42. Ruhe

 

BETENDER

 

Und man verstreicht jetzt in diesen Zeiten vorschnell, man würde sagen: „Schneller als Schnelligkeit.“

Und infolgedessen hört man auf, die Landschaft, die Umgebung, den Ort des Fußabdrucks, das Echo der Worte wahrzunehmen, die Wichtigkeit der Notwendigkeiten, die Transzendenz, diese zu erfüllen.

 

Alles scheint Eile zu sein.

Und darin… zeigt sich das Wesen eigenartigerweise –abgesehen davon übereilt zu sein- in seinen Ressourcen zögerlich, reserviert, so als würde es erahnen, dass es in irgendeinem Moment seine „Ersparnisse“ benötigen könnte.

Es hört aufgrund seiner Hast auf, die alltäglichen Beiträge zu bemerken… Die Tagesanbrüche sind so vorübergehend, dass sie sich in Zahlen verwandeln… die addiert werden.

 

Man verlässt den einfachen(!) Bezugsrhythmus, von Tag und Nacht, von Hunger und Durst. Und man greift zurück darauf, „Sehnsucht” zu besitzen, abzusichern und darauf, die Tugenden nicht zu verschwenden.

Es scheint eine schlechte Geschichte. Die Tugenden werden nicht verschwendet.

Die von der Vorsehung bestimmten Ressourcen erschöpfen sich nicht, sie benötigen keine Sicherheiten, da sie nicht von uns abhängen.

Es scheint so… es scheint so, als würde über dem Leben eine Bedrohung kreisen. Und dabei macht über dem Leben eine Befreiung die Runde, keine Bedrohung! Vielleicht kann man sogar interpretieren, dass man diese Befreiung, da sie keinen eigenen Ideen entspricht…, sondern dem, einen Bezug zu haben, also dass man sie als gefährlich interpretieren könnte.

Und ich würde zu dem Sprichwort zurückkehren von: „Lieber den Spatz in der Hand, als hunderte im Flug“[1] oder „das schlecht Bekannte ist mehr wert als das Gute, das man kennenlernen könnte.“ Schrecklich! Sich an dem Schlechten festzuhalten… weil man es kennt und die Güte zurückzuweisen, die sich kontinuierlich anbietet, uns den Hof macht… und unsere Natur fordert.

 

Diese vorschnelle, verzweifelte(!) Eile, –könnte man sagen-… die versucht das „davor”, das „von vorher” zu imitieren… bedeutet zweifellos, dem schlecht Bekannten Wert zu geben… dem, was uns in das „Schlechteste gestürzt hat, was man kennen kann“.

 

Ruhig! Das Licht kennt keine Eile. Es hat seinen Rhythmus aufgestellt, seine Geschwindigkeit und seine unendliche Projektion… die uns schnell erscheinen könnte.

Von unserer Natur aus kann alles sehr schnell… oder sehr langsam sein.

 

Eine Ruhe, die das Verstreichen erlaubt… die erlaubt, sich im Handeln, in der Verbindlichkeit, in der Befriedigung zu sehen.

 

Ruhe… die etwas von dem Warten weiß. Und wo uns das Mysterium garantiert  –ja, „es garantiert uns”- die Hoffnung.

 

Das Wesen führt in seinem Verlauf Kalkulationen und noch mehr Kalkulationen durch. Es sprengt sich für Momente… sich zu beschäftigen und zu beschäftigen!

Und es verliert die Referenz, jene, die uns hin zum Ewigen, dem Permanenten, dem Immanenten, dem Transzendenten, dem Befreienden… hin orientiert… Das, was in Notwendigkeiten verfügbar ist… das permanente Engagement.

Das, was uns das Bewusstsein bezüglich dessen gibt, sich kennenzulernen und… dem, die Reichweite unserer Intention zu erkennen.

 

Zu leben fordert Ruhe… ohne dass das Faulheit, Nachlässigkeit oder Vernachlässigung mit sich bringt, sondern es bringt diesen Bezugspunkt des Universums, der Raumreisenden mit sich.

 

Was, wen muss man fürchten?

