12. Sich als befreite Beschaffenheit und als befreiende Präsenz zu fühlen

 

BETENDER RUF

 

(4 Min. der Stille)

 

Ohne das Warum zu kennen und was das Leben ist…

Ohne zu wissen, warum wir uns an diesem Ort befinden…  

Ohne zu wissen, warum dieser… diese und jene Orte entstanden sind, die noch vor dem Tagesanbruch blinzeln.

Es ist nicht… –und so können wir es nachprüfen- es ist nicht das Wissen, welches uns das Bewusstsein da zu sein gibt. Es ist nicht das Wissen, das uns unser Erwachen zeigt.

Ach! Und dieser Sinn des Betenden Rufs betont, dass wir uns des SINNGEFÜLLTEN FÜHLENS bewusst werden müssen, welches uns die Offensichtlichkeit unserer Stille, unseres Gesangs, unseres Wortes gibt…, während das WISSEN versucht, zu erklären, zu lenken, zu manipulieren, zu kontrollieren.

Es scheint so, dass wir niemals dahin kommen werden zu wissen, wer wir sind            aber schon dahin –„zu wissen“-, dass wir sind.

Von daher ist die Betonung und die Obsession, eine Erklärung für jedwede Idee zu geben immer vernichtender. Ja, weil sich eine Leere des Fühlens öffnet. Weil uns das theoretische Wissen nicht befriedigt, uns nicht gefällt.

 

Wir kommen zu den Punkten, in denen man sich kontinuierlich nach „den Warums” fragt, um so kontrollieren und um dominieren zu können, was geschieht. Und wir entfernen uns mehr vom Fühlen, vom Mysterium und von dem Unzugänglichen.

Und das verwandelt uns… in mechanische Lehrer eines Zusammenlebens.

 

Ich bin da –sage ich mir- gefühlt!Worin und in dem Wie und dem Warum… ist mir unbekannt.

Meine Funktion ist nicht… ZU WISSEN.

Es ist das DASEIN  und DAS FÜHLEN.

Es ist das, mich als ein notwendiges Mysterium zu entdecken… damit Sie mich entdecken, damit ich mich entdecken(!), in einer Unendlichkeit von Ereignissen.

Die Regelungen, mich durch meinen Namen, durch meinen Nachnamen, durch mein Alter, durch meinen Beruf zu erklären… sind reine Zwangsmaßnahmen, sind Kontroll-maßnahmen.

Das Standesregister weiß wer Du bist. Es hat Dir einen Namen gegeben, Du lebst in einer Straße, Du wohnst an einem Ort, Du hast jene Arbeit. Und so formte sich nach und nach eine rational, logische Struktur… die versucht, die ‚Maschinenhaften’ Bewegungen des Verstandes mit Verbindungen von Zuneigungen zu formen, die in Familien kulminieren…;  welche ein kontinuierlicher Konflikt sind, denn sie fordern ihre Güter, ihre Gaben, ihre Ziele, ihren Namen…

Und so findet sich das Wesen der Menschheit ‚Konflikt auslösend’, konfliktiv vor…

„Gefangen.“

Ja. Der Betende Sinn zeigt uns ein durch seine eigenen Ressourcen gefangenes Wesen. Ein durch seine Eitelkeit, seinen Verstand, seinen Hochmut, seine Wahrheit gefangenes Wesen. Ein durch Erpressungen, durch Bedrohungen gefangenes Wesen… in mehr oder weniger großem Umfang, das ist egal.

Und wenn sich das Wesen vornimmt sich zu „ent-binden”, dann wartet das Betende rufend, damit sich das Wesen als Mysterium, als eine permanente Neuheit, als Schöpfung der absoluten Liebe, als Erwidernder dieser Liebe entdeckt … das sich in seinem „Tun“ solidarisch macht.

 

Es ist zulässig zu denken… fühlend zu denken(!), dass wir nicht aus einem einfachen Zufall heraus an diesen Ort des Universums gekommen sind. Obwohl es wissenschaftlich so gerechtfertigt wird. Aber wenn man nur ein bisschen fühlt und sich jeder einzelne sieht…, in welcher Verflechtung er sich befindet, kann er fühlen, dass seine Anwesenheit nicht zufällig ist, dass unsere Anwesenheit nicht  [1]‚azarosa’ –von blinder Zufall und eine blinde Notwendigkeit- ist, sondern ein Ereignis der Präzision, des Mysteriums, des Staunens.

 

Dass wir in dem Maße, wie wir zu Mysterium und Staunen werden, wir uns im Leben befinden –ohne richtig zu wissen, was das für ein Terminus ist, aber um kommunizieren zu können…. Uns im Leben mit der dringenden Notwendigkeit eines zuvorkommenden Tuns, eines zufriedenen Daseins zu fühlen. Damit wir unsere Sinne in unser Fühlen legen und einen Weg dahin aufstellen, wo das Wesen fühlt, was seine Natur fordert.

