20.22 Wir sollten unsere Position anpassen; wir sollten unsere Dimension bewerten

 

BETENDER RUF

 

Und die menschliche Umgebung, von den Menschen…, sie ist durcheinander, sie löst sich auf, sie vergiftet sich…

Das Wesen wird in dem Maße toxisch für das Wesen, wie jeder einzelne seinen Vorrat, seine Position, seine Sicherheit, seine Freiheit sucht, letztendlich sein… Eigentum[1]. Und so stellt sich unter den Wesen ein gespanntes, schwieriges, unbequemes Zusammenleben ein…

Das ist es, was man wahrnimmt. Die Nachricht, die kommt, die Bekanntgabe, die auftaucht… in der gesamten menschlichen Gemeinschaft. Natürlich wäre es ungerecht zu sagen, dass das überall passiert, aber… die Sorge ist, dass es an den vorherrschenden, nächtigen Orten geschieht: jene, die markieren… „jene, die die Möglichkeiten aller markieren.”

Und wenn das bei den Fähigsten, geschieht, bei den Entwickelsten, bei den Gebildetsten und es unter ihnen eine Rivalität, eine Uneinigkeit, eine Unbequemlichkeit gibt… dann spürt man das in dem mehrheitlichen Rest.

So sehr, dass zum Beispiel vorher, in den kolonialen Epochen –also vor kurzem- die Mächtigen, diejenigen, die sich für auserwählt hielten, die, die sich bewusst überlegen fühlten in ihre Umgebungen gingen, um Sklaven zu fangen; zwischen ihren Kriegen verwandelten sie den Feind in Sklaven.

Heute kommen sie. Man muss nicht nach ihnen zu suchen. Die Auswanderung erstickt durch ihre Orte, sucht den Glanz des Kolonialisten.

 

Diese Modelle bringen uns zu einer kontinuierlichen Konkurrenz, die in Wirklichkeit ein verborgener Krieg ist, ein Kampf von allem gegenüber allem.

 

Es ist offensichtlich, dass diese Phase der Menschheit die… „Erfolgreichste” ist. Erfolgreich im Sinne, dass keine der Tendenzen ausgeschlagen werden, die jedem einzelnen einfallen… ohne dabei die Konsequenzen zu berücksichtigen.

Und es ist so, dass jedes Wesen teilweise bestimmte Orte besetzt, die ihm nicht entsprechen.

In Folge dessen entwickelt sich der Konflikt, weil sich einer der Beiden mehr oder weniger überfallen fühlt.

 

Die früheren Umgebungen des Wesens könnten… die Fauna, die Meteorologie, die Beweglichkeit ihres Landes sein, aber all das ist –um es so zu sagen- unter Kontrolle. Und jetzt ist die erstrangige Sorge von jedem einzelnen „jeder einzelne”, den er an der Seite hat   –an der Seite oder weiter entfernt-… da man nicht auf den persönlichen Stil verzichten will zu erlangen, zu erreichen, zu schaffen, zu versichern… und dieses lange et cetera des Schutzes, der Anstellung, des Praktischen, mit bekannter Zukunft… Furchtbar.

 

Der Betende Sinn versetzt uns in wahrhaft abgelegene Koordinaten zu denen… sagen wir mal bereits „lauwarmen” Ideen des Zusammenlebens, des Teilens, der Gelegenheit, des Risikos, des Vorrückens, des Zusammenzuleben, des Solidarischen… und dieses lange kraftlose et cetera von Worten, denen man kaum zuhört.

 

Für den Betenden, für den, der glaubt, für den, der sich überdenkt, für den der nachdenkt, für den, der sichprojiziert ist es notwendig, sich in der Position, in der sich das Wesen befindet, neu einzuschätzen. Vor den aufgestellten bequemen Ressourcen fliehen. Keine bekannten Projekte von abgelaufener Offensichtlichkeit und wo man eine theoretische Zukunft kennt, die keine Zukunft ist, annehmen. Die Zukunft ist unvorhersehbar, überraschend, neuartig, kreativ, ausnehmend! Wenn es nicht so ist, dann ist sie Kodex, ein Leben ohne Kodifizierung.

Von daher bringt uns der Glaube, dieses sich als Wesen des Universums… in Kommunion mit dem Schöpfer Mysterium zu fühlen zu einem kontinuierlichen Wiederaufwerfen, um die Position des Kampfes zu verlassen, aber mit Fundamenten(!), mit Ressourcen, mit Klarheit, mit Ehrlichkeit, ohne Verheimlichungen.

Zulassen, dass man in den Räumen des Fühlens und des Denkens fließt… hin zu dieser Ewigkeit, in der wir uns befinden.

