32. Das Leben macht sich Tag für Tag in bar

 

BETENDER RUF

 

(1 Minute der Stille)

 

SIE rufen uns angesichts der Unsicherheit, der Sorge, der Angst und der Verzweiflung, welche die Menschheit selbst aufgrund ihrer Formen zu leben erzeugt hat, sich arrogant anzupassen, einzuebnen, zu kontrollieren, zu dominieren und zu besitzen, zum Beten.

SIE rufen uns… vom Schöpfer Mysterium aus, zum Beten, damit das Wesen seinen Bezugspunkt im Universum hat, in dem es wohnt, in den Möglichkeiten, die es schmücken, in den Ressourcen, die es hat, in den Fähigkeiten, die es ausüben kann.

Und der Ruf ist seitens der Schöpfung nicht, um uns von so viel Straffreiheit, von so viel… „Sorge” der Angst und Unentschiedenheit, von so viel Radikalismus und der Vorurteile zu befreien: All das wurde durch den Menschen –als Spezies- geschaffen, um sich der ganzen Multi-Diversität des Lebens zu bemächtigen. Und damit noch nicht zufrieden, bemächtigte sie sich der menschlichen Realität selbst: Die beste Trophäe.

Nein! Es wird nicht das Wunder kommen, das uns plötzlich das, was wir mit so viel Eifer fabriziert haben, nimmt. Ja! Ja SIE wird da sein und SIE ist da, SIE die Schöpfer Kraft, die Vorsehung, die Barmherzigkeit, die Güte…(!) –dort ist das Wort „immer” angebracht. Diese Elemente, die wir in unserem Dasein, in unserem Tun, in unserem Denken, in unserem ‚Fühlen‘ fördern müssen.

Weil jetzt die Klage kommt, jetzt der Antrag kommt, jetzt kommt die Forderung… Und jetzt kommt das, das Göttliche als den Verantwortliche und gleichzeitig als den ‚Löser‘ der Probleme anzuordnen –wir erlauben das Wort.

Wie jenes, was man zu sagen pflegt –könnten wir sagen, dass man „zu sagen pflegte”, nein, „man pflegt zu sagen”: „Wie kann das Göttliche, wie kann die Schöpfung so eine Sache erlauben…?”

Heuchler!

Und gleichzeitig bittet man um Freiheit, und gleichzeitig bittet man um den freien Willen und man sagte, dass man hat!

So, so viele Zeiten hindurch sinnlose theologische Überlegungen(!), um einen fiktiven, selbstverherrlichenden, hochmütigen und eitlen Totem zu kreieren.

 

Daher, wenn ein Erfolg oder ein Triumph auftaucht, dann war das die Tugend, die das erreicht hat, die sich in dem Wesen befindet. Umgekehrt, wenn ein Desaster auftaucht, ein Drama oder eine Tragödie, dann fällt die Schuld auf die Schöpfung. Das ist mit zweierlei Maß messen. Und wenn dann die Verzweiflung keine Ressourcen findet, bittet sie um das Wunder… geltend machend, dass der EWIGE uns liebt und uns beschützen wird und uns hüten wird…

Passiert das etwa nicht jeden Tag?  

 

Falls man sehen, hören, schmecken, streicheln will, machen wir es denn etwas nicht deutlich, dass SIE uns hüten, dass SIE uns beleben, dass SIE uns die Stille des Schöpfer Wortes geben, damit wir die Worte hervorbringen können(!), damit wir ehrlich (span.: ‚sin-ceros‘) sein können.

Aber nein, man nimmt diese Referenz nicht wahr. Man sucht bewusst oder unbewusst so schnell wie möglich aus der Führung und der Referenz herauszukommen… ohne den gefühlten(!) Schritt… der ‚Nachsichtigen Liebe’ zu machen, die keine Fissuren erlaubt…, die nicht der Härte des „Zufalls“ unterworfen ist.

