20. Das Interesse

 

BETENDER RUF

 

(7 Minuten der Stille)

 

„Wie… wie interessant (span. ‚qué interesante’).” „Welche Interessen (span. ‚qué intereses’?). Welche Zinsen produziert das? (span. ‚¿qué interés produce?‘). „Warum interessieren sie sich für…?”

 

Die Interessen könnten interessante Verhaltensweisen angesichts der Umgebung sein, in der wir uns befinden. Und es gäbe ein Teilen der Interessen.

Aber nach und nach wurden die Interessen… „Zinsen” (span. ‚intereses’): soundso viel Prozent. Und… so wie auch das Sprichwort sagte: „Aus Interesse liebe ich Dich, Inés“[1], um zu zeigen, dass… na gut(!), man zeigt ein Gesicht, ein Verhalten der Zuneigung, zuvorkommend, genussvoll, aber... „im Tausch gegen”… das, was einen interessiert.

Das Interesse verwandelte sich in ein Quantum von Egoismus. Die persönliche Wichtigkeit entwickelte sich immer mehr –für die kulminierenden Momente sowie für die intensiven Depressionen. Das Interessante wurde als ein natürlicher Ausdruck von „dem Neuen”, „dem Unvorhergesehenen”, dem „Entdeckten”, „dem Erforschten“ verbannt… Und immer mehr neigt sich die Spezies hin zu einem bestimmten Interesse –„einer Art von Interesse“-, das Vorteile produziert.

Jene Interessen, die keinen Nutzen produzieren –seien es persönliche oder für die Gruppe, das hängt davon ab- sind einfach nicht interessant und man lässt sie bei Seite.

Wodurch –wodurch-, wenn das so ist, jedes Mal, wenn… –es könnte sein- jedes Mal, wenn wir sehen, dass sich jemand für etwas interessiert, was eine Person macht, muss man denken, dass ihr Interesse wegen des Vorteils ist, den sie aus der Person ziehen kann.

 Gelinde gesagt ist das unangenehmen. Ja, weil die… –ach, wie soll ich es sagen- die Eitelkeit solchen Verhaltens –ja, ein eitles Verhalten- lässt jedwede Selbstlosigkeit und jede Art von spontaner Zuneigung und Sensibilität, die „einfach so“ da ist, erlöschen. Weil die keinen Vorteil, nicht das Interesse, den Gewinn sucht (die Selbstlosigkeit).

 

Nach und nach –wenn wir da einmal genau hinsehen kann das übertrieben scheinen, das zu sagen, nicht(?)- verwandelt sich jedes Wesen in einen kleinen Banker. Angesichts der gewöhnlichen Vorurteile und… der Handhabung der Interessen, verwandelt sich das Wesen in einen kleinen Ausbeuter, was dasselbe wäre, wenn man sagt: „In einen kleinen Diktator.“

Können wir demnach sagen, dass das klare und transparente Interesse, das weder Gewinn noch Vorteil sucht, nicht existiert?

Soviel zu sagen, dass es nicht existiert… nein. So sehr, um das zu sagen, nicht. Aber es wird immer weniger, ja.

 

Diese Überlegungen –vom betenden Gesichtspunkt aus- muss der Mensch platzieren, er muss sie… minutiös aufnehmen und sie in seinen alltäglichen Verhaltensweisen anwenden, nicht dass sein Interesse, ohne es zu bemerken, einzig nutznießerisch, gewinnträchtig, egoistisch ist. Da diese Position zunimmt –na gut(!), sie hat zugenommen- ist es leicht, das nicht zu bemerken, weil die Umgebung in dieser Art und Weise handelt.

 

Wie man ableiten kann, variiert das Interesse je nach Gewinn und Vorteil, den man erreicht: man kann sich einige Zeit in einer Richtung befinden, aber dann taucht eine andere Gelegenheit auf…

- Ah! Das ist so ähnlich wie die Börse!

- Ja: Banker, Bank, Börse… Ja. Es taucht ein interessanteres Produkt auf, also interessiert Dich das, was Du hattest, nicht mehr, weil das, was man Dir anbietet oder das, was auftaucht, oder das, welches Du entdeckst…. mehr Vorteile produziert.

 

Ach! Was für schlechte Zeiten für die Treue! Wenn man davon ausgeht, dass sie für etwas nützlich ist! Weil die Treue unter dem Gesichtspunkt des Gewinns stört.

Schlechte Zeiten für die Ausdauer, denn wenn das Interesse den Gewinn und den Vorteil sucht, dann ist man angesichts der Schwierigkeiten nicht sehr bereitwillig weiterzumachen. Man sucht ganz schnell… den Vorteil.

