21. Das befreiende Kriterium zu beten bringt eine permanente Innovation mit sich

 

BETENDER RUF

 

 

(9 Minuten der Stille)

 

Der Weg der Menschheit, die Bahn der Menschheit durchquert –wie man sagen würde- keine… „guten Zeiten”.

Man könnte vielzählige Tatsachen zitieren, die in irgendeinem der Kontinente geschehen.

Aber… wir würden –in Bezug darauf zu beten- das hervorheben, was in Jerusalem geschehen ist, wo man „die Schicksalsnacht”, das bedeutendste… „Fest” in Anführungsstrichen- des Islams, mit Gewalttaten, Verfolgungen, Überfällen… in der Moschee  Al-Aqsa saldieren musste.

Ja, wir wissen, dass es ein Konflikt ist, der irreversibel erscheint: Judentum und Islam mit der katholischen in operativen Gleichgültigkeit. Aber es geht nicht darum, diese Tatsache zu verurteilen.

Der Betende Sinn zeigt uns, wie signifikant bedeutsam es ist, dass dieser… dieser Betende Sinn Charakteristika von persönlichen –wirklich persönlichen- Erlebnissen annimmt, die diesen schwindelerregenden Untergang, in dem sich die Menschheit das Recht anmaßt, zu befehlen, verändern.

Einige Tage vorher –auch aus betendem Grund, und in diesem Fall jüdisch- in einer wichtigen ultraorthodoxen Feier, verloren eine Reihe von Personen das Leben, zerquetscht, während sie wegen eines nicht bekannten Zwischenfalls in alle Richtungen flohen. Jetzt beklagen sich alle.

Das sich aus betendem Grund Schmerzen der Verzweiflung, der Angst, des Todes ergeben und erzeugen, sagt nicht viel über das Motiv dieser betenden Versammlungen aus.

Sie haben sich auf Botschaften versteift, die sicherlich in ihrem Moment ihre Bedeutung hatten, sogar ihren Sinn, aber… sofort wurden die strukturiert, klassifiziert, geordnet und dann wurden sie „Gesetze“.

Gesetze, die –im Unterschied zu den Gebeten, nicht wahr(?)- ordnen, belohnen, bestrafen… verurteilen. Und das, was eine Verbindung war –und ist- zwischen dem Wesen und dem Schoß der Schöpfung, verwandelt sich in legale, kämpfende und unversöhnliche Legislative.

 

Das befreiende Kriterium zu beten… bringt eine permanente Innovation mit sich, eine unverhoffte Überraschung.

Und wenn das nicht geschieht, dann betet man nicht wirklich, sondern man schweift ab oder man erhält Machtsituationen aufrecht –tatsächlich- „im Namen von“ … Dem Göttlichen. Unglaublich!

Genauso, genauso wie es „im Namen von” geschieht –und dort ist die Situation noch schwerwiegender- „im Namen von”, der Regierung, wurde am 9. Mai… „Der Alarmzustand wurde aufgehoben!”

Und alle –in Anführungsstrichen „alle”- gehen hoch erfreut raus –und hier kann man sehr wohl sagen „wie Herden“- um zu feiern… um was zu feiern?

 

Eine Epidemie, eine Pandemie… oder eine Endemie –na gut-, wird nach Kalender geführt. Nach dem Kalender! Und die Personen erwidern auf diesen Kalender. Man bestrafte sie, und sie haben die Bestrafung akzeptiert. Wenige protestierten. Besser gesagt: es gab keine Proteste. Man sperrte sie ein und sie akzeptierten die Haft. Die Möglichkeit, sich angesichts von etwas „durch die Macht Angeordnetem“ aufzulehnen, ist in diesen Breiten fast unmöglich. Wir belassen es bei „fast“, weil… es immer eine Ritze gibt, oder es sie geben kann.

Also nach dem Kalender gibt es Sperrstunde –oder nicht. Das entscheidet ein Bürgermeister… nein, ein Richter… ja. Und genauso wie er es entscheidet und sie den kontinuierlichen Alarm entscheiden oder nicht, kümmern sich die neuen Spezialisten –die pandemischen Richter- um unsere Gesundheit. Sie passen auf unsere Gesundheit auf. Unglaublich!

Die Wissenschaftler hatten Recht, als sie von „der Herdenimmunität” sprachen. Ja. Ganz und gar.

 

Der Wille, die Glaubensrichtung, das Kriterium eines jeden Wesens wurde dergestalt globalisiert, dass das ganz allein von dem abhängig ist, was die der Macht sagen.

Und das, vom Betenden Sinn aus, muss ein Ansporn dafür sein, dass uns diese Situation in den Schoß des Universums unter dem Schöpfermysterium zurückführt.

Das Bewusstsein wiederherzustellen, dass wir jeden Tag aus der Schöpfer Liebe geboren werden… und in diesem Sinne zu denken und zu fühlen, bringt uns zu einer Beziehung, zu Beziehungen, die man teilen kann mit… Zusammenleben, mit Kollaboration, mit Solidarität… ohne die gewöhnlichen Vorurteile.

