6.22 Ein ewiger Gesang... der Freude und der Güte

 

BETENDER RUF

 

Im Laufe von Kulturen, Philosophien, Religionen, persönlichen Erfahrungen –und einem langen und so weiter und sofort- im Leben der Gefühle, der Emotionen, im Leben der unbegreiflichen Wirklichkeit, des Immateriellen… –letztendlich in dem Leben des Bewusstseins, dass seine Referenz in dem Mysteriösen, in dem Schöpferischen, in dem Göttlichen hat-, sind die Haltungen insgesamt sehr disproportioniert (span. ‚disforme‘). Das bedeutet, ohne Form, ohne diese Fülle –oder klar, ihre Entsprechung- welche die Schöpfung dem Leben gibt.

Und sobald sich der Mensch –als Menschheit- bestraft fühlte, so fühlte er sich belohnt, sobald fühlte er sich ausgeschimpft oder gewarnt. Auch das gefiel ihm nicht. Es gefiel ihm auch nicht, dass er zu wohlwollend war, denn dann konnte er sich nicht beklagen.

Das Bewusstsein der Menschheit reifte nicht. Nein. Es ist noch mehr, sie entwickelte sich nach und nach in ihrem Ego und… sie bemerkte oder sie bemerkte nicht –für den Fall ist es dasselbe-, dass sich die „Ego-Selbstverherrlichung” oder der „Ego Götzendienst” in ihr bildete und sie bewunderte, was ihr gefiel und verwarf, was ihr nicht gefiel.

Und in Bezug auf das Vergnügen: dieses Vergnügen bezog sich… auf das naheliegendste, leichte Vergnügen, und das ohne Verpflichtung.

Selbstverständlich zählen hier nicht die Ausnahmen.

Aber wir könnten sagen, dass das menschliche Wesen im Allgemeinen nicht mit der Schöpfung und dessen Aktionen einverstanden ist. Es ist weder einverstanden mit der Sonne, noch mit den Sternen. Es ist weder mit der Kälte noch mit der Wärme einverstanden. Es ist weder mit dem Regen noch mit dem Schnee einverstanden. Alles, was seinen Bauchnabel „aus der Ruhe bringt“ –in Anführungsstrichen aus der Ruhe bringt-, beunruhigt das Wesen.

Es ist die permanente Klage, das Schöpfer Mysterium darum zu bitten, unser bürgerlicher Diener zu sein, unser Beifall Klatschender, unser Wohlwollender… ES soll sogar unser Hehler sein.

Nein… das Wesen hat es nicht erreicht, die Dimension seiner Position in der Schöpfung, im Universum, in der Liebe des Ewigen zu umreißen.

Seine persönliche Eigenart als Gruppe, als Gemeinschaft, als Land, als Individuum –das ist egal(!)- ist… Arroganz. Ja, es ist Arroganz, weil es keine anderen Bitten als  die eigenen beachtet.

Es entscheidet, es beugt sich, es macht sich zu Nutze… es entscheidet und entscheidet unentschlossener Weise… aber es droht, es droht eins ums andere Mal mit seinen Talenten, ohne zu geben –und wir sprechen weiterhin global (span.: ‚globalmente‘) oder von der „Menschheitskugel (span.: ‚globo de humanidad`). Klar, offensichtlich kann sich jedwedes menschliche Wesen –als Menschheit-, das zuhört,  beleidigt, angegriffen, kritisiert fühlen: „Das ist nicht fair“, „das ist nicht gerecht“

Ja, das Wesen zieht eine gute Skulptur vor –so wie die Diktatoren, die ihre Büsten und ihre Pferde und ihre Zeichen der Identität aufstellen-, die „Baals”[1] repräsentieren, das bedeutet, äquivalente Götter, die er malen, illustrieren, aufpolieren kann…, der er spazieren fahren kann…

Die werden es (das Wesen) nicht anmahnen, noch werden sie es korrigieren, noch werden sie es hinweisen, noch werden sie es benachrichtigen… nein! Das sind schöne Figürchen, die man sogar zum Altar bringen kann. Immer lächeln sie uns zu, weil sie mit einem Lächeln gemacht worden sind.

Und so wird der Bauchnabel des Wesens zufrieden sein, gelassen mit seinem Hohlraum –fast immer voll- und mit wenigen Optionen, sich zu renovieren, sich zu revitalisieren, sich zu überdenken, DAS zu bewundern, von DEM es betrachtet wird, nämlich das Schöpfer Mysterium, DAS es betrachtet, DAS ihm verhalf, hier herzukommen, DAS es herbrachte. Und infolgedessen (mit wenigen Optionen) in diesem Sinne zu handeln.

