4. Der Betende Sinn ermahnt uns zu unserer Identität als Einheit

 

BETENDER RUF

 

(5:30 Minuten der Stille)

 

Und jeder Beginn, je nach Kultur, Gewohnheit oder Zivilisation, bringt Vorschläge, Versprechen, Strategien, Erwartungen auf der Basis dessen mit sich…, was vergangen ist, wie sich die Ereignisse ergeben haben, auf der Basis der Lebensqualität, der man gefolgt ist, auf der Basis der Verpflichtung eines jeden einzelnen, etc. Aber es gibt schon Vorschläge und Intentionen, zu erweitern, zu verändern, anzunehmen. Ohne deswegen einen Sinn, eine Bahn zu verlieren.

 

Der Betende Sinn zeigt uns eine Offensichtlichkeit, welche die Charakteristik ist, vor der sich die Menschheit in dieser Zeit vorfindet. Eine Charakteristik, die beladen ist mit Angst, mit Unsicherheit, mit Unentschiedenheit, mit Unruhe, mit Verzweiflung, mit Angstzuständen: in dieser Frequenz, auf dieser Welle der Neurose –oder vielleicht etwas mehr- mit depressiver Färbung. Um eine Diagnose zu stellen.

In dieser Situation, in diesem Magma, befinden wir uns. Auch wenn das offensichtlich einige –aufgrund ihrer Charakteristika, aufgrund ihrer Situation- mehr zeigen als andere…. Und alle fragen sich, da ein neuer Zyklus auftaucht, ein neuer Beginn, wie man diese Situation beheben kann.

Wenn die Diagnose korrekt ist, dann bedarf dieser Zustand der Neurose der Anxiolytika, der Beruhigungsmittel, der muskelerschlaffenden Mittel… Und wenn sich das Depressive abzeichnet, werden sie Antidepressiva in einer mehr oder weniger umfangreichen Skala benötigt. Und abgesehen von der pharmakologischen Behandlung, wird man eine psychotherapeutische Gruppen- oder individuelle Behandlung benötigen, oder eine analytische, psychoanalytische Therapie, um das Risiko einzugehen, zu sehen, welche Elemente, welche Verhaltensweisen, welche Erlebnisse uns dazu gebracht haben, in dieser Form zu leben, dass wir uns in diesen Umständen befinden. Ohne da reinzugehen, ob sie besser oder schlechter sind, aber die Erlebnisse, die haben schon kreiert, und es hat sich ein besorgniserregender Zustand der Menschheit ergeben.

Der Betende Ruf fordert uns auf, bei den ausreichenden Veränderungen mitzumachen, damit es dem Patienten –Menschheit- besser geht. Es ist ein Appell an alle, unabhängig davon, ob wir nun mehr oder weniger betroffen sind.

Natürlich kann jeder einzelne seine Lösung suchen. Aber… das wäre unzureichend. Ja, weil man sich dann absondern würde. Und die Menschheit ist eine unausweichliche soziale Wesenheit. Weil das Leben –zu leben- nicht ‚zerbrechbar’ ist, und wenn das stattfindet, dann ist das bedauerlich.

Also ist das eine Aufgabe aller. Wenn man sagt „aller”, dann bedeutet das, dass jedes Wesen seine Ressourcen annimmt, um sich zu verbessern, aber auf keinen Fall schließt das aus, dass sich das Wesen gibt, um sich einzusetzen und um zu verbessern, da es an der Verflechtung, die der Ursprung der Situation ist, teilnimmt.

Bei vielen Gelegenheiten erinnert uns der Betende Sinn an die Gleichzeitigkeit der einzelnen, privaten Aktionen und die der Umgebung: Man kann sie nicht separieren. Wir sind keine „Juanes Palomos”[1], die wir alleine kochen und dann auch alleine essen, sondern wir teilen miteinander, wir kollaborieren, wir stimmen überein.

Die menschliche Gemeinschaft „zivilisiert” genannt”… also es ist zweifellos so, dass sie kontrolliert, lenkt und über einen Lebensstil verfügt, den sie immer ‚ausgedehnter‘ auf die ganzen menschlichen Gemeinschaften dieses Ortes des Universums ausübt. Die Imperien haben im Verlauf der Zeiten immer mehr ihre Grenzen ausgedehnt und heute sind die Imperien „ohne Grenzen“. Sie beschränken sich nicht mehr auf einen Raum. Die Mächtigsten erstrecken sich auf die Räume und sie streiten untereinander oder… sie einigen sich.

