2. Wir sollten das Leben ehren

 

BETENDER RUF

 

Die offensichtliche Vorschrift der Angst, die gesellschaftlich erreicht ist –welche zusätzlich zu der ist, die man vorher alltäglich hatte-, wird mit der persönlichen Gefangennahme amplifiziert. Eine Gefangennahme, die ausgehend vom Strukturellen, dem Häuslichen, dem Individuellen, der Trennung, den Vorurteilen sein kann…

All das bringt das Wesen zu einer Verlorenheit, denn wenn es weiterhin die durch Angst erzeugte Ängstlichkeit kanalisiert, dann ist es weiterhin beschlagnahmt… und infolgedessen kann es (das Wesen), da es bereits gehorsam und eifrigst dem Befehl ergeben ist, in Form von Wut, Traurigkeit oder Verzweiflung eine Flucht hin zu irgendeinem Ort des Bewusstseins provozieren.

Offensichtlich geschieht es unter dieser Charakteristik auch, dass die persönliche Sorge, Beklommenheit, Angespanntheit, das persönliche Vorurteil, die Gewalt… anwachsen. Die Person sucht die persönliche Wichtigkeit, sucht „ihre” persönliche Wichtigkeit, um ihre Vorschläge zu rechtfertigen, und dabei fühlt sie sich gleichzeitig schuldig. Aber sie fordert auch –sie fordert- oder… sie verletzt.

Nach und nach kommt es zu einem Konglomerat an Menschheiten, die auf der Basis der persönlichen Rettung rechtfertigen, um anderen Vorschlägen NICHT ZUZUHÖREN.

Selbstverständlich ist die alltägliche Opferhaltung aufgrund jedweden Umstandes vermehrt! Es existieren keine Kategorien mehr, ob das wichtig ist oder ob das banal ist. Nein, nein. Jetzt kann alles total wichtig sein. Und tatsächlich gehen die Zuneigung, der Respekt, die Vorsicht immer schneller verloren… und jedes Wesen schützt sich in seinem Ghetto, so als ob es nichts und niemals zugehört hätte!

Es errichtet sich als Zentrum und alles muss sich um sein Unglück, seine Sorge, seine Obsession oder seine… Angeberei drehen!

Die Menschheiten zeigen sich unfähig, die Courage, den Wert, den Mut, die Akzeptanz, das Anerkennen wiederaufleben zu lassen, es zu fordern… und ausgehend von all dem ein klarer und bestimmter Wunsch der Veränderung, der Modifikation.

Aber nein. Zwischen den Opferrollen der einen und den Klagen der anderen wird ein Spiel der Damen eingerichtet, die bereit sind, sich zu „fressen“, die bereit sind, auf Distanz zu gehen.

Das Panorama ist nicht –und das steht nicht auf dem Papier-… das Panorama ist nicht weihnachtlich. Nein, nein. Es macht dem geboren zu werden keine Ehre, es macht dem Tagesanbruch keine Ehre.

 

Der Betende Sinn beschreibt uns heute, was geschieht, was uns wahrscheinlich allen bekannt vorkommt und uns als „normale” Reaktionen erscheint, was sicherlich darauf hinweist, das wir verloren haben, dass man die wahrhaften Reaktionen verloren hat: jene, die sich angesichts jedweder Unbequemlichkeit wiederherstellen; jene, die in der Lage sind, die Reaktion der anderen angesichts unserer „anscheinenden“ Normalität zu „respektieren“.

Man hat nach und nach diese ‚klärenden’ Reaktionen verloren, die „tun und tun lassen“. Und es tauchen vielmehr dieser Paternalismus der Regierung und des Staates auf, und das Wesen fängt an, das auszuführen. Und dort tauchen die Gardinen- und Balkon Polizisten[1] auf, die sich dann auf die Allernächsten ausbreiten.

