1. Als Spezies haben wir einen Weg, wir haben etwas, was auf uns zukommt

 

BETENDER RUF

 

(4 Minuten der Stille)

 

Man sagt für umgangssprachlich, dass jedes Wesen, jede Person „eine Welt” ist. „Eine Welt“… vielleicht als Anspielung darauf –ohne es zu wollen-, dass jedes Wesen ein Mikrokosmos ist.

Jedes Wesen ist eine Welt, ja. Und in diesem Sinne könnte man sagen, dass es Acht Milliarden Menschen gibt.

Aber wenn man das in einen mehr gesellschaftlichen Sinn ausweitet, gibt es Welten innerhalb anderer Welten. Wie zum Beispiel die Welt der Armen, die Welt der Reichen, die Welt der Emigranten, die Welt der Künstler, die Welt der Vagabunden, die Welt der Pilger… Das ist endlos.

Und es scheint so –es scheint so und in der Praxis ist es so-, dass jede Welt ihre Kodexe, ihre Normen, ihre Sitten, ihre Gesetze, ihre Dogmen hat. Und na gut, sie hat einen gewissen Kontakt mit anderen Welten. Und der Pilger hat Kontakt mit den Autoritäten, und die Autoritäten hat Kontakt mit den Politikern, und die Politiker haben Kontakt mit den Bankiers. Aber die Bauern haben keinen Kontakt mit den Bankiers, ausgenommen, wenn sie die Bankiers die Bauern ausbeuten. Und so weiter und sofort. Die Kontaktpunkte der unterschiedlichen Welten sind… –wir sagen- die absolut notwendigen und genauen; bis zu dem Punkt, dass es unterschiedliche Welten sind, mit unterschiedlichen Regeln, mit unterschiedlichem Status.

Und so ist es, dass in jedem Weltstatus Wesen geboren werden, wachsen, sich vermehren und verschwinden, indem sie –als Gruppe- einen minimalen Kontakt halten.

Die Globalisierung erlaubte –oder „erreichte“, besser gesagt- eine große Welt zu schaffen, die alle kleinen Welten –die unendlichen Welten oder die gesellschaftlichen Welten- umfasst. Es war die Umhüllung… oder es ist die Umhüllung der Welt, die praktisch alle Welten umhüllt. Und die nicht nur in den Bewegungen, in den Aktivitäten jeder Welt –im Handel, in den Geschäften…- verbleibt, sondern die auch in das Bewusstsein eindringt, nicht wahr? Die Propaganda, die Information, das Marketing, die Meinung…

Und es entsteht nach und nach eine Globalisierung der Meinungen, der  „uniformen” Glaubensvorstellungen, so als ob man uns wirklich uniformiert hätte, als ob man uns dieselbe Kleidung angezogen hätte, zumindest in den bezeichnendsten Dingen.

Genauso wie es für das Reisen notwendig ist, einen Reisepass zu haben und alle, die reisen, haben ihren Reisepass dabei.

Ja. Es gibt eine Gruppe von Personen, die durch falsche Grenzen reinkommen, etc. aber das sind die Wenigsten.

Wie hat man das erreicht?

Zweifellos durch die bewusste und unbewusste Transformation eines rentablen, bequemen, sesshaften, konkurrierenden, Lebensstils.

Und das durchdrang, durchdrang diese Globalisierung wie etwas Notwendiges. Das war die sogenannte „Lebensqualität“: Sicherheit, Arbeit, Komfort, Wohlstand, Zeitvertreib… Pensionierung und Verschwinden. Alles in allem ein Modell der Offensichtlichkeit.

Und wenn man es so darstellt, klar, dann wird die Globalisierung  so hieb- und stichfest, dass es schwierig ist, auf sie zu verzichten. Außerdem gibt es nicht viel Raum für eine andere Wahl oder Möglichkeiten. Alles muss kalkuliert und… gewinnbringend sein.

 

Der Betende Ruf beschert uns diese sehr synthetische Präsentation des Zustandes, in dem wir uns, durch die menschliche Dynamik eingehüllt, vorfinden.

Und wir fragen uns, betend, ob dieser aktuelle Schritt ein zwingender Schritt ist…  –es scheint so, dass es so ist- oder ist es ein Schritt, den man bekämpfen muss, oder ist es ein Schritt, vor dem man sich verteidigen muss?

Weil diese menschliche Konditionierung von denen geschaffen wurde, die sich für Privilegierte, Dominierende und Überzeugende hielten. Sie haben es nach und nach eingeführt, aber… in Eile. Man hat es in dieser Globalisierung geschafft, den ausreichenden Konkurrenzkampf einzuführen, damit der Gewinn, die „Spitzenleistung” –in Anführungsstrichen- jedweder Aktivität vorteilhaft ist, um diesen Status, in dem wir uns befinden, aufrecht zu erhalten.

