Es ist die Schöpfung selbst, die uns das Leben geliehen hat

 

BETENDER RUF

 

(4 Minuten der Stille)

 

SIE rufen uns zum Beten …, damit  wir Einfluss darauf nehmen, unsere Beschaffenheit zu entdecken. Unsere Natur, die aus dem Schöpfer Mysterium hervorgeht. Eine Natur einer phantastischen Vorstellungskraft. Eine Natur mit komplexen und amplifizierten Ressourcen, mit der Fähigkeit zur Evolution, zu entdecken, zu staunen(!), um sich in der Liebe widerzuspiegeln, die ihn (den Menschen) geschöpft hat.

Eine Natur des Wesens, die weiß, dass sie sich im Einklang mit ihrer Spezies und mit allem Übrigen befindet, dass wir eine unterschiedliche Einheit bilden, aber vereint sind durch das Wort „kreieren”.

Uns geschöpft zu fühlen … bedeutet, uns in dem ungewöhnlichen einzigartigen, unwiederholbaren Abstammen von Fähigkeiten die sich erzeugen … fern von jedwedem eigenen Willen, zu entdecken. Und welche später, welche später allmählich, da sie nicht in ihrem Ursprung erkannt werden, als eigene entdeckt werden. Und so denaturalisiert sich das Wesen nach und nach. Und es macht sich individuell. Es hört auf einzigartig zu sein und es wird Besitzer Besitzer seines Wesens. Und damit macht es sich zum Gegner seiner Umgebung.

„Eigentümer seines Wesens und Widersacher seiner Umgebung.“

Und auch wenn es leicht ist, zu den Sternen zu schauen … zieht das Wesen, da es sich seiner Natur bemächtigt hat, eine Handvoll Erde vor.

 

Wir als Spezies benötigen es, unsere Identität zu betonen … um unser Eigentum abzulegen und um wirklich befreit zu sein. Und nicht abgesondert in unseren Gesetzen, unseren Normen, unser Meinung, unserem Kriterium, unserem Gesichtspunkt … was zweifelsohne da ist, aber uns nicht gehört.

 

Es ist die Schöpfung, die uns das Leben „geliehen” hat. Es ist eine Leihgabe des Schöpfer Mysteriums in seiner ‚Imagination’.

Ja. Wir sind eine Imagination … unergründlich.

Und deswegen ist es, dass, wenn wir uns selbst untersuchen, dann erreichen wir es letztlich nicht, wir kulminieren nicht darin wirklich zu wissen … wer wir sind.

Einzig mit der Erfindung –„Erfindung“- der Egozentrik und der Selbstverherrlichung können wir uns klassifizieren, uns definieren. Und natürlich unvermeidbar sterben. Das ist der beste Plan, dem die Selbstverherrlichung einfallen kann.

 

Und es geht nicht darum, die Peitsche herauszuholen –wie man es so viele Male macht und gemacht hat- und sich zu geißeln: „Wegen meiner Schuld, wegen meiner Schuld, wegen meiner so großen Schuld.“ Und so einmal, und noch einmal und noch einmal …

 

Und wenn … und wenn man auf die Weichheit der Lieblichkeit zurückgreift? Und wenn wir uns das großzügige Mitleid vorstellen? Und wenn wir das … entgegenkommende Erbarmen annehmen? Und wenn wir bereit sind, auf unsere Auflagen, unsere Unnachgiebigkeiten, unsere Vorurteile zu verzichten … und uns dem Zuhören, dem Teilen, dem Entdecken gegenüber öffnen …?

Und das wird uns unsere Einzigartigkeit, unsere ungewöhnliche Anwesenheit, unsere unerlässliche Teilhabe, unser notwendiges Engagement zeigen.

 

All das kann als ein entmutigender (span. ‚descorazonada‘[1])Vorschlag erscheinen. Nein! Es ist ein Vorschlag, der voller Herz ist.

Unvernünftig!

Der das Wissen erlangt … „der das Wissen bei jedem Herzschlag erlangt“. Und so gibt es keinen Irrtum. So gibt es keine Dualität im Denken und im Fühlen. So gibt es einen Sinn.

 

Der „Sentido“ (span.: ‚sentido’, Sinn, Richtung, Weg, Sinnesorgan) umfasst „wohin”…, „in welcher Art und Weise”…, „die Intention”…, „die Ausnahme”…, und er bekommt immer mehr Sinn („span.: ‚sentido‘) in dem Maße, wie man miteinander teilt, wie man zusammenlebt, wie man übereinstimmt … oder nicht! Aber er ist auf gar keinen Fall ein Motiv für Beschwerde oder Durcheinander.

 

Wir sind gleichzeitig und simultan Ameisen, Flusspferde und Sterne. Jedwede Entwendung hin zu einem Personenkult ist … ein Scheitern.

Indem wir uns integriert fühlen … –mit allem, was wir an Fähigkeit haben, um ‚das Geschöpfte’ zu sehen- befreit uns das von dem Joch des Besitzes.

Und das ist nicht nur eine Meinung, sondern man muss sich darin „ausüben”, sich in der Umgebung unserer Spezies und der anderen zu freuen … ohne in die systematische Zurückweisung, in den Kampf, in die Unzufriedenheit einzutreten …

Jeder kann bemerken, dass … all das anstrengend ist, sich in einem Fühlen zu befinden –„sich in einem Fühlen zu befinden“-, das nicht einverstanden, wütend, aufzwingend, unangenehm, nonkonformistisch und konstant kritisch ist! Es ist leicht, das zu bemerken. Es ist anstrengend. Es erschöpft, wenn man unter diesen Voraussetzungen lebt!

