22. Korrigieren, berichtigen, uns anpassen und uns entschulden

 

BETENDER RUF

 

(5:30 Minuten der Stille)

 

Die Lebendsysteme in ihrem Verhältnis mit der Umwelt korrigieren, berichtigen, sie passen sich an… All das mit dem Sinn weiter zu bestehen, sich zu entwickeln, zu evolutionieren…

Umgekehrt ist im menschlichen Lebendsystem die Berichtigung schwierig; die Korrektur fast unmöglich und die Anpassung… ist auferlegt. Wodurch jedes Mal, wenn die Anwesenheit der Spezies vorbeizieht, diese an unterschiedlichen Orten… durch            –Gedanken, Wirtschaft, Wissen, Beziehungen-… leidet, und das bringt uns dazu abzuschätzen, dass wir… aufgrund des Ungleichgewichts, das sich kontinuierlich und permanent erzeugt, in Perioden des Verschwindens, der unnötigen Anwesenheit eintreten.

 

Als… „Besonderheit” –in Anführungsstrichen- der Menschheit, wenn der Irrtum oder der Terror oder der Schrecken gegenwärtig werden, dann taucht nicht die Berichtigung, die Korrektur, die Anpassung auf, sondern es taucht die Schuld auf.

Und diese bewirkt, dass… sich jeder Mensch… als eine unpassende Identität fühlt, in der er –ob er nun schuldig ist, oder den anderen beschuldigt- er entweder als Richter und Bestrafender oder aber als Gefangener und… als am Boden Zerstörter handeln muss.

Der Betende Sinn fordert uns auf… das zu tun, was die Lebendsysteme tun, nämlich zu berichtigen, zu korrigieren, sich anzupassen… und nicht die beschuldigende
Figur zu kreieren, die in Wirklichkeit das Kriterium ist, welches im Laufe der Zeit in Bezug auf die Gottheiten geschaffen wurde, die uns mit Naturkatastrophen, mit traurigen persönlichen Ereignissen etc. straften.

 

Also ist es so, dass wenn man dem Sinn der Schuld auf den Grund gehen will und nicht dem Sinn der Verantwortlichkeit, der Korrektur, der Verbesserung, der Anpassung, etc., dann errichtet man sich angesichts des Schuldigen als „Wahrheit“, man errichtet sich als Richter, man macht sich mit Vorurteilen kaputt und man bestraft… und bestraft sich.

Das geht soweit, dass jeder Mensch –von Ausnahmen abgesehen- seine ihm entsprechende Schuld mit sich trägt. Und je nach Umständen –klar- beschuldigt man sich selbst oder man fühlt sich vor dem Göttlichen schuldig, und man kalkuliert, dass man wegen dieser Übertretung  bestraft werden wird.

Der Betende Sinn schlägt uns vor, dass das so nicht funktioniert.

Wenn sich das Wesen in einen systematischen, radikalen, schädlichen Übertreter verwandelt, dann wird er unausweichlich mit anderen zusammenstoßen, und dort werden dann gewisse Missgeschicke auf einen zukommen. Aber die Wesen wurden nicht bestraft. Es waren Ereignisse einer Unangepasstheit, einer Beziehungsunfähigkeit, einer Kommunikationsunfähigkeit, einem Fehlen an gegenseitigem Respekt.

Aber es war nicht Gott, der bestraft hat!

Bestenfalls war es der andere –wer dieser andere auch immer sein mag: Vater, Mutter, Onkel, Oma, Bürgermeister…, Juristen oder Regierungen, etc., diejenigen, die Vorbilder und Normen aufstellen, um… die Überschreitungen oder die diversen Vergehen, die man begehen kann, zu bestrafen.

Es werden immer mehr… Gesetze verabschiedet, es wird mehr angeordnet, mehr beurteilt. Wodurch es immer schwieriger ist, zu erfüllen… Und in Folge dessen ist es einfacher… Schuld zu bekommen.

 

Das Sprichwort, der Sinnspruch oder die Stellungnahme sagen, dass „korrigieren weise ist”.

Und so war in der Tradition der Weise jener, der in der Lage ist, zu korrigieren, zu variieren, zu modifizieren… zueinander in Beziehung zu stehen und sich in unterschiedlichen Formen und Arten und Weisen zu verhalten, je nach den besten Notwendigkeiten, um zu dienen, um einander hilfreich zu sein.

Wenn die Spezies „weise” ist, dann wird jeder einzelne der Menschen etwas von der Weisheit… in seinen Gefühlen beherbergen…

Und damit wird man die Fähigkeit entwickeln –„die Fähigkeit”, diese Berichtigung, diese Korrektur, diese Anpassung zu entwickeln… um zu dienen und um einander adäquat hilfreich zu sein, und um ein System der Zufriedenheit aufzustellen, in dem man zu vorteilhaften Übereinstimmungen für alle kommt und in dem jeder einzelne seine Klugheit einsetzen kann.

Und um infolgedessen vor den Qualen der Schuld zu fliehen…, die uns der Protagonismus anbot, das Göttliche zu ersetzen, und um uns so… nutzlos dafür zu machen, die Entwürfe, die für uns vorgesehen waren, zu erfüllen.

Aus unserem Lexikon unseres Verhaltens „die Schuld” rauszunehmen und das einzuführen, was die Lebewesen –außer den Sapiens, von Ausnahmen abgesehen- machen, was nämlich korrigieren, berichtigen, sich anpassen ist –um es zusammenzufassen, klar. Es gibt mehr Dinge.

Die betende Arbeit… erlaubt es uns, unser Bewusstsein in Bezug auf das Verhältnis mit dem Schöpfer Mysterium auf bescheidene, disponible Art und Weise anzuheben… und uns so sensibel, wahrnehmender angesichts der Güte werden zu lassen, die uns die Schöpfung beschert und die man für gewöhnlich durch das Syndrom der Bestrafung nicht sieht.

Wir wurden nicht geschöpft, um bestraft zu werden, noch weniger, damit uns andere bestrafen.

Selbstverständlich ist die Selbstbestrafung (span. ‚autocastigo‘) als gewöhnlicher Mechanismus der Korrektur, der Anpassung, der Regelung, das Häufigste: „Selbst“  („Auto“). Und das bringt Opfer, Leiden mit sich… sich in einer kontinuierlichen Verzweiflung zu befinden.

 

In dem Maße wie wir die Schuld-Strafe auflösen, diese respektlose Art zu leben, werden wir sofort die Ähnlichkeit mit… mit einer anderen Weisheit erwerben, die es versteht, aufzutauchen, zu handeln, sich in Beziehung zu setzen und miteinander zu leben, um lebensfähig zu sein.

Ohne dass das ein Leiden, einen Schmerz, ein Unglück mit sich bringen würde.

 

(8 Minuten der Stille)

 

Wir suchen die Vibration, die uns am besten angesichts einer… „dringend” notwendigen Veränderung… sensibilisieren kann. Einer Veränderung, die das Leben im Allgemeinen und zu leben im Einzelnen von der Spezies fordert.  

 

 

aAAAAAAAAAAAAAAMMMmmmmm

 

 

(13 Minuten der Stille)

 

Auf dass das Erbarmen unsere Bescheidenheiten und unsere klugen Instinkte aufnimmt, um sie zu korrigieren, um sie zu berichtigen, um uns anzupassen und um uns zu entschulden. Und um so Träger der Übermittlung, der Kommunikation, des Gleichgewichts, der Solidarität zu sein.

 

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