 

Der Betende Ruf weist uns darauf hin, dass diese Situation Teil des Weges bildet, dem die Spezies folgt. Dass sich das Schöpfer Mysterium all dessen bewusst ist. Dass es keine speziellen Menschheitsleistungen gibt –einige ragen schon mehr heraus als andere-, die das Schöpferbewusstsein ersetzen. Sie können SIE scheinbar ersetzen, aber das ist Teil –einer mehr- des egozentrischen Ausdrucks.

Diese Ausnahme ist wichtig, damit man gerade nicht in das verfällt, was vorgeschlagen wird, nämlich: Wettbewerb, Konkurrenzkampf, Kampf. Und es –kurz und gut- in „die Guten und die Schlechten” zu trennen, mit dem Trost, dass am Ende –hey(!) am Ende- die Guten die Schlechten besiegen werden. Aber bis dahin gewinnen immer die Schlechten.

 

Der Betende Ruf ruft uns, dass wir dieses konkurrierende Bewusstsein, diesen „Kampf gegen” die Lüge, die Egozentrik, die Selbstverherrlichung, die Straflosigkeit ablegen… Das ist es genau, was in dieser Globalisierung beabsichtigt wird. Aber jeder einzelne von uns und wir alle sind Zugehörige der Menschheit: wir werden geboren (span.: ‚nacer‘), bei jedem Tagesanbruch (span.: ‚amanecer‘), dank „der Liebe des Schöpfer Mysteriums“.

Es gibt nicht die einen, die schlechter sind und die anderen, die besser sind. Das kann Wert für den Kindergarten haben. Aber wenn dann das Wesen ein gewisses Erwachsenenalter erreicht hat, welches vor der Kompensation des Lebens im Alter ist –was eine andere Auffassung ist, klar-, also in diesem Erwachsenenalter muss man wachsam sein muss, damit man nicht in diesen Kampf ‚gegen‘ eintritt, zu wissen, dass diese anderen Welten, die erobern wollen und erobern und welche diese anderen Welten  dominieren, Teil der Dynamik der Spezies sind.

Es ist eine neue Gelegenheit zu lernen, dass man von der Strategie, das Schöpfer Mysterium ersetzen zu wollen, die Göttliche Vorsehung ersetzen zu wollen, ersetzen zu wollen…–ohne Macht (span.: ‚poder’)- ablassen kann.

Was möglich ist. Was auf der Basis möglich ist, dass jedes Wesen erwacht und es bemerkt.

Auch wenn es im Alltäglichen kritisiert und das Katastrophale hervorhebt oder das, was ihm unangemessen erscheint. Ja, das ist… peccata minuta.

Das bezeichnend Transzendente ist –ermahnt uns der Betende Ruf-, dass man das Bewusstsein haben muss, dass wir zur Entwicklung des Bewusstseins als Universum erwachen, mit den vielfältigen Facetten eines Polyeders von unendlichen Seiten. Und das es notwendig ist… all jenes zu berücksichtigen, was diese Vision der Menschheit, meiner Spezies, verhindert, ohne das zu verurteilen, ohne das zu kritisieren.

Und wenn ich weiß, dass ich nicht ersetzen soll, dass ich nicht konkurrieren soll, dass ich mir nicht aneignen soll, dass ich es mir nicht bequem machen soll, dass ich nicht sesshaft werden soll und ich das in die Tat umsetze… –ich das praktiziere(!)- in diesem Sinne ist es offensichtlich –zumindest für den Betenden- dass die Situation, die Situationen, die Erlebnisse sich verändern.

 

Wenn ich versuche, jeden kleinen, großen Schaden –der angesichts unseres Bewusstseins so aussieht- zu kompensieren, indem ich ihn bekämpfe und indem ich eine –in Anführungsstrichen- „bessere“ Situation herstellen, werde ich damit enden, etwas Ähnliches zu machen.

Wenn ich mich umgekehrt als Wesen des Universums in diesem „Roaming”, in diesem Verstreichen, in diesem Dienen, in dieser Bescheidenheit, in diesem Engagement, in dieser Freude, weil ich fühlen kann positioniere, wird diese ganze Fülle, diese ganze Fülle der Ereignisse auf diese Globalisierung einwirken.