 

Und es ist so, dass das lienale Denken des Pfeils, der Gewehrkugel, der Macht… nur für die Jagd vorbereitet wird, und es befähigt nur dafür. Ja, um… diese Idee, dieses Projekt, diese Person zu fangen…

„Der jagende Krieg des alltäglichen Zusammenlebens”, der zwischen Aktionen und Aktionen dem Ewigen dankt oder… IHN um Erklärungen bittet.

SIE rufen uns zum Beten, damit wir in der Zufälligkeit, in jedem Unvorhergesehenen, in jeder Farbe, in jedem Geruch, in jeder Geste, in jedem Verhalten … die Pünktlichkeit mit der diese Zufälligkeiten auftauchen, entdecken. Eine Sprache der Möglichkeiten, der Wahrscheinlichkeiten, mit eingebundener Stille. Ohne Bedienungs-anleitung. Damit wir entdecken, damit wir die Magie der Vorsehung feststellen, die jeden einzelnen von uns vorsieht! Jeden einzelnen…! Und dort ist es möglich, sich angesichts der Größe des Schöpfer Mysteriums zu verneigen –jeder einzelne gegenüber dem, wo er muss und wie er… sehen kann. Ihm wird geschenkt, SIE schenkt uns…(!) die Möglichkeit, dass wir IHRE Intervention sehen, dass wir IHR Spiel sehen, IHRE Probe… um zu orientieren –ruft uns der Betenden Ruf-, um IHRE Kreaturen gegenüber dem Leben, hin zum Leben zu orientieren. Nicht zum unmittelbaren Egoismus oder zur gewinnbringenden Ressource des Moments…(!) oder zu den Launen irgendeines Gefühls, irgendeiner Anziehung.

 

Ja, wahrscheinlich ist es in dieser Zeit immer schwieriger das Leben zu ordnen. Aber wenn es so ist, dann deswegen, weil wir es als ein Eigentum betrachten: „Es ist mein Leben, es ist mein Körper, mit ihm kann ich machen, was ich will.“ Hört man das nicht jeden Tag? Wird das nicht als Vermächtnis der Freiheiten und der Errungenschaften gefordert?

Infolgedessen ergibt sich die Welt nicht nach unserem Maß. Und in Folge dessen…. Tritt das Wesen –da es sich gehört- in einen systematischen Protest, in das verzweifelte Jammern ein. Aber es hört nicht auf… sich zu wollen.

Und das Wesen ist nicht von sich selbst. Wir haben uns nicht erzeugt. Wir haben … nicht aus dem Nichts vorgeschlagen, an einem Sternenhimmel aufzutauchen.

Das Leben, zu leben, das Wesen, das jeder einzelne ist, gehört uns nicht. Es ist eine unergründliche Erfahrung, die wir nicht umfassen können, aber man erlaubt uns, in ihr zu stammeln.

„Alles ist ausgeliehen.”

Und mit dieser Wahrnehmung können wir uns wirklich befreit fühlen. Denn da wir uns nicht gehören, müssen wir uns nicht verteidigen, wir müssen weder angreifen noch müssen wir uns verteidigen(!), noch müssen wir Zäune, noch Mauern… noch kulturelle, soziale, spirituelle, religiöse Vorurteile –bah(!)- aufstellen..., um unseren Besitz „zu garantieren“.

Andererseits sind wir etwas mehr als eine Handvoll von Freiheiten in schwindelerregenden Artikeln, die sehr leicht beschnitten, weggenommen und angelegt werden.

Wir sind mehr als eine Konstitution, als ein Gesetz, als eine Anordnung, als eine Gewohnheit…; all das sind unterdrückende, kodifizierende, possessive(!) Mechanismen, die danach trachten, uns auf die Gleise des sinnlosen Gehorsams zu setzen, dass wir lieben(!) (span. ‚amar’)… mit wollen (span. ‚querencia’), nicht Lieben… ohne zu besitzen.

Und wenn wir sagen, dass wir „etwas mehr” sind, tauchen wir in dieses Schöpfer Mysterium ein. Und wir fangen an...(!) und wir fangen an, das Leben als eine beeindruckende(!) Gabe zu interpretieren, als eine beeindruckende Gelegenheit… die wirklich unergründlich ist.

