52. Neugeboren werden. Leuchten.

 

BETENDER RUF

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Und wegen dem, was man von den Rhythmen der Glaubensvorstellungen, den Kulturen und den Zivilisationen kennt, markiert jeder einzelne in der Menschheit bestimmte Momente: Um die Ernte zu feiern…, wegen der Ankunft des Frühlings…, wegen der Freude des ersten Schnees…, wegen der Erinnerung der Geburt des ersten Kindes, wegen der Erinnerung der Verlobungen, wegen der Taufe der Krieger… Wir könnten vielzählige Ereignisse aufzählen… manchmal mehr oder weniger kleine, persönliche, oder große und gemeinschaftliche.

Und es ist wie –wie in allen Fällen: Wenn sich die menschliche Gemeinschaft die Gelegenheit zu überprüfen gäbe, die Möglichkeit miteinander zu reden, miteinander zu sprechen, zu berichtigen, zu vergeben, zu planen, zu beten gäbe…

Es ist ein kollektives Unbewusstsein, das die Spezies bewegt, sich gemäß  der Kalender, gemäß Monden, gemäß diverser Situationen, zu reinigen, aber in allen Fällen sucht man diese… TUGEND: sich zumindest für einige Tage, in tugendhaft zu verwandeln.

Die KumbhMela in Indien ist in der Lage, mehr als 15 Millionen Personen im Akt der Läuterung, des Zusammenlebens, der Riten, der Gurus aufzunehmen… Und es ist nicht wichtig, ob es die Reichen oder Armen sind oder… –um ein Bespiel unglaublicher Motivation zu geben.

 

Aber in der gleichen Form bringt die Ankunft des Ramadan oder der Eintritt des Yom Kippur oder in unserer Kultur, die Ankunft der Weihnacht… ein Ereignis, um zu überprüfen, um auszubessern… und um den Glauben anwachsen zu lassen, sich zu verzeihen und zu verzeihen, aber das Verdrehte zu korrigieren, das Kaputte wiederherzustellen.

Wenn wir einmal auf den Sinn aller Rituale schauen, dann pocht in ihnen allen anfänglich ein Wort: GEBOREN WERDEN. NEU GEBOREN WERDEN.

Das ist so, wie wenn der Geburtstag von jedem einzelnen kommt und eine Bewertung des Erreichten gemacht wird, des Erlangten und des Verlorenen, des Vergessenen. Aber… diese Ereignisse der Menschheiten bringen ein neues Beginnen mit sich. Erneut geboren werden.

Erneut geboren werden mit dem, was man bereits weiß, was man kennt und was man gelebt hat; danach trachten, ein neues Wesen zu sein, das nicht mit so, so vielen Enttäuschungen, Wut, Zwängen… und einem langen etc. besprenkelt ist… und einem langen  etc., das die Hoffnungen und die Ideale „bedroht”.

 

In unserer Kultur… –„unserer” wegen der Prävalenz und wegen der Präpotenz, die man eingesetzt hat, mit der man uns erzogen hat, mit der man uns beigebracht hat, mit der man uns aufgezwungen hat-… es gab keine andere Information. Und an anderen Orten passierte dasselbe.

Die Religionen bemächtigten sich unseres Verstandes, unseres Fühlens. Sie wurden zu Herren unserer Erziehung. Sie drangen in unser tiefstes Unterbewusstsein ein. Sie machten alle zu Sündern, plötzlich oder nach und nach. Es gab nur wenig Platz für die Gerechten, wenig Raum für „das Gute“.

Wenn wir „unser” sagen, dann das heißt das „bestimmt“, „gezwungen”, „vollgestopft”, „darauf bestehend”…

 

Ohne Referenzmittel, ohne Mittel des Zusammenflusses, wurde jede einzelne von ihnen zu unserem Fühlen… und damit zu unserer Form zu denken, uns zu organisieren, zu teilen…

Und von da an die unendlichen Kriege, um zu zeigen, welches die beste Form ist, geboren zu werden, welches der beste Prototyp der Individuen ist.