Wenn wir dann landen, wenn wir uns dann niederlassen, werden wir in das Benutzen und Wegwerfen, in den Konkurrenzkampf, in das Arbeiten, um bezahlen zu können, in das Suchen nach Sicherheit eintreten…, in ein Wissen, was passieren wird. Und dort löst sich der Glaube auf. Und es wird die Herrschaft des Wesens über dem Wesen aufgestellt.

Von daher sieht man das menschliche Gemüt so verwirrt, mit Kummer, mit Angstzuständen, mit Traurigkeit, kontinuierlichen Sorgen… „anhaltenden Konditionierungen. Und klar, man sucht den Ausweg in diesem Ambiente. Dort gibt es keinen Ausweg.

Es ist die Falle des Stärkeren. Es ist nicht das elegante und freundliche Zusammenleben.

 

Aber auch wenn diese Situation offensichtlich erscheinen könnte, wird das Wesen taub, es wird der Warnungen müde! Es möchte nichts von dem hören, was ihm nicht angenehm, leicht und bequem ist! Es weist seine Verantwortung, sein Zeugnis abgeben zurück.

Und darauf müssen wir unser Augenmerk richten, wenn wir „uns bewerten“. Ja die nahe Umgebung hat uns bereits bewertet. Sie hat uns bereits gesagt, dass wir so oder so sind… Jeder einzelne hat sich geäußert. Die einen haben abgefeuert, andere haben Analgetika gegeben, andere haben heiße Tücher aufgelegt… Jeder einzelne hat uns… „verurteilt”.

Und all das, ja, das hört man, das kommt an, aber jedes Wesen –als Universum- muss sich einschätzen. „Sich bewerten (span. ‚evaluarse’)”: sich in seinem Mut zu glauben zu sehen, seinem Mut, einem Ideal zu folgen, einem universellen Projekt, einem Kriterium der Amplifizierung… was in diesem Umgebungsmilieu der Menschheit -mit Menschheit- eine Anstrengung, ein sich widmen, eine Forschung, eine strenge Position mit sich bringt.

 

Es ruft, es ruft sehr der triumphierende und ‚gelingende’ Stil.

Es ruft, es ruft sehr der sektenhafte, egozentrische und personalistische Stil.

Es ruft, es ruft sehr, sich als Protagonist zu fühlen.

Es ruft so sehr, dass sich das Wesen, wenn es sich dann bewerten, abwertet. Der Fluss des Festgelegten geht weiter, geordnet, diktiert: Das, was der Mensch macht, um die anderen zu kolonialisieren und sie zu Sklaven der Normen, der Meinungen, der Positionen zu machen…

Und die Eitelkeit, sich in einer permanent vom Universellen abgetrennten Position zu befinden,bindet all das Spirituelle in einer routinemäßigen Form mit ein. So glaubt es (das Wesen) das zu erfüllen, was es soll. So glaubt es, dass es sich in dem Normalen befindet. So glaubt es, dass es das ist, was es tun soll.

Das Wesen verwandelt sich in einen Gläubigen, in das, was man ihm vorschlägt, worin man es orientiert, was sie Gesellschaft empfiehlt, erbittet, ruft…  mehr als dass es an sich selbst glaubt…

Dieser Lebensstil bedarf der Sklaven, er bedarf der Produktion, er bedarf einer Macht, die ordnet und befiehlt. Und jeder einzelne in seiner Position übt das mehr oder weniger –je nach Zeit, Alter, Ort- aus…., aber er übt es mehr oder weniger in diesen Koordinaten aus.

Und so ist es, dass sich das Wesen „vorhersehbar” untreu, weit weg, abgesondert, oberflächlich zeigt, bequem. „Anscheinend” gemäß des eigenen Geschmacks, was der Geschmack der anderen ist. Mit „anderen” ist ein Gesellschaftsstil gemeint.

 

Und es taucht eine unvermeidliche Frage seitens des Gläubigen auf: Ist es möglich, dass sich von dem Schöpfer Mysterium aus das Leben in dieser unglaublichen Biodiversität erzeugt hat und ES vorsätzlich in eine Variable des Lebens –genannt  „menschlich“- investiert hat, die damit endet egozentrisch zu werden, anmaßend zu sein…! Ist das möglich? Ist es möglich, dass die transzendente Schönheit einer Eidechse, einer Orchidee übergeht in die alltägliche Vulgarität eines „Bürgers”… der lügen muss, der verheimlichen muss, der aushalten muss, der den Anschein wahren muss, der sich verstecken muss, der fliehen muss, der kämpfen muss…? Ist das das Projekt einer Schöpfung?

