49. Wir sollten eine gute Erde sein, die sich dem Saatgut anbietet. Das Empfangende.

 

BETENDER RUF

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Und das Wesen der Menschheit in dieser schwindelerregenden Zeit…

Schwindelerregend aufgrund des Vertrauensverlustes des Vertrauens, aufgrund der Unsicherheit, aufgrund der Hast, aufgrund dieses generalisierten Angstverhaltens, das sich punktuell in den Beziehungen, in dem Zusammenleben manifestiert…

Diese Verzweiflung, zu gewinnen, zu erreichen, zu haben, zu erlangen… war ein Stil, der mit der progressiven Materialisierung und Possession geschmiedet wurde, und er hat sich in eine begierige Notwendigkeit zu haben, zu konsumieren, zu kontrollieren, zu wissen verwandelt…

Es scheint so, als würde uns die anwachsende (ital.: ‚en crescendo‘),  Schnelligkeit anstecken, die unsere Galaxie, unsere nahe bekannte Welt, hat. Und sicherlich befinden wir uns in ihr und in all diesen Gravitationswellen und anderen ungenaue Phänomenen, aber offensichtlich haben sie auf unser Dasein, unser Fühlen, unser Tun Einfluss.

Aber wenn Sie den haben, dann ist es vor allem auf eine funktionelle Struktur, die einerseits versteift und andererseits entmutigt ist. Sie versteift sich, festhaltend an Gewohnheiten, an Normen, an Gesetzen… und sie kommt nicht vorwärts, sie befreit sich nicht vom Gewicht des Zwangs. Und andererseits scheint sie (die Struktur) es mit der sehnsüchtigen Notwendigkeit nach Antworten, nach Sicherheiten(!), danach, Vorschläge zu machen, Vorschläge, die den Kurs, den sie hat, zu variieren, neu zu  überdenken, darüber nachzudenken.

Und jedwede Neuheit, die angeregt wird oder sich zeigt, wird entweder sofort als Konsum absorbiert, oder aber als unmöglich zurückgewiesen.

 

Diese Beklemmung errichtet sich und wird nach und nach verzehren… ja, sie wird Kapazitäten, Ressourcen… verzehren.

Und so ist es, wie sich das Wesen in die Verzweiflung und in die Unnachgiebigkeit der Kommunikation und der Aufrechterhaltung von konfrontativen Haltungen stürzt. Eigentlich die Respektlosigkeit anstelle der Bewunderungen, die jeder einzelne fühlen könnte.

 

Außerdem gefangen von einer globalisierten Struktur der Mächte und Sklaven. Sie alle… erleben nicht die Gelassenheit, sie schätzen nicht die Sympathie, nicht die Liebenswürdigkeit, sie schätzen nicht die Tugend, nicht nach Ertrag zu streben, nicht das zuvorkommende Engagement oder das ausdauernde Zuhören.

Jeder einzelne strebt danach –so scheint es- zu wollen, dass sich die Welt um ihn herum schwingt…; dass sich alles in Bezug auf sein Fühlen, sein Denken und das Tun eines jeden einzelnen verändert: er bildet das Modell des Herrn und des Sklaven nach.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Es scheint… es scheint, dass alle die Krise des Selbstwertgefühls und die des Schätzens bemerken, die jeder Einzelne lebt, weil sich die Welt nicht an ihn anpasst.

Vorurteile, Zwänge, Geringschätzungen… und vor allem Forderungen…, die zwischen den einen und anderen Wesen aufgestellt werden, wodurch ein kontinuierlicher Antrieb der Kräfte aufgestellt wird.

Das ist ANSTRENGEND.

Und da noch alles zu tun ist, ist es –abgesehen davon, dass es anstrengend ist- beunruhigend schmerzhaft.

 

Und so ist es, wie die Menschheit in einen Teufelskreis eingetreten ist, aus dem sie sich unfähig fühlt, herauszutreten. In dem sie andererseits Angst hat, es zu tun. Eine kontrollierte Korruption ist mehr Wert, als eine permanente Freiheit.

