37. Was hast Du aus Dir gemacht, wo ich Dir doch alles gegeben habe?

 

BETENDER RUF

 

 (6:30 Minuten der Stille)

 

Es ist häufig so, dass man sich… durch die belästigende Beklemmung des Erwachens mitreißen lässt, wenn man aufwacht, denn die… Erinnerung erinnert uns an das, was noch zu erledigen ist, das, wo wir abwesend waren, das Notwendige, was man will, was man hat, was man zurückhält, was man lügt, was man vergisst …

Und es ist ebenfalls häufig so, dass man sich „gönnt“ in dieser Menschheitsflut, die kämpfend lebt, die streitend lebt, die die Ereignisse ohne Sinn, unter dem Schutz des Willens, der Vernunft, der Erklärungen lebt.

Ein existentieller barocker Stil, der –beladen von Filigranarbeiten- nur wenig die Luft durchlässt…; der eine lange Zeit damit verbringt, zu verzweifeln…, der sich nicht nach dem Licht des Tagesanbruchs sehnt, sondern nach der angeglichenen Dunkelheit der Nacht.

 

In dem Maße, in dem sich das Wesen diese Verhaltensweisen gestattet, verschlimmert es sein Wachwerden und seinen Tagesanbruch (span.: ‚ama-necer‘). Es erlebt es als Anstrengung, als Arbeit, als „schwer”…

In Wirklichkeit geht der ganze Prozess… dieser Charakteristika auf die Forderung zurück, den das Bewusstsein mit kaiserlichem Eifer entwickelt, um eins ums andere Mal und erneut(!) zu versuchen, dass die Welt nach unserem Ebenbild sei.

Und es ist so, dass… sie sich wiedersetzt.

Wir wissen nicht sehr gut, was das von „der Welt” ist, aber man kann sie mit „dem Nahen”, mit „der Umgebung“, „dem Verwandtschaftsgrad”…, den Kontakten, der Freundlichkeit, der Höflichkeit, dem Respekt… in Verbindung bringen.

Die Prototypen der Kultur, des Bildungswesens und des Wissens beladen unsere Originalität, unsere Sichtweisen, unsere Aussichten enorm mit Ballast.

 

Der Betende Ruf führt uns die Ungebührlichkeiten eines Daseins, eines Tuns, eines Seins vor Augen…., das sich, beladen mit Vernunft, mit Ereignissen und mit Geschehnissen, nicht in Projekten, Neuheiten, in Anpassungen(!) verbreitet..., sondern das sich in einer rigiden Disposition zu kalkulieren, zu verurteilen, zu verklagen verbleibt…

Wenn man unter dem Betenden Ruf entdeckt, dass unsere Referenz in der Schöpfung, im Schöpfer Mysterium liegt, und wenn man sich dann mit diesem Marschgepäck vor diesem Ruf präsentiert, ist das Furcht erregend, ist das… beunruhigend.

Weil sofort aus uns heraussprudelt… –aufgrund von Offensichtlichkeiten-, das Sie, wenn SIE uns rufen, fragen würden:

„Was hast Du getan? Was hast Du mit den Talenten getan, die ich Dir gab, mit den Gelegenheiten, die Du hattest, mit den Umständen, die… sich ergaben?

Glaubst Du vielleicht, dass ich Dich verlassen habe? Denkst Du vielleicht, dass Du… diese ganze Welt geschaffen hast…, die durch jeden einzelnen geschaffen wurde und die untereinander verbunden ist?

Hast Du nicht bemerkt… hast Du nicht meine mysteriöse Hand in den Zufälligkeiten, in den Zusammentreffen, in dem Unvorhergesehenen, in dem Unerwarteten, in dem Glück, in der Zufälligkeit bemerkt…?

Hast Du nicht meinen Hauch in Deinen Träumen, in Deinen gütigen Gefühlen bemerkt…?

Hast Du nicht meine liebevolle Hand… in Deinen Lieben bemerkt?

Hast Du nicht die Warnungen gemerkt, die ich Dir in Deinen Gefühlen geschickt habe…?”

 

Und als Kulminierung könnte man… auch hören:

„Was hast Du aus Dir gemacht…, wenn ICH Dir doch alles gegeben habe?All das, was… für Dich… wichtig war. Alles, was… es Dir erlaubt…. da zu sein, zu fühlen, zu dienen…

Was hast Du mit Dir gemacht…, dass Du MEINE Liebe vergessen hast?

