34. Sie rufen uns zum Beten, um unsere Verhaltensweisen zu klären

 

BETENDER RUF

 

(2:30 Minuten der Stille)

 

Gewitter(!) (span.: ‚tormentas’), so wie Foltern (span.: ‚tormentos’), die  uns begleiten, die aber gleichzeitig Wasser ausschütten, das uns nährt, das uns erfrischt, das uns ernährt…

Die Botschaften des Lebens dieses Verstecks des Universums, in dem wir leben, präsentieren sich häufig, wegen unserer Bewusstseinsebene gleichzeitig als „gut“ und schlecht.

Der Betende Ruf sucht danach, dass das Wesen diese Dualität durchschreitet, damit wir in der Lage sind, uns zuuniversalisieren, ohne unsere Besonderheit, unsere Außergewöhnlichkeit zu verlieren. Und wenn wir uns in unserer Außergewöhnlichkeit universalisieren, werden wir nach und nach unseren Eifer zu überzeugen, zu gewinnen, zu zwingen verlassen… und so können wir in ein Zusammenleben eintreten, in ein Zusammenleben des Hütens und der Zuneigungen…, das die beseelten, geliebten Seelen  von uns fordern.

Selbstverständlich ist der Gedankengang in dieser Form schwer zu widerlegen, ja, aber in der Mehrheit der Fälle bleibt es ein Ansatz. Weil das Wesen in seiner Außergewöhnlichkeit versucht zu überzeugen, zu besiegen, aufzuzwingen… Und in der Geschichte, an die wir uns mit mehr oder weniger Treue erinnern können, finden wir uns in diese Kriege vertieft, in diese permanenten Kämpfe zwischen Gottheiten, Gewohnheiten, Bräuchen…

All das verursachten diese religiösen, spirituellen Kriege. Und sie gehen weiter! Mit weniger Dramatik, aber mit demselben Nachdruck die Wahrheit zu beanspruchen, um sie anderen aufzuzwingen.

Vielleicht ist die Außergewöhnlichkeit des Wesens die, welche diese Vergötterung oder diese selbstverherrlichende Egozentrik fördert, die, anstatt sich zu bewundern, anstatt zu bewundern, hervorzustechen und freudig erregt über das Lebendige zu sein, versucht, es anzupassen, in Ordnung zu bringen, es zu verbessern…

Kann man von der menschlichen Vorgehensweise aus das Leben verbessern, ohne wirklich zu wissen, was das Leben ist? Oder kann man es vielmehr manipulieren…, um persönliche- oder Gruppenvorteile, zufällige Vorteile oder Vorteile der Umstände halber zu erlangen?

Wenn wir alle Ausnahmen sind, einzigartig und unwiederholbar, dann sind unsere Ressourcen nicht dafür da, um uns zu rühmen; sie sind da, um sie zu teilen, damit die einen von den anderen lernen, um ums untereinander in sehr unterschiedlichen Aspekten und Arealen zu solidarisieren.

 

Und sicherlich ist es das, was die Seele fühlt; aber… die Außergewöhnlichkeit stößt eine zur anderen an und verwandelt sie in Führung, transformiert sie in Symbol. Und auf diesem Weg verachtet man, sondert man sich ab, man selektiert, man zwingt sich auf…

 

Das Leben in seiner Außergewöhnlichkeit wohnt dank seiner solidarischen Symbiose, dank seines solidarischen Teilens „in Anwesenheit“.

Aber es scheint, dass der Mensch das nicht so versteht. Obwohl man in der Lage ist Universalitäten zu akzeptieren, werden die Eigenheiten stark, die Radikalismen werden heftig! Und es wird kaum ein Raum gelassen, um zu teilen. Es gibt kaum Antwort, wenn man eine Frage fordert. Und das tut weh, ja. Und alle leben in der einen oder anderen Art und Weise krank. Denn wenn man fragt und sich fragt und keine Antwort bekommt, wird das Wesen unruhig, es stellt sich vor, es vermutet…

Das ist es, was man im Volksmund sagt: „Halt die Klappe für eine Antwort”: eine erschütternde Frechheit gegenüber der Ehrlichkeit.

Aber das Leben in seinem verschlungenen Prozess findet sich ein, um uns beizustehen und es belohnt uns mit dem Mysterium, es belohnt uns mit der Hoffnung…, die bereits wegen so viel Warten ihre traurige Färbung hat. Es scheint so, als ob wir immer mit Verspätung leben würden!

Der Durstige wartet so sehr auf die Ankunft des Wassers, dass er fabuliert, in ein Delirium aus Durst eintritt.

