4.22

 

BETENDER RUF

 

(3 Minuten der Stille)

 

Wenn SIE uns zum Beten rufen, dann geschieht das, um unseren Bezugspunkt wiederherzustellen, um uns an ihn zu erinnern, damit wir unsere Referenz mit dem Schöpfer Mysterium leben; und um so in unserem alltäglichen Geschehen eine Widerspiegelung dieser Liebe auszuüben, die uns in Form von Leben hervorbringt, die uns erhält und die uns unterhält.

Und diese Position des Widerspiegelns unserer Abstammung drückt sich in der Glaubensrichtung aus, zeigt sich im Zusammenleben, wird geteilt in dem Mitwirken. Und all das –wie die Orientale Tradition sagen würde- in einer „angenehmen und verständigen Form”.

 

Aber wie es so, so oft geschieht, arbeitet das menschliche Bewusstsein ein Kriterium, ein Projekt, eine Idee aus … und dann, wenn man es in die Tat umsetzen soll –vielleicht aufgrund seiner göttlichen Abstammung-… taucht die persönliche Wichtigkeit auf, dieser freie Wille, dieser „ich bin mein Herr”, dieses bequeme Vorgehen, dieses Verhalten der „minimalen Anstrengung”, –letzten Endes- diese Position, dass jedes Wesen seine Position aufzwingt. Von daher, befinden sich die Allianzen, die Verbindungen, die Gemeinsamkeiten, die Gruppen, die Gründungen, die Gemeinschaften, etc. in einem permanenten und sich entwickelnden Aufkochen der Konflikte.

Spannungen, diverses Verstehen, Interpretationen, für andere denken… alles in allem eine Reihe von Verschwendungen, die unsere Vitalität verringern, die unsere Seele entmutigt, die unsere Illusionen materialisieren, die uns konfrontieren.

Aber es scheint, dass das nicht ausreicht, um zu korrigieren, um zu berichtigen. Es scheint vielmehr genau das Gegenteil: mehr Streben danach zu demonstrieren, zu verdienen, aufzuzwingen… jeder einzelne mit seinem Stil.

 

Es ist ein Krieg, ein Kampf des permanenten Verschleißes.

Und paradoxer Weise ist es eigenartig, dass sich das Wesen der Menschheit gleichzeitig fragt: „Und warum passiert diese Unannehmlichkeit? Und warum passiert dieses Pech? Und warum…?”

Nein, es sieht nicht. Es betrachtet nicht seine Teilhabe.

 

Wenn man auch nur ein bisschen beobachtet, dann sieht man, dass man einer beschädigenden, beschädigten Spezies angehört…, die versucht, aus ihren eigenen Missverhältnissen zu fliehen; die versucht, ihren Wert mit Frechheit oder mit unhaltbaren Positionen zu zeigen; die in der Lage sind, „jedwede“… jedwede Tat zu rechtfertigen.

Und indem sie sie rechtfertigt, verhindert sie die Verantwortung. „Und indem sie  sie rechtfertigt, verhindert sie die Verantwortung”, wodurch sie nicht korrigiert.

All das bewirkt, dass das Wesen seine Verbindung mit der Schöpfung verliert, es seine beseelte Inspiration und seinen Traum verliert, und es ersetzt das durch Ersatzmittel des Konsums, der Gewohnheiten, der Angewohnheiten, dadurch Modelle und Aktivitäten und Verhaltensweisen zu wiederholen, die eins ums andere Mal die Verzweiflung, die Beklemmung wachsen lassen.

 

Der Betende Ruf ruft uns mit Vehemenz, damit wir unseren Ursprung mit dem Lebendigen, unseren Ursprung mit dem Mysterium, unsere Abstammung von dem   Liebenden, unsere Treue dem Versprochenen gegenüber berücksichtigen.

Treu –als Versprechen der Schöpfung- wird es Tag, wird es Nacht, regnet es… und die Früchte versüßen uns den Gaumen. Alles findet sich treu ein, aber…

Und es findet sich treu wie die Treue dem Offenbarten gegenüber ein –so wie es das I Ching sagt- als Versprechen. Angesichts des Versprochenen zieht ES sich nicht zurück. ES beschäftigt sich intensiv damit.