Glaubst Du vielleicht, dass Du wegen Deiner Kräfte und wegen Deiner Fähigkeiten weitergemacht hast? Bemerkst Du nicht, dass ICH… jeden einzelnen Deiner Herzschläge eingeflößt habe?

Was hast Du aus Dir gemacht…? Was ICH Dir… im Leben gegeben habe, ICH Dir im Leben der Ewigkeiten gegeben habe!

Du hast sie gesteinigt, so als wären es Deine und es gibt keine Ernte, sondern Dürre…

Es gibt keine Warmherzigkeit, sondern Bitterkeit…

Was hast Du aus Dir gemacht, bei all dem, wie sehr… ICH Dich… geliebt habe und LIEBE?”

 

Ja, wenn SIE uns zum Beten rufen…, dann verstummt das Gemurmel des Schöpfer Mysteriums nicht, es nimmt zu…! Und es ist unsere Mission, IHM zuzuhören(!), IHM zuzuhören(!), ES zu interpretieren(!), IHM zu folgen, ES zuzulassen. Weil für uns darin das Solidarische, das Überraschende, das Genussvolle, das Neue, das Renovierte(!), das Regenerierte liegt! Das, was wir in Wirklichkeit sind(!)..., aber was wir modifiziert haben.

Das Wesen hat sich in seinem Dasein verdreht und hat seine Art zu lieben dergestalt in die Praxis umgesetzt…, indem es aus dem Subtilen eine Arena aus Treibsand gemacht hat…, indem es aus dem „Wortlosen“ ein Werkzeug mehr gemacht hat.

Die Sinne, die Gefühle… haben sich anderen zu Diensten gestellt, anderen Vorlieben… und der Seele selbst, die Macht fordert.

Das Wesen hat sich nicht gestattet –„das Wesen hat sich nicht gestattet”- eine Folge einer Morgendämmerung (span. ‚ama-necido’[1]) eines Mysteriums der Liebe zu sein, so wie es alle wahrhaften Lieben (span.: ‚amores‘) sind.

 

Der Betende Ruf schlägt… mit der Eleganz und der der rigorosen Freundlichkeit vor, dass wir… unserem lebenden Mysterium zuhören. Da wir also obendrein dem zuhören… von dem wir annehmen, dass es das Flüstern des Schöpfer Mysteriums ist. Dass wir der Stille zuhören, damit wir, wenn wir es wagen zu sprechen(!) es tun, ohne den Tempel zu entweihen.

Und so, dass unsere Worte in der Kuppel des Tempels wie göttliche Klänge widerhallen…, welche die Dunkelheit leuchten lassen, welche die Flecken aufhellen, sie auflösen, welche bewirken, dass wir „das richtige Verhältnis“ in unserem Engagement finden, dass wir das Benötigte schätzen, dass wir eine permanente Stütze dessen sind, was ersehnt wird. Als Weg der Kommunion, der Mithilfe und des Bewusstseins, dass wir verbunden sind…! Dass es, um zu leben, aller bedarf! Dass das Fühlen… ein permanentes Wunder ist.

Dass das Wesen, wenn es Situationen, Verhaltensweisen, Entscheidungen wählt… das mit der Überzeugung macht, dass es Gehör geschenkt hat und dass es…. dem Geflüster des EWIGEN zugehört hat!

Und mit diesem Geflüster ist es bereit, sich zu modifizieren, sich zu verändern, sich anzupassen, zu entdecken, anzubieten…, sich der empfangenen Talente würdig zu fühlen… ohne Einsprüche(!), indem es den Protest gegen das dienliche und belohnte erfüllt Sein eintauscht.

 

In dieser Weise wird das Alltägliche außerordentlich, der Strom wird fließen, das Gewöhnliche wird… überraschend. Was für ein unterschiedliches Leben!

Und so, wenn SIE uns wieder zum Beten rufen, werden wir das Lob und das barmherzige Wohlwollen des UNBENNENBAREN hören.

Uns würdig fühlen, dass wir gütig waren, entgegenkommend, wohlwollend, mutig(!), solidarisch und… mit der Referenz der Liebe als Fahne gelebt haben.

 

Das Erbarmen bricht an (span.: ‚amanece’)… und mit ihm der Balsam der Vergebung.

Das Erbarmen bricht an… und mit ihm erwacht das menschliche Bewusstsein zur Unschuld.

Das Erbarmen bricht jeden Tag an (span.: ‚amanece cada día‘)(!)... mit seinem Sirenengesang, mit seiner belebten kristallfarbenen Silhouette, anregend… anspruchsvoll… und süß, so wie die Unruhe eines Klatschmohns, der uns mit seinem Parfum zu rufen scheint.