 

Und so freut sich das Wesen, wenn es hört, dass „Gott unendlich Gut ist, unendlich Weise, unendlich Heilig.“ … Bitte IHN um was Du möchtest und ER wir es Dir geben, weil ER so gut ist… ER wird Dich nicht richten. Er wird Dich nicht bewerten. ER wird Dich nicht… Nein. ER vertraut Dir, weil alles, was Du machst, gut ist. Du bist eine gute Person, Du bist „nett“. So kann sich niemand durch das angesprochen fühlen, was der Betende Ruf ausdrücken kann. Alles sehr, sehr schön, alle sehr dankbar.

Das, was der Betende sucht ist, dass SIE ihn nicht bemerken, ausgenommen, wenn SIE ihm etwas gebenwollen –und wir fühlen, dass das nicht beten ist.

 

Die Menschheit fing vor vielen vorherigen Wiederholungen an, das Fest des Lebens kaputtzumachen. Die wahrhafte Dimension zu beten ist die, die uns orientieren, die uns erneut orientieren kann…, damit zu leben wirklich ein Fest ist, so wie es sein Entwurf ist, und dass es keine Folter, keine Diskussion, keine Klage, keine Unvereinbarkeit, kein Vorurteil ist… –uff(!)- und man nicht damit endet zu sagen: „Wie schwierig es doch ist, zu leben!“ Bitte!

 

Aus wer weiß welchen Entfernungen haben sich

Harmonien, Farben, Einklänge gebildet…

Diverse neue Kreationen, verknüpft und anmutig.

 

SIE reisten und kreierten Räume…

Und SIE bildeten Augenblicke unendlicher Schönheiten.

Klangliche Schönheiten von so subtilem Ton, dass sie unhörbar wurden,

aber tief empfunden.

Sie reisten und reisten… und sie kreierten kleine Unterbrechungen…

lustig, lebhaft.

Jede Farbe war beglückt von der anderen und… auf subtile Weise

hatten sie Vertrauen zueinander.

Alles klang nach Transparenz: nichts zu verbergen.

Der Ton floss und floss mit seinen subtilen Halbtönen.

Es schien, als ob sie sich ewige Geschichten der Herkunft erzählten.

 

Nichts kollidierte. Die Sorge war nicht notwendig.

Jedes Fließen wurde zu einem Zusammenfließen mit den anderen.

Eine eigenartige Beschaffenheit…

umhüllte die Lichter, die als… Überraschung auftauchten!

So entzückt(!)... so dankbar...(!),

Dass sie unter sich –unter Lichtern- eins ums andere Mal lächelten.

 

Ohne Gründe, ohne Rechtfertigungen folgten sie ihrem Fließen…

und bildeten Jahreszeiten der Sanftheit… (span. ‚ternura’)ohne Vernunft… (span. ‚cordura’)!

 

Mit der sanften… mit der sanften Freude,

die für Momente anwuchs,

zu… hingegebenen Brandungen unergründlichen Höhlen

sprangen die Wasser auf der Suche nach neuen Ozeanen.

Und dort tauchten sie auf.

 

Es waren… es waren Küsse(!), ja.

SIE sagen, dass es einer der ersten Küsse war, die hervorgebracht wurden.

Eine gigantische Welle tauchte auf und suchte ihre Unterbringung,

die noch nicht geschöpft worden war.

Und als der Wellengang gesehen wurde,

ging aus dem Nichts die Höhle eines feurigen Mundes hervor,

um den begierigen Kuss der ungeduldigen Wellen zu empfangen.

 

Es tauchte ein Lichtschnippen auf… das äußerst strahlend war.

Die Schleier der Farben flüsterten sich in Bezug auf… dieses überraschende Ereignis

 untereinander zu:

Ein Kuss…!

 

Er wurde zur Geschichte in der Ewigkeit.

Und mit ihm die Genesis der Liebkosung…

Der sanften gurrenden Ankunft des Wassers am Gestade;

der sanften Ankunft des Gurrens des Wassers am Gestade.

 

Und so wie der erste Kuss,

tauchte ein unergründlicher Prozess auf.

Treu kam er zum Gestade, immer anders…

aber er versäumte nicht seine Verabredung.

 

Das Hin und Her neuer Ewigkeiten wurde zum Echo.

Küsse und Zärtlichkeiten erzeugten sich ohne Unterlass…

Und als permanente Überraschung,  

verschworen sich die Wasser und die Lichter,

um aus Küssen und Liebkosungen UMARMUNGEN zu machen.

Zuckende Umarmungen der Verschmelzung,

der Aufnahme. Es wurden Farben und Klänge aufgenommen.

Es wurden ausgedehnte Gesänge gemacht,

welche die Geschmäcker füllten…

sie alle angenehm in sich selbst und unter ihnen…

eins ums andere Mal in neuen und neuen Räumen erschaffen.

 

Unersättliche Aufs und Abs…

Unersättliche Aufs und Abs, die ihre Beschaffenheit nicht verloren,

sondern die von ihren Essenzen aus neue gewannen.

Parfüme…

Ja, Parfüme, die anzogen, die riefen…

die sich ohne Disput… geltend machten!