 

Das bedeutet das Sprichwort zu leben von: „Das schlecht Bekannte ist mehr Wert, als das Gute, das man kennenlernen kann.“[1]

 

Der Betende Sinn stellt uns dieses Panorama vor, von dem sicherlich alle bestätigen können, dass sie das kennen, dass wie davon wissen, dass sie sich darin befinden. Aber für gewöhnlich nimmt man das nicht wahr, man engagiert sich nicht in seiner Totalität, sondern man lebt in individuellen Augenblicken. Und das bewirkt, dass die Wiederholungen derselben Irrtümer chronisch werden.

 

Der Betende Sinn fleht uns an, er fleht uns an, er fleht uns, diese ganze Realität wahrzunehmen, in der wir uns bewegen, in der wir diese Zügellosigkeit in mehr oder weniger großem Maße ausüben. Und selbstverständlich nehmen wir dabei Ausnahmen an. Aber die Ausnahmen müssen noch mehr sein(!)… noch wachsamer und belebender, denn der alltäglich Eifer wiederholt sich in einem beängstigenden Verlauf der Possessionen und Sicherheiten.

 

Der Impuls und der anfängliche Eifer, wenn man diese Unruhe betrachtet, ist der, dass man alles sofort verändern möchte. Das ist nicht möglich… aber schon einmalig.

Und auch wenn wir diese Möglichkeit nicht verhindern dürfen, können wir schon Details der Höflichkeit, Details des Zuhörens, Details der Ruhe, Details nicht in Konfrontation zu gehen, Details von „ohne Vorurteile“, Details ohne Gewalt, Details von Fragen und Antworten durch Zuhören... aufnehmen…, die nicht beabsichtigen, sich zu verteidigen, noch anzugreifen, sondern die beabsichtigen einen Konsens zu erreichen.

All diese „kleinen Details” präsentieren sich uns alltäglich, permanent.

Es ist wie die pünktliche Benachrichtigung des Schöpfer Mysteriums, das da ist, als ob es uns hinweisen will, als ob es uns anmahnen würde, uns signalisiert, wo sich das Korn befindet, das uns nährt: dieses Teilchen der Liebe, das sich durch das Leben selbst ausgießt… und was in diesem Zuhören, in dieser Freundlichkeit, in diesem Respekt, in dieser Vorsicht enthalten ist…

 

Der Betende Sinn von heute macht sich zum Verbündeten mit dem Orakel Kalender, in dem das EMPFANGENDE voll wird.

Und wenn wir uns in dem geeigneten Moment befinden –weil uns das das Orakel so vorschlägt- empfänglich zu sein, dann sollten wir empfänglich in dem freundlichen, in dem höflichen, in dem Zuhören, in dem „ohne Vorurteile“ sein.

Wir sollten gegenüber dem, was andere sagen, empfänglich sein.

Wir sollten wie die gute Erde sein, die sich dem Saatgut anbietet, aber wir sollten von dieser Erde nicht fordern, dass sie sich zum Sklaven des Pflugs und der Ernte macht. Warten wir auf ihre Großzügigkeit, die ihr innewohnend ist.

In derselben Art und Weise sollten wir eine Gabe des Vertrauens gegenüber dem Schöpfer Mysterium machen, das uns betrachtet, das uns belebt und uns ernährt…!

Wir sollten aus unserem Wesen einen sauberen, transparenten, strahlenden, freundlichen Tempel machen.

 

Die Kunst im Detail zu leben, die Hüterschaft des Großen, ausgehend von dem Kleinen, ausgehend davon, sich als Tempel zu betrachten… ohne die Arroganz des Besseren und mit der Konstanz unserer Kleinheit. Aber ein reinliches und ehrliches Ideal sein, das nachklingt und die Sinfonie der Lieben aufnimmt, welche diese… Polysinfonie der Farben, der Klänge möglich macht, diesen Beitrag, den uns kontinuierlich unsere Sinne anbieten, die, wenn sie betrachtend (span. ‚templario‘) werden, diese Biodiversität wie ein Wunder betrachten. Und das ist sie!

