30. Wir haben unsere Anwesenheit schlecht interpretiert

 

BETENDER RUF

 

(4:30 Minuten der Stille)

 

Solange man sich in der Geschichte erinnern kann, hat das Wesen der Menschheit begriffen, befand es sich in einem Bewusstseinszustand, dass es sich an einem ungastlichem Ort befindet: an diesem Ort des Universums, auf diesem Planeten. Vielleicht hat es deswegen sein Wissen entwickelt, um diesen Ort durch den Kampf zu beherrschen, um ihn zu kontrollieren.

 

Aber das Bedeutsamste ist, dass… diese Anfänge –um es in der Geschichte linear auszudrücken-… diese Anfänge von Verteidigung, Angriff, Eigentum auf eine Verteidigung vor „den Strafen“ zurückzuführen waren –ohne dass der Mensch das wusste-, weil er diesen Ort für ungastlich hielt; die Strafen von… von wem auch immer: der Sonne, des Mondes, der Sterne, der Götter, der Göttinnen…

In dem Maße, wie sich die Geschichte entwickelte und das wissende Bewusstsein zum Entdecker wurde, erzeugte sich angesichts jedweder Auswirkung, die nicht mit dem übereinstimmte, wovon „er annahm“, dass sie nicht angemessen wäre –„von dem er annahm, dass sie nicht angemessen wäre die Idee der „Strafe der Götter”.

Nach und nach wurden Normen, Gesetze, Erlässe, etc. der abgehärtetsten planetarischen Krieger aufgestellt, in denen festgelegt wurde, welche die Kampfstrategie sein sollte: oder aber die totale Rebellion, oder aber die unvermeidliche Akzeptanz, oder aber, sich als konstanten Reparateur von „Sünden“ zu halten, um –wahrscheinlich- einen Zustand des Einklangs zwischen den Erlässen der Götter –die später „der Gott“ waren- und unserem Tun  zu erreichen.

Wie man vermuten kann, waren an den unterschiedlichen Orten und Plätzen die Strafen, die Unterdrückung oder die Koordinaten von „dem Guten” oder „dem Schlechten” unterschiedlich, wodurch sich ganz offensichtlich ein neuer Kampf entwickelte: die Vorherrschaft dessen, was sich „Religionen“ nennt.

 Und die Menschen fingen an wegen ihrer Glaubensrichtungen, aufgrund ihrer Auffassung des Göttlichen, aufgrund ihrer Kriterien … des rechtsprechenden Gottes, der die Guten belohnte und die Schlechten bestrafte in Konfrontation zu gehen.

Aber das Wissen zu entdecken, zu dominieren und zu kontrollieren wurde immer mächtiger. Und es fand –oder traf- auf die Ursachen, von denen man vorher sagte, dass Gott bestrafte. Jetzt waren was verständliche Ursachen, einige konnte man kontrollieren, anderen nicht.

 

Man könnte gewiss sagen –wenn man diese Einleitung zusammenfasst-, dass der Mensch niemals, hey(!)niemals, ausnehmend der sehr persönlichen Ausnahmen- niemals mit Gott einverstanden war.

Es gab eine Tendenz der „Oberhoheit” der Menschheit und eine Tendenz, die Gottheit oder das Göttliche so zu beschreiben, als hätte es die Beschaffenheit der Macht. Wodurch der Mensch, in dem Maße wie er sich mächtig machte, mit jedweder unpassenden Bemerkung oder Taktlosigkeit oder Ungebührlichkeit, die er erlebte, mit dem Kampf und mit dem Krieg –und speziell mit dem Kampf und dem Krieg mit dem Göttlichen- in Konfrontation ging. Ober er nun daran glaubte oder nicht!

 

Man könnte aus Spaß sagen, dass es eine Familie war, die sich niemals gut vertragen hat: weder mit dem Vater, noch mit dem Sohn, noch mit dem Projekt oder sonst irgendetwas.

 

Die göttlichen Flüche gingen in den unterschiedlichen Zeiten mit Vulkanen, Erbeben, Orkanen, Epidemien umher… und auf individueller Ebene mit Wahnsinn, mit Kriegen…

Eine Spezies, die sich nie angepasst hat.

Eine Spezies, die sich gegen das Schicksal auflehnte, welches die Götter für sie bereithielten.

