46. Es ist angebracht, sich wiederhertzustellen, die Seele neu zu erfinden

 

BETENDER RUF

 

(1:30 Minuten der Stille)

 

Und der Zerfall der Spezies absorbiert das Bewusstsein von dem Erreichten, von dem Errungenen, von dem Konstruierten, von dem, was man besitzt. Und auf der Basis dieses Besitzes, des Berührbaren, des Messbaren… des Materiellen wird fast –fast- die gesamte Aktivität des Wesens gefangen genommen. Sie macht sich zur Zahl: 4, 7, 10… Millionen.

Der Besitz der Materie in ihrer egozentrischsten Version, in der sich jeder einzelne verantwortlich fühlt für das Erreichte oder nicht Erreichte, für das, was er hat oder was er nicht hat.

Alles Zählbare (span. ‚contable‘) –von Buchhaltung (span.: ‚de contabilidad’)- und… was man aufbewahren kann –von Zurückhalten. Damit sucht man die Sicherheit: die Sicherheit einer Lehmwand, eines Daches, eines… was? Aber ja: die Sicherheit, dass man hat.

Nein, es reicht nicht aus mit dem erfahrungsgemäßen Sehen des Scheiterns, des Zerfalls, der Korruptionen, der Raube, der Versklavungen…: dieses „modus vivendi”, der immer legaler wird und sich immer mehr schminkt, damit das Korrupte im Namen des Gesetzes von jenem oder dem anderen legal erscheint.

Und in diesem Sinne platziert sich dieses materialistische Material, in diesem Sinne platziert es sich angesichts des Gesetztes des Konsums: konsumieren und konsumieren…

Eine Abhängigkeit von dem, was getan wurde und nicht getan wurde. Das ist egal. Der Konsum ist perfekt geplant, damit das, was aus der Arbeit, aus dem Gewinn, aus dem Besitz hervorgeht, erneut in das Netz des rechten Weges zurückkehrt. „Dass es erneut in das Netz des rechten Weges zurückkehrt.“

 

Und in diesem Netz, wo… wo und wie kann man da das Sensible ins Spiel bringen? Wo, wie… und angesichts welcher Referenz soll man die Zuneigung, das, was einen anzieht, das Schöne, das Emotionale, das Phantastische, das Unglaubliche, das Schöne darlegen…?

 

Die Besorgnis (span.: ‚preocupación‘[1])um die Sorge(span.: ‚preocupado‘)(span.:‚precipita‘)übereilt das Bewusstsein hin zu dem, was man hat und gemäß dem, was einem wichtig und gemäß dem, wie sicher man ist.

Also… ist es häufig so, dass sich, wenn man zum Beten ruft, ein momentaner emotionaler Einschub ergibt. Aber… danach, wenn man wieder weitergeht, befiehlt weiterhin… befiehlt weiterhin(!)… das, was man zählen, was man messen kann.

 

Die Seele ist transformiert, konvertiert in Waffe (span. ‚arma’)! Und damit –wird zweifellos- Macht, Konkurrenzkampf… und Gewalt in ihren unendlichen Versionen erzeugt.

 Und wir befinden uns da, in alle dem…! Und für Momente ist die Seele ein harter Knochen…(!), der mühsam verschluckt wird; die begründet, kalkuliert, auferlegt.

Sie schluckt den Hauch mühsam hinunter. Und das dürstende Atmen… –dürstend nach Liebe(!)- nein… es atmet nicht, es atmet kaum.

Der bewaffnete (span. ‚armado’) Stau ist für die Seele deterministisch, begrenzend.

Die Poesien verstummen… die Lieder verstummen… die Emotion verstummt…

Und mit einem „Hallo”, „Verzeihung” und „Auf Wiedersehen” (span. ‚adiós‘[2]) –drei  Worten-, wird die Emotion liquidiert.  

„Hallo”. „Verzeihung”. „Auf Wiedersehen” (span. ‚adiós‘[3]). Gerade mal dieser Raum.

 

Der Eifer der Intelligenz –um sich der Rhythmen der Schöpfung zu bemächtigen-, indem man sie konsistent, messbar und possessiv macht… erlaubt nicht –nein- erlaubt nicht, die subtile Ankündigung des Gewitters, die zerbrechliche Präsenz des Morgentaus, die sanfte Ankündigung des Winters zu sehen. Noch nicht einmal ein Tagesanbruch ist ein Ereignis. Und die Abenddämmerung… eine unbequeme oder rentable Gelegenheit.

