3.22 Ein neu geboren werden

 

BETENDER RUF

 

(2 Minuten der Stille)

 

Jeder kulturelle menschliche Fokus entscheidet, in welchem Moment er seine Verschiebung um das Licht herum zählt.

Und er macht das, ausgehend von einem Ereignis, einem signifikanten Geschehen... Etwas, was für diese Gruppe… „Bezugspunkt“ ist. Und von da an ereignen sich Tage und Nächte… bis man eine Runde um… das Licht herum kontempliert.

 

In der Sphäre unseres Einflusses sind wir dabei, diese Strecke zu erfüllen.

Und so, als wäre es –als wäre es(!)- ein Erfolg, dass man in dem Orbit des Lichts fortgedauert hat… zelebriert man, dass man hat „entlanggehen“ können, und man wartet hoffnungsvoll darauf… Neuigkeiten zu erzeugen.

So wird die Zeit zum Protagonisten unseres Transits, und sie markiert uns eine Laufbahn. Und in Folge dessen beinhaltet das für uns –wissend, dass wir vom Licht abhängig sind- es beinhaltet für uns zu überprüfen, zu überarbeiten, zu erwägen, nachzudenken, auszuwerten...

Es ist eine Notwendigkeit gegenüber diesem neuen Zyklus. Das Licht wird anders sein. In Folge dessen werden wir anders sein. So wie jeder Tag. Aber in diesem Fall, mit diesen Erwägungen, sprechen wir über ein zirkuläres Hin und Her um das Licht herum, was soundso viele Tage mit sich bringt.

 

Der Betende Ruf schlägt uns einen reflexiven, erwägenden Augenblick in Bezug auf unser Verstreichen… über diese Wegstrecke vor, die wir gelebt haben: eine Erinnerung, eine Andeutung, ein Ereignis A oder B, das etwas bedeutete…

 

Welche ist die Ernte dieses zirkulären Schaukelns um das Licht herum?

Welche war die Aussaat, die man hinterlegt hat?

Welches ist der Grad der Befriedigung… sich bewusst zu werden?

Welche Qualität hat dieses Verstreichen mit sich gebracht?

 

SIE rufen uns... um neu geboren zu werden.

Und SIE rufen uns, nachdem es Tag geworden ist (span.: ‚ama-necido‘). Aber SIE rufen uns, um als Projekt, als Zeugnis, als Realisierung neu geboren zu werden.

Es scheint so –oder nicht-, dass sich uns eine neue Gelegenheit bietet.

Sie wird mehr oder weniger so neu sein, je nachdem mit welchem Enthusiasmus wir das Leben annehmen. Denn weil man sagt: „Ein weiteres Jahr!”, wie eine schwere Last, wie ein Verlust, Nostalgie nach der Vergangenheit: ein bedrücktes Verhalten, in dem das Geboren Werden einen… einen zukünftigen Kalvarienberg mit sich bringt? Einen zukünftigen Leidensweg?

Und so taucht die Idee davon auf, dass „jedwede Zeit der Vergangenheit besser war.“

Ach! Es gibt etwas –wir sagen etwas-, etwas Angst davor, neu geboren zu               werden. Man würde es vorziehen, so weiterzumachen wie es war, indem man sich in dem Sprichwort sammelt: „Besser das schlecht Bekannte als das Gute, das man kennenlernen könnte.”

 

Wissen Sie(?), die Bienenkönigin, wenn sie sieht, dass ihr Projekt nicht lebensfähig ist, dann emigriert sie und mit ihr emigriert eine Gruppe, um eine neue Möglichkeit zu erzeugen. Deshalb müssen wir dieses Sprichwort: „Lieber den Spatz in der Hand           –‚Vergangenheit‘- als die Taube auf dem Dach –‚Zukunft‘- überdenken.

 

Wir müssen uns trauen uns privilegiert zu fühlen, wegen der Gelegenheit, neu geboren zu werden, wegen der augenblicklichen Gelegenheit, die Ernte und die Aussaat zu überprüfen (span. ‚re-vi-sar’)... Um zu korrigieren, um zu lernen…, um zu wissen, wie unsere Abstimmung mit der Umgebung gewesen ist. Welches unser Verhalten gewesen ist. Und mit all dem bereit sein, neu geboren zu werden.

Sich für das Licht vorbereiten und sich ihm aussetzen, welches der Bezugspunkt war, und welches es wieder sein wird, aber es ist ein anderes Licht. Es ist nicht dasselbe. Es scheint… dasselbe zu sein, aber es war auch das Licht, das um die anderen Lichter verstrichen ist.