Und so verwandelte sich das Wesen, das Leben, in einen alltäglichen Kampf: man muss kämpfen, um voranzukommen, man muss kämpfen… Ein ermüdender Kampf gegen die eigene Spezies und gegen den Raum, in dem wir leben müssen.

Und so baut er in der Wüste Züge.

- Züge…? In der Wüste?

- Ja…! Und Autobahnen und…

Und die Täler verwandeln sich in Schwimmbecken oder irgendeine andere erdachte Kreation.

 

Der kriegerische Fortschritt der Eroberung der Welt ist unaufhaltbar. So als hätten sie uns den schlimmsten Teil des Universums gegeben: den Urwald, weil er Urwald ist, nein; die Wüste, weil sie Wüste ist, nein; der Berg, weil er Berg ist, nein; der Wald, weil er Wald ist, nein. Also muss man ihn fällen, man muss ihn abholzen, muss man das besiedeln, was ‚unbesiedelbar’ ist…

Und diese alltägliche Geschichte, die auf das Zusammenleben übertragen wird, auf das, was einer macht, was der andere macht, die aber immer mehr den Kontakt zum Spirituellen, zu dem, was belebt, zum Göttlichen… oder wie man es auch nennen möchte, verliert. Wir ziehen es vor „Schöpfer Mysterium“ zu sagen. So hat jedwede andere Benennung Raum.

Man könnte sagen –auch, indem man diesen zweiten Raum vereinfacht-, dass jeder Mensch in dem anderen einen Gegner sieht. Es ist so, als ob er Gott selbst sehen würde und IHN anmahnen würde, warum ER so ist, warum ER nicht wie er (der Mensch) selbst denkt, warum ER nicht gehorcht, warum er (der Mensch) IHN nicht als Sklaven nehmen kann…

Vielleicht… geht der Krieg der Menschheit, angefangen bei den kleinen Beziehungen bis hin zu den größten darauf zurück, weil jeder Mensch in dem anderen den göttlichen Bestrafenden sieht, und er sich gegen diese Strafe auflehnt, weil er sie für eine Täuschung(!) hält. Umgekehrt greift er sein eigenes Kriterium an, weil er glaubt, dem Göttlichen nicht entsprochen zu haben.

Sonderbar! Ein doppelter Krieg: der Krieg gegen jeden Untreuen, der die Zeichen schlecht interpretiert hat und der Krieg mit sich selbst, weil er seinen eigenen Kriterien, der Interpretation, der Intervention und den göttlichen Gesetzten –„göttliche Gesetze”- die über ihm und der Gemeinschaft lasten, nicht treu war.

Drei Kriege gleichzeitig(!): die Meinungsverschiedenheit mit dem Ort des Universums, wo er lebt –mit dem Planeten-; die Meinungsverschiedenheit mit jenem, der irrtümlich die göttlichen Vorhaben interpretiert –gemäß jedem einzelnen- und der Krieg gegen sich selbst, weil man nicht dem treu ist, was man glaubt.

Den Berg beugen, die Wüste beugen, den Urwald beugen, das Meer beugen…!

 

Diese drei Kriege… können wir ignorieren, wir können sagen, dass wir sie überwunden haben, wir können sagen… bla, bla, bla, aber sie sind da! Und jeder, der irgendein Kriterium hat, lebt sie jeden Tag: diese Abneigung sich selbst gegenüber, diese Konfrontation mit dem anderen, diesen Kummer mit den Reaktionen. Es reicht, dass es regnet, damit: „Ach(!), sieh mal, es regnet.“ Wenn es kalt ist: „Oh! Es ist ja so kalt!” Einfache Sachen, nicht wahr? Obwohl er weiß, dass die Jahreszeiten kommen und… „Schon! Aber…  uhhh, was für eine Hitze!”

 Aber, Seele Gottes(!) gibt es etwas, was Dir gefällt? Bitte! Gibt es etwas, womit Du Dich… ich sage nicht gut fühlst, aber mittelmäßig regulär? Es scheint, dass  es nicht so ist. Wenn wir dann außerdem später die persönliche, individuelle, liberale, befreiende  Geschichte von jedem einzelnen mit hineinnehmen… ufff…(!) dann sind am Ende alle Wesen Feinde.

All das ist global, ja. Und jeder einzelne kann seine Uneinigkeit aufgrund seiner persönlichen Erfahrung anführen, aber… seien wir großzügig: wir sollten Dinge in ihrer Universalität betrachten. Und in der befinden wir uns, auch wenn wir eine Ausnahme sind… die die Regle bestätigt.