 

Der Betende Sinn mit seinem Ruf for… fordert und hebt die dringende Notwendigkeit hervor, die Seele (span. ‚alma‘) vor der Waffe (span. ‚arma’) zu erretten!

Uns beseelt (span. ‚almados’) zu machen… und so wird es keine Gelegenheit geben, um abzufeuern. Uns ‚beseelt’ (span. ‚almados’) zu machen, und so wird es keine Gelegenheit geben, um anzugreifen.

Und wenn wir das Angebot der Materie –welche gefrorene Seele ist(!)- minimal… beseelt betrachten, wird sie aufhören, der Lockvogel hin zur intelligenten, geschickten, ‚fähigen‘ Seele zu sein.

Nein… die Steine kristallisierten nicht, damit man sie aufsammelt und damit man die einen auf die anderen wirft.

Nein, die Wälder und Urwälder wurden nicht eingerichtet, um sie niederzureißen… und um sie zu Futter zu machen.

Vieleicht konnte man bis vor kurzem –bis vor kurzem(!)- denken, dass all das eine Übertreibung sei. Vielleicht. Aber jetzt wo sich der Mangel nähert und sich manifestiert; jetzt, wo der Wert ansteigt und ansteigt und man nicht die Mittel hat; jetzt, wo sich „der vernünftige Zweifel” über unsere Sicherheit verschmiert…, vielleicht ist es da jetzt nicht übertrieben auf den Morast hinzuweisen, der jede Spur einhüllt. Und dass es angebracht ist… im Bewusstsein zu schweben! Das Bewaffnete (span. ‚armado’) aufzulösen und in dem Beseelten (span. ‚almado’) zu vibrieren! „Im Bewusstsein schweben.“ Weil die Überzeugung, der Gedankengang, das Kalkül und das Logische da sind… „sie liegen auf der Lauer”. Sie lauern mit irgendeiner Illusion oder Phantasie auf.

 

Zu wissen, ohne zu kennen, aber die einfache Tatsache aufzuwachen –zu wissen ohne zu kennen, aus der einfachen Tatsache heraus aufzuwachen-, um zum Alltag… zum Dasein…, die Freundlichkeit, den Respekt, die Betrachtung, die Handhabungen im Tun in der Suche nach dem Makellosen, der Qualität, zu bringen, das Konkrete mit einem beeindruckten Gemüt zu bewundern, ohne Wünsche nach Besitz… –ach, ach(!)- es ist möglich.

Es ist möglich, weil derjenige, der mehr oder weniger die Waffe (span. ‚arma’) durchquert hat und bei dem der Seufzer der Seele stöhnt. Ja: er stöhnt vor… Schmerz(!)... Weil die Liebe zum Konsum, zum Interesse, zum Gewinn, zum Vorteil geworden ist…!

Und was noch schwerwiegender ist: all das wurde unter dem Titel von „normal“ besiegelt.

 

Und so ist es, wie das Zusammenleben zum Krieg wird. Das Teilen wird zur Konfrontation. Das gemeinsame Projekt wird zur Verfälschung.

 

Ach (span.: ‚ay‘)!...  So wird leben… zur Folter.

Und die Geste ist verbogen; es taucht die Falte auf; die Grimasse ist konstant; die verzweifelte Eile ist permanent.

Ach (span.: ‚ay‘…!

 

Wehe der Sehnsucht!

Es gibt (span.: ‚hay)... von haben!

Ach (span.: ‚ay‘) von Seufzer!

Ich bin keine Sache zum Konsumieren.

Ich bin keine Sache, um ausgenutzt zu werden oder damit ich ausnutze.

Ich bin keine Sache… um mich zu besitzen.

Ich bin eine subtile Wette, auf die das Schöpfer Mysterium setzt.

Ich bin…  beseelte Gegenwart… eines belebenden Geistes!

Die Tatsache zu sein… geht auf das Schöpfer Mysterium zurück!

Die Tatsache, dass ich mich noch sensibilisiere und… mich als Vogel, der fliegt, als Fisch, der schwimmt, als Pflanze die wächst fördere…

Und bei alledem scheint es  nicht, dass ES IHM wichtig wäre, ob ich haben werde oder nicht haben werde, ob ich Sicherheit erreichen werde…

 

Und angesichts von so vielem sicheren Besitz und angesichts von so viel Verlangen nach Kontrolle(!)… versteinert die Seele; sie wird hart und… zerbrechlich. Obwohl sie doch in ihrer Essenz unzerbrechlich ist, wird sie durch ihre Versteinerung zerbrechlich. Und wenn sie zerbricht und kaputtgeht, schmerzt sie, leidet sie(!), es stellt sich die „normale” Krankheit ein.