Und dann ist es, wann sich unsere Bewusstseinsebene von dem engen Trichter, der will, der sucht, der hamstert, der versichert, der permanent misstraut, entfernt.

Dann ist es, wann… wenn man auf das Detail stößt, aber man es in dem Unergründlichen betrachtet. Ein Detail in dem Unergründlichen! Ja, es kann so scheinen, als ob es nicht existieren würde, aber es ist das. Es ist eine Sprache…! Es ist eine Sprache, die das Unendliche beiträgt.

Das Leben ist keine Gauß Kurve, das geboren wird, wächst, sich reproduziert, zerfällt und, womit sie uns vergegenständlichen, woraus sie eine Philosophie des Aussterbens machen.

Ja: „Philosophie des Aussterbens”, weil… in diesem welligen Ausdruck des Lebens, was kann das für einen Sinn machen, was kann etwas für einen Sinn machen, das… zum Scheitern(!) verurteilt ist. Bestimmt –wie ein unausweichliches Schicksal- zum Leiden, zum Schmerz(!), zur Verzweiflung, zum Tot…?

Macht das Sinn…?

Es ist offensichtlich, dass diese „Sinnlosigkeit” einige –und so, so viele(!)- dahin bringt, zu verschwinden, dazu, sich selbst zu eliminieren. Vielleicht… vielleicht ist das die Kulminierung, sich selbst zu besitzen und –unter anderem- die von dem Unnützen dieses Prozesses, welches das Wesen beschleunigt, sich zu zerstören und zu zerstören!

 

Und so… zeichnet der denkende, philosophische und gelehrte Mensch… die Linien seines Lebens, in seinen Errungenschaften, in seinem Gehalt, in seiner Rente, in seiner Sicherheit,  in seiner Versicherung …

Ist das Leben? Ist das Leben?!...? Sich der permanenten Strafe der Arbeit zu unterwerfen, um diesen, jenen oder den anderen in versklavter, schädigender Art und Weise zu kompensieren? Und dass man dahin kommt zu denken, dass es ein Segen ist(!), einer Versklavung und einem Herrn unterlegen zu sein, der uns kontrolliert, der uns das gibt, was er weiß, was wir benötigen.

Das ist nichts, was uns entsprechen würde.

Unsere Notwendigkeiten sind in jeder Einatmung, in jedem Erwachen, in jedem Wachzustand.

Zu leben ist eine unendliche Poesie eines Verses und der Verse… die uns überwältigt.

Die uns dermaßen überwältigt, dass sie uns in eine Schwerelosigkeit, in eine permanente Befruchtung versetzt! Wir sind fruchtbar(!), Gezeugte… in jeder Sekunde!

Wir brauchen nicht die Zeit…

Das ist die Ressource der Guillotine, die uns auch jeden Tag darauf hinweist, dass „unter Umständen…”, dass „vielleicht…”.

Es ist das Damoklesschwert, das über dem Leben schwebt. Und klar, das Wesen versucht zu überleben…(!)... und flieht und läuft und… arbeitet, arbeitet(!)... gemäß der Norm, gemäß der Produktivität, gemäß des Einkommens.

Die Berufung wird vergessen. Das Dienen verschiebt man auf später. Die persönlichen Talente werden unter dem Teppich versteckt und man wartet darauf, dass man uns gibt… was wir brauchen und mehr!

Und mit der Disposition des Gehorsams gegenüber dem Mächtigsten, dem Gewalttätigsten gegenüber, dem, der am meisten unterdrückt, jener verwandelt sich in Führer: die Prothese der Schöpfung. Und man verehrt ihn und man bewundert ihn und man versucht, ihn zu imitieren, jeder einzelne in seiner Möglichkeit.

Zurück, versteckt verbleibt die Bescheidenheit, bleibt das Wohlwollen, bleibt das Zusammenleben, bleibt das Teilen, bleibt das Zusammenzuwohnen, bleibt das Solidarische. Hintenan!