 

Zu leben wird auf der Basis von diesen kleinen Details wundersamer Weise zu einer Kunst. Und so wird man angesichts der alltäglichen Unruhe und der Verzweiflung und… und der verborgenen oder klar ausgedrückten Gewalt zur Ausnahme!

 

Dieses Übergehen von dem gewöhnlichen… zusammengezogen durch Gesetze, durch Gewohnheiten, Traditionen und unersättliche Wiederholungen, mit dem Wunsch aufzuzwingen. Dieses Gehen dieser Welt in diese andere, die aufnimmt, die das Unvorhergesehene akzeptiert, die darauf vertraut, dass das Notwendige da ist, die weiß, dass das bedingungslose Engagement die Wertschätzung der Schöpfung empfängt. Und damit deutet sich die Ausnahme an, die nicht nach Werbung sucht, die nicht versucht aufzuzwingen, aber die sich sehr wohl weiß auszudrücken.

 

(4 Minuten der Stille)

 

Wenn noch alles zu tun ist und das Realisierte bereits ein Abfall und eine Verzweiflung und eine unersättliche Wiederholung des Egoismus ist…, dann ist es Zeit, dem Betenden Sinn gegenüber empfänglich zu sein. Es ist der Moment, gegenüber der spirituellen Seele empfänglich zu sein. Es ist die Zeit, empfänglich dafür zu sein, wohlwollend, großzügig, freudig zu teilen.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Auf dass der Tag nicht abgeschlossen werde, ohne die Realisierung eines Details festzustellen, eines Details von denen, die wir genannt haben. Auf dass man sich „ausdauernd” bewusst ist, dass das geschehen ist: Dass das Zuhören oder eine Höflichkeit, oder eine Freundlichkeit oder ein Gelassenheit möglich war…

Auf dass wir in DEM begünstigenden EMPFANGENDEN, in dem wir uns befinden, diese Mini Ernte einsammeln.

 

Und wenn man darauf aufpasst, dann werden wir vielzählige Gelegenheiten haben, die bedingenden Antworten zu variieren, die konditionalen Verhaltensweisen, und wir werden eine andere Version geben… ausreichend klar und offensichtlich, um die Überraschung des anderen oder der anderen zu motivieren, und um so Bewunderungen zu erzeugen, die sich ausbreiten und sich freuen.

 

Es ist gratis, vom Beginn eines Tages zum Ende zu kommen, und ein reinliches Saatkorn eines signifikanten Details erreicht zu haben. Ein Saatkorn, das man mit Sicherheit nachts pflanzen wird und das seine Früchte am nächsten Tag geben wird.

Wir sollten mit den Details aus der Empfänglichkeit der Erde eine Ernte machen, ein neuheitliches Saatgut zu sein –mit der Ausnahme einbezogen-, mit der Gewissheit, dass das Ewige mit uns ist; mit der Überzeugung unserer Armut, aber gleichzeitig mit der Offensichtlichkeit der „Assistenz“: der liebevollen Assistenz zu leben, des Lebens, dieses Schöpfer Mysteriums.

Ein Detail, „ein einziges Detail” wird bewirken, dass dieser Tag unvergesslich wird. Und wir sammeln unvergessliche Tage und Tage an…(!), die nach und nach unser Wesen transfigurieren, und damit wir ein permanenter Tempel sind, wo sich jeder auf der Suche nach Hilfe einfinden kann, auf der Suche nach Erleichterung, auf der Suche nach Trost, auf der Suche nach Genesung, auf der Suche danach, heil zu werden.

 

Amen… Amen… Amen…

 

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[1] Im Original heißt es: “Más vale lo malo conocido que lo bueno por conocer”. Sprichwörtlich übersetzt heißt es: „Lieber die Katze im Sack, als die Taube auf dem Dach.“