47. Es gibt etwas mehr als das Leben

 

BETENDER RUF

 

(5:30 Minuten der Stille)

 

Die Vögel kehren zurück, weil die Luft sie belebt.

Die Fische schwimmen, weil... das Wasser sie streichelt.

Die Menschen sind und verweilen, weil der Umhang der Vorsehung behaucht, belebt.

Und er macht das dergestalt…, dass es so scheint, dass es unser „Erfolg“ ist. Aber dort verfügt er über die von der Vorsehung bestimmte Ressourcen, die Mittel, damit es ihm gelingt da zu sein, damit er schafft weiterzumachen, weiter zu verstreichen.

Alles gestaltet sich gemäß eines Schöpfer Mysteriums.

Und es ist keine Frage des Glaubens. Es ist eine Frage der Offensichtlichkeit… Wie sich die “Zufälle” ereignen… und wie der Mangel und wie die Opulenz geschieht.

 

Es gibt etwas mehr… als das Leben! Sehr viel mehr.

Und es ist auch keine Frage des Glaubens! Es ist einfach nur die Erinnerungen zu bemerken… und das, was wich jeder Einzelne vorstellt.

Und es geht nicht darum, den Glauben geringzuschätzen, nein! Es geht darum ihn zu läutern, damit es kein besessenes Verhalten der Belohnung oder der Bestrafung, des Guten, des Schlechten ist… Letztendlich, dass es sich nicht in eine –kreative(?)-Possession… des Menschen verwandelt. Dass er sich nicht an den Geschmack oder die Tendenzen anpasst. Noch weniger an die Auferlegungen.

So wie die Religionen verstreichen… Sie haben uns gezwungen gemäß einer menschlichen Glaubensrichtung zu glauben und sie haben es verhindert, dass wir das Offensichtliche des von der Vorsehung Bestimmten zu sehen.

Sie haben uns ein anderes Leben nach diesem Leben versprochen…(!), aber so ist das nicht. „Es gibt etwa mehr als das Leben.” Das ist sehr unterschiedlich.

In diesem “etwas mehr“ befindet sich das Unbeschreibliche, das nicht Begreifbare.

Und „etwas” Ähnliches wie… wie ein Fünkchen der Liebe(!), der besten, die wir hier kennen.

Und es geht nicht darum… –sagt uns der Betende Sinn- uns unter zu bewerten oder Pessimisten zu sein. Oder vielleicht –genau umgekehrt- uns überzubewerten, Optimisten, visionäre zu sein… so wie uns kürzlich einige Nobelpreisträger sagten: dass sie einen Exoplaneten entdeckt haben, der nicht da sein dürfte! So sagen sie es! Und deswegen gab man ihnen vor einiger Zeit den Nobelpreis.

„Ein” Exoplanet. Heute werden ungefähr 4500 beschrieben.

Es scheint, dass wir einen Ersatz hätten: Diesen alten Planeten für einen neuen Exoplaneten. Er ist nur 40 Millionen Lichtjahre entfernt –psss(!), was soll‘s!

Aber der Enthusiasmus, einen Exoplaneten entdeckt zu haben, der  die Konditionen von unserem seit Millionen von Jahren „reproduzierte” –in Anführungsstrichen-, das heißt –ein Vulkan mit Lava- begeistert, entzückt als klarsichtigen Reisenden das Wesen des Universums.

 

In Wirklichkeit, um nicht in das Thermometer von „das Beste”, „das Schlechteste”, „das Gute”, „das Schlechte“ zu verfallen… sich im Nichts befinden. Dort gibt es weder Maße, noch Zeit, noch Last.

Es ist so eigenartig: Es ist so offensichtlich, das man nicht darauf reinfällt.

Ja. Es ist schwer, das Nichts zu definieren, weil es weder Anfang noch Grenzen hat. Infolgedessen ist es undefinierbar.

Das verschluckende rationale System –‚verschluckende’ denkende System- beerdigt im Schädel, in den Knochen und in den Muskeln, jedwede Möglichkeit, dass wir uns vorstellen können..., dass wir uns inspirieren!