 

Es ist dringend(!) notwendig –fordert uns der Betende Ruf-, es ist dringend notwendig, all diese Elemente aufzulösen und all die Saatkörner aufzusammeln, die in uns gesät wurden! Erneut zuzuhören, was wir gelebt haben, und was befähigend war,  was ermöglichend war, was man aber dort stehen ließ… So als ob nichts geschehen wäre. Und man beachtet vielmehr das, was jetzt geschieht. Aber was jetzt passiert… ist ein winziger Teil dessen, was noch passieren wird.

Und dafür… muss man die ausreichenden Aussichten an Ressourcen dessen haben, was ich von mir kenne und was die anderen von mir kennen.

 

Die Vorsehung versetzt uns in Situationen, in denen unser Kriterium, unser Gesichtspunkt sogar selig scheinen könnten. Und sicherlich ist er das –oder es könnte sein, dass er es ist-, aber gerade wenn es so ist, dann muss man es verstehen zuzuhören, es verstehen die Art von Reaktionen zu sehen, die uns die Umgebung gibt. So wie wir bei vielzähligen Gelegenheiten sagten: die Welt wurde nicht nach unserem Maßstab gemacht; wir müssen uns an die Maßstäbe der Welt anpassen.

Und man hat uns Kapazitäten und Ressourcen dafür gegeben!

Und der Betende Sinn, der Betende Ruf ist unsere prinzipielle Garantie, unsere grundlegende Ressource.

Er ist es, der uns aufdeckt, er ist es, der uns orientiert, er ist es, der uns den Wert offensichtlich macht, damit die Rechtfertigungen verschwinden und damit wir das Tag für Tag verkörpern, jeden Tagesanbruch mit einem neuen Lächeln, mit einem renovierten, wiederherstellenden Verhalten.

Auf dass wir in der Lage sind, diesen Stolz angesichts des Ewigen zu zeigen, nicht gegenüber den anderen! Vor den anderen ist es einfach! Und wenn wir unseren Stolz und unseren Hochmut und unsere persönliche Wichtigkeit vor dem Schöpfer Mysterium präsentieren, dann werden wir wahrscheinlich –fast schon bevor wir beginnen- damit enden, sie aufzulösen. Wir werden damit enden, zu bereuen, indem wir die Vergebung des EWIGEN spüren.

Dort ist es, wo man den Hochmut und die Eitelkeit präsentieren muss. Dort, in diesem Zeugenstand der Schöpfung. Das ist kein alltäglicher Zeugenstand! Dort findet man immer Opfer. Immer.

Umgekehrt, wenn sich diese Vorherrschaft angesichts des Betenden, angesichts des Schöpfermysteriums zeigt… muss man zunächst einmal „in der Lage“ sein –und es ist wichtig, es zu sein- und danach käme… käme(!), kommt(!)… die Loslösung von unserer Vorherrschaft, die sich in einen See der Ruhe verwandelt- „verwandelt in einen See der Ruhe“-, in eine Heiterkeit… überzogen mit Sanftheit!

Man darf nicht der Neigung zur Gewohnheit und den Rechtfertigungen nachgeben, um Haltungen der Ächtung, des Sektentums, tatsächlich reaktionäre Haltungen aufrecht zu erhalten, die nicht das Zusammenleben begünstigen, die nicht dem helfen, dass man teilt.

Dieser Moment der Menschheit bedarf DER ANSTRENGUNG: dass wir unsere Kraft erkennen, unsere Kraft der Liebe. Ja, jene, von der wir wissen, dass wir sie gelebt haben, jene, die wir geteilt haben. Diese liebevolle Kraft, die uns zu Lämmern und zu Wölfen werden lässt. Diese liebevolle Kraft, die glaubt, die an die anderen glaubt, die in die anderen vertraut… auch wenn später das Resultat nicht das Erwartete ist: das ist egal! Das Vertrauen kann nicht konditional sein. Das Vertrauen ist ausdauernd… und formbar.

Bringen wir denn etwa nicht dem Kind dieses kleine Vertrauen entgegen, wenn es helfen möchte? Geben wir denn etwa nicht noch ein bisschen mehr Vertrauen? Misstrauen wir ihm denn etwa, wenn die Tasse kaputtgeht, oder wenn es etwas versteckt, was es ausdrücken sollte? Nein. Wir passen uns an. Ja, wir passen uns an, aber gleichzeitig delegieren wir Verantwortungen.