Die Tür für die Auflagen, den Betrug… öffnet sich… Die Lüge wird zum Gesetz und bis zu der Ebene oder dem Punkt, dass sie die Räume schließt, so als würden wir nicht in einem unendlichen Universum wohnen. Es ist unglaublich(!)... dass das Wesen mit all den Ressourcen keine Räume findet und in seinen Obsessionen blind wird und sich in dem Erreichen von Erfolg malträtiert, um seine persönliche Wichtigkeit auszuüben.

Ja, SIE rufen uns zum Beten, damit wir eingehend die Position betrachten, in der wir uns befinden. SIE rufen uns zum Beten, um uns zu sagen, was wir sind… von dem wir, auf der Ebene, auf der wir uns befinden, nie wissen werden was.

SIE rufen uns zum Beten, damit der Glaube, die Freude und die kontinuierliche Amplifikation unserer Sinne aus einem Saatkorn der Liebe einen unendlichen Wald der Nuancen, der Früchte, der Blumen, der Farben zu machen.

Es ist unwürdig sich zum Beten einzufinden, um ein Appartement oder eine Arbeit zu suchen oder damit SIE uns segnen und uns das Leiden nehmen, oder wir unsere Wünsche erfüllt bekommen. Das hat Wert für die göttliche Prothese, die der Mensch ausarbeitet. Aber nicht für das Schöpfer Mysterium.

 

SIE rufen uns, damit wir erneut, erneut das neue Schwerelose sind, das sich in jedem Augenblick erzeugt.

SIE rufen uns, damit die Angst… gegenüber dem anderen oder den anderen gegenüber verschwindet, denn wer uns ruft, ist keine Strafe. Der verfolgt uns nicht, der führt uns. Der verurteilt uns nicht, der befreit uns.

Infolgedessen, jene, die sich wählen und die sich zur Handlungsreferenz erklären, jene, die gedeihen, um zu erreichen und um dann später zu benutzen und wegzuwerfen… die leben nicht, nein. Sie umwerben, wohl wissend, dass der andere, jene… früher oder später „der Offensichtlichkeit der Realität“ erliegen werden. So pflegt man das zu sagen: „Die Offensichtlichkeit der Realität sagt Dir, dass…“; die legt Dir das Korsett an, mit Armbrust inbegriffen.

SIE rufen uns zum BETEN für die Unmittelbarkeit(!), unverzüglich!! Es gibt keine… es gibt keine Fristen! „Später”, „morgen”, „wir schauen mal…”. Nein! Unverzüglich! Das Leben macht sich Tag für Tag. In Bar!

Zu leben ist weder eine Hypothek, noch ein Kredit.

Jeder Betende Ruf ist eine Unmittelbarkeit. Unverzüglich! Sofort übe ich das, was ich entdecke, was ich lerne, was ich höre und interpretiere aus, ich nehme es in mir auf und ich übe es aus! Mit Kraft, mit Strenge, mit…. Unendlichkeit…!

Es scheint so, als würde das nicht passen, nicht wahr? Nein. Umgekehrt. Die Kraft und die Strenge, die uns die Glaubensrichtung, der Glaube und die Hoffnung geben, öffnen sich hin zur Unendlichkeit. Wir werden nicht in dem entsprechenden Ghetto des Nachnamens, des Namens, der Nationalität gefangen genommen. Nein!

Die Frist, die Raten verlängern die Agonie, sie lassen sogar die Unentschiedenheit und den Zweifel anwachsen.

Die Unmittelbarkeit lässt uns erstrahlen.

Es sind keine Beweggründe, durch die das Leben kreiert wurde. Nein.

Es sind keine Zufälligkeiten, welche die komplexe Harmonie bewirkten.

ES… IST ein Schöpfer Mysterium, das nicht aufhört… und das in jedem Wesen pocht, welches das Leben erfährt.

 

Und es taucht das Betende auf, es taucht angesichts des Wahnsinns, welchen das Wesen aufgrund seines Hedonismus uns seiner persönlichen Wichtigkeit aufstellt, zu beten auf. Sonst würden wir nicht permanent das Echo der Schöpfung hören… und wir würden nicht konstant die schwerelose Schöpfung erfahren.

 

Sie rufen uns mit Erbarmen, mit unendlichem Erbarmen zum Beten.

 

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