Und dieses verschleierte Licht beleuchtet uns in diesem TAGES-ANBURCH (span.: ‚ama-necer‘), in einem GEBOREN WERDEN. Und man könnte das als Bezugspunkt nehmen, als ein zufälliges Zeichen, das uns eigenartiger Weise seitens des Orakels „Die Wahrheit“ ankündigt.

 

Welches ist… welche ist die Wahrheit? Sie ist vom alltäglichen Bewusstsein weit entfernt. Wir haben, um in Bezug auf die Wahrheit zu vibrieren, die Ressource der Aufrichtigkeit im Ausdruck und im Zuhören. Jene, die dem Schöpfer Mysterium entspricht.

Und das Orakel sagt uns, dass das eine „Treue dem Offenbarten“ gegenüber mit sich bringt...

„Treue?”: ziemlich spärlich... sie lebt quasi im Untergang.

Was... was ist uns in diesem Verstreichen offenbart worden? Was haben wir gefunden? Welche fruchtbare Erde haben wir genutzt? Welche sterile Erde haben wir verlassen? Mit welchem Glauben haben wir ausgesät…? Mit welcher Glaubensrichtung haben wir nicht aufgegeben?

Und mit diesen Prämissen wachsen unsere Momente, um neu geboren zu werden.

Und geboren werden ohne Angst(!), mit der Gewissheit, dass in dem Maße, wie wir demgegenüber treu sind, was uns offenbart wird, was SIE uns offenbaren, was wir entdeckt haben, gelernt und assimiliert haben… das eine Repräsentationskarte sein wird. Oh ja, ja. Mit welcher… mit welcher Karte, mit welchen Papieren(!)… präsentiert sich das Wesen in einem neu geboren werden? Welche sind seine Beglaubigungsschreiben(?) –so als handele es sich um einen Diplomaten…

Was für Kredite bringst Du, um neu geboren zu werden?

Bringst Du Bereitschaft mit? Bringst Du Bescheidenheit mit? Bringst Du Unterwerfung mit? Bringst Du… bringst Du Seufzer des Glaubens ohne Schluchzen mit? „Der Seufzer des Glaubens ohne Schluchzen.”

Bringst Du das Bewusstsein mit, dass wir Dich tragen… dass SIE Dich tragen…? Oder bringst Du viel eher den Willen, die Überzeugung, die Unerschütterlichkeit, die Arroganz mit?

Welches sind Deine Pläne(?) –sagt uns die Schöpfung an der Tür des neu geboren Werdens.

Ja! Es ist jetzt, es ist jetzt! Es ist nichts, um darüber nachzudenken. Der Betende Ruf ist nicht –weit davon entfernt- ein Schiffshalter[1], der da so für später bleibt. Er ist… jetzt! Er ist der Impuls, uns zu entdecken. Er ist der Glanz, der uns projiziert. Er ist der Schatten, der uns aufsammelt.

 

Und in den Türen –übrigens-, in den Türen eines neu geboren Werdens, und wenn man schon eine intensive Ausstellung im Licht durchlaufen hat... passt es –ja, ja- passt es sich zu fragen: eine neue Gelegenheit?

Wenn SIE uns in unserem alltäglichen Bewusstsein eine neue Gelegenheit auf jedwedem Gebiet geben, für was ist das? Warum eine „neue Gelegenheit”? Warum ein neu geboren werden? Weil SIE Vertrauen haben. Vertrauen!

Ja, weil das Schöpfer Mysterium in jede einzelne Kreatur, die durch die Erfahrung zu leben geht, Vertrauen hat, was eine brüske Präambel eines ewigen Erlebens ist.

Und jeder einzelne kann sich fragen:

 

- Vertraut man mir? Wer?

- Das Schöpfer Mysterium, die Schöpfung.

Nicht Du mit Deinen Talenten bist es, der/die erneut geboren wird. Es ist das Vertrauen, das man für einen neuen Tagesanbruch (span.: ‚amanecer‘) in Dir hinterlegt!

 

Ja. Und es ist leicht angesichts dieser Nachricht, dass wir uns stolz fühlen und es ist auch leicht, dass wir uns unwürdig –„un-würdig”- für eine neue Gelegenheit fühlen. Die beiden Extreme sind Heucheleien: sie beziehen sich auf uns selbst.

Unsere Referenz ist das Licht, und seine permanente Herkunft ist das Schöpfer Mysterium. Weder prämieren SIE uns noch bestrafen SIE uns für das gut Gemachte oder schlecht Gemachte. SIE animieren –von Gemüt (span.: ‚ánima‘), von Seele (span.: ‚alma‘). Sie ver-langen nach uns(!), weil SIE uns für notwendig(!) halten, abgesehen davon, dass wir vertrauenswürdig sind!

