwas zu markieren, das man besitzen kann, das man haben kann, das man lenken kann, das bequem sein kann, das man kaufen und verkaufen kann.

 

Die Leichtigkeit der Probe, dieses „versuchen, mal sehen ob”... ohne vorher gefühlt zu haben, ohne den Duft des Unbekannten eingeatmet zu haben, die Intuition des Überraschenden, des Unerwarteten. Und bei anderen Gelegenheiten ist… es das Verlangen des Versuchs… hin zu Fegefeuern zu gehen und siegreich hervorzugehen. Siegreich über was?

 

Die Treue dem Offenbarten gegenüber ist heutzutage nicht die Stärke unserer Spezies.

Das ist vielmehr der Versuch, die Zerstreuung, die Flucht vor Idealen...

„Wofür –fragt sich der moderne Mensch- wofür ein Ideal? Lass mich in meiner sesshaften Position, lass mich meine Sicherheit erreichen, lass mich, dass ich meine Individualität erreiche. Unterstelle mich nicht Idealen, die… mich beschäftigen. Nein. Ich möchte an einem Ort… meines Denkens, meines Fühlens, meines Ortes sein. Etwas, das mir gehört. Ich will Eigentümer meiner Erde, meiner Idee sein. Ich will nicht Wanderer sein, nein! Nein, nein… betrüge mich nicht mit Poesien, mit Blumen oder mit Ködern der Fantasie, dass muss man nämlich später aufrecht erhalten! Es ist besser, meine Versicherung, meinen Versuch zu haben und sicher in dem zu sein, was geschieht, weil es anderen auch geschieht! Weil andere –die Mehrheit- auch von dieser... Selbstverherrlichung leben. Und es geht uns gut…! Na gut!”

„Uns geht es gut?”

 

Wie wenig das Wesen über die Güte weiß!

Und wie sehr insistiert und insistiert es auf seiner Wahrheit!

 

Einige Ausnahmen bemerken den Abgrund, den… das Selbstverherrlichende mit sich bringt.

Andere –die Mehrheit der Mehrheit- koppeln sich an sie dran und beginnen einen dekadenten Weg der überprüften und abgesicherten Wiederholung. Das schon: es darf keine Lebensversicherung, kein Haus, kein… was auch immer fehlen!

Tatsächlich bedeutet das, das Leben wegzustoßen… –das klingt stark- das Leben hin zur Vulgarität hin wegzustoßen. Das Leben hin zum „geboren werden, zum Wachsen, zum sich Reproduzieren, zum Besitzen, zum Zerfallen und zum Sterben vertreiben“.

Und es ist nicht schwer, sich in dem betenden Moment zu fragen: „Hören Sie mal... Haben Sie irgendwann einmal die Anstrengung geschätzt –was für das Schöpfer Mysterium keine Anstrengung ist, aber so können wir es verstehen(!)- was es bedeutet, eine Schöpfung zu schöpfen, was der Transport und die Ausarbeitung einer Existenz, eines Erlebens bedeutet?

Wissen Sie und Sie und Sie und Sie, was investiert worden ist, damit Sie gütig, großzügig, treu, ehrlich, harmonisch, verliebt, fantastisch sind...?”

Man kann weitermachen:

„Wissen Sie, was alles investiert worden ist, all die Tricks, die Zufälligkeiten, das Unvorhergesehene und das Unerwartete, was die Schöpfung machen musste, damit Sie wichtig sind, damit Sie sich in der Leere befinden, damit Sie bewusst sind, damit Sie ihre Talente erkennen, und damit Sie ein Befreier sind…? Vielleicht… vielleicht wussten Sie es nicht. Vielleicht wussten Sie es nicht, dass so viel investiert worden war!

Wissen Sie, was alles investiert werden musste, um diesen Ort des Universums abzusondern, einen kleinen blauen Ball, um Sie von theoretischen Kataklysmen[2] zu befreien...? Sie sind selbstverständlich nicht von ihnen befreit! Aber die Investition war, sobald man es bemerkt, unendlich.”

Das Unendliche wohnt in uns! Das Ewige dauert in uns fort. Es wohnt, es dauert fort. Das Mysterium führt uns durch den Sinn der Liebe hin zur Unsterblichkeit.

Aber all das wird beiseite gestellt, all das wird versteckt! Außerdem kann man es nicht nachprüfen. Wir könnten nur von der Evolution sprechen: ja, sie hat ihre Anstrengungen gemacht, um uns zu dem zu bringen, was wir sind. Aber noch wissen wir nicht, was wir sind. Und wenn wir durch die anderen Perspektiven, durch eine andere Sprache erahnen, was wir sind, dann hält sich das Wesen an seinem Wissen fest, es flüchtet sich in seinem Recht, es hisst seine Freiheiten.

All das hat es sich ausgedacht, um seine Sehnsucht nach Macht zu begünstigen. Selbstverständlich jeder einzelne in seiner Facette!

 

Ja, es sind Betende Worte, welche die Beschaffenheit unserer Anwesenheit fordern und die Gaben und die Gelegenheiten, die sich uns präsentieren.

Gewiss, ausgehend von der Sichtweise „meiner Wahrheit“ interessiert mich nichts davon. Es ist noch mehr, ich kann das als eine… eine Forderung, als einen Hinweis, als eine Bedrohung interpretieren.

 

Gewiss, das Wesen der Menschheit lässt nicht ab von der Idee, Gott zu domestizieren. Nein. Es will IHN für sich, jeder einzelne. Und es will hören, wie gut es ist, anstatt sich danach zu sehnen so gut zu sein, wie es sein sollte.

Klar, und so wird zu leben hart. Aber es ist das Wesen selbst, das sich die Härte angelegt hat. Es ist das Wesen selbst, das das Hindernis gesetzt hat. Es ist das Wesen selbst, das seine Worte hintergangen hat.

Und das hat es rau gemacht wie das Espartogras[3]. Und es hat sich von der Subtilität des Fluges des Schmetterlings abgesondert.

 

 

Der Betende Ruf strebt immer danach, was das Wesen „Wunder” nennt. Ja, ER ist sich bewusst, das SEINE Worte einen Augenblick verbleiben, sie werden wie eine Beleidigung angesehen oder wie eine Beeinträchtigung und… na gut(!), einige sind interessant. Aber später geht es vorbei… Es geht vorbei! Und in wenigen Stunden –wenigen- wird es schwierig sein, sich an sie zu erinnern.

Deswegen befindet sich jetzt das betende Streben im Wunder:

Auf das irgendein Funke SEINER Anregungen in dem Gemüt des Wesens Feuer fängt und das benötigte Licht für diese Konversion, für diese Rebellion geben kann…

Diese Verwandlung und diese Rebellion hin zu einem verliebten Eifer in dem Mystischen, in dem Subtilen…

Und gleichzeitig das Gewebe der Anstrengung, die Magie des Ausruhens, das Staunen über den Tagesanbruch, die Intimität… die Intimität der Wiederbegegnung mit unserer Beschaffenheit zu schätzen zu wissen.

Ja, heutzutage zu beten ist… Wunder.

 

 

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[1] „El tiempo es oro, y el que la pierde, pierde un tesoro.“  

[2] Der Begriff Kataklysmus oder Kataklysmos bezeichnet eine sehr große, alles zerstörende Katastrophe.

[3]Espartogras (Lygeum spartum) ist eine im südlichen Mittelmeergebiet heimische Grasart aus der monotypischen Gattung Lygeum. Ihre Blattfasern werden zur Herstellung von Seilen und Papier (Alfapapier) verwendet.