 

Mit Furcht könnte man auch sagen, dass… es schlechte Zeiten für die Zuneigungen sind! Wenn die Beziehung keine Vorteile unterschiedlicher Qualitäten für die einen oder die anderen produziert, mmm...

Wir könnten sagen –unter dieser erweiterten Sichtweise- dass das Leben unter dem menschlichen Gesichtspunkt eines gewöhnlichen Alltags, quantifiziert wurde. „Menge.”

Er hat Qualitäten, ja. Er hätte sich qualifizieren können. Aber nein. Die augenscheinliche und offensichtliche Tendenz ist die Quantifizierung von: „So viel hast Du, soviel bist Du wert”, „Deine Produktivität”, „Deine Rentabilität”, „für alle Fälle”, „Deine Sicherheit”...

Das sind Termini, die… sogar denjenigen „größer machen”, der sie praktiziert.

 

Das Solidarische, das Anpassungsfähige, das Schlichte… die Bescheidenheit? Nein. Daran erinnert man sich nicht viel.

Die Interessen erreichen selbstverständlich auch das „Qualifizierte”, um es dann quantifiziert zu machen, klar. Demnach ist es in den spirituellen, religiösen, meditativen Bereichen etc. normal, die Konversation über den Gewinn und den Vorteil vorzufinden, den mir diese oder jene Praktik verschafft, und ich mache sie häufig, weil mich das wegen des Vorteils, den es mir verschafft, interessiert.

Das kann sehr egoistisch klingen!

Das ist es.

Natürlich gibt es Verhältnismäßigkeiten.

Alles ist so unverhältnismäßig…

Und es ist nicht dasselbe, wenn sich José und María scheiden lassen und sich ein Apartment von 50 Quadratmetern aufteilen und sich den Krieg erklären, weil sie nicht damit einverstanden sind, zum Beispiel die Heizung zu zahlen oder irgendeine andere Sache, wie wenn sich „Bill Gates und y Melinda” –wie nett (span. ‚qué linda‘), nicht wahr(?)- scheiden lassen. Gemäß der Weltpresse, „die menschenfreundlichste Gesellschaft der Welt –unglaublich(!)- wegen alldem, was sie für die Gesellschaft beiträgt und ihr gibt, etc., etc., etc.”

Man könnte meinen, dass das mit José und Maria, dass… sie nicht mehr hergeben und dass sie sich um das Apartment von 50 Quadratmetern streiten und sehen, wer sich kümmert um… Aber dass sie Milliarden teilen? Wie hässlich, nicht? Es war das ideale Ehemodell (span. ‚matri-monio’) oder Kulturerbe (span. ‚patrimonio’)? Ah! Vielleicht waren die beiden Sachen das. Vielleicht ist die Ehe (span. ‚matrimonio’)  ein Kulturerbe (span. ‚patrimonio’).

Auf jeden Fall stellt der Betende Sinn die… Intention unserer Interessen in Frage und weist darauf hin.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Da er dahin gekommen ist –so wie wir vor einem Augenblick begannen- das Qualifizierbare zu quantifizieren, wie es die Zuneigung, das Emotionale, das Spirituelle sind –bei dem man auch den Gewinn, den Vorteil sucht-…. muss der Mensch einen Moment in seiner Gier zu hamstern, zu haben, aufzusammeln und… alle Ressourcen besitzen zu wollen innehalten und sich angesichts des Spirituellen, Betenden(!)… zu einem bescheidenen Diener, einem bescheidenen Gehorsamen, zu einem bescheidenen… Unterwürfigen demgegenüber machen, was er entdeckt, wenn er sich zum Beten einfindet.

Aber es handelt sich nicht um eine Bescheidenheit im alltäglichen Gebrauch. Nein, nein! Das ist eine andere Bescheidenheit. Eine andere, in der sich… der Mensch in einem Grad der Unterwerfung zeigt, in der er nichts zu meinen hat, nichts zu sagen hat, nichts beizutragen hat, nichts, was er besitzen könnte.

Das ist, als ob man in anderen verständlicheren Termini sagen wollte: Angesichts der Betenden Botschaft, angesichts des Betenden Rufs… ist niemand irgendetwas.

Weil es auch geschieht, dass… auf der Basis der persönlichen Wichtigkeit, die Wesen das Gebet anhäufen und sie in sich aufnehmen. Nicht nur aufgrund ihres Interesses, sondern aufgrund dessen, es besitzen zu wollen.

Der Betende Sinn ist… ein klarsichtiger Funke. Ein einzigartiger und unwiederholbarer Moment, der beabsichtigt, die Dunkelheiten des Egoismus, der Eitelkeit, des Hochmuts zu beleuchten. Der danach sucht, das Wesen in dem unendlichen Universum zu amplifizieren, es von dem Joch seiner „Interessen“… zu befreien, und damit es sich erlaubt, sich traut(!), den Mut hat(!)… ehrlich vor sich selbst zu werden, sich zu zeigen und sich anzupassen.