So wie der Mensch mit sich selbst und mit den anderen der Menschheit umgeht, nein, nein, das sind keine Ausnahmen, keine Außergewöhnlichkeiten. Dieses unentschiedene Verhalten, die in dem Warten quält, von:  „Wohin wird er gehen oder nicht…”

Und so debattiert die Menschheit mit ihren Rechtfertigungen, mit ihren Überlegungen, mit ihren Positionsveränderungen, um eine bessere Repräsentation, einen bemerkenswerten Protagonismus als Sprache des Wahrhaften, als Sprache des Authentischen zu erlangen. Das übrige ist überflüssig.

Und wenn es etwas gibt, das wir in Bezug auf das Phänomen des Lebens bestätigen können, dann, dass es nichts gibt, was zu viel wäre. Alles in seiner Außerordentlichkeit ist unbedingt erforderlich und notwendig.

Was würde das Gute machen, wenn das Schlechte nicht existieren würde? Braucht es das, um seine Güte zu rechtfertigen. Was würde das Schlechte machen, wenn das Gute nicht existierte? Braucht es das Gute, um seinen Willen aufzuzwingen?

Und in dieser Dualität… schmiegt sich das Alltägliche wie ein schlechter Traum, wie eine Verschwendung, an.

Ja, wie eine Verschwendung, weil angesichts so viel Außergewöhnlichkeit…, wie ist da eine so immense Ungleichheit, ein so verächtliches Verhalten möglich…, dass man uns ein klassifiziertes, geordnetes Leben gemäß der Gussform aufstellt, welches der Angeklagte oder das Aufgezwungene oder das Geopferte ist.

Es scheint, das es nie Zeit gibt für die Entschlossenheit. Es scheint, dass es niemals der Moment für eine Klärung ist. Es scheint, dass alles sehr konfus, schwierig und besorgt sein muss.

So werden die Bezeugung, die Klarheit, die Offensichtlichkeit ausradiert, durcheinandergebracht, sie verwickeln sich. Von der vorübergehenden Rechtfertigung wird… sehr  Gebrauch gemacht. Und die verantwortungsvolle Beschäftigung… –uff(!)- sehr geschätzt. Und so nutzen die einen die anderen aus und die anderen nutzen die einen aus.

Nein. Ein so belegtes Verhalten, wenn man eine Ausnahme ist, ist kein Gesetz. Dem Leben gegenüber ist das ein bisschen abschätzend. Es ist ein bisschen entmutigend gegenüber dem anderen… das Ausnutzen und Ausnutzen, so als ob der Mangel die Essenz wäre, wenn es doch so ist, dass die Ausnahme das Üppige ist.

 

Und es verwandelt sich fast in eine Kunst sich zu befreien, um dieses oder jenes zu machen, dass andere kommen und es reparieren. Und es scheint so, als ob die Menschheit so glücklich wäre: einige entziehen sich, andere versklaven sich und hängen sich die Verdienstmedaille um. So wie jener, der sagte: „Ach(!), Gott sei Dank gibt es die Armen! Die sind sehr dankbar und die machen, dass ich mich als ein guter Mensch fühle.“ Oder jene, die sagen würden und sagen –die Armen: „Gott sei Dank gibt es die Reichen, die, wenn sie großzügig sind, uns zu essen geben.“

Alles ist eine Verschwendung von Unsinn! Das schon –das schon-, als zeitliche Rechtfertigungen von vor einiger Zeit werden „Verzeihung“ und „tut mir leid“ (span.: ‚lo siento‘) eingesetzt.

Was wirst Du schon fühlen (span.: ‚lo siento‘)... Wenn Du es fühlen würdest, würdest du etwas anderes machen.

 

Die Vergebung ist ein großes Argument. Sie erlaubt jedwede Art von Ereignissen: Schlechte, Reguläre, Vulgäre… Ja. Immer wird es jemanden geben, der vergibt. Und immer wird es eine Rechtfertigung geben, die deine Position unterstützt.

Und zwischen Vergebungen und Rechtfertigungen… schlendern die Ausnahmen umher. Das ist keine Form, eine Ausnahme zu sein. Es ist eine Art und Weise, ein anderes Element auszunutzen, das permanent auftaucht und von dem man in Wahrheit, mit Gewissheit nicht weiß –von Ausnahmen abgesehen- was es ist, so wie „das Lieben“.