Wir entdecken in unserem „Lehen, in unserem Einflussgebiet“, ja, als Ort, an dem wir durch unsere Fähigkeiten, unsere Ideale realisieren müssen. Und wenn wir uns in dem Schoß dieser unaufhörlichen Schöpfung fühlen müssen, gleichzeitig(!)... dann müssen wir ein Beispiel dafür sein, was wir „bewusst“ fühlen, lieben und worin wir vibrieren.

Manchmal scheint es ein Widerspruch zu sein. Und tatsächlich, mehr als „dass es scheint“, geschehen Widersprüche. Und die Personen befinden sich halb… –so wie der Tango sagte: „Alles auf halbem Licht”-… also ja, sie sind „auf halb“… einerseits ja: „Ich glaube, dass das der Sinn ist… ich glaube, dass das, ich glaube, aber… Ach! Die Schweizer Alpen. Ach! Die Mildtätigkeit gegenüber den Armen! Ach! Die Hilfe gegenüber der Dritten Welt. Ach! Die Freude von New York! Ach! Wie schön ist es, 10 Kinder zu haben! Ach! Wie schön ist es, keins zu haben! Ach…!”...

Es ist so eine „verborgene” Klage –nicht wahr? Eine verborgende Klage, in der man es nicht schafft, die Universalität mit der Individualität in Einklang zu bringen. Es scheint, dass sie uneins sind.

Und immer gibt es ein „Ach!”, was dieser Berufung, der Handlung diesen „bitteren Touch” verleiht… Und dieses Detail bewirkt, dass gerade das Gebet, so aufmerksamkeitserregend es auch sein mag, es nicht schafft… in das Bewusstsein der Schöpfung, in das Bewusstsein der Kreativität, in das Bewusstsein der Ehrlichkeit einzudringen… sondern dass das Leben ausgefranst wird: „Ja, aber… nein. Nein, aber… ja.“

Die Angst vor der Verpflichtung, die Angst davor, sich auszuliefern, die Angst vor: „Und wenn…?”

So wie der, der raus auf die See fährt und der das macht und dabei an die Reserven denkt, die er hat, wenn er zurückkehren muss. Niemals wird er rausfahren.

Die Kultur der Sicherheit, die Halbwahrheiten, die unterbrochene Aufrichtigkeit hört das Betende nicht. Die Botschaft wird unterbrochen. Man schafft es nicht, sie in die persönliche Arbeit zu integrieren, die jeder einzelne durchführt, die… nicht nur Teil der Totalität ist, sondern die Totalität ergibt sich nicht in ihrer authentischen Version, wenn der individuelle Beitrag nicht da ist.

Viele… –wir sagen nicht alle- aber viele der Klagen, die jeder einzelne ins Spiel bringt, sind Produkte der persönlichen Nichterfüllung. Das bedeutet, wenn sich das Wesen seiner Berufung, seiner Beschäftigung hingibt, dabei wissend, dass es sich in einer Universalisierung befindet… dann verwandelt sich die Klage, mehr als Klage, also sie verwandelt sich darein, unserer Funktion noch mehr Nachdruck zu verleihen. Umgekehrt, wenn die Klage hartnäckig wird, dann deswegen, weil wir aufgehört haben, unsere Teilhabe zu erfüllen. Und das hat sich ausgewirkt, ausgewirkt in der Totalität.

Klar, sofort sagt irgendjemand:

- Nein! Wollen sie mir etwa sagen, dass, weil ich „meine Pflicht” nicht erfülle…     –in Anführungsstrichen, ohne dass das eine Auferlegung wäre- weil ich nicht meine Pflicht erfülle, wird die Fabrik von Pérez schlecht laufen?

- Ja… ja. Sie haben eine Teilhabe bei all dem. Weil direkt oder indirekt, ob Sie es nun sehen oder nicht, Ihre Handlung dort Einfluss hat. Dort und an allen Orten.

Das ist das gleiche zu sagen, dass… dass es keinen solchen Ort gibt, weil ich dort nicht gewesen bin. Weil ich nicht da war, existiert er nicht. Da ich nicht in Somalia war, existiert Somalia nicht.

Das ist so ähnlich zu denken, dass der Einfluss meines Fühlens, meines Tuns auf die Aspekte dessen, was wir „Leben“ nennen, nicht existiert.

Der Betende Sinn verleiht dieser überaus wichtigen Symbiose zwischen dem Individuellen… und dem Universellen Nachdruck.

Diese Auffassung müsste leicht sein für uns, denn sehr früh studiert man den Mikrokosmos und den Makrokosmos: Einer ist in großes Modell und der andere ein kleines Modell, aber es ist dasselbe Modell. Also wird alles, was man in dem kleinen Modell macht, in dem großen Modell Auswirkungen haben.

 

(3:30 Minuten der Stille)

 

 

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