Jeder einzelne sollte sich betend fragen:

- Haben SIE vertrauen in mich… und halten SIE mich für notwendig?

- Ja!

- Und SIE haben mich mit Talenten dotiert, SIE haben mich leben lassen. SIE haben mich leben lassen… und SIE haben mir mit dem Glanz eines jeden Tages das Leben gegeben.

Und genau jetzt platziert mich der Betende Ruf in die Türen –offene- eines neuen TAGESANBRUCHS (span.: ‚AMA-NECER‘), eines neu geboren Werdens, zu Aussichten anderer Ernten und Aussaaten, in denen zweifellos die vergangenen Werte berücksichtigt werden, aber in denen man den neuen (Werten) offen gegenüber ist: gegenüber dem neuen Glanz, gegenüber den neuen Empfindungen.

Gegenüber… dieser Empfindung, die man „Versprechen“ nennt.Gegenüber  diesem Gefühl –da man sich an ein neu geboren werden annähert, das mit Vertrauen und Notwendigkeit beladen ist…, dass das unsererseits voraussetzt, dass wir versprechen, dass wir uns versprechen(!), dass wir mit den kleinen… mit den kleinen Fähigkeiten in das Leben eintauchen, und dass wir sie ohne Ressentiments, ohne Vorratshaltung, ohne Gefühl von Verlust geben!

 

 

Und mit diesen Versprechen, die SIE uns zweifellos offenbaren, taucht auf… –mit ihnen-, dass das  geboren werden  zum Lächeln wird.

Aber sie (die Versprechen) müssen gut durch die Treue (span.: ‚fi-de-li-dad‘) verbürgt sein: dieser Glaube, der uns die Präsenz und die permanente Handlung des Schöpfer Mysteriums gibt.

Damit wir ohne Furcht, mit einem Lächeln Halleluja(!) sagen können, damit wir leer von Macht und überzogen von Hoffnung sind.

Ach! Und wissend, dass wir alle benötigt werden...; dass es weder Gute noch Schlechte gibt, dass wir in dem Maße zu Adeligen werden uns ‚erwählt‘ zu fühlen, wie wir uns versprechen.

Ja. Nicht, um unser Ego wachsen zu lassen, nein. Aber wenn SIE auf uns vertraut haben… dann wird es wohl deswegen sein, weil SIE uns angesichts der Notwendigkeit ‚er-wählt‘ haben.

Uns von der Schöpfung erwählt zu fühlen ist etwas, das uns zweifellos übersteigt, uns blendet.

Ja. Es blendet uns, wenn wir uns in Protagonisten erheben… und wir diese Wahl als Herrschaft oder Macht benutzen. Aber wenn wir uns auf der Basis unserer Armut erwählt fühlen… –wenn wir uns auf der Basis unserer Armut erwählt fühlen- dann warten lediglich Reichtümer auf uns, die wir befreien müssen, nicht aufbewahren dürfen...

So... so kündigt sich der Anfang eines neu geboren Werdens an: konsequent mit dem GEBOREN WERDEN (span.: ‚AMA-NECER‘) von jetzt.

Vertrauenswürdige, Notwendige und ‚Er-wählte’’... für eine Strecke, für einen Transit, der wartet... der auf die Realisierung unserer Pflichten, unserer Dienste, unseres Engagements, unserer Güte wartet.

Durch das Vertrauen, die Notwendigkeit und die Auswahl gesalbt, wird geboren werden zur Hoffnung, zur Phantasie, zur Projektion.

Sauber..., durchscheinend und leer. Bereit und zur Verfügung stehend.

Ah!... Ohne Lasten. Bereit, ein Erleichternder zu sein!

 

Der Tagesanbruch (span.: ‚amanecer‘) des Lichtes ‚läutet‘ und bittet darum, hereingelassen zu werden. Und damit erinnert er uns sofort daran, dass wir eine Entbindung (span.: ‚alumbramiento‘) beginnen, das Leuchten (span.: ‚alumbrar‘)..., um Widerspiegelungen des Lichts zu sein, die die Notwendigkeiten beleuchten, welche ohne Lohn, ohne Vorteil, mit Transparenz ausgeführt werden...

Ohne Verheimlichungen.

Vertrauenswürdige, Benötigte und Erwählte hin zu einem neuen Tagesanbruch (span.: ‚amanecer‘), hin zu einem neu geboren werden.

Mit einem befreienden Versprechen.

Befreiendes Versprechen... der Treue demgegenüber, was uns permanent offenbart wird.

 

 

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[1] Schiffshalter sind schlanke Fische, die mit den Stachelmakrelen verwandt sind. Sie verhalten sich wie „blinde Passagiere“: Sie saugen sich an Meerestieren wie Haien, Manta-Rochen und Schildkröten fest.