41. Der göttliche Unwissende

 

BETENDER RUF

 

Und in dem Verlauf der Aktion, des Tuns, des Wiederholens, des Innovierens, des Entdeckens, des Lernens… wird das Wesen der Menschheit wegen dem, was es weiß, wegen dem, was es gelernt hat, wegen dem, was es interpretiert, wegen dem, was es entdeckt hat fortschreitend ein Bewusstsein der Macht annehmen.

Und in dem Maße, wie das so geschieht, wird es egozentrisch, verherrlicht es sich selbst… und es wird nach und nach seine Welt erzeugen. Und jeder Einzelne wird sein Imperium oder seinen  Bereich schaffen.

Und das ist das allgemeine Modell der Spezies Sapiens:

„Nein, das kenne ich bereits.“ „Nein, das weiß ich schon, das habe ich schon gelernt, schon…”

Sie bemerkt nicht, dass sie das, was sie vergessen hat, in anderen Zeiten gelernt hatte.

 

Und hier weist uns der Betende Ruf darauf hin… dass dieser progressive Fortschritt, der sich in Macht verwandeln wird, der selbstgefällig wird, der egozentrisch wird, selbstverherrlichend… dieses Fortschreiten wird sie (die Spezies) zu den Unendlichen des unwissenden Bewusstseins treiben.

Ja. Das Bewusstsein zu wissen –weist uns der Betende Sinn hin- weist uns auf individuelle Universen, auf Mächte und Urteile und Erlässe, Anordnungen, Regeln… dominante Gebote hin.

In dem Betenden Ruf, wenn wir uns in das Schöpfer Mysterium versetzen, öffnet ES uns sofort –da muss man nicht viel drüber nachdenken-… das unwissende Bewusstsein öffnet uns ein unergründliches  Universum. Es öffnet uns hin zu einem Weg ohne Ende.

Derjenige, der voll von Wissen, von Gelehrtheit, von Kenntnissen ist… fürchtet sich davor, sich zu öffnen, versucht sich zurückzuhalten,  strebt danach aufzubewahren und zu haben, für den Fall, dass er nicht hat! Er ist Sklave seiner Gelehrtheit, seines Wissens, seines Lernens. Und in seinem Ego-Götzendienst erlaubt er nicht die Unwissenheit. Er hat sich zu einem Universum und seiner Welt „nach seinem Ebenbild” nach seinem Wissen und seiner Kenntnis (span. ‚conoci-miento’) gemacht. Und so kreiert er eine Familie, eine Gruppe, eine Gemeinschaft, einen Staat, ein Land, einen Kontinent.

Und er bereitet sich vor, seine persönlichen, familiären, sozialen, kulturellen Rechte zu verteidigen… Aber er bekennt nicht seine Unwissenheit über das Leben, seine Unwissenheit über das Universum, seine Unwissenheit über die Schöpfung.

Wie wir annehmen können, werden der betende Heiler, das Wunder, die Erleuchtung wirklich „schwierig“. Auch wenn man sie potentiell hat.

Der göttliche Unwissende, wenn er sich dem Mysterium öffnet, befindet sich in der permanenten Überraschung, in dem überraschenden Glück(!), darin, eins ums andere Mal… denselben Satz, der wiederholt schien zu interpretieren und erneut zu interpretieren, aber wenn man ihn in einem anderen Moment sieht, unter anderen Umständen und unter einer anderen Frage, dann wird er so unterschiedlich…!

Genauso wie wenn wir das I-Ching konsultieren und gemäß der Frage, gemäß des Problems, hat die Antwort dieses Hexagramms, dass wir schon mehrere Male gelesen haben werden, dann eine andere Natur.

Der himmlische… der himmlische Unwissende schenkt allem Aufmerksamkeit, was geschieht.

Der himmlische Unwissende hat keine Grenzen… und deswegen füllt er sich mit Güte. Aber er hält sie nicht zurück, er drückt sie aus. Und deswegen füllt er sich mit Barmherzigkeit. Er macht über sie keine Propaganda, sondern er übt sie aus. Und deswegen füllt er sich –ohne sich jemals zu füllen-… mit Liebe. Und mit ihr ist er tätig. Er hält sie nicht zurück, er zeigt sie.

Er weiß vom Großen Unwissenden Betenden das Grundlegende des Bewusstseins: dass es keine Realität gibt, die ihm gehört.

Ahhhhh… „Nichts” –könnte man sagen. Nichts gehört Dir. Es gibt nicht „etwas” was ihm gehört –es ist besser, es so zu sagen.