 

Der Betende Ruf von heute impliziert uns in diesem geboren werden in der universellen Beschaffenheit. Ohne religiösen Patriotismus. In diesem GEBOREN WERDEN, das uns mit aufgezwungenen Charakteristika entdeckt, gegenüber denen wir eine andere Antwort geben müssen, welche nicht der Krieg, die Verweigerung, der Konkurrenzkampf oder… die Gleichgültigkeit sind.

Ja, die Menschheit als solche in ihrem Verstreichen suchte Momente, um zu überprüfen, um zu überarbeiten, um nachzudenken… nehmen wir also diesen Rhythmus unter jedwedem Bezugspunkt an: Den Rhythmus zu wissen, dass zumindest, zumindest(!) einmal… –in diesem Fall nahe: Jedes Jahr-, können wir unsere Beschaffenheit umgestalten; uns sehen, dass wir neu geboren werden, ohne die konditionierenden Verhaftungen, ohne die obsessiven Forderungen, ohne die festen, unbeweglichen Ideen.

Tage oder Momente sich im Gebet mit dem Schöpfer Wort zu treffen… ohne Name, ohne Nachnamen –aber die uns gesellschaftlich konditioniert haben. Wir sollten es wie einen Moment annehmen, aber wir sollten es als eine Gelegenheit bewerten. Eine Gelegenheit in diesem GEBOREN WERDEN. Und da alles geboren werden ist: neu(!), bereit(!), kreativ(!), sorgfältig(!). Ach…! Begierig aus Dankbarkeit.

 

Die menschliche Spezies schaudert vor Angst. Sie erahnt ihre Desaster. Sie zweifelt an ihren Ressourcen. Und sie strebt als Erleichterung nach dem Tot.

Es ist der Moment, nicht nur punktuell, sondern alltäglich(!) –aber jetzt fordert uns das Punktuelle auf-, das Leben zu ehren, seinen Inhalt und seine Kapazität zu ehren, dass wir angesichts seiner mysteriösen Begründung staunen, dass wir in unserem Leben das Wunder bemerken, das sich jeden Tag ereignet… um wieder zu seufzen, um danach zu streben… und um mit dem Lachen zu spielen, und um den Schlag aufzugeben.

 

Wenn man sich in diesem GEBOREN WERDEN befindet, das… für uns dran ist(!), dann können wir entdecken –so als wüsste man es nicht, dass es DAS LIEBEN ist, was wichtig ist. Das ist das Fundament. Das ist die Transzendenz.

Ohne zu wissen… was es wirklich ist, aber das fühlend, was uns wiederspiegelnd rührt, was uns in andere Momente des Bewusstsein springen lässt… in denen das Universum grandios wird und unsere Sensibilität unbegrenzt wird.

 

Dieses „neu geboren werden“ (span. ‚nacer de nuevo’)… ist der TAGESANBRUCH (span. ‚AMA-NECER’), woran uns bei vielen anderen Gelegenheiten der Betende Sinn erinnert, damit es ein tägliches Leitmotiv sei –nicht umstandsbedingt aufgezwungen(!), so wie wir es jetzt akzeptieren und annehmen. Was uns auch eine andere Gelegenheit, theoretisch größer und amplifizierter gibt…(!) als der kulturelle Zwang und die Gewohnheit, die wir obendrein tragen.

Aber diese Kultivierung des TAGESANBRUCHS (span. ‚AMA-NECER’) –„aus Liebe geboren werden”-… ist das, was uns jeden Tag begleiten muss. Und es ist gut, dass wir es durch die Umstände auch verstehen, –um nicht in den kontinuierlichen Krieg einzutreten- uns in diesem kulminierenden Jahr einzusammeln, das für die einen die eine Sache ist und für die anderen die andere. Aber auf der Bezugsebene haben wir bereits eine Runde gedreht. SIE haben uns „angeleuchtet” (span. ‚alumbrar’[1]).

Wissen Sie, die Entbindung (span. ‚el alumbramiento‘) ist das Ereignis, wenn sich die Plazenta von der mütterlichen Intimität ablöst, wenn das Wesen eine Individualität erreicht.