Wenn wir uns doch auf einem Ort befinden, der durch die Unendlichkeit pilgert! Helfen wir da etwa mit? Findet das etwa durch unsere Fähigkeit, unsere Wissenschaft, unser Wissen statt? Oder gibt es vielmehr etwas, das unsere Rotation, unsere Translation, unsere Spiralbewegung der Galaxie, unsere –anscheinend- vorschnelle Reiseintention hin… zum Ewigen sichert?

 

SIE tragen uns, SIE sichern uns, SIE garantieren uns… bis zu dem Punkt, dass wir an „danach” denken, an „später“, an „Morgen“, an „nächsten Monat“… Woher nehmen wir diese Sicherheit…? Diese Sicherheit, die dann so ausweichend, so… so ängstlich(!) ist, wenn es darum geht zu geben, wenn es darum geht, sich auszudrücken… Als ob das Leben von uns abhängen würde!

Auch wenn es nur für einen Moment ist(!)... fühlen und denken zu können, dass zu leben ein Wunder von ungewöhnlicher Natur ist, von der wir ein Bewusstsein von unendlicher Fähigkeit haben… was nicht im Wissen besteht(!), sondern es besteht darin, das verliebte Mysterium zu fühlen, welches es möglich macht zu atmen(!)… zu sprechen(!)… zu gehen(!)…, wissend, dass SIE uns tragen.

 

Zu leben und das Leben haben keine Vernachlässigung erfahren.

Es stimmt, dass das Wesen in seinem Bewusstsein des Hedonismus denkt, dass… SIE es für Momente verlassen hätten. Aber nein… nein! Das Wesen ist in seiner Natur verwahrlost! ES hat –in Anführungsstrichen- diesen Krieg „geschöpft”, gefördert, diese Hungersnot, diese Verzweiflung, dieses Gemetzel, diesen Neid, diese Wut, diese Vorurteile, diesen Egoismus!

SIE haben es nicht verlassen! Wenn SIE es verlassen hätten, dann wäre das Wesen noch nicht einmal in der Lage, das zu erzeugen oder hervorzubringen.

Es ist eigenartig! Wenn alles… wir sagen „gut” läuft, dann ist das der menschliche Verdienst. Wenn es nicht gut läuft –ach(!)-, ist es… „Gott, der uns verlassen hat“.

Pathetisch…!

 

Ja. Das Wesen der Menschheit beabsichtigt –weil es das weiterhin mit verschiedenen Methoden beabsichtigt: Religionen, Wissenschaften, Philosophien-… es beabsichtigt, den EWIGEN „zu domestizieren“. Ja! IHN zu domestizieren, so wie sie es mit „ihren Begleittieren” oder mit „ihren Opfertieren” macht. So wie sie es mit dem Leben macht, das sie umgibt, mit ihren Pflanzungen, mit ihren Gewässern, mit ihren Ländereien, die sie malträtiert, besetzt… und sie etikettiert, als ob es ihre wären.

 

 

Ein Blinder wartet… auf den solidarischen Dienst, um die Straße zu überqueren. Er klopft mit seinem Stock auf den Boden, aber… alle haben es eilig! Alle rennen! Alle sagen „später”. Alle sagen „vielleicht”. Alle fürchten, eine Sekunde zu verlieren…(!), wenn sie helfen, wenn sie kollaborieren, wenn sie teilnehmen.

Der Blinde klopft mit seinem Stock traurig weiter auf den Boden… Und dort macht er weiter, während die Menschheiten vorbeigehen und vorbeigehen, besorgt und beschäftigt mit ihren „destinos[2]“.

Und die wirkliche Menschheit klopft und fordert die Kommunion, die Hilfe, die Pflege, das Solidarische, das Zusammenleben, das Notwendige.

 

Und wir befinden uns in einem Verstreichen, in dem jedes Wesen mit seiner persönlichen Wichtigkeit, mit seinem persönlichen Projekt, mit seiner persönlichen Identität, mit seinen… „seinem” (span. ‚sus’) permanenten sich erschrecken (span. ‚sustos’) das Bewusstsein der Vorsehung verlässt. Jenes, das uns alltäglich die Sicherheit des Tagesanbruchs, der Abenddämmerung, des Frühlings, des Herbstes, des Winters gibt.

