46. Die Leben sind beseelt und dank dessen dauern sie fort

 

BETENDER RUF

 

(5:30 Minuten der Stille)

 

Und das Ereignis legt sich eng an… in Spannungen, Sorgen, Ängste, Unsicherheiten, Verzweiflungen.

Und in diesem wird das Wesen entkräftet (span.: ‚desalmar‘)[1]. Und in diesem Dasein, ‚entseelt‘ sich (span.: ‚des-alma‘) das Wesen… und es bewaffnet sich (span.: ‚se arma‘).

Es bewaffnet sich mit Klage, Gewalt, mit Übergriff… und es entseelt sich (span.: ‚se desalma‘) mit Zärtlichkeit, Freundlichkeit, Großzügigkeit, Engagement.

 

Das Beseelte (span.: ‚almado‘), was zum Geliebten führte, verwandelt sich in bewaffnet, was sich darein verwandelt, zu bewaffnen, was dazu führt zu bewaffnen und zu bewaffnen und wieder zu bewaffnen… und dabei wird als einziger Ausweg die Macht der wirtschaftlichen Waffe gesehen, die sich der Forderung mit der ausreichenden Gewalt bedient, um eine Herrschaft aufzustellen.

So kommt es zu einem Zusammenleben von Mächten… von unendlichen Rängen. Und ausgenommen die Prahlerischsten, die man sehen kann, ist der Rest das Alltägliche: das, was zum menschlichen Dschungel geworden ist, der sehr weit davon entfernt ist, ein Dschungel des Lebens zu sein.

 

Der Betende Sinn beharrt auf der Perspektive dessen, was geschieht; er beharrt auf der Teilhabe eines jeden einzelnen; er beharrt darauf, dass wir uns der Manöver bewusst werden, die für normal gehalten werden, da diese allgemein sind… –von Macht, von Herrschaft.

 

Das Schöpfer Mysterium scheint in dem alltäglichen Bewusstsein der Sicherheit, des Gewinns, des Konkurrenzkampfes, des Protestes abwesend zu sein…

 

(2 Minuten der Stille)

 

Das Schmerzhafte geht dazu über, notwendig zu sein, um zu verstehen und um zu begreifen. Zu leiden geht dazu über, unbedingt notwendig zu sein, um zu schätzen. Und so mangelt es der Anwesenheit, dem Dasein an Ruhe, an Friedlichkeit und an Empathie… und jedes Wesen wird zur Konkurrenz des anderen.

Eine Konkurrenz der Vergleiche, der Privilegien, der Gewinne, des Besitzes.

 

 

Man scheint alles zu wissen. Alles scheint man zu kennen. Alles scheint man zu verstehen. Und alles zeigt sich im Unveränderbaren.

 

Und so wird das Leben zum monotonen Einkommen –„Einkommen”- eines jeden Tages.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Die Leben sind beseelt (span.: ‚almado‘)… und Dank dessen dauern sie fort, während sich das Wesen zum Bewaffneten (span.: ‚armado‘) macht und denkt, dass es dank dessen überlebt.

 

Es ist notwendig sich alltäglich in dem zu entdecken, was vorgeschlagen wird, in dem, was man sagt, in dem was man ausdrückt, in dem, was man zeigt.

 

Sich in dem Gewebe eines Schleiers zu entdecken, in der Transparenz eines leichten Nebels, in dem Schaum einer Wolke.

Sich in dem Lächeln entdecken, das keinen Einspruch erhebt.

Sich in dem Dienen entdecken, das nicht fordert.

Sich in dem entdecken, sich als Vermittler zu fühlen.

Sich in der Notwendigkeit entdecken, jeden Tag ein Tropfen der Güte zu sein.

Sich darin entdecken, kein Hindernis zu sein, sondern eine Brücke der Sanftheit…

 

Und damit die Unruhe…. und damit die Unruhe dieses Vibrieren in dem Beseelten sein (span.: ‚almado‘)(!),  in Worten, die unsere tiefe Dankbarkeit für die Erfahrung zu leben ausdrücken… und damit die Klage der alltäglichen Unbequemlichkeit weggeht.

 

Wenn wir die Kunst zu leben mit Bescheidenheit und Unterwerfung betrachten, werden wir kontinuierlich… –„kontinuierlich”- Anlässe haben, um neue Motive anwachsen zu lassen, die uns dazu bewegen, zu glauben und unseren Verlauf zu kreativieren.

 

Die Dualität belauert mit ihrem Zweifel und die Unentschiedenheit bedrückt mit ihrer Dringlichkeit.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Es kommen die Stunden des „H‘s”[2](span.: ‚la hache’): Diese Stummen, welche die Basis eines anonymen Tuns sind, das keinen Protagonismus fordert, das keinen Applaus fordert, aber das seinen Kondensstreifen offensichtlich macht.

 

(8 Minuten der Stille)

 

Ja, von der komplizenhaften Stille aus, die Unschuld des Lebens erretten und wiederherstellen; die Unschuld erretten und die erhabene Unwissenheit wiederherstellen, jene, die bei allem staunt.

Sich würdig fühlen… sich auszudrücken, zu horchen, sich zu zeigen.

 

(15 Minuten der Stille)

 

Sich ohne Angst zu trauen, das Licht, das wir transportieren, anzunehmen, dem Pfad des Lichts zu folgen, der uns projiziert und den Lichtern, die uns orientieren, um aus dem zu leben ein ungewöhnliches, einzigartiges Ereignis zu machen.

 

Das Versteifte, das Verschmähte, das Inadäquate, das, was man für unpassend hält hinter uns lassen und sich nicht damit zu belasten und es nicht als Resultat des Lebens anzusehen.

 

SIE rufen uns, um unsere Glaubensvorstellungen neu zu kreieren.

 

SIE rufen uns zum Beten, damit der Glaube repräsentiert, ausgedrückt, gezeigt wird.

 

 

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[1] Diese Wort, wird wörtlich mit ‚entseelt‘ übersetzt.

[2] Der Buchstabe „H” ist im Spanischen stimmlos: er wird nicht ausgesprochen.