49. Inspirierte, Klarsichtige von unendlichen Dimensionen

 

BETENDER RUF

 

(5 Minuten der Stille)

 

Die Menschheit als Spezies ist ihren eigenen Normen, Meinungen, Informationen und… Projekten unterworfen.

Eine Spezies, die in Dualitäten umherstreift… und die nach und nach ihren Bezugspunkt mit der Schöpfung, mit dem unergründlichen Schöpfer Mysterium verloren hat.

 

Die kognitive Fähigkeit des Wesens wurde durch die eigenen Ressourcen domestiziert… und beachtet nicht das Ersuchen, welches die Schöpfung im Gebet, in der Meditation, in der Kontemplation, in den täglichen Ereignisse anregt, sondern jedes Wesen neigt dazu –„neigt dazu“- seine Parzelle, sein Projekt, seine Idee abzusichern, fern von dem Verstreichen der Ereignisse. Ereignisse, die weit über unsere kurzsichtige, rationelle Version hinausgehen.

Es scheint ein Bestreben zu sein, im Irrtum und in der Unfähigkeit zu leben, um sich von dort aus… –im besten der Fälle- eine andere, unterschiedliche Möglichkeit zu erwägen.

 

Die Werbung, die uns dazu bringt, an uns, an jene, an die anderen zu glauben… ist so rückfällig, aber sie bringt uns nicht dazu zu transzendieren, damit wir sehen, wie uns die Fäden der Schöpfung bewegen und platziert haben und uns hier, dort bereit gemacht haben, damit wir das oder jenes bemerken.

 

Das menschliche Sprichwort sagte, dass „der Mensch vorschlägt und Gott verfügt“. Und sicherlich hat „die Kultur” –in Anführungsstrichen- vorgeschlagen und schlägt weiterhin ein Erleben und ein Zusammenleben in Pyramidenform vor, abgetrennt von der Umgebung, und sie zwingt sich der Umgebung auf –das hängt von jedem einzelnen ab- und sucht auf der Basis von „Kalkulationen“ nach „Sicherheiten“, die sich dann später… als leeres Gerede herausstellen. Weil das Wesen –das Wesen, sagt der Betende Sinn- ein Bezugspunkt ist, das hier auf der Basis einer Verbindung mit dem Mysterium wohnt, welches es umgibt und das zu ihm… wegen dem, was sich ereignet, wegen dem, was geschieht, spricht.

Aber der verblendete, hartnäckige Anspruch der Macht haben zu wollen, abzusichern, zu dominieren… ist ein Panzer mit Helm, den noch nicht einmal die Sinne bemerken, ein ungeschicktes Gehen…; ein eingeengtes(!) Bewusstsein, das seinerseits scheint, dass es sich durch eine andere Unterdrückung von seiner eigenen Unterdrückung befreien will, so wie es die Diktatur von jemanden ist, die keine anderen Visionen, andere Versionen, keine anderen Ereignisse beachtet!

Diese Positionen der Spezies sind zweifellos offensichtliche Zeichen eines Zerfalls. Ja. Aus dem einfachen Grund –einfachem Grund; hey „Grund”- dass die Evolution jedweder Spezies „abhängt“… von dem evolutiven Verhältnis mit den übrigen.

Sich in Herrscher, Kontrolleur zu errichten…

In kleinem, mittleren oder großem Maße, das ist egal…! Man kann eine Mikro-Welt durch ein Geschäft, durch ein Schalterfenster dominieren…

 „Mikro-Welt.”

Aber –und das ist besorgniserregend- jedes Wesen erwidert auf seine Weise genauso wie der Mächtigste. Und es strebt in seinem ‚Verstreichen‘ danach, ein kleiner Mächtiger(!) zu sein. Manchmal verkleidet es sich in Bescheidenheit, in Nächstenliebe …

 

Man könnte sagen, dass die Welt nicht aus Almosen gemacht wurde, sie wurde aus Fülle gemacht, aus großzügiger und überschüssiger Fülle gemacht, damit das Wesen genießt, zusammenlebt, teilt, damit es sich zum solidarischen Echo des Lebens als Einheit  macht.

 

Aber die anscheinenden Erfolge –wenn man selbst die Referenz ist, wenn die Spezies der Bezugspunkt ist, klar, dann sind es „Erfolge“- vergöttlichen das Wesen, versetzen es auf die Spitze der Pyramide. Und jeder einzelne hat seine kleine Pyramide.