Dramatisch, nicht wahr? Oh! Ja! Unter Umständen wird das nicht als dramatisch angesehen, wenn man in seiner Realität eingetaucht ist: mein Freund, meine Zukunft, meine Arbeit…

Ist es denn etwa so –aber es stimmt, es stimmt- ist es denn etwa möglich zu denken, dass das gesamte Ereignis, das wir durchlaufen… einfach ein mathematisches Kalkül von Algorithmen und Formeln und Produkten ist?

Ja. Im Gefängnis des „Wissens” ist es leicht, die Gitter anzubringen und die Tür und die Fenster zuzumauern. Sich als ein einziger Privilegierter in einem Universum, in Universen, in Multiuniversen zu fühlen…

Was für eine Gemeinheit, sich durch einen selbst  zu fangen! Das ist der Gipfel der Egozentrik! Aber es passiert! Es passiert, ja.

Es passiert, wenn die Sorge das Erbe, der Einkaufskorb, die Staatsausgaben sind…

Das geschieht, wenn die Sicherheit das Wichtige ist, und man muss sich verteidigen…(!), klar… –indem man angreift.

Wenn wir umgekehrt nichts sind, wenn wir uns im Nichts befinden, dann benötigen wir ‚Nichts‘, um weiterzumachen.

Das kommt einem komisch vor, nicht wahr? Ja, es kommt einem komisch vor, weil… die gesamte Anstrengung, die man gemacht hat, um eine Hose, ein Haus, ein Auto, einen Kühlschrank, einen Schrank zu haben, dient im Nichts für nichts.

Umgekehrt ist es alles im Besitz. Auch wenn man nicht träumen kann.

 

Das Wesen lässt sich durch seine Erfolge leiten, durch seine Eroberungen…, jene, die ihn sich groß und vor allem wichtig fühlen lassen! Sie steigen auf die Tribüne… und mit einer miserablen Dialektik der Beleidigungen und Ungereimtheiten diskutieren kämpfen. Die Führer werden berühmt. Und sie lenken die Herde nach ihrem Geschmack.

Und so ist es, wie die Herde niemals fliegen wird. Nein, niemals wird sie schwimmen. Nein. Niemals wird sie ein Seufzer sein! Niemals wird sie wirklich lieben! Sie wird ihren Wünschen unterworfen sein, ihrem Geschmack, ihren Interessen, ihrer lienalen Zukunft.

 Sogar wie Vieh, das nicht in der Lage ist zu sehen, dass dank des Wassers das Kraut wächst und es dank dessen kauen kann.

 

Der Betende Ruf beabsichtigt nicht uns ‚unter zu bewerten‘. Nein. Er beabsichtigt lediglich, und in diesem ‚Kreativen Nichts’, von dem aus alles auftaucht, zu schütteln… unglaublich.

Aber dafür müssen wir uns der voreingenommenen Hufeisen der Müdigkeit, des „ich kann”, des „das ja”, des „das nicht”, „wir schauen mal“, „ich weiß nicht“… entledigen.

Wie langweilig!

Ja, zu leben kann sich in eine verzweifelte Langeweile verwandeln. Aber auch        –denn in diesem Sinn befindet sich das Leben- in einen… unbekannten Seufzer. In ein sich entdecken und entdecken…, dass ich ein Teil bin –ich bin Teil, ich weiß nicht, welcher Teil(!)- dieser Schöpfung.

Zu entdecken, dass mein Wissen lediglich ein Gehege ist, das sich je nach Notwendigkeit öffnet oder schließt. Ein Netz, das den Fisch täuscht, indem es sich ganz langsam bewegt… und bewirkt, dass der Fisch sich frei und genährt fühlt, um dicker zu werden, ohne zu wissen –der Fisch-, dass er bereits… unausweichlich(!) ein Fang ist.

Vielleicht, vielleicht ist es so, wie das Wesen selbst sein Leben instrumentalisiert hat, ohne zu bemerken, dass es etwas mehr gibt als das Leben! Und das ist es, das uns dieses „etwas Mehr“ liefert. Dieses „etwas mehr“, weder vorher noch hinterher! Dieses etwas mehr ist da! Das, da wir weder wissen, noch unter diesen Bedingungen wissen können, es… Nichts ist.