Zweifellos bringt diese Erinnerung des Betenden Rufs eine Anstrengung, eine Hingabe, einen Verzicht, eine Bereitschaft … zu wachsen, zu innovieren mit sich.

Und klar, wie man sieht… wer befindet sich in dieser Disposition? Sobald die Vorsehung die Schraube ein bisschen anzieht, sucht man Zuflucht in dem „lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“

 

Jedwede Zeit, jedweder Moment bringt eine Gelegenheit mit sich. Die Gelegenheit beinhaltet… eine Ressource, einen Beistand, eine Hilfe…, damit wir uns mit der Sprache der Schöpfung in Einklang bringen können und wir SIE in dem Zusammenleben mit der Umgebung widerspiegeln können.

 

Die menschliche Vorgehensweise gibt sich verspricht sich so, so viele Dinge(!), versichert und beteuert so viele Positionen…, dass es absolut erstaunlich ist, wenn sie darauf verzichtet.

 

 

Das Wort, die Worte, der beste Träger, um unsere Eindrücke, Intentionen, Emotionen zu fördern… werden reserviert (span.: ‚esquiva‘), sie werden zu Ecken (span.: ‚esquinas‘) und sie hören auf, wellig, transparent, überzeugend, konsequent zu sein und selbstverständlich hören sie auch auf, beispielgebend zu sein.

Und in diesem Maße wird die Referenz unter den einen und den anderen enorm schwierig.

Es scheint, dass das Wesen manchmal seine eigene Beschaffenheit herausfordert, um zu sehen, wie weit es gehen kann.

Wir treten in Zeiten ein, in denen weder der Irrtum, noch die Tragödie, noch das Drama, noch der Terror zählen… Wir treten in Zeiten der Straffreiheit ein, in denen alles „gerechtfertigt” und „logisch” ist, wo man mehr oder weniger alles erklären kann…

Und wenn man es sich nicht erklären kann, also dann greift man auf das Glück haben, auf den Zufall zurück.

Die menschliche Gemeinschaft zeigt sich dehiszent[1], zerfranst, nicht zusammengerufen.

Die Wesen verbergen sich, die Wesen lügen, sie gehen soweit, sich selbst zu beschlagnahmen, was nicht lebensfähig ist. Aber sie fordern heraus... und jedes Wesen besteht auf seiner Wahrheit.

Aber wo befindet sich das Bezugssystem? Wo ist… der Ausdruck, der uns im Wesen und im Dasein und darin zu leben befähigt? Wo in unserem Bewusstsein befindet es sich? Wo befindet es sich… und wie wird es wirksam?

 

Es liegt auf der Hand und ist offensichtlich, dass der Wille interessierte Positionen seines eigenen Interesses annimmt. Wodurch das Desinteresse gegenüber dem, was nicht in seinem Interesse ist, wächst. Und so können wir zum Beispiel sagen: „Es gibt keinen politischen, gesellschaftlichen Willen, um dem Hunger von 4 Milliarden Menschen, die mit weniger als 5 ½ Dollar am Tag leben, ein Ende zu setzen.“

Und das sagen die, das sagen die, die dieses Drama ändern können. Sie sagen das mit völliger Straffreiheit! Sie fragen sich nicht und sie stellen sich nicht in Frage, dass sie es ja sind, die diese Situation schaffen. Es gibt keinen Willen zur Abhilfe, der Pflege.

Einige werden sich an den Slogan der WHO erinnern, der besagte: „Gesundheit für alle in 2000.“ Das war im letzten Jahrhundert, ja, vor kurzem, gewiss. Aber... das Jahr 2000 war so, als würde man in ein neues Paradies eintreten. Wir treten in das Jahr 2022 ein –zweiundzwanzig Jahre später- und die Gesundheit verschlechtert sich immer mehr.

Und sie hatten versprochen, als Menschheit der Welt… weltweit…, dass es Ressourcen und Mittel geben würde, damit alle die Gelegenheit hätten, ein Mittel, ein System, eine Form zu haben, über Ressourcen zu verfügen, um die Gesundheit zu pflegen. Das ist das Beispiel. Man kann Tausende finden.