Ja, wir passen uns an, aber gleichzeitig delegieren wir Verantwortungen.

Das Vertrauen kann auf gar keinen Fall ein Lasso sein, das die Ressourcen der anderen unbrauchbar macht.

 Das Vertrauen ist befreiend, weil es uns fühlen lässt, dass andere an uns glauben, dass sie uns aber nicht dazu zwingen, zu glauben, was sie glauben, klar!

Aus dem Kreuzungsweg mit den Aussichten herauszukommen, all den Ballast dessen loszulassen, was wir kommentiert haben. Es ist die Antwort, die uns das Gebet gibt, es ist die Implosion, die ES uns empfiehlt, um einen qualitativen Sprung in QUALITÄTEN zu machen.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Als Zeichen unseres betenden Zuhörens und infolgedessen unserer Aufmerksamkeit, um das zu inkorporieren, was uns von diesem Ruf der Aufmerksamkeit entspricht… können wir ausrufen:

 

HAB ERBARMEN! HAB ERBARMEN!

(Wir wiederholen das)

 

Ja! Auf der Basis DEINES Betenden Rufs, hab mit allen, die sich in Deinem Mysterium einfinden, Erbarmen, Schöpfer Mysterium. Wir wissen, dass es nicht nötig ist, darum zu bitten, dass es aus DIR ausströmt, wenn wir uns öffnen.

Aber es ist notwendig, sich daran zu erinnern und uns nicht zu schämen, weil wir bitten. Weil es nicht darum geht zu bitten, es geht darum, uns selbst daran zu erinnern, dass das Erbarmen des EWIGEN bereitsteht. Aber wir müssen uns einfinden, um uns zu zeigen, um uns zu sagen, um IHM zu sagen, was bereits bekannt ist. Aber dadurch hören wir uns selbst.

 

Und es ist die alltägliche Anstrengung eines jeden Details, eines jeden Moments, jeder Gelegenheit. Es geht nicht um eine große Veränderung, um die große Strategie… des militärischen Befehls, der anordnet, dass es so oder so gemacht wird. Nein! Das sind die neuen Eitelkeiten und der neue Hochmut.

- Und was kann ich angesichts der Lüge machen?

- Also, dass Du nicht lügst!

- Also… –was für ein Satz(!): also- also die anderen lügen.

- Ah! Das wird in ihrer Verantwortung liegen.

Deswegen werde ich nicht das Vertrauen verlieren. Ich weiß, wie ich willentlich nicht lügen kann.

Soviel Hochmut und Eitelkeit für so viele Dinge und für die kleinen alltäglichen: „Also, ich weiß nicht”, „also ich kann nicht…”

Man muss sich trauen, ein Zeugnis davon zu sein, was wir als Spezies, als Menschheit sind… und nach und nach –jeden Tag- von all den kolonialen und kolonialistischen Anzeichen von Verhaltensweisen ablassen, die die Dankbarkeit suchen, die aber andererseits diejenigen angreifen, die nicht von der eigenen Bande sind.

Traurig. „Traurig.”

Wenn SIE uns doch ins Leben gebracht haben, weil das Vertrauen des EWIGEN offensichtlich ist. Wenn SIE uns doch ins Leben gebracht haben, dann weil SIE uns Ressourcen gegeben haben, um ein Beispiel des Gleichgewichts, der Harmonie zu sein. Wenn SIE uns gebracht haben und uns das Leben erlauben(!)… dann, weil SIE darauf warten, dass wir unsere Mittel, unsere Talente ausbreiten!

 

Wir sollten das Leben ehren, jeden Tag „zu leben”.

Jeder Tagesverlauf, der vergeht, ohne dass man ablöst, ist ein Gewicht mehr, mit dem man weitermacht…

Bitte…!

 

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[1] Menschen, die sich –hinter der Gardine- ans Fenster oder auf den Balkon stellen, um andere zu beobachten, ob sie die derzeitigen Regeln einhalten, und die ggf. bei Nichteinhaltung die Polizei informieren.