Das Erbarmen bricht an (span.: ‚amanece’)..., um uns von den Rauheiten, unseren Vorurteilen, unseren „Unausstehlichkeiten”(!) zu erlösen, Laster, die nichts mit dem EWIGEN zu tun haben.

Das Erbarmen bricht vom Schöpfer Mysterium aus an, um uns mit einer Decke der Zärtlichkeit einzuhüllen.

Es verurteilt uns nicht, es bestraft uns nicht. Es belebt uns, es macht das Leben für uns „unschuldig“.

Das Erbarmen wird zum Repräsentanten dieses TAGESANBRUCHS (span.: ‚AMANECER’)…, um das Wesen –in seinem Betenden Ruf- daran zu erinnern, dass es fähig ist, dass es mit Ressourcen versehen ist, dass es notwendig ist(!), dass es unerlässlich ist…!

Und dass sich dieses Erbarmen der Ungeheuerlichkeiten erbarmt… und uns zum richtigen Sinn/Weg/der richtigen Richtung ermahnt: jenem… jener, der oder die sich uns in dem zeigt, was benötigt wird.

 

Dass, wenn ich mich frage: „Was habe ich aus mir gemacht(?)”, –weil das das  Flüstern und Gemurmel des EWIGEN gefragt hat-, ich mir werde antworten können, indem ich sage: „Ich habe mich mit der Sanftheit des Erbarmens verbündet und meine Leiden haben sich beruhigt, meine Schmerzen haben sich verlaufen, meine Beklemmungen und Befürchtungen… hat der Wind mit sich genommen.“

 

Indem wir dem Wohlwollen des Mysteriums des GELIEBTEN unterworfen sind, werden wir zu diesem verliebten Tagesanbruch (span.: ‚amanecer’) erwachen… der uns mit Überraschungen, mit unschuldigen Fragen überschüttet, weil wir aus Erbarmen beschmiert wurden.

Es ist nicht ein weiterer Tag!

Und das muss man jeden Tag betonen. Es ist kein Tag mehr, es ist ein enthülltes Universum(!), welches uns der Tagesanbruch (span.: ‚amanecer‘) geschenkt hat. Es ist ein neues Universum, das mit Details… und mit minutiösem Wohlwollen beladen ist…(!), damit wir in der Lage sind, wirklich das Inspirierte(!) zu fühlen, das wirklich Verliebte(!) und damit wir die Spritzflecken des Eitlen, des Umstandsbedingten, des Teilnahmslosen verwerfen!

SIE haben uns gerufen, um uns zu erneuern(!), um uns neu aufzustellen, um uns zu regenerieren…! Um von unserem Wesen diese Ausnahme unserer Gegenwart zu fühlen, ohne Eitelkeit, ohne Arroganz, ohne Stolz, ohne Vergötterung, ohne Egozentrik; mit dem einfachen Pfeifen des Windes und dabei ein neuer und renovierter Hauch… des Schöpfer Mysteriums seiend. Zu fühlen, wie wir als Wesen, die Ausnahmen sind, Einfluss nehmen…! Indem wir unsere Künste der wohlwollende Anpassung realisieren…. und das Tugendhafte als eine permanente Ausübung schätzen.

 

Der Ruf kann als schwer gefühlt werden, aber in Wirklichkeit, wenn wir hinschauen, fühlen wird, dass er absolut wohlwollend ist! Wenn es nicht so wäre, dann befänden wir uns nicht im Leben. „Wir befänden uns nicht im Leben.“

Aber wenn wir uns grenzenlos neu und mit neuem Pochen geben… beladen mit Vertrauen –Vertrauen(!)- darein, wie wir gestaltet wurden, darein zu prüfen, welche Gaben wir empfangen haben… –ach, und die so oft ignoriert werden(!)-… ist es kein Ruf der Selbstbestrafung, der kaiserlichen Peitsche, die sich selbst zerstört.

Es ist vielmehr… dampfendes Wasser, das uns einhüllt, um aus unserer Haut einen subtilen, sensiblen… freundlichen(!)… helfershelfenden Schleier… aus so vielen empfangenen Gaben zu machen!

 

 

Amen.

 

 

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[1] In dem Wort ‚amanecer‘ stecken zwei Wort: ‚amar‘ – ‚lieben‘ und ‚nacer‘ = ‚geboren werden‘.