Aber nein! Es ist nicht possessives von dem, der sagt: „Da gibt es nichts.“ Nein. Es ist dieses Nichts der unendlichen Ressourcen.

Es ist… ähnlich der Luft, die es dem Vogel erlaubt zu fliegen. Er fliegt nicht, weil er exquisite Federn hat oder weil er ein aerodynamisches Design hat. Nein. Er fliegt, weil die Luft, der Wind, das Unsichtbare, das Nichts… es ihm erlauben zu flattern. Und vielleicht ist es dieses Unsichtbare, das in Wirklichkeit flattert, und im Anschein scheint es uns, dass es seine Federn sind, die sich bewegen.

 

Das Gewebe des Bewusstseins des Wesens war so grausam, dass es aus dem Leben eine Bitterkeit gemacht hat. Global gesprochen! Und als es die Gelegenheit hatte, reichhaltig sanft zu sein, bah(!), hat er diese Sanftheit seinen Gaben und seinem „Glück” zugeschrieben. Er hat mit sie fallenlasen, um andere, bessere (Gaben) zu bekommen.

 

Nein, nein, das Wesen lässt sich nicht führen… Es lässt sich nicht wie der Vogel in der Luft oder wie der Fisch im Wasser tragen. Und so zieht sich der bewusste Mensch zurück, er verdreht sich(!)… und er wird zum „Problem“.

 

Er wird zum ängstlichen… angstvollen Problem… Verteidiger und Angreifender gleichzeitig. So taucht die Autorität auf: diese Pantomime, die die Herde dem Schäfer gibt.

 

Ja, so als ob das Schaaf nicht wusste, wo sich das grüne Gras befinden würde oder als ob es nicht wüsste, wie es seine Ressourcen suchen könnte.

Sie hat das Leben des Menschen in ein ewiges Opfer verwandelt.

Und so werden die Autorität und das Opfer wie etwas Unvermeidliches eingeführt.

Wenn wir der Autorität Gelegenheit geben, dann signalisiert sie uns, sie bedroht uns, sie bringt uns durcheinander und wir schaffen es nicht zu sehen, dass wir selbst es sind, die wir diese Bild geschaffen haben, diese Realität, die erschrickt, die versklavt, die uns die Glocke um den Hals bindet, um zu wissen, wo wir uns befinden und was wir tun. Und dabei sind wir es selbst.

Und wir werden im Leben zu Blut, Schweiß und Tränen! Das beste Rezept, um zu überleben… indem man alltäglich ignoriert, dass es etwas mehr gibt als das Leben. Und das, ohne wirklich zu wissen was es bedeutet zu leben.

 

In unserem Inneren suchen… Suchen und suchen und bemerken, dass wir anscheinend voll sind, aber in Wirklichkeit sind wir leer. Genauso wie die gesamte Leere, die uns umgibt, die als Nichts bereit ist, alles zu geben!

 

Dieser Funke der Liebe, hervorgegangen aus dem Nichts –oder nicht-, klar(!), ist die Leuchtrakete, die uns leuchtet, wohin man gehen muss, wohin wir uns führen lassen müssen.

 

Wenn wir sie ausgehen lassen, also ob es unsere wäre, wenn wir zulassen, dass sie ausgeht…, weil wir sie festhalten, wenn wir sie einfach nur ausmachen, einfach weil es eine Eroberung ist, dann wird es ganz sicher einen Stern weniger am Firmament geben.

Ganz sicher.

Ja, es gibt so viele, dass man es nicht merken wird. Nicht ein einziger Astrophysiker würde es bemerken.

Aber der Glanz dieses Liebens, der aus dem Nichts auftauchte… ist die von der Vorsehung vorgesehene Bedeckung unseres Lebens.

Und sie bittet um Wachsamkeit, um ihn zu erhalten. Und sie bittet um die Vorstellungskraft, um ihn weiter zu leben. Und sie fordert vom Nichts Kreativität, um… ihn zu fördern. Damit er uns mit seinem Licht trägt und wir uns tragen lassen.

 

Der Betende Sinn von heute regt an, sich gegenüber Toren von etwas mehr zu öffnen. Um das ewige Licht des Funkens zu lieben zu erhalten, damit das Universum nicht erlischt!

Kann man nach mehr streben?

 

Amen.

 

***