Und sicherlich sagten sie es mit Überzeugung, mit Idee. Und sie versprachen das, aber sie haben es nicht erfüllt.

Einige werden sich auch daran erinnert, dass die wohlhabenden Länder versprachen 0,7% zu geben, um die Notwendigkeiten der armen Länder zu mildern…, die durch den Kolonialismus, durch die Habgier,  in die Armut verfallen sind, durch…           –nein, das haben sie nicht gesagt, das sagen wir jetzt. Man würde ihnen helfen.

Was ist daraus geworden? „Nein, also jetzt habe ich keine Zeit. Nein, also jetzt sind wir in der Krise. Nein, also seht mal… die Bedingungen haben sich verändert.” Jetzt reden sie wieder, so als würden sie versuchen zu sagen: Mensch! Wir könnten… wir könnten etwas machen, nicht?”

 

Wir werden offensichtlich keine Überprüfung der „Unverbindlichkeit”, des Fehlens an Wert des Wortes machen, das sich, wie wir sehen, weltweit wiederspiegelt. Aber diese weltweite Widerspiegelung ist eine Folge der alltäglichen Widerspiegelung eines jeden einzelnen. In mehr oder weniger großem Maße, und indem man mit den Ausnahmen rechnet.

 

Der Betende Ruf bietet sich permanent an. Und seine Warnungen, seine Erinnerungen, seine Forderungen verfolgen lediglich –„verfolgen lediglich“-… uns zu hüten, uns hinzuweisen, uns zu benachrichtigen, uns auszusteuern.

Weder richten noch verurteilen SIE uns. Sie kritisieren uns noch nicht einmal!

Der Betende Ruf mahnt uns, zeigt uns(!): „Der, der Augen hat, um zu sehen, der sehe. Der der Ohren hat, um zu hören, der höre!”

 

Unglaublich, im Schöpfer Mysterium, im Betenden Mysterium kann man sagen, dass dieses unermessliche Referenzial glaubt (span.: ‚cree‘) –weil es uns geschöpft hat (span.: ‚nos ha creado‘)- glaubt es an uns!

Und man müsste sagen, indem man an Christus erinnert oder indem man seine Worte umschreibt: „Ich bin nicht würdig, dass Du in mein Haus eintrittst, aber sprich nur ein Wort… –ein Wort(!). Wieder die Worte-  ein Wort von Dir genügt, um zu heilen.“

Aber wir müssen es hören. Wir müssen ihm Glauben schenken…!

Und zu wissen, dass SIE vertrauen, muss für uns eine Lawine der Hoffnung, der Korrektur, der Überlegung, des Überdenkens, der Projekte sein –wenn wir das Motto des Jahres umschreiben.

Es ist nicht kohärent(!)… es ist angesichts DEM, DER an dich GLAUBT (span.: ‚quien cree en ti‘), DER dich KREIERT (span.: ‚quien te crea‘) und DER DICH unterhält (span.: ‚quien te recrea‘) nicht kohärent… es ist nicht kohärent, nicht zu hören und... Zuflucht in dem zu suchen, was mich am meisten interessiert oder mich am meisten anzieht.

 

 

Gewiss, durch die Evolution, in der wir leben, ist der Betende Ruf… –wie es auch richtig gesagt wurde-  er ist die Stimme, die in der Wüste predigt.

Und so ist es, dass das Wesen sich zuhört –es hört sich selbst zu-, aber es hört nicht… der Stimme zu…

Und deswegen wird gesagt, dass „SIE in der Wüste predigt.“

Wie schwer…! Wie schwer es doch für diese Menschheit ist, zu glauben!

Man glaubt für Momente an etwas oder jemanden, aber für Momente glaubt man nicht und… und man hüpft von Stein zu Stein und denkt, dass man nicht fallen wird.

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

 

aAAAAAAMMMMmmmmmmmmmm

 

***

 

 


[1]Dehiszenz bezeichnet ein Aufgehen oder Auseinanderweichen von zusammengehörigen Gewebestrukturen.