 

In diesen Situationen sind der Konkurrenzkampf, die Missverständnisse, die Diskussionen, die fordernden Überlegungen, die geben, aber fordern…

Das ist nicht geben…! Derjenige, der gibt, fordert weder, noch beschwert er sich nicht, noch bittet er den anderen, dass der wie er selbst gibt.

 

Das alltägliche Leben wird zu einem Konkurrenzkampf, anstatt eine Hellsichtigkeit zu sein.

Ja, „Hellsichtigkeit” in dem Sinne… das, was sich an unserer Seite, dort in der Nähe(!) ereignet, ohne Buchstaben zu lesen, ohne Klänge zu hören, ohne Materie zu riechen, ohne Bissen zu schmecken.

Dort tritt man in das Hellsichtige ein… und man lässt von dem Kompetitiven –vom Konkurrieren- ab. Das Puzzle, das die Schöpfung uns gibt wird nach und nach ausgefüllt. Und so finden wir die Überraschung, den glücklichen Zufall, die Innovation, die Offenbarung.

Wenn man besessen ist von dem persönlichen Plan, dann ist das so ähnlich wie eine Fotografie in Schwarzweiß. Es ist klar: entweder ist sie schwarz oder weiß, die duale Welt, in der man konkurrieren, überleben, gewinnen muss, in der man sich unabhängig machen muss… Und das Übrige ist „das Übrige“.

Umgekehrt, wenn die Fotografie in Farbe ist, ah(!), dann bin ich nicht mehr in der dualen Welt. Dann befinde ich mich in der Plural-Dimensionalen Welt. Dann bin ich in der Welt der Nuancen, der Zeichen, der Anzeichen, des Möglichen, der Überraschungen… Dann erfasse ich dieses Braun des Bodens, mit dem Orangefarbenen auf der linken Seite, und ich kontempliere ein Gesicht, das lächelt, während sich gleichzeitig ein schwungvolles Pferd andeutet, das hinter den Wolken läuft.

Das Wesen erreicht eine Mono-Dimension, die Bi-Dimension und damit glaubt es, dass es Herrscher, Dominierender ist. Die Pluri-Dimension hebt es für die Spekulation auf, aber taucht nicht in sie ein. Und wenn es das macht, interpretiert es und macht Lektüren, so wie die von diesem fliegenden Pferd, das den Wolken nachfliegt. Es wird „verrückt” genannt, man sagt ihm, dass „es sich nicht in dieser Welt befindet”, man kritisiert es, man sondert es ab, man… ignoriert es.

Man ordnet es in dem „Irrationalen” an und man macht es ihm –dem Wesen- schwer, weiterhin das Bild dieses Rotbraunen aufrecht zu erhalten, der hin zu den Wolken trabt. Und es endet damit, ihn (den Rotbraunen“) auf die Erde zu holen, um ihn in den Stall zu stecken und ihn gemäß unseres Geschmacks zu erziehen: damit er springt, damit er dick wird, damit er abnimmt, damit er schneller wird… und damit er vor allem gehorcht.

Den, der den Wolken hinterherlief…(!), während das lächelnde Gesicht das Bild kontemplierte sieht man ihn jetzt mit Hufeisen, mit einer Trense im Mund, mit Zügeln und gesattelt.

Es war nicht… das war nicht sein Schicksal. Aber…!

Und so werden ein Wesen und ein anderes Wesen und ein anderes Wesen zu „aber“…

Wer? Wer ist nicht schon mal in seinen großen Begeisterungen und Träumereien geflogen…?

Alle Wesen haben in irgendeinem Moment diese Bilder gesehen, in jedem Fall in unterschiedlichen Formen. Aber es ist auch leicht sich daran zu erinnern, manchmal fast unmittelbar, und andere Male nach und nach, wie das kulturelle System, der Vater, die Mutter, die Freunde, die Gewohnheiten, die Normen, die Gesetze... es langsam zur Vernunft bringen (sentar la cabeza“[1]). Dieser Kopf, der mit seinen Sinnen schaute, überrascht über das, auf was er traf, ist jetzt verdreht, bedrückt und schaut nach unten.