 

(4 Minuten der Stille)

 

Das subtile Aroma eines Fühlens ohne Gewinn…

Die Qualität… der Zuneigung zu zeigen, ohne zu erwarten, ohne zu erlangen oder zu erreichen.

Sich hinzugeben zu lieben (span. ‚en el Amar’), so wie es der auf hoher See macht (span. ‚en alta mar’)… ohne Bezugspunkte der Küste, mit… einfach nur…  den unendlichen Horizonten, die sich immer mehr entfernen.

Aus dem Leben eine Poesie machen, die… nicht strebt (span. ‚aspira‘), die seufzt (span. ‚suspira’)!

 

Zur Illusion werden… gegenüber dem, was man realisiert und sich freuen über das, was man visualisiert.

Enthusiastisch ohne Gewinne sein…!

Aaach! Und sich geben und empfangen… ohne zu erwarten.

All das sind betende Anregungen angesichts der unaufhörlichen Tendenz des rentablen, des gewinnträchtigen, des besetzenden Interesses, Gewinner.

 

Auf dass der Wind unsere Flüge bewege. Wir beabsichtigen nicht zu flattern, um den Wind zu erzeugen.

 

 

***

 


[1]Por el interés te quiero, Andrés.”  Das ist der Originalsatz: „Aus Interesse liebe ich dich Andres.“ Übersetzung hat den Namen verändert, damit sich der Satz –wie im Original- reimt.

19. Das Bewusstsein zu leben hängt nicht vom Wesen ab. Es ist die Schöpfung

 

BETENDER RUF

 

Und das gewöhnliche Resultat der bewussten Prozesse ist die…  Sorge (span. „Preocupación”[1]).

Der alltägliche Wachzustand ist voll von Sorgen, Vorbeugungen, Misstrauen, Ängsten… Diese intensive Sorge wegen jedwedem Detail oder Motiv, wird den nebligen Tagen, denen des schwachen Lichts ähnlich, an denen sich kein klarer Tagesanbruch zeigt.

Und wo sind sie –das muss man fragen-… wo sind die Momente, die Umstände, die Ereignisse, die wir als „erfreulich“, „vorteilhaft”, „fröhlich” bezeichnen könnten…?

Ja! Wahrscheinlich, wenn man fragte und sich fragte, wird man „einige“ sehen. Aber was für eine Auswirkung, was für eine Wichtigkeit haben sie in dem alltäglichen Bewusstsein der Sorge (span. „preocupación‘) Sofort taucht wie ein beunruhigender Schatten auf: „Und dann? Und dann? Und danach…? Ja, das ist es… aber… und danach?” Das „Danach” wird immer zum Halbdunkel und zur Unruhe.

Der alltägliche Moment des Details, der Verbesserung, der privilegierten Situation… in Bezug auf andere Situationen, Personen oder Ereignisse, erscheint kaum.

 

In dieser Sorge werden sich auch… werden sich Vorbilder der Verzweiflung, Vorbilder unlösbarer Situationen, Formen des Missfallens, Formen der Antipathie zu leben einstellen.

Die kontinuierliche Forderung, dass die Welt nach meinem Maß gemacht werden möge, dringt von allen Seiten ein. Und in irgendeinem Maße versucht jedes Wesen, dass es so sei und organisiert sein Netz, damit die Welt unter seiner Perspektive gesehen werde: „Das ist so und so und so und so.“

Und die Form-Norm (span. ‚horma-norma‘)… wird zu Zement (span. ‚hormigón)! Und unter der Verteidigung, dass sich jeder einzelne entwickelt und das Leben in einer bestimmten Form sieht, endet man –also im allgemeinen- mit einer desaströsen Vision.

Und so ist es wie man für gewöhnlich zum Betenden Ruf kommt: mit der Besonderheit, dass, obwohl man um nichts Konkretes bittet, es eine vergrabene Klage  gibt von: „Warum passiert mir das”, „warum passiert das andere, „warum…”, „und das, was bedeutet das… und warum.“ Aber immer sind die „Warums” auf Kosten von Sorgen. Nein, es sind nicht die „Warums“ von: „Wow! Und dieses so außergewöhnliche, das mir geschieht…”, „dieser detaillierte Zwischenfall von… uff!”… und so nach und nach, das ist nicht die gewöhnliche Präsentationskarte angesichts des Betenden Rufs.