„Entbindung” (span. ‚el alumbramiento‘). „Beleuchten” (span. ‚alumbrar’[2]).

Beleuchten (span. ‚alumbrar’)[3]. Und man sagt richtig, dass in jedem dieser Momente ein neues Licht auftaucht.

Und was wir bemerken müssen ist –und der Betende Sinn fordert uns dazu auf-, dass wir jeden Tag leuchten. In der Dunkelheit zu leuchten(!)... ist unsere Beschaffenheit: Jetzt, mit einem anderen Sinn, aber gleichzeitig mit der Unabhängigkeit, dass wir erneut geboren worden sind… in diesem großen Universum, in dem… –wir heute unter dem Betenden Sinn „zweifellos” sagen könnten-, dass diese Schöpfer Mysterium von immenser Dunkelheit –Mysterium- einen Lichtstreifen beleuchtet …; einen kleinen Streifen, der erleuchtet, der aus diesem Schöpfer Mysterium heraustritt! Und dass wir es in dem Großartigen in der unendlichen Anzahl der Sterne, unbedeutend angesichts des Dunklen, des Mysteriums, sehen.

Die gleiche Proportion beobachten wir zwischen unserer festen Erde und dem Wasser, das uns umgibt: ein beeindruckendes Missverhältnis.

Und in diesem Eindruck ist es, wann wir staunen müssen, diesem mysteriösen Akt der Liebe anzugehören… was das Auftauchen des LICHTS mit sich bringt… und damit, dass es einen neuen leuchtenden Beitrag bedeutet.

Es ist nicht wichtig, welchem Geschlecht wir angehören. Wir wurden hervorgebracht, um Zeugen des Lichts zu sein, um zu leuchten (span. ‚alumbrar’)[4].

 

Wenn wir uns unserem Fühlen hingeben, wenn wir uns geben, um unser Fühlen zu läutern, indem wir lieben… und lieben und lieben, vom unbedeutendsten bis zu dem, was wir für grandios halten… dann werden wir gleich, ähnlich dem Wunder zu leben sein. Wir werden wundersam und wundergläubig sein, und wir werden das Potential haben, Wunder zu übermitteln. Nichts für verloren zu erklären. Nicht zu urteilen. Und so, die Möglichkeit erweitern, nicht verurteilt zu werden.

 

Das Lieben kann keine Vorbehalte haben. Es kann nicht einer „konditionierten Freiheit” unterliegen. Es ist in seiner Ausübung, in seiner Suche und in seiner Entwicklung wo sich das Wesen entdeckt… wo wir in der Lage sind, der ganzen Kunst und Schönheit einen Sinn zu geben –mit unseren Sinnen- was bedeutet, an dieses transfigurierte geboren werden, an diesen wiederauferstandenen Tot „zu glauben“.

Und infolgedessen angesichts der konstanten Bedrohung… und der permanenten Benachrichtigung… und der permanenten Bekanntmachung, die uns bestraft, die uns züchtigt… nicht  nachzulassen

Und eine andere Antwort zu geben, in der zu leben eine Kraft ist, in der zu leben bedeutet, sich zu entdecken, in der zu leben keine Zeit hat (es keine Zeit gibt), in der zu leben die Grenzen durchschreitet, in der geliebt zu leben, die Grenzen auflöst… und es leuchtend wird… und wir uns in den Sternen kontemplieren können!

 

(4 Minuten der Stille)

 

Wir sollten nicht verschieben… wir sollte die Funktion… Wiedergeboren zu werden, wiederaufzuerstehen… makellos zu glänzen nicht auf einen anderen Tag verschieben, auf nachher, auf später

Und auf diese Weise die verzweifelte Fuge des Todes verscheuchen.

 

AMEN!

 

***

 


[1] „Alumbrar“, „leuchten, erleuchten, beleuchten, zur Welt bringen, entbinden“.

[2] s.o.

[3] s.o.

[4] „Alumbrar“, „leuchten, erleuchten, beleuchten, zur Welt bringen, entbinden“.