Also wenn wir mal genau hinsehen, schwankt das Wesen zwischen Vergebungen und Lieben: „Ach! Ich liebe dich sehr. Es tut mir leid. Verzeih mir.” Was ist demnach lieben? Sich rechtfertigen? Sich vergeben? So viele Dinge, die aus Liebe getan werden(!), nicht wahr(?): Man bombardiert aus Liebe, man verwüstet aus Liebe… Ja. „Aus Liebe zum Land, zur Gruppe, zum Cousin, zur Tante, zum Neffen… ich opfere mich auf und ich verzichte und gleichzeitig bitte ich mich um Vergebung, um nicht…“ Uff!

 

Vielleicht bittet uns der Betende Ruf darum, dass… dass das Wesen aufhört, sich zu rechtfertigen, dass es aufhört, die Zeit als Ausrede zu benutzen, dass es sich nicht mit der  Vergebung schützt als Weg, sich zu zerstreuen; dass es –please(!)- nicht die Liebe als… „wundervoll” benutzt, wenn man dann später als gewissenhaft, als gelegentlich, als nebensächlich ausübt.

 

In dieser gesamten Quelle der Beunruhigungen, der Verwirrungen(!)... müssen wir „die Möglichkeit der Resolution aufwerfen“ –wie uns das I Ching darauf hinweist.

Wenn es nie einen Moment gibt, wenn es nie Zeit gibt, wenn man nicht kann, man kann nicht, man kann nicht, man kann nicht… vielleicht wird das Wesen diesem zusammengepressten und konfusen Augenblick von sich selbst die entschiedene Position fordern, die es zu der bescheidenen, mit Bezugspunkt versehenen, großzügigen und nicht rechtfertigenden Außergewöhnlichkeit führt!

Wie oft sagt man: „Und es wird der Moment kommen, in dem… Und es wird einen Moment geben, in dem…”

Das laute Lachen der Zeit ist immens. Weil das nicht ankommt.

Während der Schwindel der Zeit zur Königin, zum König der Rechtfertigung wird.

 

Ja, man kann ausrufen: „Ach! Was für eine Schande dieses Leben!” Obwohl man alles hat, verwickelt sich alles, es wird getrübt…; es löst sich von der permanenten Schöpfung ab und tritt in das träge Selbstsein ein.

 

Die magische Gelegenheit in der Einzigartigkeit der Ressourcen zu leben… muss uns hin zur strahlenden Klarheit, zu einer permanenten Disposition, einer unmittelbaren(!) Antwort vorantreiben, zu einem Warten auf die Hoffnung, die alltäglich bestätigt wird, die sich permanent erneuert.

Die Klarheit, die Transparenz, die Ehrlichkeit, die Antwort, die Eigenverantwortung unserer Positionen zurückzuweisen… bedeutet, Kranke zu schaffen, es bedeutet, Schmerzen zu schaffen. Es bedeutet, sich bis zu dem Punkt leidend zu machen, dass… die ‚Erduldungen’ zu Lieben werden… in denen das Lächeln knapp wird, die Liebkosung sich verabschiedet und… der Anschein herrscht.

 

Es ist notwendig, keine kontinuierlichen und permanenten Waffenstillstände zu schließen. Das Warten ist dann immer das Beunruhigendste und das Leid ist noch verletzender.

Die Aufnahme des Impulses –in der Einzigartigkeit eines jeden Wesens- sich in den liebevollen Bezugspunkt dessen zu platzieren, bereit zu sein, des Klaren zu platzieren, des Engagierten, des Großzügigen, des Geteilten, des Solidarischen… je mehr Zeit man aufschiebt, desto schwieriger wird es sein, es anzunehmen, wie es bereits geschieht. Weil man die bequeme Disposition des Zweifels, der Unentschiedenheit, der Rechtfertigung und der Vergebungen… noch ausüben.

 

SIE rufen uns zum Beten, um unsere Positionen zu säubern.

SIE rufen uns zum Beten, um unsere Verhaltensweisen zu klären.

Und der Betende kann seine Forderungen nicht voranstellen, weil er zu einer Täuschung beten würde, er würde zu einem… Idol beten.

Das Betende, das ruft, ist Schöpfer Mysterium, es ist der Erbringer der Vorsehungen, der permanenten Zufälle, des Glück Habens und… der Großzügigkeit.

 

Wir sollten in dem anderen das Schöpfer Mysterium sehen; wir sollten in dem anderen SEINE Widerspiegelung sehen und wir sollten zur entgegenkommenden Bewunderung von allem Lebendigen erwachen.

Es ist eine Notwendigkeit.

 

Erbarmen!

 

 

***