Wir wissen bereits, dass wir nicht sagen können: „Also ich kann nichts machen.“ Falsch: ich kann (span. ‚puedo‘)! Aber nicht ich kann (span. ‚puedo‘) von Macht (span. ‚poder‘). Es ist ein „ich kann” der Transfiguration meiner Positionen, um mich in eine andere Sphäre der Vibration zu versetzen… in der ich mich als eine Wesenheit der Schöpfung fühlen kann. Und in der ich das Geschöpfte als… etwas Notwendiges, etwas Unverzichtbares ansehe, um einen Weg des Zusammenlebens aufzustellen, der es uns erlaubt, jeden Tag mit einer alltäglichen Hoffnung weiterzumachen. Die Grimasse der Klage, des Desinteresses, der Apathie, des „die Welt ist so…”, des dogmatischen Sinns eines jeden Wortes, des kontinuierlichen Verbesserns dessen, was der oder jene oder der andere sagt, wegnehmen.

Die Spezies kümmert sich mehr darum nicht übereinzustimmen, als zu Übereinstimmungen zu kommen.

Und es scheint, dass der eine auf der Jagd nach dem anderen wäre: von der Religion her, politisch, gesellschaftlich, vom Zusammenleben her; man wartet darauf, dass es den kleinsten –in Anführungsstrichen- „Irrtum“ gibt, um zu bemerken, um hinzuweisen, um anzumerken, um zu korrigieren.

 

Wie leicht ist es zu diskutieren! Wie leicht ist es zu stören! Wie leicht ist es, ein Bein zu stellen. Wie leicht ist es zu spekulieren, sich auszudenken, was es nicht ist. Und die Geschichte zu verändern...! Denn da ich nicht weiß und kein Bewusstsein von dem habe, was geschieht, was verstreicht, wird mein Tun und mein Dasein geführt durch diese Bezugssysteme, die, da sie falsch oder modifiziert sind, offensichtlich meinen Weg verfälschen und modifizieren.

Wir als Spezies, die Achtmilliarden, Neunmilliarden, Zehnmilliarden, haben einen Weg(!): eine Vieldimensionierte Spezies. Wir haben eine „Zukunft“. Und diese Zukunft der Spezies müssen wir unter dem Betenden Sinn des Schöpfer Mysteriums in uns aufnehmen. Und in dieser Zukunft der Spezies, ja, da werden wir eine Vielzahl an Details entdecken, die wir zu korrigieren, zu variieren haben. Aber wir können nicht in dem Kampf und in der permanenten Belagerung verbleiben, weil das nicht das Beispiel ist, dass uns das Universum gibt –auch wenn wir es von hier aus als ein altes, greisenhaftes Universum interpretieren können, dass vorbeigeht, das… einer anderen Sache Ursprung geben wird, von der wir nicht wissen, was es ist, aber über die wir uns nicht trauen, einfach so zu spekulieren.

 

Dieses Bewusstsein von „Projekt der Spezies”… erweitert unser alltägliches Bewusstsein und bewirkt, dass wir auf die Tugenden und die Fähigkeit der anderen schauen, mehr als auf die Defekte und die Irrtümer und die kontinuierlichen Berichtigungen.

 

Wir könnten schon sagen, dass es ausreichend Erfahrung gibt, um zu wissen, dass uns die Konfrontation und der Konkurrenzkampf zum Niedergang bringen. Aber es scheint so, dass es noch ein größerer ‚verschlechternder’ Einfluss notwendig ist, damit wir bemerken, dass es nicht dort langgeht.

Der Betende muss sich dessen bewusst werden: „Es geht nicht dort lang.“ Und in dem Maße, wie wir das praktizieren, dass es „nicht dort langgeht”, verbünden wir uns, wir vereinen uns, wir leben zusammen, wir respektieren uns, wir schätzen uns, wir bewundern einander.

Kann man das denn etwa nicht tun!? Es scheint so, als wären wir dazu verurteilt zu kritisieren, zu verfolgen, zu bestrafen, zu berichtigen, aufzuzwingen …!

Soviel, soviel(!)…  Soviel haben uns andere angewöhnt, so wie wir andere!?

Es scheint, als wäre es ein Irrtum oder eine Sünde, die Tugenden von dem einen und dem andern zu verherrlichen oder zu würdigen. Das, was gut durchgeführt wurde, zu respektieren und zu bewundern. Das ist ein Zusammenleben, ohne zu konkurrieren!