 

Ach…! Und zwischen Küssen, Zärtlichkeiten und Umarmungen,

dehnte sich das Aroma weiter aus

und wurde zu Umhüllungen,

die sich untereinander einhüllten und sich genossen.

 

Aromen… von durchdringenden Einklängen…

die zu einem ewigen Gegenwärtigen wurden:

Der Kuss, die Zärtlichkeit, die Liebkosung, die Umarmung.

All das verschworen mit einem Aroma…

entwickelten sie die Gesänge:

Gesänge mysteriöser Zusammenflüsse.

 

Obwohl alles klar war

wusste man nicht, welchen Gesang es… jetzt, danach, später

geben würde.

 

Ohne die Üppigkeit des Kusses, der Zärtlichkeit, der Liebkosung,

der Umarmung, des Dufts, des Parfüms zu verlieren…

floss alles zusammen, das Wort suchend,

den Klang suchend… der die Neuheit war,

der angesichts der Stille inopportun erschien.

Ach! Aber nein…

Die Stille erklärte

–ohne etwas zu sagen(!)- 

dass… SIE LIEBTE…

SIE LIEBTE!

Dass SIE da wie angestautes Wasser war,

wie wenn der erste Kuss geschah,

um den Klang… vom ersten VER-LIEB-TEN Ereignis aufzunehmen.

 

Neue Kauderwelsche gingen zwischen

Liebkosungen, Küssen, Düften, Umarmungen, Parfüms hervor…

Eine andere Überraschung näherte sich.

 

In dem sich ereignen kontinuierlicher Überraschungen,

erklärte sich die Stille zur Geliebten des Wortes, Geliebte des Klangs.

Und dieses erklärte sich hingebungsvoll und treu

und brennend zum Prägenden jeder Stille.

So wie die große Welle, die ihre Höhle für den Kuss fand…

fand der Klang in seinem Verlangen die Stille, um sich GELIEBT zu fühlen;

um Geliebte… der Glorie zu sein.

Glorie, die… wie ein subtiler neuer Stoff war.

Ja, seidig… vorsichtig…

 

„Ich weiß nicht, ich weiß nicht, was ich sagen soll…”

Heulten der Klang und die Worte

angesichts des sehnsüchtigen Verlangens seiner Geliebten, der Stille.

 

(Gesang)

Es gab keine Bedeutung. Es gab ein ewiges „Ich liebe Dich”.

Ein Zauber von Wohltaten zwischen der Stille und dem Klang: das Wort.

Unermüdlich.

 

Das Wort  „ja, jaaa”… wurde zur Komplizin, der Stille, gesagt,

die das „Ich liebe Dich“ erzeugte.

 

Ja. Sie riefen den Wind an, diesen subtilen und großzügigen Komplizen,

damit er die Nachricht übermittelte… dort, wo es noch kein Zuhören gab(!),

das entstehen würde, wenn man wissen würde,

dass der Wind mit guten Nachrichten… kommen würde.

 

Gute Nachrichten:

Die Geliebten waren… aus unendlichen Unendlichkeiten entstanden.

Und der Wind wurde… zum permanenten Gesang.

Er beschrieb jeden Kuss und jede neue Umarmung und…

und jede neue Intimität… von diesem „ich liebe Dich”

in Kreisen in Ellipsen oder in Linien.

Von diesem „ich liebe Dich”.

 

Ja, das Fest ging weiter.

Es gab weder Geringschätzung noch Ohnmacht.

Es gab weder Meinung… noch etwas, was sich entgegensetzte.

Das Nichts als Komplize applaudierte…

und ließ aus seinen Dunkelheiten neue Harmonien hervorquellen.

(Canto)

 

Atem…!

Ja! Zwischen Klang, Wort und Stille

hörte man –sagte der Wind- Atem.

Atem der… Seufzer!

Seufzer?

Ja! Dieser Atem des Genusses…

Seufzer, ja.

Diese… diese Bewegungen der Hingabe… ohne Hemmung!

Oh…!

Ach…!

 

Seufzer für Seufzer fuhren fort…

Die Streifzüge der Unendlichkeiten…

ein „ich liebe Dich” verkündend, wie ein Triumpf…

während sie die Muster ihrer Küsse, Zärtlichkeiten,

Liebkosungen, Parfüms, Gesänge zeigten.

 

All das hüllte Schöpfungen und Schöpfungen ein…

um den Aufenthalten Sinn zu geben.

Um dem Dasein einen treuen Sinn zu geben.

Um von den Worten Zeugnis abzulegen.

Um ein Ewiger Gesang… der Freude und der Güte zu sein.

 

Ja!

 

 

***

   

 

 


[1]Baal (auch Baʿal) ist im Altertum eine Bezeichnung für verschiedene Gottheiten im westsemitischen (syrischen und levantinischen) Raum und bedeutet: Herr, Meister, Besitzer, Ehemann, König oder Gott.