 

 

Aber der Schritt der wiederholten Übung ein und desselben Verhaltens hat bewirkt, dass die Wesen das Leben entschieden als einen permanenten Kampf betrachten, als ein Gefecht, um anzukommen, um zu haben, um zu schaffen, um zu erreichen, um zu bekommen.

Das zuvorkommende, großzügige, kommunikative, solidarische Tun… bleibt für die Ausnahmen –die normalweise nur kurz halten.

Und so ist es wie die Spezies funktioniert. So ist es, was uns der Betende Ruf von heute übermittelt.

Und wenn man es so sieht –und indem man versucht, nicht der permanente Krieger zu sein-… ist das Panorama desolat.

Da ist das Aussterben nicht wichtig. Die Frage ist, wie man dorthin kommt: es ist furchtbar.

Und man fragt sich vielleicht: „War es etwa kein Zufall, dass er an diesem Ort des Universums ankam? War es etwa kein Zufall, dass er in diesem Raum geboren wurde, mit dieser Sprache, mit dieser Gewohnheit?“

Aber gleichzeitig scheint es, wegen des Aussterbens der Spezies überall, dass es eine Uneinigkeit in Bezug auf den Plan gibt, der auf jeden einzelnen fällt. Und man sollte das nicht mit dem Abenteuer, der Suche, dem Entdecken verwechseln, denn das ist gesund, das ist dem Wesen angeboren.

 

Infolgedessen, wenn wir zur Frage zurückkehren, dass man mich an einen Ort gebracht hat und es nicht kalkuliert war… Das ist ein Mysterium. Warum kam Abdul nach Kuala Lumpur oder Andrés kam nach Cádiz…; warum wird der eine aus seinem Leben einen Karneval machen und der Andere wir aus seinem Leben ein Drama machen…?

 

Wir könnten die Möglichkeit anregen, dass das Wesen die Klage über den Ort seiner Anwesenheit vertreibt… und es so aufhört, mit seinem Raum zu kämpfen, es so aufhört, ihn zu erobern, ihn zu dominieren, ihn zu kontrollieren.

Die Empfängnis und die Geburt und den Aufenthalt an diesem Ort „Leben” genannt, als ein… spektakuläres Staunen zu begreifen!

Und infolgedessen gibt es keinen Ort der Klage, denn wir haben auch die Fähigkeit, den Schnee, den Schweiß der Wärme, den Unterschlupf vor dem Wind zu bewundern…

 

Hab Erbarmen!

 

Der zweite Krieg ist… der der Interpreten! Dieser interpretiert „dies”…, der andere interpretiert „jenes”… „Dies” und „jenes” streiten sich und gehen in Konfrontation, so als wollten sie darauf hinweisen, dass die Welt je nachdem ist, wie jeder einzelne schaut und das der andere der Feind ist. Könnte man harmonieren? Könnte man miteinander reden, übereinstimmend … anscheinend gegensätzliche Situationen beschließen, aber die es nicht in dem Maße sind, wie wir uns so verhalten, das wir in Harmonie stehen…?

Und so können sich die Interpreten der Schöpfung –egal welcher Natur sie sein mögen- ohne… Vorurteile(!) betrachten –solche, die im Allgemeinen unter Gläubigen und Nichtgläubigen existieren.

 

Können wir die Nichtgläubigen annehmen…? Gläubige anderer Natur…? Können wir –noch einfacher- die Farbe des Antlitzes von einigen und die Farbe des Antlitzes von anderen annehmen…?

Sehen Sie mal, wie weit wir noch davon entfernt sind. Die Immigranten ertrinken in unglaublichen Flüchtlingsbooten. Die, die sie empfangen, versklaven sie. Wenn sie sie zurückschicken, dann bestrafen sie sie… „Grauenhaft.”

Aber zumindest in unserem… ganz internen Gewissen –was manchmal nicht nur die Farbe der Haut ist, sondern auch der Herkunftsort-, stimmt es da vielleicht nicht, dass dieser Konkurrenzkampf untern den Regionen… sogar… sogar… sogar vom Zaun gebrochen wurde? Und sogar die Sprachen werden gewalttätig und es wird versucht –was es koste- die zu konditionieren, die beginnen, damit sie gemäß eines Kodes der Macht sprechen, denken und fühlen. Furchtbar!