Der ruft, um zu geben, der ruft, um zu hüten, der ruft, um zu klären, der ruft, um… das Leben „mit Würde auszustatten“. Der ruft, um die Ego-Selbstverherrlichende Forderung eines jeden Wesens zu formen, das für gewöhnlich in Unzufriedenheit lebt(!) und das so wenig dankt…. so wenig dankt und in seinem alltäglichen Verhalten so wenig Tugend zeigt.

Eingeschlossen die Mutigsten finden sofort die Bremse, die bewirkt, dass sie sich  zurückziehen, dass sie sich zusammenziehen, das sie sich auf das Konzept beschränken, dass alles schlecht ist, es sei denn, dass es noch schlechter wird.

 

Der Betende Sinn treibt uns an, die Details und die Alltäglichkeiten zu rekapitulieren, die gelebt werden, die ein Motiv zum Lächeln, der Illusion darstellen. Denn es existiert auch die Phantasie, die Vorstellungskraft…! Es existiert nicht nur die Kritik, die Beleidigung, das aggressive Verhalten… auch wenn das noch so wohltuend ist.

 

Die Güte, das Erbarmen, die Barmherzigkeit überfluten uns und sie sind die ‚Feger‘, die uns dazu bringen, zu einem alltäglichen Enthusiasmus zu werden und die uns zu einem alltäglichen Enthusiasmus veranlassen, nicht hin zu einem apathischen Erleben des Missfallens. Des Missfallens, das sich in Dogma verwandelt, in „so ist es eben”.

 

Das Bewusstsein zu leben –in sehr unterschiedlichen Formen- hängt nicht vom Wesen ab.

Aber ja, es, das Wesen, hat aufgrund seines Bewusstseins zu leben die Fähigkeit und die Möglichkeit, seine Art und Weise des Daseins zu modulieren.

Und anstatt das wie eine weitere Gelegenheit innerhalb des Lebens zu sehen, betrachtet es das Wesen und nimmt es das als eine Macht an, die aus seinem Wesen ausströmt. Und in dieser Form eliminiert es, untergräbt es diese Barmherzigkeit, diese Güte, dieses Erbarmen oder er eliminiert sie. Und diese Form eliminiert, untergräbt oder distanziert sich von dieser Barmherzigkeit, dieser Güte, diesem Erbarmen.

 

Der Betende Ruf erinnert uns, dass das Bewusstsein zu leben aus der Schöpfung kommt. Dass die Möglichkeit, es zu regulieren, zu modulieren, Teil dieses „Don Schöpfers” ist, das aber auf keinen Fall die Essenz des Lebens aus dem Schöpfer Mysterium ersetzt.

Von daher erinnert uns das Gebet daran, dass unsere ‚preocupatriz[2]’, besorgte, besorgniserregende, kontinuierliche und ausdauernde Möglichkeit… zumindest überdacht werden muss. Weil diese Möglichkeit sicherlich voll des magischen Wunders sein muss, dass ich da bin, über mein Bewusstsein, meine Fähigkeiten, meine Ressourcen, meine Möglichkeiten, Einfluss darauf zu haben, das alltägliche Geschenk des Tagesanbruchs kontemplieren und darüber meditieren zu können.

 

Wir sollten den Raum des Besorgniserregenden mit den Gaben, den Möglichkeiten, den Ressourcen, den Umständen, den Momenten ausfüllen.

Wir sollten keine Räume ausfüllen, die nicht uns gehören.

Wir sollten im Sinne unserer Ressourcen, der Forderung der Notwendigkeiten tun.

Diese permanente Sorge bringt uns dazu, vorzeitig zu sterben, in einem Universum „ohne Grenzen“.

Verheerende Position.

 

(7 Minuten der Stille)

 

In einer einzigen Einheit zwischen dem Sinn des Fühlens der Richtungen zu reiten, mit den Begründungen, sie zu ordnen, um ihnen –der Gesamtheit- eine Kreativität und einen klaren… neuheitlichen… enthusiastischen Beitrag zu geben…

 

(7 Minuten der Stille)

 

Die „Frohe Botschaft” ist permanent gegenwärtig. Demgegenüber wachsam zu sein, schenkt uns einen befreienden Zustand, um uns in kontinuierlicher Weise zu erneuern…

Und damit die Anfragen jedweder Art, die auftauchen, mit dieser barmherzigen, gütigen und erbarmungsvollen Aussicht des Schöpfer Mysteriums angegangen werden.

 

 

***

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


[1] Preocupación beinhaltet, dass man sich Sorgen macht, bevor… etwas eintritt oder geschieht, sich ereignet

[2] Nicht zu übersetzende neue Wortbildung

19. Das Bewusstsein zu leben hängt nicht vom Wesen ab. Es ist die Schöpfung.