 

(3 Minuten der Stille)

 

Kontinuierlich wird uns angeboten, in dem Maße, wie wir uns beruhigen, kontinuierlich wird uns dieser Bezugspunkt… von der ‚Höchsten Güte‘ angeboten. Damit wir ihn in unseren Ressourcen, in unseren Fähigkeiten, in unseren Händen fühlen.

 

Warum hebt man das für später auf? Warum schiebt man die Feineinstellung mit dem Bezugspunkt auf? Warum gibt es immer etwas Wichtigeres?

 

Warum hinterlassen die Küsse Spuren auf den Lippen?

 

Das Sprichwort sagte: „Wer die Tür vor der Lüge verschließt, wird niemals die Wahrheit hereinlassen.“

 

Es sind Türen der Eitelkeiten, es sind Sicherheitstüren, Türen der Garantien der menschlichen Herkunft, die durch Mikro-Egoismen geführt werden, die nicht bemerkt werden, die aber in Wirklichkeit das Verhalten, die Aktion konfigurieren…

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Die Rechtfertigungen sind immer bereit. Die Gründe sind 24 Stunden verfügbar. Und so rechtfertigt sich jedes Wesen und begründet seine Entscheidungen, seine Verhaltensweisen, seine Inszenierungen.

Und damit unterschreibt es, dass das das Leben ist, dass das das authentische Entgegenkommen ist.

Die Zuneigungen, die Anziehungen… und übrigen emotionalen Ereignisse bilden Teil einer… einer Psychopathologie… des alltäglichen Lebens.

Ja. Die Kenntnis der Wissenschaft, das Wissen, das Verstehen… ist vorherrschend und die Rufe der Gefühle werden lauwarm und knapp, nicht an Recht und Gerechtigkeit, sondern an Ungewissheit.

Besiegelte Küsse…, die durch Gründe und Erklärungen gerechtfertigt werden…

Immer gibt es in der Ressource der menschlichen Vorherrschaft eine Erklärung.

Und da es allgemein so ist –von Ausnahmen abgesehen-, erreicht das den Titel von „normal“.

 

Und so ist es, wie die Ausnahme durch ihre Abwesenheit glänzt. Das Außerordentliche… wird da sein –ja, es wird da sein-, aber so gedämpft, so viel Angst haben zu erscheinen, nicht dass die menschliche Meinung –sei sie nun gesellschaftlich, familiär, freundschaftlich, et cetera- nicht einverstanden ist… Und so bleibt das Außerordentliche, die Ausnahme in der Anekdotensammlung, wenn es doch das Alltägliche sein sollte, um nicht in die Vulgarität zu verfallen… sich unermüdlich in der Stolperfalle derselben Stufen zu wiederholen, die Generationen über Generationen begangen haben.

Diese Verhaltensweisen… sind weder aus Liebe, noch aus Güte, noch aus Nächstenliebe, noch aus Freundlichkeit. Sie sind einem gelebten Leben nicht eigen. Sie sind nicht die gehisste Leidenschaft, die begeistert(!)... und die das „Unmögliche“ möglich macht.

 

Es ist notwendig… sich zu verlangsamen. Es ist notwendig, die Ruhe zu fordern. Es ist dringend und notwendige Notwendigkeit, ehrlich zu sein.

 

Das Geheimnis zu leben mit dem leidenschaftlichen Engagement lüften! Mit der Entscheidung ohne Zweifel…! Dass es manchmal scheint, dass es Richter gibt, die uns umringen und beobachten, um zu sehen, ob…

Gespenster der eigenen Egozentrik.

 

Das Erbarmen nimmt uns permanent auf.

Uns zu öffnen und es zu fühlen… gibt uns den Beistand der Spontaneität, des klaren Wortes, der Sanftheit, der Disposition gegenüber den Ressourcen, gegenüber den Gaben.

 

Bitte keine Verspätungen mehr in dieser vorschnellen Flucht.

 

 

***

 


[1]“Más vale pájaro en mano que ciento volando” o “más vale lo malo conocido que lo bueno por conocer

[2] Schicksal, Los, Amt, Anstellung, Ziel