Und es tauchen die materiellen Mittel auf…, ohne dass man sich bewusst wäre, was man mitgebracht hat und was man versteinert hat, und eigentlich gar nicht versteinern kann, etwas, was nicht kontrahiert ist, sondern etwas, was entlastet, was erleichtert, was weitläufig, amplifiziert, großzügig verliebt ist.

 

(3 Minuten der Stille)

 

Es ist angebracht, sich neu zu machen, sich wiederherzustellen. Sich gemäß dem zu machen, was geschieht, verwandelt sich in Müll, in Abfall.

Es ist angebracht sich neu zu machen…; die Seele neu zu erfinden. Und von der Waffe die Kruste abzumachen.

Und sich neu machen ist… in jedem Tun –in jedem Tun-, Fühlen –„Fühlen”-, von beseeltem Sinn (span.: ‚sentido almado‘), von belebt (span. ‚almado‘)-… in jedem Tun zu fühlen, dass wir uns in einem verliebten Transit befinden, in dem das Dienen auf der Basis der Gaben und der Fähigkeit von jedem Einzelnen bereitsteht; dass man bereit ist ohne Ertrag, ohne Besitz da zu sein.

Sich wiederherstellen, gesund werden. In der Sicherheit des Windes gesund werden, in der Quelle, in dem Ursprung und in dem Brunnen.

Sich wiederherstellen, wissend, dass das Genaue und Notwendige da sein wird, es wird kommen…

Sich wiederherstellen, gesund werden in den Tugenden der Ehrlichkeit, der Klarheit, der Transparenz…

Sich wiederherstellen, gesund werden, wissend, dass die Gelegenheit permanent, konstant ist, dass die Vorsehung uns gibt…(!), dass die Unterstützung da ist.

Aber darin muss man sich üben.

Sich wiederherstellen gesund werden, um nicht gleich weiterzumachen. Um das „Normale“ aufzugeben. Um das anzustreben, was die Seele ist: eine Ausnahme! Ohne, dass das Egozentrik oder Selbstverherrlichung, noch persönliche Wichtigkeit mit sich bringen würde, sondern ganz einfach ein „Sein und ein Dasein” in Übereinstimmung mit unserer Beschaffenheit, unserer Vorsehung, unserem gestützten und gehaltenen Ursprung: unserem Sternenursprung.

Ach! Schöpfer Mysterium… das kontinuierlich mit jedem „aus Liebe geboren werden“ blinkt, mit jeder sternenklaren Abenddämmerung, mit jeder geatmeten und gekauten Stütze…!

 

Die Hilfe, die da wartet, ist notwendig. Aber dafür die Bescheidenheit… die unterwürfige Bescheidenheit, wenn man klar und transparent fühlt, dann  muss man sich ausüben, dann man sich ausdrücken

Und damit die Sorge (span.: ‚preocupación’) aufhört, die permanente Beschäftigung  (span.: ‚ocupación’) zu sein. Und aufzuhören… in irgendeinem Winkel oder in irgendeiner Ecke… einen heimlichen Kuss der Zuneigung, sogar der Liebe aufzusammeln.

Etwas, was vielmehr aufgrund unserer Beschaffenheit ein erhaltener und gehaltener Aufenthalt der Emotion ist, nicht der Possession!

 

Es ist nicht zu spät. Es existiert nicht das „viel zu spät, sehr spät”. In den Gaben der Schöpfung gibt es keine Zeit. Die Zeit ist eine Wiege, die der Mensch erzeugt hat, um zu dominieren.

So wie das Sprichwort sagte: „Es ist niemals zu spät.“ Und das ist ein Hinweis dafür, wenn sich das Wesen matt und unfähig und ohnmächtig fühlt, und die Tatsachen als gegeben hinnimmt und es in ihnen steckenbleibt. Und es denkt, dass es zu spät ist, viel zu spät, wenn es doch so ist, dass… es permanent Tag wird. Es ist niemals zu spät.

Aber man muss immer anfangen. Weil leben ein Spross des ewigen Frühlings ist. Es ist keine zufällige Tatsache!

Weil zu leben…(!) ein ewiger, verliebter Seufzer ist.

 

„Weil zu leben ein… ewiger… verliebter Seufzer ist.“

 

***

 


[1] ‚Preocupación‘ bedeutet, dass man sich Sorgen über etwas macht, bevor (span.: ‚pre‘) es geschieht

[2] ‚A diós‘ wird auch übersetzt als ‚zu Gott‘.

[3] ‚A diós‘ wird auch übersetzt als ‚zu Gott‘.