Dieses sogenannte „Sein und Dasein”: Ein „Sein” aus Notwendigkeit des Schöpfer Mysteriums und ein „Dasein” als Bewusstsein von… gesandt, von „dahingestellt“.

Und um so danach zu trachten, mich nicht gefangen zu fühlen…! Zuzulassen, dass der Verstand und das Wissen an meiner Seite „weiden“, aber ohne Rechenschaft ablegen zu müssen, ohne Beiträge… die definieren!

Ein „Sein”, weil es aus dem Schöpfer Mysterium hervorgeht. Ein „Dasein”, weil es sein Äquivalent ist, weil es ein Beispiel des verliebten Mysteriums ist. Und nicht in den verwirrten Verstand von Erklärungen verfallen…

 

(2 Minuten der Stille)

 

Benachrichtigt…, dass wir befreite Wesenheiten sind: ja, das Schöpfer Mysterium befreit uns als Ausdruck von SICH selbst, und ES versetzt uns in eine unbekannte Position.

Und deswegen, konsequent mit diesem Ursprung, ist unsere Natur befreiend! Sie ist keine Sklavin irgendeiner Erklärung.

Ich bin ein befreiendes Produkt und in Folge dessen befreit. Aber was man mir gesagt hat und was man mir erklärt hat ist, dass ich ein Sklave, ein Gefangener, eine Person nach Normen des am meisten Befähigten bin, eine gehorsame Geisel der Kontrollen: Derjenigen, die sich selbst ernannt haben.

Ach! Und wie unterschiedlich ist es, sich von befreiter Natur und von befreiender Präsenz zu fühlen(!), als sich von konditionierter Beschaffenheit zu fühlen: Vater, Mutter, Kind, Familie, Ort, Staat, Gesundheit, et cetera!

Und danach… ein langer Weg eines überzeugten Erwachsenen, der versucht das Geordnete, das Befohlene bis zum Überdruss zu wiederholen und zu wiederholen! Und wenn es einen kleinen Funken verliebten Lichts gibt, dann wird…, dann verwelkt der schnell. Es ist kein Ort, es ist keine Ordnung, es ist keine Logik.

 

Und wenn wir uns –weil der Ruf uns das in betenden Worten zeigt-, wenn wir uns Produkt einer Befreiung fühlen und wir infolgedessen befreiend sind, und all das in dem Bewusstsein einer verliebten, lebendigen Schöpfung, wenn wir das machen… lebendig, weil das latent da ist, aber es ist verschlossen, es ist gefangen(!)… wegen des „Zweckmäßigen“.

Wenn wir uns zum Echo unserer Befreiung machen und uns Befreier fühlen, ohne dass das einen Protagonismus, eine persönliche Wichtigkeit mit sich bringt… nein! Ein Nachsichtiger(!)... des verliebten Lebens und engagiert in einem Sinn (span.: ‚sentido’) einem Fühlen (span.: ‚fühlen‘): den, den ich entdecke, während ich meine Befreiung ausübe.

Wenn die Ewige Mysteriöse Schöpfung sich „befreit” hat, indem sie mich geschöpft hat, kann ich aufgrund meiner eigenen Natur nicht weniger sein. Ich muss meine alltägliche Natur überdenken.

Es existiert kein, es existiert keinerlei Grund(!), keinerlei Wissen, das mich meines befreiten Sinns beraubt. Wenn das geschieht, dann deswegen, weil ich es akzeptiert habe, weil es mir angemessen erschien, weil ich meine Befreiungen mit Beherrschungen und mit Kontrollen „regulieren” will.

Deswegen sollte man nicht in diese Reliquie der Friedhöfe verfallen, die nur darauf warten, dem Leben sterbend einen Sinn zu geben.

Geht etwa irgendetwas aus dem Schöpfer Mysterium hervor, erzeugt sich irgendetwas, um in einem zerstörenden Friedhof zu kulminieren?

Aber klar, wenn wir unserer Vorherrschaft, unserer Wichtigkeit, unserem Wissen  Beachtung schenken…, dann bleibt nur übrig, einen Platz auf dem Weg der ewigen Abenddämmerung zu suchen.

Aber das bin ich nicht! Das ist ein Produkt dessen, dass die Beschaffenheit meiner unglaublichen befreienden Größe das Bewusstsein des Mysteriums meines Ursprungs besetzt hat und sich mächtig gefühlt hat. Von ihm aus der Befehl, die Anordnung…

 

Sich in dem Befreienden einzufinden bedeutet, sich zum Echo der Sterne zu machen. Es bedeutet… zu schwimmen… es ist schwimmen… weil uns die Wellen tragen.

Jedwede Verhinderung ist eine Falle, ist ein Anschein.

 

(2 Minuten der Stille)

 

Fühlen… fühlen ohne Körper, die gefangen nehmen.

Fühlen… die Poesie… die befreit.

Die Sinne fühlen, die… unsere Gefühle vermummen.

Es ist dort, wo uns das Betende von heute ruft.

 

 

***

 


[1] „Al azar”, „Aus Zufall“