Und zu leben ist nicht anstrengend. Es bedeutet zu entdecken, es ist klarsichtig, es ist überraschend.

Wenn man einfach nur … die Lieblichkeit einer Zärtlichkeit hört, sieht, schmeckt … fühlt …  ist das ausreichend, um uns zu stärken und das Leben mit Leichtigkeit(!), ohne Begrenzungen(!) zu entdecken! Mit der angeborenen Geschicklichkeit. Mit der Gelassenheit, mit der der Wind seine Lüfte trägt.

 

 

Aus dem Leben eine schwere Last der Verantwortungen, der Auflagen, der Leiden als unausweichliche Regeln des Lebens zu machen … sind die Wahlmöglichkeiten, die man genommen hat, um zu kontrollieren und um zu dominieren.

Und es sind die, welche der Betende Ruf denunziert … als „Anzeige“ eines notwendigen und entschiedenen verändernden Verhaltens.

 

(3 Minuten der Stille)

 

Gefühlte ‚Sentidos’ (span.: ‚Weg, Richtung, Sinn‘) …, die unseren Realisierungen einen ‚Sentido’(span.: ‚Weg, Richtung, Sinn‘) geben. Die ständige Realisierungen öffnen … und die diese permanente Hoffnung ermöglichen.

 

Als Menschheit haben wir einen brüchigen(!), gespaltenen(!), gebrochenen(!) Weg beschritten

Und es ist egal, wer die Geschichte beschrieben hat. Aber es sind Brüche und in kleine Stücke gebrochene Frakturen und die außerdem … unsere Präsenz in diesem Universum kennzeichnen.

Und die Menschheit hat sich in eine Fraktur Kallus[2] verwandelt, die schmerzt, die sich nicht artikuliert, die bedauert, die vom Groll überschwemmt ist.

Unsere miteinander verbundene (span.: ‚articulada‘) Position mit der Schöpfung ist nicht gegeben. Für Momente hat man nach ihr geseufzt, aber … sie hat keine Form des Daseins dargestellt. SIE haben uns als prächtigen Entwurf gelenkig gemacht (span.: ‚nos articularon‘). Und wir haben ihn nach und nach in … „geschädigt“ verwandelt.

 

Und dann wollen wir das mit denselben Mitteln regeln –obschon mit unterschiedlicher Halskette- durch die wir zerbrochen wurden. Wodurch wir uns in wiederholt chronisch Gebrochene verwandeln.

„Wiederholt chronisch Gebrochene.“

 

Es ist jetzt –„es ist jetzt”- der Moment zu rehabilitieren …

Unseren Geschicklichkeiten einen ‚Sentido‘  (span.: ‚Sinn, Weg, Richtung‘) zu geben…

Unsere unbegrenzten Fähigkeiten anzunehmen...!

Um die Rhythmen, die Pausen, das Warten, die Beharrlichkeit wissend …

Wir sind andere und wir müssen uns entdecken...!

Weil wir bisher das waren, was andere gesagt haben, was wir sind! Diejenigen, die uns empfangen haben, als wir uns strukturierten, die uns erzogen haben, die uns zivilisiert haben, diejenigen, die uns gelehrt haben …

Es gab keine Zeit dafür, um zu wissen, wer wir waren. Andere haben uns dann gesagt, wer wir sind. Wenn es hoch kommt –„wenn es hoch kommt”- konnte uns der Spitzname, der aufgetauchte Name irgendeine Spur unserer Beschaffenheit geben.

 

Zu wissen, dass wir nicht das sind, was wir sind, sondern dass wir „andere” sind, versetzt uns in die unbegrenzte Dimension, versetzt uns in das Abenteuer, in den wahrhaften „sentido“ (span.: ‚Sinn, Weg, Richtung‘), uns von der schweren Last des Protagonismus zu lösen.

 

Und im Gegensatz zu dem, was man als ein gebrochenes Wesen denken könnte, bringt dieses, dass wir uns als rehabilitierte Rehabilitierende erklären, eine spezielle Anstrengung mit sich.

Es bedeutet, um es besser zu verstehen, den Helm und die Rüstung abzunehmen. Jene, die man im Kampf getragen hat, ums sich vor Schlägen zu schützen. So es ist, wie es um einen steht. „So ist es, wie es um einen steht”: Helm, Rüstung, Schutz, Lanze, Angriff …

 

Die frische Luft von dem einatmen, wer ich bin und ich wusste es nicht …

Frische Luft von dem einatmen, wer ich bin und ich wusste es nicht … bedeutet, sich in der Bescheidenheit und der Transparenz zu entdecken. Es bedeutet das Abenteuer mit Mut ohne Suche nach Erfolgen und Besitztümern.

Einfach nur mit den Seufzern des Hauchs, die fliegen.

„Einfach nur mit den Seufzern des Hauchs, die fliegen.”

 

Wir sollten uns als Federn der Flügel fühlen … „weil wir gekommen sind”, mit  zukunftsträchtigen Geschicklichkeiten, die uns in dem Traum, in den Träumereien platzieren … und in Phantasien „alles möglich“ des „immer Möglichen.

 

Die gefühlten Herzschläge einer jeden Emotion zu fühlen … ohne die gewohnte Ausübung es zu denken.

Einfach betend.

 

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[1] In dem Wort steckt ‚corazón‘, Herz

[2] Nach einem Knochenbruch (Fraktur) bildet sich zwischen den Bruchstellen ein sogenannter Kallus (lat. callus „Schwiele”) aus.