 

Der Betende Ruf weist uns auf die Position hin, die sich des Wesens fortschreitend bemächtigen wird, und die es (das Wesen) von seinem Verlauf entfernt… von seinem universellen Verlauf, von seinem Verlauf von Multi-Versen (span.: ‚multi-versos‘), von seinem Verlauf der „wahrhaften Nahrung“.

Es scheint seine Hellsichtigkeit, seine Offenbarung, seine Multi-Dimensionen zu vergessen und es klammert sich an das Binare, an das Persönliche, an das Vernünftige, an das Messbare und das Possessive.

Und nur –nur und selbstverständlich nicht immer, sondern ausnahmsweise- wenn man scheitert, wenn man entdeckt, dass dieses Teil nicht in ein Puzzle passt, dann neigt es dazu, sich der… der Mehrfarbigkeit gegenüber zu öffnen.

Frage: Ist es notwendig…? Ist es notwendig ein Hungernder zu werden, um die Notwendigkeit der Nahrung zu bemerken? Ist es notwendig sich zu ersticken, sich zu überarbeiten, um zu bemerken, dass ich in einem Universum wohne?

Ist es notwendig, sich in der Hölle zu verbrennen… um zu entdecken, dass das Wasser existiert?

 

Ja. Sie, die Geschichten der Siegreichen, der Kämpfenden, die schafften, die erreichten erzählen uns… Ja. Das stimmt. Ist es sicher, dass sie das aufgrund ihrer Fähigkeiten, aufgrund ihrer Ressourcen, aufgrund ihrer Geschicklichkeiten gemacht haben? Existierten nur diese Faktoren?

 

Und wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, müssen wir dem zugrunde richtenden Leid, dem Blut, dem Schweiß, den Tränen folgen, um eines Bissens oder eines Hauches würdig zu sein?

Oder aber befinden wir uns bereits in dem Milieu und in der Möglichkeit, uns als Universum auszuüben, wie Träumer begeistert zu sein, nicht in die Falle der Zwänge zu verfallen!?

„Zwänge”:  Dieser feine Gnadenstoß, der der Versklavung so nahe ist.

 

Der Betende Ruf ruft uns zu dieser Plural-Dimension, dazu, aus dieser Nuss Schale herauszukommen und sich als eine Anhäufung von Zeichen, von Offenbarungen, von Andeutungen zu betrachten, welche die Schöpfung uns gegenüber durch das Alltägliche macht –„die sie uns gegenüber durch das Alltägliche macht”.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Inspirierte, Hellsichtige… aus Multi-Dimensionen. Und das ‚Multi‘ kommt zu kurz, weil es „unendliche” Dimensionen sind.

Wenn wir akzeptieren, dass wir diese inspirierten, hellsichtigen, Multi-Unendlichkeiten sind, ohne aufzuhören uns hier zu befinden… dann werden wir schöpferische Aromen atmen, wir werden die unsichtbare Nahrung bemerken, welche unsere Präsenz erhält, wir werden solidarische Ressourcen haben, wir werden die flexible Strenge der Gewissheit… des offensichtlichen Handelns des Schöpfer Mysteriums innehaben.

Und wir werden Moment für Moment wissen, welche unsere Disposition ist, was unser Dienen ist.

Wir werden es verstehen zu bewundern und dass man uns bewundert.

Und wir werden uns ohne Hindernisse projizieren.

 

(3:30 Minuten der Stille)

 

Wir sollten Zeugen eines wundersamen Ereignisses aus der einfachen Tatsache heraus sein, dass wir das Bewusstsein haben zu existieren. Und das ist nicht aus unserem Willen heraus geschehen. Das ist nicht durch die Anstrengung und durch unseren Verstand geschehen. Das ist durch ein Wunder zu lieben geschehen… besiegelt in unserer gesamten Konfiguration.

Wenn wir das gegenwärtig haben, dann können wir hier nicht durchreisen[2] und uns das Recht des Geraden, des Rigiden, des Vernünftigen, des Logischen anmaßen.

Das Leben erschuf sich in modellierender Art und Weise.

In ausdauernder Art und Weise, die Schöpfung modellierte ihre Vorhaben, damit das Offensichtliche um seinen Ursprung weiß.

 

 

AaaaaAAAAAmennnn

 

***

 


[1] „Sentar la cabeza“: Man könnte es auch übersetzen mit : „Den Kopf waschen“.

[2] Im Original heißt es: „transitar“. Damit ist gemeint, dass wir uns hier in einem Transit befinden, auf einer Durchreise.