Es gibt eine Verneinung demgegenüber, sich Universum zu fühlen. Es gibt eine mächtige Verneinung demgegenüber zu teilen.

 

Hab Erbarmen!

 

Und in dem dritten Aufenthalt… des Kampfes und des Krieges, welche das Wesen gegen seine Trägheit, gegen seine Müdigkeit, gegen seine Unbehaglichkeit, gegen sein „Fehlen an…”, gegen seine „Notwendigkeit an…”, gegen… Pufff aufstellt! Gibt es irgendjemanden, der mit sich selbst zufrieden ist? Schwierig, eh?

Ja! Du kannst irgendeinen Tag oder mehrere Tage zufrieden sein, aber einen nächsten Tag, also… da versagst Du! Und nicht nur Du wirst es Dir vorhalten, sondern die Umgebung wird es auch tun. „Verwerflich.“

Könnten wir mit unseren Forderungen ein bisschen flexibler sein? Könnten wir unsere Vorschläge mehr läutern… und aufhören, sie als einen Kampf ohne Kaserne zu betrachten?

 

Hab Erbarmen!

 

Und wenn wir alles zusammenfassen, dann könnten wir uns fragen: „Aber ist es möglich, dass ich–jeder Einzelne sollte sich das fragen- ist es möglich, dass ich mich mit der Schöpfung gut verstehe? Muss ich mich denn notwendiger Weise schlecht verstehen…? Hat man mich dafür geschöpft, damit ich mich zerstöre?”

Ja. Das ist fast die kulminierende Schlussfolgerung: „SIE haben mich geschöpft, um mich zu zerstören! SIE haben mich geschöpft, damit ich mich auf meiner Erde zerstöre! SIE haben mich dafür geschöpft, damit ich den, der nicht so wie ich denkt, zerstöre! SIE haben mich geschöpft, damit ich mich selbst zerstöre!”

Die Schlussfolgerung ist, dass die Schöpferkraft, dieser Gott –oder wie Sie ES nennen wollen- grausam ist, unbarmherzig ist!

Könnte man eine andere Sache denken…?

Und wenn es nicht so wäre? Und wenn SIE uns geschöpft haben –die Schöpfung, egal wie sie auch sein mag-, um uns „Vielschichtiger“ zu machen? Immer komplexer zu werden, aber immer exakter, immer flexibler, immer kooperierender, immer solidarischer, immer freier, immer mehr... –ein bisschen- liebevoller.

Und wenn wir infolgedessen unsere Anwesenheit schlecht interpretiert haben…          –und wir von daher zu dem Übereinkommen gelangt sind, dass ich geschöpft wurde, um mich zu zerstören, oder dass man mich zerstört, das ist egal(!)-…  könnte ich sagen: „Ich wurde in einem Odem der Liebe geschöpft, in einem ‚ama-necer[1]’”?

Könnte ich sagen, dass ich geschöpft wurde, damit sich meine Sinne in jeder Funktion aufhellen und aufeinander abstimmen, um ein Projekt, ein Ideal aufzustellen…? Und dass das mit anderen in Einklang stehen kann, dass ich das mit anderen teilen kann, dass der Eifer aller, der Konsens ist… und dass ich aufhöre, mich für einen Feind meiner  selbst zu halten.

 

Hab Erbarmen!

 

Es kann furchtbar sein zu denken, dass alles, was bis jetzt angedacht war ein großer Irrtum war.

Und wenn man erneut über andere Tendenzen nachdenkt –die da sind, aber die so wirkungslos sind(!)-… Ist das ein Hirngespinst?

Und wenn wir, dank des Betenden Rufs die Situation hören und wir unsere Tugend entdecken und wir die der anderen bewundern (!), werden wir da in der Lage sein, eine Gemeinschaft der Entwicklung, eine Gemeinschaft der Nachsicht(!) zu erreichen... in denen die Urteile, die Normen, die Gewohnheiten und die Gesetze sich in einen Vorteil eines Konsens der Liebe… auflösen?

Ist es eine Verrücktheit, das zu denken…? Oder ist es ein Abenteuer (span.: ‚aventura’)  –Glück (span.: ‚ventura‘) und Abenteuer (span.: ‚aventura‘) - sich zu trauen, das in dieser Form zu leben?

 

Die Schöpfung findet Gefallen am Leben.

 

 

***

 


[1] ‚ama-necer‘: In der Neijing Schule wird das wie folgt übersetzt: ‚Aus Liebe geboren werden.‘