 

Wir befinden uns in Zeiten der kommunikativen Ressourcen: Netze von unglaublicher Kapazität! Es könnte so aussehen, dass das ein Netz mit Kapazität ist, um unsere Kommunikationen zu verbessern und um sie zu erweitern. Und sicherlich, wenn wir abgestimmt, reinlich und ehrlich sind ist es wahrscheinlich, dass dieses Netze nützlich sind. Aber man muss nicht beweisen, dass in der Ära der kommunikativen Kapazitäten, die In-Kommunikation oder die falsche Kommunikation immer vorherrschender wird.

Die Ebenen der Teilnahme werden immer schwieriger und die Ebenen der Rechtfertigung weiten sich immer mehr aus.

Die spontane Teilnahme der Hilfe, der Kollaboration, der spontanen Entscheidung… ist immer schwieriger. Aufgrund seiner Symptomatik und Diagnose schließt sich das Wesen ein und gibt einen irrtümlichen Aspekt seiner wirklichen Situation ab. Und in seiner neurotischen, depressiven Obsession verliert es den Kontakt und verbindet sich mit anderen Divisionen des äußeren Anscheins. Der Bezugspunkt ergibt sich in ihm selbst.

 

Unter dem Betenden Sinn ist es vorrangig, dass sich das Wesen auf das Mysterium bezieht. Auf das Mysterium, Schöpfer Mysterium, das unentbehrlich wird. Nicht jetzt. Es ist… und wir sind permanentes und lebendiges Erbe von IHM, von DEM EWIGEN. Aber jetzt, wo sich das Wesen absondert, sich entfernt… desto wichtiger ist es, die schöpferischen Offensichtlichkeiten zu erhalten, sich in ihnen zu erhalten, die das alltägliche Wunder des Lebens ermöglichen. Und das ist kein Satz, das ist eine Offensichtlichkeit! Auf gar keinen Fall könnte irgendjemand bestätigen oder sagen, dass er/sie durch seine/ihre eigenen Ressourcen „am Leben ist. Uns gehört nichts, aber wir haben schon die Pflicht, es zu pflegen: das zu pflegen, was sich unter unseren Kapazitäten, unseren Pflichten befindet.

Und ohne diesen Bezugspunkt auf der handelnden Ebene, auf der teilnehmenden Ebene, auf der Ebene der solidarischen Elemente zu verlieren, dieser Bezugspunkt, der versucht, die Kondition des Wesens zu verbessern, der renovierte, neuheitliche Aussichten hat… ist es innerhalb jedweder der Vorschläge unumgänglich, ganz klar die Ehrlichkeit mit einzubeziehen. Ganz klar!

Die Gewohnheit der Lüge aus Mitleid, der konstanten Rechtfertigung über das, was ich gemacht habe, was Du nicht gemacht hast, was die permanente Konfrontation von völlig gegensätzlichen Versionen mit sich bringt… das ist eine der „Items“, die nicht operativ sind, für irgendeine Planung, wenn man das nicht löst.

Das Recht zur Lüge hat sich in ein Element der Machenschaft, in ein Element der… nicht vorzeigbaren Dreistigkeit verwandelt.

Und was noch besorgniserregender in diesem unehrlichen Verhalten ist –weist uns der Betende Sinn hin- ist, unglaublich, wie das Sprichwort sagte: „Man fängt einen Lügner vor einem Lahmen.“ Ja. Unglaublich, einer erzählt einem anderen eine Lüge und ein anderer einem anderen, und ein anderer einem anderen mit dem Vertrauen und der Glaubwürdigkeit, dass niemand es erfährt. Unglaublich! Und demjenigen, der es erfährt, bleibt gar nichts anderes übrig, als ein Pokerface aufzusetzen und sich dumm zu stellen oder den Affen zu machen… um nicht zu explodieren und um nicht bloßzustellen.

Und dies ist ein Detail, das man berücksichtigen muss, bevor man die Ehrlichkeit verbirgt. Berücksichtigen, dass vielleicht –so wie Mafalda sagte: „Wenn mich die Lehrerin fragt, wieviel zwei Mal zwei sind habe ich den Eindruck, dass sie es weiß.“ Demnach, bevor man die Ehrlichkeit verbirgt und sie in mitleidige, halbmitleidige Lüge verwandelt, etc., denken Sie darüber nach, dass vielleicht der, der das hören wird, es bemerken wird.

 

In dem Maße, wie es keinen Betrug gibt, ist es möglich, die Dimension zu bemerken, die diese depressive Neurose hat. In dem Maße wie wir das verheimlichen, es tarnen, es gemäß des eigenen Interesses „vorgeben”, verwischt sich die Dimension der Situation… und wir verlieren die Perspektive! Und konsequenter Weise verstärken wir das Problem noch mehr.