 

Nein! Es ist nicht leicht. Es zu sagen könnte verständlich sein, es kann vernünftig sein, aber es zu leben ist nicht einfach. Nein, nein. Gewiss, denn die Liebe, die ich für „mein” Kind fühle, die Liebe, die ich für „meine” Theorie fühle, die Liebe, die ich fühle, um das Höchste in die Liebe zu setzen, ohne Gipfel für „mein” Projekt, für „mein” Land, in dem Moment, wie man das als Besitz positioniert, hört man auf, ein Unwissender zu sein, um Eigentümer zu sein. Und als Eigentümer hütet man seine Habseligkeiten und stellt eine Grenze auf. Man baut einen Zaun… Man sucht einen Ertrag…

Die Forderung als Eigentümer lässt die Unwissenheit zurück und fordert ihr Recht.

 

Und wie wir hören, hat der Unwissende nicht darauf verzichtet zu entdecken, zu lernen, wiederholt zu lesen, wieder aufzunehmen… Nein. Aber er entdeckte, zu besitzen, was er entdeckt, was er lernt, was er entwickelt und es dann nicht “zu Diensten” zu stellen, eine Possession mit sich bringt, es bringt eine Macht mit sich.

Und dort hört er auf, unwissend zu sein.

 

Wenn die Nährstoffe unseres Wesens göttlich sich, wenn das Gebet das Prinzipielle ist… –um nicht zu sagen, die einzige- Verbindung, die uns in dem Bewusstsein als Universum hält, muss das ein Bewusstsein zu fühlen sein. Deswegen ist es nicht leicht, nein. Für Momente kann man sich ausdrücken und für Momente kann man es leben, aber wir befinden uns in fürchterlich mächtigen(!) Bereichen –wie wir sehen, wie wir beobachten können! Und der größte Anhänger, der am nächsten Stehende, der Gläubigste… wird in Versuchung geführt und er meint, dass er herausragend sei. Er fühlt sich… unentbehrlich, seiner Überzeugungen sicher und zu jedweder Arbeit fähig.

Und so gibt er es auf zu meditieren, zu beten, zu kontemplieren, zu fühlen ohne Ertrag. Und er wird zu einem Sklaven zu wissen, zu kennen, zu lenken, zu manipulieren …, sich als Kultur, als Entwicklung, als Spezialität irgendeines Zweiges oder irgendeiner Dimension zu bemächtigen.

 

Die Schöpfung hat die Blume des Lebens… mit einem unvergleichlichen Duft gegeben. Und in ihrem erstaunlichen Mysterium… bietet diese Blume ihren Duft an, aber dessen Herkunft ist ein Mysterium.

 

Wenn wir uns mit dem betenden Duft berauschen… und wir uns feierlich als Unwissende deklarieren, die aber deutlich wach, leuchtend, großzügig, übernatürlich,  heilende Vermittler sind…, wenn das geschieht und man sich angesichts der Lauer und der Kommentare und der Privilegien, die Positionen, die Possessionen fordern(!), erhält… Ach(!), wenn all das verbannt wird –ohne Geringschätzung(¡), mit Respekt-, dann ist das Gewicht leicht. Man könnte sagen, dass es kein Gepäck gibt. Und die Option und die Möglichkeit, dass die anderen sehen, dass die anderen betrachten, dass die anderen bemerken, dass…. Und das Bewusstsein des allerhöchsten Unwissenden annehmen… weil das eingeprägt ist, und selbstverständlich ist das offensichtlich, aber wenn man sich mit gelehrter Fähigkeit des Wissens füllt, dann sieht man nicht mehr. Man bricht die Verbindung mit dem Mysterium. Man fühlt sich sicher mit seiner Impfung, mit seinem Mittel...

„Noch nicht einmal” –und das ist von großer Hilfe-, man selbst erkennt sich noch nicht einmal als ein Mysterium.

 

Ahhh! Was für eine wichtige Perle taucht auf!

Wenn ich aus dem Mysterium hervorgehe, was bin ich dann? Ein Mysterium.

Deswegen, ohne es zu wollen, wiederholen SIE eins ums andere Mal: „Erkenne Dich selbst, erkenne Dich selbst. Und die Psychoanalytiker suchten dieses „sich selbst erkennen”: „Erkenne Dich selbst.“

Aber… aber nein!

Verzichte darauf, Dich selbst zu kennen. Erkläre Dich für unwissend über Dein Wesen, weil Du aus dem Mysterium kommst.

Du wirst um Deine Gaben wissen –ohne sie zu besitzen-…, um zu dienen. Und wissend, dass nichts Deins ist, musst Du nach nichts streben, aber schon teilhaben.

So erlangt man, so entdeckt man das Bewusstsein der Befreiung.

So erreicht man… die fortschreitenden Schritte der Erleuchtung, die man sieht, die ausgeübt werden, die praktiziert werden.

 

 

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