 

Deswegen, wenn sich das Wesen selbst einschätzt, dann muss es sich in dem Orbit der Schöpfung überdenken.

Sich von seinem persönlichen, individuellen, familiären, bürgerlichen Orbit trennen…

Den Trichter seiner Identität erweitern hin zum Unendlichen, um etwas mehr als den persönlichen Geschmack wahrzunehmen, etwas mehr als das, was mich anzieht, etwas mehr als das, was mir gefällt, etwas mehr, als das, was ich will

Ich bin etwas mehr als all das, nicht? Und das wird nicht nur vermutet, sondern ganz sicher bin ich etwas mehr als all das. Aber ich bin in all das verfallen.

 

Und dank des Betenden Sinns wird mir erlaubt, dass ich mir dessen bewusst werde. Und auch wenn ich nicht horchen will… und auch wenn eine egozentrische… persönlichkeitsbezogene Widerspenstigkeit auftaucht und… –in Anführungsstrichen- „Freiheit(?)“, ist das Wesen weiterhin etwas mehr als all das.

 

Der Betende Sinn versetzt uns in ein Panorama –es ist schwer, nur ein Wort zu finden-… in ein Panorama, das uns aufgrund unserer Beschaffenheit, aufgrund unserer Vorsehung, aufgrund unseres Erbes als Universum, aufgrund von all dem… vorkommt, all das kommt uns „enttäuschend“ vor.

Und die Energie des Lebens muss uns dahin führen zu hören, zu sehen und uns dieser menschlichen Bewegung bewusst zu werden, damit wir unsere Position modifizieren! Wir wagen das Abenteuer der Schöpfung…! Nicht das anscheinende Abenteuer der Anpassung!

 

Wenn eine Blume zwischen der Mauerwerksfuge, auf einem Weg, herauskommt, weiß sie, dass sie das Risiko eingeht, von einem Wanderer eingeebnet zu werden. Aber sie weiß auch, dass sie das Lächeln eines Spaziergängers erwecken kann.

Und so drückt sich das Leben aus: mit dem Elan der Phantasie, der Vorstellungskraft, des nicht Wissens… was es ist, was das Ewige Mysterium bereithält.

Uns scheint, wenn wir aufwachen, dass es das ist, was wir tun müssen, was vorbereitet ist: wohin wir gehen müssen, was wir essen müssen, war wir vorbereiten müssen… Und das geht soweit, dass wir das glauben.

In Wirklichkeit erweckt uns dieser Tagesanbruch (span.: ‚amanecer‘[2]), diese Liebe, um geboren zu werden, um kreativ zu sein, um unterschiedlich zu sein, um aufzuhören Anspruchsteller/in zu sein und Diener zu suchen! Er weckt uns, damit wir eine unendliche Schöpfung entdecken!

Kann man denn etwa weiterhin denken, dass ich mich selbst aufwecke und ich mich selbst animiere, dieses oder jenes zu tun, aufgrund meiner eigenen Fähigkeit…? Weil ich viel Wert bin, oder weil man mich zwingt, oder weil man mich bestraft hat, oder weil es zwingend ist…?

 

Nichts in dem Geschöpften erwacht ohne die Zustimmung des Schöpfer Mysteriums.

Und wenn man uns dieses Privileg gibt, dann müssen wir in Folge dessen ausreichend offen sein… um diese Blume zu sein, die Lächeln erweckt, um dieses Projekt zu sein, das eine Neuheit bedeutet; um geführt zu werden und sich durch eine Ewigkeit…, die weiterhin Vertrauen in uns hat, die sich nicht wie eine Menschheit verhält, geführt zu fühlen!

Soviel wir auch die Schöpfung zähmen wollen, sie ist unbezähmbar.

Es ist die Menschheit, sie domestiziert und sie glaubt, dass sie ein großes Werk vollbracht hat.

 

Die Sinne (span.: ‚sentidos’) geben uns die „Senti-mentalismen[3]“, um unsere wahrhafte Essenz anzustreben:

Diese ewige… diese ewige Wette zu leben, welches uns das Mysterium gibt. Und DAS uns jetzt in dieser Zeit der Menschheit flüsternd zuschreit, dass wir unsere Position angleichen sollen, dass wir unsere Dimension bewerten sollen.

 

 

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[1] Im Original steht ‚propietarismo‘. Dieses Wort existiert so nicht. Gemeint ist neben Eigentum auch Eigentümlichkeit.

[2] „Amanecer“, das steckt das Wort „nacer“, „geboren werden“, „Amar“, „lieben“ drin. Gemeint ist hier: Aus Liebe geboren werden

[3] Neue Wortbildung, die ausdrücken möchte, dass Fühlen und Denken zusammenkommen.