 

(3 Minuten der Stille)

 

Während die ehrliche Intention zum Bewusstsein wird, verändert sich die Kommunikation. Ja, dann ist die Verheimlichung, die Version A, B, C, D… nicht so nützlich.

Als Gemeinschaft mit Charakteristika, die sich der persönlichen Entwicklung widmen, mit Intentionen, die deutlich heilend sind, müssen wir –als Schule- lernen, beibringen… und wir müssen das unter der ehrlichen, geteilten, kommunikativen Sichtweise machen.

Und als Charakteristik dieses Vorschlags werden die Kraft, der Humor und die Kollaboration unumgänglich.

 

Die Gemeinschaften, die sich beitragen und der Allgemeinheit der Spezies beitragen, müssen reinlich, klar, respektvoll untereinander werden… und mit Projektionen der Neuheiten, der Revisionen. Und all das unter der Referenz des Schöpfer Mysteriums. All das unter diesem Sprichwort, das gesagt wurde: „Bete und arbeite.“ Ja. Das vorrangige betende Bezugssystem ist die Ressource, die uns antreibt(!)... klar zu sein. Kein Revanchist zu sein! Nicht auf das Missfallen (span. ‚desagrado’) zu zeigen, sondern die Freundlichkeiten (span. ‚agrados’) zu berücksichtigen. Und wenn die Freundlichkeiten heilig werden, besser!

 

(3 Minuten der Stille)

 

Das Wesen der Menschheit lässt sich als Gemeinschaften nieder, da ihm seine Beteiligung eigen ist –nämlich weil es lebt- sich im Einklang und in Kommunion (span. ‚comunión‘) mit allem zu befinden, was es umgibt. Und so wie das Wort selbst sagt: Gemeinsame Union (span. ‚común-unión‘). Eine Union, die ein Projekt, einen Prozess, einen Dienst zusammenführt… dessen man sich bedient und der oder das „anderen“ dient.

 

Das individualistische Gefühl im restriktiven Sinne, schädigt enorm den Gemeinschaftssinn.

Und erneut zeigt sich diese Unfähigkeit des Wesens, seine Identität mit seiner unausweichlichen und unumgänglichen Kommunion für sein Leben zu verbinden. Damit es leben kann.

Und dass das Individuelle mit dem Gemeinschaftlichen in Konflikt tritt, bedeutet… Schaden. Das kann nicht in Konflikt treten! Wenn es in Konflikt tritt, dann, weil es keine Kommunikation gibt, weil es keine Klarheit gibt, weil es keine Verbindlichkeit gibt. Weil es Auferlegung gibt, weil es Zwang gibt…

Zwischen dem Individuellen und dem Kollektiven darf es keine Opposition geben. Das Kollektive ergibt sich mit seiner gesellschaftlichen Facette, mit seiner sozialen Facette auf der Basis des individuellen Beitrags. Und so nähren sich die einen von den anderen. Das ist ganz einfach, das zu verstehen(!), aber es ist enorm schwierig, das zu fühlen! Und in dieser Position befindet sich die Spezies(!), und so greift sie sich selbst an, wird sie gewalttätig, erfindet sie Versionen, schuldigen sie sich an, streiten sie…

 

Der Betende Sinn fordert von uns unsere Identität; unsere Identität als Einheit, die dem Anschein nach zwei Faktoren hat, der aber nur einer ist. Aber sie (die Einheit) ist auf der Basis der Lüge zerbrochen, und so können die einen die anderen benutzen. Und das ist es, was uns zu diesem Zustand der Krankheit geführt hat.

Wir müssen unsere Schritte zurückverfolgen, die Ursprünge identifizieren und die Brüche korrigieren. Nur so können wir einen Horizont mit Aussichten und mit leuchtenden Perspektiven sehen.

Mit der bereiten, permanenten Hoffnung, mit dem konstant dargelegten Vertrauen und mit dem permanent bereiten Verhalten werden wir in der Lage sein… nicht nur besser zu werden, sondern wir werden in der Lage sein, in eine Lösung, in einen einheitlichen Sinn/Weg des Wesens einzutreten.

 

Und um so von dem abzulassen, was abgelaufen, alt und korrupt ist, und um in das Neue, das Renovierte, das Aufwachende und Leuchtende einzutreten.

 

Hab Erbarmen!

 

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[1] “Juan Palomo: yo me lo guiso y yo me lo como”; „Ich habe das gewählt und reite weiter”. Ein Sprichwort, das sich auf die Situation bezieht, in der eine Person ohne Hilfe arbeitet, um etwas zu erreichen und es dann auch alleine genießt, ohne es mit den anderen zu teilen.