Es scheint so, als würde man sich schämen –„es scheint so, als würde man sich schämen”- und als ob wir die Hegemonie verlieren würden und wir die Autorität verlieren würden, wenn wir nicht miteinander konkurrieren, nicht befehlen, nicht anordnen…

 

Muss man sich schämen, wenn man vorsichtig ist? Ist es eine Schande, die Intimität zu respektieren? Ist es schändlich, sich nicht zu streiten? Ist es schlecht, wenn man es versteht, die Stille zu kultivieren? Ist man feige, wenn man dem Kampf ausweicht...?

Es werden nach und nach mit so viel Stärke und Kraft Vorschriften eingeführt, dass es schwierig ist, nicht auf sie reinzufallen. Aber der Betende Ruf ist da, um uns darauf hinzuweisen, um uns in Bezug auf unsere Beschaffenheit, auf unser Bewusstsein als Spezies zuzuflüstern oder zuzuschreiben, das durch die Vorsehung geführt wird. Wir sind da… mit unseren ganzen Ausschweifungen, Produkt des Neides auf die Schöpfung, Produkt des Neides auf… auf die Verschwendung der Schöpfer Liebe.

 

Die Spezies ist nicht bis hier gekommen –sagt uns der Betende Sinn-, um aufzugeben. Sie ist nicht bis hier in dem Lebendigen gekommen, um sich auszurotten. Sie ist hierhergekommen, um sich zu läutern, um sich zu erkennen, um sich zu entdecken, um sich zu klären, um sich „zu beleben“: aus dem Leben einen Kult zu machen.

Unser Bewusstsein als Spezies ist nicht bis hierhergekommen, um Lebensmüdigkeit zu fühlen und um die kriegerische, verschlagene oder maskierte Euthanasie zu bitten.

Nein. Der betende Ruf sagt uns, dass wir bis hierhergekommen sind, weil wir, wenn wir den Mustern, die wir als Spezies aufrechterhalten haben, folgen, bemerken können, dass es nicht die sind, die uns entsprechen; dass wir diesen Motor, der einen Kolbenfresser hat, der Symptome der Müdigkeit, der Schwäche und der Verzweiflung hat, berichtigen müssen: wir müssen ihn sauber machen, ihn korrigieren, ihn polieren… damit die Kurbeln wieder natürlich mit Präzision fließen.

Ein Bewusstsein einer neuen Spezies.

Ja: eine neue Geburt, eine transfigurierte Position, die mit jedem Wesen beginnt…(!) und die sich von einem zum anderen überträgt. Die weder besiegen (span.: ‚vencer’) muss noch überzeugt werden (span.: ‚convencer’) muss. Sie muss es verstehen, in der intimen Präsenz und in den gemeinschaftlichen solidarischen Taten des Wesens zu bleiben, die nicht zerstritten sind…; die uns zu einem Konsens der Universalität rufen.

Und dann werden wir die Verfehlungen bloßstellen, klar, aber ohne zu dogmatisieren, ohne zu beschuldigen(!), indem wir die Verantwortungen anfordern und die Berichtigungen, die Korrekturen erleichtern.

Korrigieren wir denn vielleicht nicht eins ums andere Mal das Kleine in seiner Entwicklung? Eins ums andere Mal –in Anführungsstrichen- „überschreitet” das Kleine die Normen und es macht sich dreckig und fällt immer wieder hin. Aber… die Liebe, die wir diesem Wesen gegenüber fühlen erlaubt es uns, es sauber zu machen, es wieder hochzuheben, damit es wieder spielen kann, um sich nicht dreckig zu machen und nicht hinzufallen.

Und die Belohnung eines Lächelns, einer komplizenhaften ‚Köstlichkeit’                        –„Köstlichkeit” von: das schmeckt mir, zu sehen.

 

 

Wir befinden uns an den Toren zu einer Großen Chance, zur Großen Gelegenheit zu überdenken, uns als Spezies bewusst zu werden; den bis jetzt zurückgelegten Weg  zu akzeptieren und uns als Erben von transzendentalen Veränderungen zu wissen…, die uns zu anderen Dimensionen führen.

Es ist jetzt.

Und in dem Betenden Ruf werden wir immer dieses Echo anderer Perspektiven haben, die sich aber an unser Verstehen, an unser Wissen, an unser Fühlen koppeln, damit wir diese modifizierte Transfiguration machen. Damit wir von diesem Globus abspringen. Damit wir das „Freigelassene“ als wahrhafte Option annehmen. Und wenn wir bis hierhergekommen sind, dann deswegen, weil es… die unglaubliche Vorsehung so wollte.

Und in IHREN betenden Gaben fordert SIE … als Teil unseres Verlaufs Modifizierungen. Weil wir im Bewusstsein bereit dafür sind…

Ja.

Erbarmen, Erbarmen, Erbarmen…

 

 

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